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71_III_133

BGE 71 III 133

Bundesgericht (BGE) ·III · 1945-08-27 · Italiano CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

34. Entscheid vom 27. August 1945 i. S. Eigenmann.

GeUendimachung 8treitiger Rechtsansprüche der Konkursmas8e.

Bei Beschlussunfähigkeit der 2. Gläubigerversammlung ist ein

. Gläubigerbeschluss über Geltendmachung oder Ve~icht trotz.-

dem erforderlich (sei es a.uch a.uf dem Zirku1a.rweg), bevor

einzelne Gläubiger die Abtretung verlangen können. Verfügt

die Konkursverwa.ltung selbstherrlich den Verzicht der Ma.sse,

so kann jeder Gläubiger sich darüber binnen zehn Tagen be-

schweren. Art. 17, 252-255, 260 SchKG, 47 ff. KV.

E:r;ercice des droits litigieu:r; de La 'fI'UU18e. Pour qu'un crea.ncier puisse

dema.nder la. cession d'un droit de la ma.sse, il faut que las

crea.nciers a.ient prea.la.blement d6cide (ne serait-ee que p~

reponse a. une lettre eircula.ire) s'ils le feront ou non va.lOIr

eux-memes, et cela. mem.e dans le ea.s oula. deuxieme a.ssemblee

a.ura.it eM inca.pa.ble de prendre une d6cisio~. Si l'a.dministration

de la. faillite d6cide de son propre chef que la. ma.sse renonce a

faire va.lOIT un droit, tout erOOneier peut porter pla.inte contre

eette d6cision da.ns le dela.i· de dix jours. Art. 17, 252 a. 255,

260 LP, 47 et suiv. Ord. fail.

E8ercizio dei diritti litigioBi della 'fI'U1,88a. Affinehe un creditore

possa doma.ndare la. eessione d'un diritto delIa. ma.ssa., oecorre

ehe i ereditori a.bbia.no previa.mente deciso (fosse a.nche solta.nto

mediante risposta 3d una lettera eircalare) se 10 faranno valere

o no essi medesimi, e eib a.nehe nel easo in cui la seconda.

assemblea. fosse stata inca.pace di prendere uns. decisione.

Se l'amministrazione deI fa.llimento decide per proprio canto

134

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 34.

che la. massa. rinuncw. a. far va.lere un diritto, ogni creditore

pub interporre reclamo contro quasta. decisione entro il termine

di dieci giorni. Art. 17,252-255,260 LEF, 47 e seg. Reg. Fall.

'A. -

Über die Mode- & Sportkonfektions A.-G. Bütsch-

wil wird der Konkurs im ordentlichen Verfahren durch-

geführt. Am 18. Oktober 1944 fand die zweite Gläubiger-

versammlung statt. Die gemäss dem obligatorischen For-

mular Nr. 5 angekündigten Traktanden konnten nicht

alle erledigt werden. An den Bericht von Konkursverwal-

tung und Gläubigerau,sschuss (Traktandum 2) schloss sich

eine Aussprache an. Dabei kritisierte der Vertreter des

Schweizerischen Kreditorenverbandes die Tätigkeit des

einzigen Verwaltungsrates Eigenmann. Dessen Anwalt

verteidigte diesen und wies auf die Stellungnahme des

Gläubigerausschusses hin. Der Vorsitzende des Gläu,biger-

ausschusses bestätigte dessen' Auffassung, die Konkurs-

masse solle ({ der Kosten und der Aussichtslosigkeit wegen»

nicht gegen Eigenmann vorgehen, sondern « dies auf dem

Wege der Abtretung von Rechtsansprüchen an die Gläu-

biger überlassen». Der Vertreter eines Gläubigers ver-

langte Einschreiten gegen den Eigentümer der Fabrik-

liegenschaft, Prüfung der Verantwortlichkeit der Kontroll-

steIle, Einsicht in das Protokoll des Gläubigerausschusses

betreffend dessen Stellungnahme zur Tätigkeit der Ver-

waltung und zugleich bereits Abtretung der ({ Regress-

rechte » gegen- Eigenmann und die KontrollsteIle. Ein

anderer Gläubiger nahm dagegen Eigenmann in Schutz.

