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65_III_65

BGE 65 III 65

Bundesgericht (BGE) · 1939-01-01 · Deutsch CH
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64 Schuldbctreibungs- und Konkursrccht (ZiviIabtcilung",n). No 18. waltung gesetzten Frist abzusprechen, es wäre denn eben ein Widerruf der Abtretung ausgesprochen und in einem allfalligen Beschwerde- und Rekursverfahren vor den Aufsichtsbehörden bestätigt worden. Hier fehlt es nicht nur an einem (der Klaganhebung vorausgegangenen) Widerruf, sondern die Konkursverwaltung hat die Berichte des Klägers über den Stand seiner Vorkehren jeweilen ohne Einspruch entgegengenommen und damit die Abtretung eindeutig als nach wie vor in Kraft stehend gelten lassen. Das Obergericht stellt mit Unrecht darauf ab, dass das Konkursamt mit der Fristansetzung vom 11. Januar 1937 die Androhung verbunden hatte, beim Unterbleiben einer Klageführung binnen der gesetzten Frist werde Verzicht auf die abgetretenen Ansprüche angenommen. Damit wollte, wie das spätere Verhalten des Konkursamtes dartut, nur der Vorbehalt der Annullierung hervorgehoben werden, den das Konkursamt im vorgeschriebenen Abtre~ tungsformular unverändert stehen liess und stehen lassen musste, indem eine Abweichung von dieser Bedingung gar nicht zulässig war. Wird endlich der Begriff der gerichtlichen Geltend- machung dem bei gesetzlichen Klagefristen des Bundes- rechts anerkannten Begriff der Klageanhebung angepasst, wie es sich aufdrängt (vgl. den erwähnten Entscheid der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer), ,130 war die verlängerte Frist ohnehin durch Einleitung des Sühne- verfahrens am 10. (oder 11.) April 1937 gewahrt. Demnach erkennt das Bundesgericht: Die Berufung wird dahin gutgeheissen, dass das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern vom 24. Januar 1939 aufgehoben und die Sache zu neuer Beurteilung an das Obergericht zurückgewiesen wird. Schuldbetreibungs- und lonkursrechL. Poursuite et raiIIiLe. I. KREISSCHREffiEN DES GESAMTGERICHTS CIRCULAIRE DU TRffiUNAL FEDERAL

19. Kreissehreiben, CireuJaire, CireoIare N0 27 (4. X. 1939). 65 Rechtsstillstand während der Mobilisation der Armee (Art. 57 SchKG). Sursis aux poursuites pendant la. mobilisation de l'armee (art. 57 LP). Sospensione delle esecuzioni durante la mobilitazione dell'esercito (art. 57 LEF). Anlässlich der Mobilisation von 1914 hat das Bundes- gericht durch Kreisschreiben vom 21. Dezember 1914 und

8. März 1915 den Betreibungsämtern zur Pflicht gemacht, das Aufhören des Rechtsstillstandes des Schuldners gemäss Art. 57 SchKG, d. h. die Entlassung des Schuldners aus dem Militärdienst, von Amtes wegen festzustellen und sich zu diesem Zwecke mit den kantonalen Militärdirektionen ins Vernehmen zu setzen. Nicht nur haben damals die Erfahrungen gezeigt, dass die vorgesehene Zusammen- arbeit zwischen Betreibungsamt und Militärdirektion sehr oft versagte und übrigens mit Kosten für den Schuldner verbunden war, welche richtigerweise eine gesetzliche Rechtswohltat nicht zur Folge haben dürfte, sondern bei erneuter Prüfung hat sich auch ergeben, dass es der Rechtslage besser entspricht, wenn dem betreibenden Gläubiger aufgegeben wird, die Entlassung des betriebenen Schuldners aus dem Dienste zur Kenntnis des Betreibungs- amtes zu bringen. Demgemäss ersuchen wir Sie, die Ihnen AS 65 III - 1939

