opencaselaw.ch

71_III_144

BGE 71 III 144

Bundesgericht (BGE) · 1945-09-20 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

144

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 36.

36. Entseheidvom 20. September 1945 i. S. Hilrlimadd.

Be4andlung der RechtBöffnungskosten bei Fortsetzung der Betrei-

bung auf Grund eines Vergleichs im Aberkennungsprozess.

Art. 68 Abs. 1 SchKG.

FraUl de la mainlevBe lorsque 180 poursuite est continuee sur la.

base d'une transaction conclue, dans le proces en liberation

de dette; art. 68 al. 1 LP.

Spes6 cli rigetto deU'opposizione, quando l'esecuzione e continuata

in base ad una transazione conclusa. nel corso deI processo di

disconoscimento di debito; art. 68 cp. 1 LEF.

A. -

In der Betreibung Nr. 1292 des Betreibungsamtes

Zürich 8, die Johann Wlasohek für eine Forderung von

Fr. 110.- gegen die Rekurrentin angehoben hatte, erteilte

der Audienzriohter des Bezirksgeriohts Zürich dem Gläu-

biger a.m 23. März 1944 provisorische Reohtsöffnung für

den Betrag von Fr. 100.-. Im Anschluss daran klagte die

Rekurrentin auf Aberkennung der « Forderung von

Fr. 100.- nebst Betreibungs- und Reohtsöffnungskosten».

In diesem Prozesse sohlossen die Parteien am 27. April

1944 folgenden Vergleioh :

« 1. Die Klägerin anerkennt die in Betreibung gesetzte

Forderung des Beklagten von Fr. 100.-.

2. Der Beklagte räumt der Klägerin eine Zahlungsfrist

bis 31. August 1944 ein.

3. Die Abschreibungskosten übernimmt die Klägerin.

4. Auf Prozessentschädigung wird gegenseitig verzich-

tet. »

B. -

Auf das am 16. Oktober 1944 gestellte Fortsetzungs-

begehren hin vollzog das Betreibungsamt am 18. Oktob~r

1944 die Pfändung, und zwar erfolgte diese sogleioh als

definitive. Die Pfändungsurkunde enthält in der Rubrik

« Betrag der Forderung» unter « Forderung allein» die

Zahl « 100.-» und unter « Zins und Kosten etwa» den

Vermerk « o. Z.» (ohne Zins).

O. -

Nachdem die Rekurrentin die Forderungssumme

von Fr. 100.- und die Kosten des Zahlungsbefehls und

der Pfändung bezahlt hatte, stellte der Gläubiger für die

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 36.

145

Reohtsöffnungskosten das Verwertungsbegehren. Das Be-

treibungsamt gab der Reku,rrentin hievon Kenntnis u,nd

teilte ihr mit Schreiben vom 15. Mai 1945 mit, es werde

die Steigerung anordnen, wenn sie die au,sstehenden Kosten

nicht bis zu,m 26. Mai 1945 zahle. Gegen diese Fristsetzung

beschwerte sich die Rekurrentin mit der Begründung, sie

sei nach dem erwähnten Vergleiche nicht zur Zahlung der

Rechtsöffnungskosten verpfliohtet. Den die Besohwerde

abweisenden Entscheid der kantonalen Aufsichtsbehörde

vom 31. Au,gust 1945 hat die Rekurrentin an das Bundes-

gericht weitergezogen.

Die Schuldbetreib'Ungs- 'Und Konk'Urskammer

zieht in Erwäg'Ung :

Verlangt der Gläu,biger auf Grund eines im Aberken-

nungsprozess geschlossenen Vergleiches die Fortsetzung

der Betreibung, so mu,ss sich das Betreibungsamt eine Mei-

nung darüber bilden, inwieweit die im Vergleich getroffene

Regelung au,f die Abweisung und inwieweit sie auf die

Gutheissung der Aberkennungsklage hinausläuft. Im vor-

liegenden Falle hat das Betreibungsamt mit Recht ange..,

nommen, der Vergleich komme in seiner Wirkung der Ab-

weisung der Aberkennungsklage gleich.