Hierauf wurde die Aussprache abgebrochen. Wegen der

bevorstehenden Abreise von Versammlungsteilnehmern

ging man « allem andern vorgängig » zum Traktandum 6

über «< Erteilung von Prozessvollmacht »). Der bezügliche

Beschluss betraf die Auseinandersetzung mit der Konkurs-

masse des Eigentümers der Fabrikliegenschaft und drei

Kollokationsprozesse. Alsdann stellte das Bureau fest,

dass « sich die Reihen der Gläubiger wegen Fälligkeit des

Zuges Richtung Zürich gelichtet hatten », und schloss die

Versammlung wegen eingetretener Beschlussunfähigkeit.

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 34.

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Die andern Traktanden, insbesondere Nr. 8 (Beschluss-

fassung über Verzicht auf Geltendmachung bezw. Stellung

von Begehren um Abtretung streitiger Rechtsansprüche

gemäss Art. 260 SchKG), waren nicht behandelt worden.

B. -

Einige Tage' später verlangte. der Kreditorenver-

band die Abtretung der Verantwortlichkeitsansprüche ge-

gen Verwaltungsrat und Kontrollstelle. Diesem und dem

bereits an der Versammlung gestellten Abtretungsbegehren

entsprach die Konkursverwaltung erst am 14. April 1945

auf Beschwerde bei der AuJsichtsbehörde. Deren Ab-

schreibungsbeschluss ist zu entnehmen : « Da den Akten

nicht entnommen werden kann, ob den Gläubigern an-

lässlich der zweiten GläubigerversammIung oder auf andere

Weise ausdrücklich Gelegenheit gegeben wu,rde, Anträge

zu stellen, welche auf eine Beschlussfassung über die Gel-

tendmachung der in Frage stehenden Rechtsansprüche

abzielten, sei zuhanden der Konkursverwaltung verwiesen

auf BGE 54 III Nr. 66 bes. S. 285/6. Sollte das Vorgehen

anlässlieh der zweiten GläubigerversammIung den in die-

sem Entscheid verlangten Erfordernissen nicht entspro-

chen haben, so wäre das auf geeignetem Wege, eventuell

durch Zirkularschreiben nachzuholen. » Hiedurch veran-

lasst, widerrief die Konkursverwaltung mit einem Zir-

kular vom 23. Mai 1945 an die Zessionare die bereits vor-

genommenen Abtretungen, und tags darauf richt.ete sie

ein weiteres Zirkular an sämtliche Gläubiger. Darin wies

sie eingangs auf die an der zweiten GläubigerversammIung

bekannt gegebene Stellungnahme von Konkursverwaltung

und Gläubigerausschuss hin und fuhr fort: « Der Aus-

sichtslosigkeit und der Kosten wegen unterbleibt also

eine solche Klage. Es wird dies der Gesamtheit der Gläu-

biger auf diesem Wege zur Kenntnis gebracht mit dem

Beifügen, dass diejenigen Gläubiger, welche im Sinne von

Art. 260 SchKG Abtretung dieser Rechtsansprüche ver-

langen, dies innert 10 Tagen ab heute .... tun müssen ... li

O. -

Hierauf führte Eigenmann, der einzige Verwal-

tungsrat der Schuldnerin, am 31. Mai 1945 Beschwerde.

136

Sohuldbetreibungs· und Konkursreoht. N° 34.

Er beantragte, die Zirkulare seien aufzuheben und in

ihrer Wirkung zu widerrufen. Eventuell sei lediglich der

Verzicht der Gläubigergesamtheit auf Verfolgung der

bereits an ... abgetretenen Rechte zu konstatieren, und

es sei keinen weitern Gläubigern das Recht zur Abtretung

zu. gewähren.

Von der kantonalen Aufsichtsbehörde am 28. Juni 1945

abgewiesen, erneuert er diese Anträge mit dem vorliegen-

den Rekurs.

Die Scllluldbetreib'Ungs- 'Und Konhurskammer

zieht in Erwäg'Ung :

