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Rechtliche Schutzmaasnahmen für die Hoteliudustne. N0 46.
falls auf Ablauf der 8tundungsmassnahmen hin, geöffnet
werden könnte, oder· es müssen doch die nötigen Mittel
vorhanden oder zugesichert sein, ja irgendwie zur Verfü-
gung der durch die Stundung in Mitleidenschaft gezogenen
Gläubiger oder eines Treuhänders gestellt werden, so dass
spätestens auf den Ablauf der Stundung hin das Hotel zur
Wiederaufnahme des Betriebes bereit gestellt werden kann.
Hiefür müsste sogar eine blosse Verpachtung genügen,
wenn einem hinreichend zuverlässigen Pächter der volle
Unterhalt auferlegt werden könnte, oder wenn der Pacht-
zins in erster Linie hiefür angelegt würde. Allein in dieser
Beziehung vermag die Rekurrentin auch nicht den gering-
sten Anforderungen zu entsprechen... (wird näher ausge-
führt).
Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkur8kammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.
46. Auszug aus dem Entscheid vom 9. Oktober 1942
1. S. Hold und Genossen.
Hote1schutzverordnung vom 19. Dezember 1941 :
Die Voraussetzungen gemiiss Art. 1 sind von der Nachlassbehörde
von ~tes. wegen zu prüfen, llD;abhängig von der Stellungnahme
der GläubIger und der SchweIzerischen Hoteltreuhand-Gesel1-
schaft.
Würdigkeit ~es Hoteleigentümers (Art. 1, b) als besondere Voraus-
setzung.
-
Ordonnance instituant des mesures juridiques temporaires en
faveur de I'industrie höteliere et de la broderie du 19 decembre
1941 :
L'autorite da concordat doit d'office rechercher si les conditions
posees A l'art .. l er sont rea.lisees, quelle que soit I'attitude prise
par les creanciers et la Societe fiduciaire suisse pour l'hötellerie.
Le proprietaire de I'hötel doit notamment ren<lre 'vraisemblable
qu'il est digne d'une aide (art. l er leUre b).
Ordina.nza 19 dicembre 1941 ehe istituisce misure giuridiche
tel!lP?ran~ a favore del1'industria degli alberghi e di quella
del.ncaml:
L'autoritA dei coneordati deve esa.minare d'ufficio se sono soddi-
~atte le cond~ioni .previste dall'art. I, qualunque sia la posi-
ZlOne press. dal creditori e della SoeietA fiduciaria dell'industria
svizzera degli alberghi.
In particolare il prorrietario dell'albergo deve rendere verosimile
eh'egli EI degno d aiuto (art. 1 lett. b).
Rechtliche Schutzmassnahmen für die Hotelindustrie. No 46.
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A'U8 den ErwiJ,gungen :
Im Anschluss an bisherige Krisenerlasse billigt die
Verordnung vom 19. Dezember 1941 den Eigentümern
von Hotels besondere Schutzmassnahmen zu, wozu ange-
sichts der Notlage dieses Gewerbes nicht einmal eine zu-
stimmende Gläubigermehrheit gefordert wird. Um solcher
Hilfe, die sich als Ausnahmerecht darstellt, teilhaftig zu
werden, muss der Gesuchsteller bestimmte Voraussetzun-
gen erfüllen, nämlich :
« a) dass er ohne eigenes Verschulden infolge der Wirt-
schaftskrise seine Verpflichtungen nicht mehr oder nicht
mehr voll erfüllen kann;
b) dass er der HUfe würdig erscheint;
c) dass die beantragten Massnahmen geeignet sind, ihm
die Fortführung oder die Bereitstellung des Betriebes zu
ermöglichen. » (Art. 1 der Verordnung).
Diese Voraussetzungen sind vom Gesuchsteller glaubhaft
zu machen. Sie sind also nicht einfach zu vermuten.
Wenn Tatsachen, welche eine dieser Voraussetzungen in
Frage stellen, aus den Akten hervorgehen, hat die Nach-
lassbehörde dies von Amtes wegen zu beachten und nötigen-
falls Abklärung zu schaffen, so gut wie hinsichtlich der
Voraussetzungen der Genehmigung eines Nachlassvertra-
ges nach Art. 306 Ziffer 1 SchKG. Das gilt insbesondere
auch bei Beurteilung der Sanierungswürdigkeit. Der Ge-
danke wäre unerträglich, dass öffentliche Mittel einem
Hotelier zugute kommen sollten, der unwürdig ist. Diese
allgemeinen Interessen hat die Nachlassbehörde zu wahren,
gleichgültig ob die Gläubiger ebenfalls darauf Bedacht
nehmen oder nicht, und gleichgültig ob die SHTG an den
fu Betraoht kommenden Tatsachen Anstoss nimmt oder
nicht. Hiet liegen übrigens bestimmte Behauptungen von
Bürgen Vor, die sich den Gesuchsbegehren schon vor der
Nachlä13sbehörde ausdrücklich widersetzten, und deren
Afittagsrecht ausser Zweifel steht (vgl. Art. 35-39, 41,
42, 44, 45 der Verordnung).
Unwürdigkeit ist nun stets dann anzunehmen, wenn der
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Besondere Nachlaasverfahren (Banken). N0 47.