Kann die Betreibung infolge eines solchen Vergleichs

fortgesetzt werden, so sind die Rechtsöffnungskosten ohne

weiteres zur Betreibungssumme hinzuzuschlagen; denn sie

gehören, wie die Vorinstanz mit Recht erklärt, zu den

Betreibungskosten, die gemäss Art. 68 SchKG der Schu,ld-

ner zu trageil hat (BGE 87 I 599 = Sep. Ausgabe Bd. 14

S. 377). Dies mil,ss grundSätzlich selbst dann gelten, wenn

die Betreibu,ng nach dem Vergleich nur für einen Teil der

Rechtsöffnungssu,mme fortgesetzt werden kann. Will der

Schuldner die Rechtsöffnungskosten nicht oder nioht ganz

auf sich nähmen, so mu,ss er darauf dringen, dass eine

entsprechende Bestimmung in den Vergleich au,fgenommen

werde. Das Betreibungsamt kann dann einer solchen

Regelung von sioh aus Rechnung tragen, wenn sie völlig

10

AB 71 III -

1945

146

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 36.

klar aus dem Vergleiche hervorgeht. Von diesem Falle

abgesehen hat der Schuldner, der behaupten will, er habe

die, vom Gläubiger geltend gemachten und nachgewiesenen

Rechtsöffnungskosten gemäss Vergleich nicht oder nur

teilweise zu bezahlen, gemäss Art. 85 SchKG den Richter

a.nzurufen, dem in Zweifelsfällen der Entscheid darüber

vorbehalten ist, ob dem Vergleich die behauptete B~eu­

tung zukomme. -

Da der vorliegende Vergleich (im Gegen-

satz zum Klagebegehren im Aberkennungsprozess) die

Rechtsöffnungskosten überhaupt nicht erwähnt, hat sie

das Betreibungsamt nach dem Gesagten mit Recht 'als

zur Betreibungsforderung gehörig behandelt und dem

dafür gestellten Verwertungsbegehren Folge gegeben.

Die Pfändungsurkunde führt die Rechtsöffnungskosten

freilich nicht auf, obwohl sie' eine Rll,brik für Zins und

Kosten enthält. Sie ist hinsichtlich der Akzessorien zur

Bet~i~ungsforderung auch sonst nicht genau abgefasst,

da SIe m der erwähnten Rll,brik auch die Kosten des Zah-

lungsbefehls und der Pfändung (die Betreibungskosten im

engem Sinne) nicht aufführt. Die Haftung der gepfän-

deten Gegenstände für die gesetzlichen Akzessorien der

Betreibungsforderu,ng muss dem' Gläubiger aber gleichwohl

gesichert sein. Ihn seines Rechts auf Deckung der Betrei-

bungskos~en im Sinne von Art. 68 SchKG verlustig gehen

zu lassen~ wenn er sich gegen die ungenaue Fassung der

Pfändungsurkunde in diesem Punkte nicht beschwert

geht nicht an.

'

Demnach erkennt die 8chuldbetr.- u. Konk'Ur8kammer:

Der Rekurs wird abgewiesen.

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht_ N° 37.

147

37. Ardt du 22 septembre 1945 dans la cause Henchoz.

Une . s~isie q~ porte. une atteinte fla.grante et considerable au

mmnnum VItal et rISque de pIacer le debiteur dans une situation

absolument intolera.ble d,oit etre annulee mame si le debiteur

a neglige' de porter pla.inte en temps utiIe.

Eine Pfändung. die augenscheinlich und beträchtlich in das zum

Leben Notwendige eingreift und den Schuldner in eine unhalt-

bare Lage zu bringen droht, ist ungeachtet des Abla.ufes der

Beschwerdefrist aufzuheben.

Un pignoramento. ehe lede in modo evidente e considerevole

il minimo vitale e minaccia. di mettere iI debitore in uns.

situazione assolutamente intollerabile. dev'essere annulla.to

anehe se il debitore ha omesso di recla.mare entro il termine.

A. -

Le 11 mai 1945, a la suite de requisitions pre-

sentees par la succession von Grünigen et par Georges

Landty, une saisie a ete operee par l'office des poursuites

de Lavaux au prejudice d'Henri Henchoz, lequel tra-

vaillait alors an qualite de tacheron-vigneron au service

de M. Guignet, a Cully. La saisie aporte sur une chevre,

un cabri, trois poules et sept poussins. L'offica a ordonne

an meme temps une retenua de 10 fr. par mois sur le

salaire du debitaur.

Le pro ces-verbal da saisia a ete communique aux inte-

resses le 18 mai 1945.

Par lettre du 21 juin 1945, Henchoz a proteste contre

la saisie de ses animaux dont, disait-il, il tirait une part

da sa subsistance.

Par decision du 14 juillet 1945, l'autorite inferieure de

surveillance a annule la saisia en tant qu'elle portait sur

les animaux. Cette decision est motivee de la maniere

suivante : Hanchoz est marie, il n'a pas d'enfants. Avec

l'aide da sa femme, il gagne 120 fr. par mois.1l n'est ni loge

ni nourri. Son gain net mensuel pour son entretien et celui

de sa famille est donc da 90 fr. par mois. Il n'a aucune

autre ressource. Dans ces conditions, l'office aurait dft

delivrer aux creanciers un acte de dMaut da biens, car il

est clair que la debiteur ne peutvivre normalement avec