1. -

Als Schuldner der Konku.rsmasse steht dem Re-

kuITenten nicht zu, sich in die Art der Verwertung der

gegen ihn erhobenen Ansprüche einzumischen. Es ist

eine innere Angelegenheit des Konkursverfahrens, ob die

Konkursmasse diese streitigen Ansprüche selber geltend

macht oder einzelnen Gläubigern zur Geltendmachung

nach Art. 260 SchKG abtritt oder endlich nach Art. 79 KV

versteigert. Ebenso muss es der Drittschuldner hinnehmen,

wenn sich der Kreis der Zessionare nachträglich erweitert,

sofern diese weitern Abtretungen ebenfalls von der Kon-

kursverwaltung ausgestellt sind. Aus BGE 53 III 73 folgt

nichts Abweichendes. Dort wurde die Frage aufgeworfen,

ob der Drittschuldner etwa desha:lb Beschwerde führen

könnte, weil eine von der Konkursverwaltung aus-

gestellte Abtretung nicht auf einem Verzichtsbeschluss der

Masse beruhe oder nicht alle Gläubiger (ausser ihm selbst,

falls er auch Gläubiger ist) in gleicher Weise Gelegenheit

erhielten, Abtretung zu verlangen; denn in diesen Fällen

könnte er Gefahr laufen, doppelt belangt zu werden. Es

mag hier dahingestellt bleiben, ob diese Gefahr durch

die nach aussen massgebende Verfügu.ng der Konkursver-

waltung gebannt wäre. Jedenfalls steht dem Drittschuldner

kein Recht zur Beschwerde mit dem gegenteiligen Ziel

einer Beschränkung der Abtretung auf einzelne Gläubiger

Schuldbetreibungs. und Konkursrooht. N0 34.

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zu. Sollten die Voraussetzungen zu nachträglichen weiteren

Abtretungen nicht vorliegen, so mögen sich die davon

betroffenen bisherigen Zessionare beschweren. Allenfalls

möchte ein dahingehendes Beschwerderecht jedem Kon-

kursgläubiger gewährt werden, und es frägt sich, ob der

Rekurrent etwa auch als Konkursgläubiger auftreten

könnte, sei es, weil er für die im Kollokationsplan abge-

wiesene Forderung KollokationskIage erhoben hat, sei es

Drit Rücksicht auf eine andere, im Kollokationsplan bereits

anerkannte Forderung. Eine solche ergibt sich zwar nicht

aus den Beschwerdeakten, liesse sich aber nicht wohl ohne

Einsicht in den (nicht vorliegenden) Kollokationsplan

verneinen, da ja dem Rekurrenten in der zweiten Gläu-

bigerversammlung volle Diskussionsfreiheit gewährt wurde,

wie sie nur einem anerkannten Gläubiger zusteht (Art. 252

SchKG). Wie dem aber auch sei, erweist sich die Beschwerde

als unbegründet.

2. -

Die Rechtsansprüche der Konkursmasse sind

grundsätzlich für die Masse selbst, also zugunsten der

sämtlichen Gläubiger nach Massgabe ihrer Kollokation

zu. verwerten. Eine Abtretung an einzelne Gläubiger

gemäss Art. 260 SchKG ist nur zulässig, wenn die Masse

auf Geltendmachung für sich selbst verzichtet hat. Über

Geltendmachung oder Verzicht hat die zweite Gläubiger-

versammlung zu beschliessen (Art. 253SchKG). Wird

eine solche, wie gewöhnlich im summaris(fhen Venahren,

nicht einberufen (Art. 96 KV), oder ist es angezeigt, einen

streitigen Anspruch· schoIJ. vor der Versammlung zu erle-

digen (Art. 48 Abs. 2 KV), so ist der Beschluss darüber au;f

dem ZirktUarweg herbeizuführen. Hiebei kann für den Faß,

dass die Mehrheit dem Verzichtsantrage der Konkursver-

waltung zustimmt, zugleich eine Frist zur Stellung von

Abtretungsbegehren nach Art. 260 SchKG angesetzt

werden. Auch die in der dritten FUssnote des Einladungs-

schreibens zur zweiten Gläubigerversammlung (Formular

Nr. 5) enthaltene Fristansetzung zur Anbringung solcher

Begehren binnen zehn Tagen seit der Gläu.bigerversamm-

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Schuldbetreibungs. und Konkursreoht. N0 34.

lung versteht sich nur;für den Fall, dass die Versammlu,ng

den Verzicht der Masse beschliesst.

Im vorliegenden Falle fand eine zweite Gläubigerver-

sa:ri:tmlung statt; sie war aber wegen vorzeitiger Abreise

von Teilnehmern nicht mehr beschlussfähig, schon bevor

das Traktandum 8 an die Reihe kam. Der Konkursver-

waltung wäre freigestanden, eine weitere Gläu,bigerver-

sammlung zur Fortsetzung einzuberufen. Sie konnte aber

auch, da dies nicht gemäss Art. 255 SchKG verlangt

wurde, davon absehen und den Konkurs in Verbindung

mit dem Gläu,bigerausschuss weiterführen. Entschliessun-

gen, die von der Gesamtheit der Gläubiger zu treffen sind,

waren auf dem Zirkularwege zu -bewirken. Dazu gehört

nach dem Gesagten eben auch die Beschlu,ssfassung über

Geltendmachung oder Verzicht auf die streitigen Ansprüche

gegen den Rekurrenten und die KontrollsteIle.

