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67_I_259

BGE 67 I 259

Bundesgericht (BGE) ·I · 1941-11-11 · Deutsch CH
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Erwägungen (4 Absätze)

E. 1 Art. 944 Abs. 2 OR ermächtigt den Bundesrat, Vorschriften darüber zu erlassen, in welchem Umfang nationale und territoriale Bezeichnungen bei der Bildung von Firmen verwendet werden dürfen. Auf Grund dieser Ermächtigung hat der Bundesrat in Art. 45 der Vo über das Handelsregister die Aufnahme. nationaler Bezeich- nungen in eine Firma grundsätzlich untersagt und nur ihre ausnahmsweise Bewilligung vorgesehen, wo sie duroh besondere Umstände gereohtfertigt sind.

E. 2 Der Besohwerdeführer glaubt nun, dass solohe besondere Umstände im Sinne von Art. 45 HRegV in seinem Falle deshalb gegeben seien, weil sein Institut im Gegensatz zu andern Sprachsohulen (wie z. B. Istituto italiano di cultura, Lausanne, Französisohe Schule, Zürioh) ausschliesslioh von Schweizern geleitet werde, schweize- risches Kulturgut vermittle und finanziell und ideologisch vom Ausland völlig unabhängig sei. Dies vermag jedoch die Gestattung der Bezeichnung « suisse » nicht zu rechtfertigen. Wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend bemerkt wird, könnte auf Grund der gleichen Überlegung jede andere von Schweizerbürgern Registersachen. N° 38. 261 in der Schweiz betriebene Privatschule für Deutschunter- richt ebenfalls Anspruch auf die vom Beschwerdeführer gewählte nationale Bezeichnung erheben. Solchen Konkur- renzunternehmen gegenüber müsste sich die gewünschte Bewilligung als eine Bevorzugung des Beschwerdeführers auswirken, indem sie diesem als zügiges Reklamemittel im Konkurrenzkampf dienen würde. Das in Art. 45 HRegV aufgestellte Verbot will aber um der nationalen Würde willen gerade verhüten, dass nationale Bezeichnungen und Begriffe den wirtschaftlichen Privatinteressen eines Einzelnen dienstbar gemacht werden (vgl. BGE 55 I 355).

E. 3 Der Beschwerdeführer glaubt, sich darauf berufen zu können, dass andern Firmen unter ähnlichen Ver- hältnissen die Führung der Bezeichnung « schweizerisch» gestattet sei. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass man früher eben mit der Gestattung der Verwendung nationaler Bezeichnungen viel weitherziger war. Die infolge dieser Praxis eingetretenen Missbräuche und die darauf zurück- zuführenden Unzukömmlichkeiten waren es aber gerade, die während des Krieges von 1914-18 und in der nach- folgenden Zeit zu einer Verschärfung der Anforderungen und schliesslich zum heute geltenden Rechtszustand führten.

E. 4 Da die Vorinstanz somit zu Recht das Vorliegen besonderer Umstände, die die Verwendung der Bezeich- nung « schweizerisch» im vorliegenden Falle zu recht- fertigen möchten, verneint hat, ist die Beschwerde abzu- weisen.

Dispositiv
  1. .- Die Beschwerde wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

38. Urteil der I. Zivilabteilung vom 11. November 1941

i. S. BOeng gegen Eidg. Amt für das Handelsregister.

Handelsregister, Firmenrecht. Unzulässigkeit einer nationalen Bezeichnung; Art. 944 Abs. 2 OR, Art. 45 HRegV.

Registre du commerce. Raison commerciale. Designation nationale

exclue; art. 944 al. 2 CO, art. 45 ORC.

Registro di commercio; ditta commerciale. lnamrnissibilita di una

designazione nazionale; art. 944 cp. 2 CO, art. 45 ORe.

260

Verwalt.ungs- und Disziplinarrechtspflege.

Ä.