Hotelier die Ausgaben nicht auf das äusserste einschränkt,
bevor er seinen Gläubigern Opfer zumutet, sei es dass er
unnötige Neuinvestitionen oder zu gros se Bezüge für sich
selbst macht. Wer auf Kosten der Gläubiger gross lebt, ist
der Sanierung nicht würdig.
.. . . . . .. . .. . . .. . .. . . . ..
.. . .. . .. .
Ob die geschilderten Tatsachen kausal waren für die
Nachlassbedürftigkeit, ist unerheblich. Die Frage nach der
Würdigkeit (Art. 1 lit. b der Verordnung) ist unabhängig
von der Frage, ob der Gesuchsteller seine Notlage ver-
schuldet habe (Art. llit. a). Die Würdigkeit bestimmt sich
darnach, ob der Gesuchsteller nach seiner bisherigen Hand-
lungsweise den besondern Schutz verdient. Das ist abzu-
lehnen, wenn er Vermögen oder Erträgnisse des Geschäftes
ungeachtet bestehender Verbindlichkeiten für Unnötiges
ausgegeben, insbesondere wenn er zu hohe Privatbezüge
gemacht hat. Letzteres fällt übrigens teilweise ausserdem
unter Art. 18 b der Verordnung.
C. Besondere Nacblassverfahren (Banken).
ProeMures speciales de concordat (Banques).
WEISUNGEN DER SCHULDBETREIBUNGS-
UND KONKURSKAMMER
INSTRUCTIONS DONNEES PAR LA CHAMBRE
DES POURSUITES ET DES FAILLITES
47. Instructions donnecs par la Chambre des poursuitcs etdes
laHlites du Tribunal federal a la Commission de liquidation
de la Banque de Montreux, Ie 28 novembre 1942.
Art. 42 de l'oraonnance du Tribunal jediral concernant la proce-
dure de concordat pour les banques et les caisses d'epargne du
11 avril 1935.
'
1. Si les liquidateurs estiment pouvoir utiliser d'une maniere
plus profitable pour la masse las dividendes provisoires qui
Besondere Nachlassverfahren (Banken). N° 47.
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salon l'art. 42 al. 1 devraient ~tre normalement consignes, il
leur est loisible de le faire sous leur responsabiliM, mais ils
restent tenus de les payer aux ayants droit a premiererequi-
sition.
2. Le delai de prescription de dix ans prevu a l'art. 42 al. 2 com-
mence a courir pour chaque creancier du jour on nait son droit
a la perception' du dividende. En cas de distributions provi-
soires chacune d'elles fait courir un delai special. Tant que la
liquidation n'est pas terminee, c'est aux liquidateurs et non pas
a l'office des faillites a procMer a la repartition des dividendes
c prescrits Ja.
Verordnung des Bundesgerichts vom 11. April 1935 betreffend daIJ
Nachla88Verfahren von Banken und SparkaIJsen:
1. zu Art. 42 Abs. 1: Glauben die Liquidatoren, Beträge aus
Abschlagsverteilungen, die nach dieser Vorschrift zu hinter-
legen sind, nützlicher im Interesse der Liquidation veDVenden
zu können, so tun sie es auf eigene Verantwortung. Sie bleiben
zur Auszahlung an die Berechtigten auf erstes Begehren ver-
pflichtet.
2. zu Art. 42 Abs. 2 : Die hier vorgesehene Verjährung von 10 Jah-
ren beginnt für jeden Gläubiger vom Tage der Entstehung seines
Bezugsrechtes an zu laufen. Mit jeder Abschlagsverteilung
kommt eine besondere Frist in Gang. Die u verjährten» Betreff-
nisse können, solange die Liquidation dauert, durch die Liqui-
datoren statt durch das Konkursamt verteilt werden.
Regolamento 11 aprile 1935 del Tribunale federale concernente
la procedura del concordato per le banehe 6 113 caBS6 di risparm,io :
1. ad art. 42 cp. 1 : Se i liquidatori ritengono di poter impiegare
in modo pin utile aHa massa dividendi provvisori ehe secondo
quest'articolo debbono essere depositati, possono impiegarli
sotto loro responsabilita, restando tenuti a versarli immediata-
mente agli interessati su loro richiesta.
2. ad art. 41 cp. 2 : La prescrizione di dieci anni comincia a decor-
rere per ogni creditore dal giorno in cui nasce il suo diritto alIa
riscossione. In oaso di distribuzioni provvisorie, ciascuna di
esse da inizio ad un termine speciale di prescrizione: I dividendi
prescritti possono essere distribuiti, finche dura la liquidazione,
dai liquidatori invece ehe dall'ufficio dei fallimenti.
Par requete du 20 octobre 1942, la Commission de liqui-
dation de la Banque de Montreux a demande a. la Chambre
des poursuites et des faillites du Tribunal federal de deci-
der:
« a) que les dividendes non pervus et non encore pres-
crits et dus par la Banque de Montreux en liquidation
concordataire ne devront etre consignes a la Caisse can-
tonale des depots et consignations on aupres de la Banque
Nationale Suisse qu'apres la clöture de la liquidation,
» b) que les dividendes prescrits sont acquis a. la Banque
de Montreux en liquidation concordataire et seront repartis