In den vom Rekurrenten beanstandeten Zirkularen hat

also die Konkursverwaltu,ng die Gesamtheit der Gläu-

biger nicht überflüssigerweise mit der Frage nach der

Geltendmachung dieser noch streitigen Ansprüche befasst.

Sie hat es gegenteils nicht einmal in genügend vollstän-

diger Weise getan, indem sie den Gläubigern lediglich die

Abtretung der Ansprüche anbot, als ob es auch ohne

Gläubigerbeschluss bereits ausgemachte Sache sei, dass die

Masse selbst nicht gegen den Rekurrenten und die Kontroll-

steIle vorzugehen habe. Es mag sein, dass derartige An-

sprüche kaum ernstlich bestehen, oder dass die Masse nicht

genügend Mittel zur Prozessführung hat. Trotzdem bleibt.

die Zuständigkeit der Gläubigergesamtheit, über die An-

sprüche mit Mehrheit zu beschliessen, bestehen (was im

Anschluss an BGE 54 III 285 auch in BGE 58 III 97 aus-

geführt ist und ausserdem für das summarische Verfahren

bereits aus BGE 53 III 124 Erw. 2 hervorgeht). Fehlt es

lediglich an den Mitteln, so kann die Prozessführung der

Masse von der Bevorschussung der Kosten durch die

Gläubiger abhängig gemacht werden, was bereits in BGE

24 I 496 (= Sep. Ausg. 1 S. 228) entschieden und neulich

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 34.

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als Grund zur Verweigerung des Armenrechtes an eine

Konkursmasse angeführt wurde (BGE 61III 172 Erw. 2).

Freilich hat das Bundesgericht am 25. Februar 1904 aus-

gesprochen, beim Nichtzustandekommen der zweiten Gläu-

bigerversammlung könne die Konkursverwaltung aus

eigener Machtvollkommenheit den Verzicht für die Masse

aussprechen und den betreffenden Anspruch ohne weiteres

den Gläubigern zu,r Abtretung anbieten (Archiv für

Schuldbetreibung und Konkurs 8 S. 208). Diese Entschei-

dung ist jedoch durch die Konkursverordnung und die

darauf gestützte, sogar das summarische Verfahren be-

treffende Rechtsprechung überholt. Haben selbst dann,

wenn keine zweite Gläubigerversammlung einberufen wird,

die Gläubiger über Geltendmachung oder Verzicht zu

beschliessen, so kann es nicht anders sein, wenn die Gläu-

bigerversammlung sich als beschlussunfähig erwiesen hat.

Indessen besteht keine Veranlassung, die Konkursver-

w~ltu,ng von Amte.s wegen zum Nachholen eines Gläu,biger-

beschlusses anzuhalten, nachdem niemand sich über die

Zirkulare vom 23. und 24. Mai 1945 in solchem Sinne

beschwert hat. Das zweite Zirkular enthält eine bestimmte

und eindeutige Verfügung der Konkursverwaltung, wo-

nach die Masse auf Geltendmachung dieser Ansprüche ver-

zichtet und nur die binnen bestimmter Frist zu verlan-

gende Abtretung an einzelne Gläubiger vorbehalte~ bleibt.

Während an der zweiten Gläubigerversammlung noch keine

solche Verfügung getroffen wurde, die übrigens den abwe-

senden Gläubigern gleichfalls hätte eröffnet werden müssen,

lag nun eine durch Beschwerde nach Art. 17 SchKG

anfechtbare Verfügung vor. Es ist kein Grund vorhanden,

diese geradezu für nichtig zu halten und sie der nachträg-

lichen Aufhebung von Amtes wegen auszusetzen, was in

den meisten Fällen zur Bestätigung des Verzichts und

mitunter zu einer kaum erträglichen Verschleppung des

Konkursverfahrens führen würde. Vielmehr muss es dabei.

sein Bewenden haben, wenn die den Verzicht der Masse

eindeutig aussprechende Verfügung der Konkursverwal-

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Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N0 36.

tu,ng sämtlichen Glätlbigern eröffnet und von keinem

Gläubiger nach den gewöhnlichen Vorschriften über die

Bes.chwerdeführung, also binnen der Frist des Art. 17

SchKG, mit dem Begehren um Veranstaltung eines Gläu-

bigerbeschlusses angefochten worden ist.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkur8kammer "

Der Rekurs wird abgewiesen.