Paul Rüegg betreibt in Lausanne eine Privatschule für deutsche Sprache. Er wollte sein Unternehmen

unter der Firma « Ecole Rüegg, Ecole suisse de langue

allemande » im Handelsregister eintragen lassen.

E. -

Nach Einholung einer Vernehmlassung der

zuständigen Vertretung von Handel und Industrie lehnte

das eidgenössisohe Amt für das Handelsregister mit Entscheid vom 6. Oktober 1941 jedooh die Eintragung der

nationalen Bezeichnung « suisse » ab.

O. -

Gegen diesen Entscheid reiohte Rüegg die vorliegende verwaltungsgeriohtliche Beschwerde ein mit dem

Antrag, das eidg. Amt für das Handelsregister sei anzuweisen, die von ihm gewünschte Bezeichnung « Eoole

suisse » im Handelsregister einzutragen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Art. 944 Abs. 2 OR ermächtigt den Bundesrat,

Vorschriften darüber zu erlassen, in welchem Umfang

nationale und territoriale Bezeichnungen bei der Bildung

von Firmen verwendet werden dürfen. Auf Grund dieser

Ermächtigung hat der Bundesrat in Art. 45 der Vo über

das Handelsregister die Aufnahme. nationaler Bezeichnungen in eine Firma grundsätzlich untersagt und nur

ihre ausnahmsweise Bewilligung vorgesehen, wo sie duroh

besondere Umstände gereohtfertigt sind.

2. -

Der Besohwerdeführer glaubt nun, dass solohe

besondere Umstände im Sinne von Art. 45 HRegV in

seinem Falle deshalb gegeben seien, weil sein Institut im

Gegensatz zu andern Sprachsohulen (wie z. B. Istituto

italiano di cultura, Lausanne, Französisohe Schule, Zürioh)

ausschliesslioh von Schweizern geleitet werde, schweizerisches Kulturgut vermittle und finanziell und ideologisch

vom Ausland völlig unabhängig sei.

Dies vermag jedoch die Gestattung der Bezeichnung

« suisse » nicht zu rechtfertigen. Wie in der angefochtenen

Verfügung zutreffend bemerkt wird, könnte auf Grund

der gleichen Überlegung jede andere von Schweizerbürgern

Registersachen. N° 38.

261

in der Schweiz betriebene Privatschule für Deutschunterricht ebenfalls Anspruch auf die vom Beschwerdeführer

gewählte nationale Bezeichnung erheben. Solchen Konkurrenzunternehmen gegenüber müsste sich die gewünschte

Bewilligung als eine Bevorzugung des Beschwerdeführers

auswirken, indem sie diesem als zügiges Reklamemittel im

Konkurrenzkampf dienen würde. Das in Art. 45 HRegV

aufgestellte Verbot will aber um der nationalen Würde

willen gerade verhüten, dass nationale Bezeichnungen

und Begriffe den wirtschaftlichen Privatinteressen eines

Einzelnen dienstbar gemacht werden (vgl. BGE 55 I 355).

3. -

Der Beschwerdeführer glaubt, sich darauf berufen

zu können, dass andern Firmen unter ähnlichen Verhältnissen die Führung der Bezeichnung « schweizerisch»

gestattet sei. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass man

früher eben mit der Gestattung der Verwendung nationaler

Bezeichnungen viel weitherziger war. Die infolge dieser

Praxis eingetretenen Missbräuche und die darauf zurückzuführenden Unzukömmlichkeiten waren es aber gerade,

die während des Krieges von 1914-18 und in der nachfolgenden Zeit zu einer Verschärfung der Anforderungen

und schliesslich zum heute geltenden Rechtszustand

führten.

4. -

Da die Vorinstanz somit zu Recht das Vorliegen

besonderer Umstände, die die Verwendung der Bezeichnung « schweizerisch» im vorliegenden Falle zu rechtfertigen möchten, verneint hat, ist die Beschwerde abzuweisen.

Demnach erkennt das Bundesgericht .-

Die Beschwerde wird abgewiesen.