66 Sehuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 19_ unterstellten Betreibungsämter folgendermassen zu in- struieren: Von den eingehenden Begehren um Vornahme betrei- bungsrechtlicher Handlungen, denen zurzeit wegen Rechts- stillstandes des Schuldners gemäss Art. 57 SchKG nicht Folge gegeben werden kann, ist Vormerk zu nehmen; der Rechtsstillstand ist dem Gläubiger mitzuteilen mit dem Beifügen, dass es ihm obliege, dem Betreibungsamt seiner- zeit die Entlassung des Schuldners aus dem Dienste anzu- zeigen, um die Ausführung des Begehrens zu bewirken. Sind dem Betreibungsamt militärischer Grad und Eintei- lung des Schuldners bereits bekannt oder hat sie der Zu- stellungsbeamte bei dem Versuch der Zustellung in Er- fahrung bringen können, so wird es sie dem Gläubiger in dieser Mitteilung angeben. Erfährt das Betreibungsamt nachträglich auf andere Weise als durch Mitteilung des Gläubigers, dass der Schuldner aus dem Militärdienst ent- lassen ist, so soll es von sich aus das hängige Begehren vollziehen. Die' in den beiden letzten Sätzen enthaltenen Anwei- sungen . erfolgen der Ordnung halber, ohne dass der Gläu- biger hieraus Rechte ableiten kann. Lors de la mobilisation de 1914, le Tribunal fooeral a impose aux offices de poursuite l'obligation de s'enquerir d'office si la situation de fait gui motive la suspension des poursuites d'apres l'article 57 de la loi sur la poursuite et la faillite a pris 00, autrement dit si le debiteur est licencie du service militaire, et, a cet effet, de se mettre en rapport avec l'autorite cantonale comp6tente. Non seulement l'experience a montre que cette collaboration des offices et des autorites militaires n'a souvent pas donne les resul- tats voulus, tout en imposant de nouveaux frais au d6bi- teur - ce qui va a l'encontre du but du sursis -, mais apres un nouvel examen, nous sommes arrives a la conclu- sion qu'il est en realiM plus conforme a la situation juri- dique que ce soit au creancier poursuivant a aviser l'office Sehuldbetreibungs- und Konkursreeht. N° 19. 67 du licenciement de son debiteur. En consequence, nous vous prions de vouloir bien donner aux offices places sous votre contröle les instructions ci-apres : S'il ne peut etre momentanement donne suite a une requisition tendant a l'ex6cution d'un acte de poursuite en raison du sursis dont Mneficie le debiteur en vertu de l'article 57 de la loi sur la poursuite et la faillite, l'office se contentera d'en prendre note. Il informera le creancier que le debiteur est au Mnefice du sursis et l'informera en meme temps qu'il lui appartiendra, le moment venu, d'informer l'office du licenciement du d6biteur, aOO d'obtenir l'execution de Ba requisition. Si l'office est d6ja au courant du grade et de l'incorporation du d6biteur, de meme que si l'employe charge de la notification a appris ces. renseignements lors de la tentative de notification, l'office les communiquera au creancier en meme temps que le susdit aviso Si ulterieurement l'office apprend autrement que par une communication du creancier que le debiteur est liceneie, il donnera alors suite d'office a la requisition. L'inobservation des instructions contenues dans les deux dernieres phrases ei-dessus ne confere aucun droit au creaneier. Durante la mobilitazione dei 1914 il Tribunale federale, con circolari 21 dicembre 1914 e 8 marzo 1915, ha ordinato che gli uffici di esecuzione accertassero d'ufficio la deca- denza della sospensione prevista dall'art. 57 LEF, eioo la data dellicenziamento deI debitore dal servizio militare, e, a tale seopo, si mettessero in relazione con le competenti autorita militari. Non soltanto le esperienze fatte allora hanno mostrato ehe molto spesso la prevista eollaborazione tra l'ufficio di esecuzione e l' autorita militare non diede risultato soddisfaeente, pur eausando al debitore spese, che un beneficio accordato dalla legge non dovrebbe trar seco, ma un nuovo esame ha fatto apparire piu conforme alla situazione giuridica ehe incomba al cre<lltore di por-

68 Schuldbetreibungs_ und Konkursrecht. No 20. tare a conoscenza dell'ufficio di esecuzione illicenziamento deI debitore dal servizio militare. Vi invitiamo pertanto a dare agli uffici di esecuzione sottoposti alla vostra vigilanza Ie seguenti istruzioni : L'ufficio prendera nota deUe domande di atti esecutivi alle quali non puo dar corso momentaneamente a motiv~ della sospensione di cui gode il debitore in virtu dell'art. 57 LEF; comunichera tale sospensione al creditore, con l'avvertenza che incombe a Iui d'informare a tempo debito l'ufficio dellicenziamento deI debitore dal servizio militare se vuole che si proceda agli atti esecutivi richiesti. QualOI'~ il grado e l'incorporazione militare deI debitore siano gia noti all'ufficio, 0 il funzionario notificante ne abbia avuto conoscenza allorche ha tentato di procedere alla notifica tali dati saranno pure menzionati neUa suddetta comuni~ cazione al creditore. Se, ulteriormente e non per mezzo deI creditore, l'ufficio viene a sapere che il debitore e stato licenziato dal servizio militare, di sua iniziativa dara corso alla domanda pendente. Le istruzioni contenute neUe due ultime frasi sono dettate da motivi d'ordine; la Ioro inosservanza non conferisce al creditore nessun diritto. II. ENTSCHEIDUNGEN DER SCHULD- BETREIBUNGS- UND .KONKURSKAMMER ARR:mTS DE LA CHAMBRE DES POURSUITES ET DES FAILLITES

20. Entscheid vom 30. Mai 1939 i. S. Bäehler. Lohrvpjändung, Art. 93 SchKG. Die Frist zur Beschwerde wegen der Bemessung des Notbedarfs läuft für den Gläubiger wie für den Schuldner erst von der Zustellung der Pfändungs- urkunde an; - auch bei früherer Kenntnisnahme . - - insbeso~dere wenn dem GläUbiger der Betrag des N ot- bedar~s n:!t dem Formular ~r. II mitgeteilt worden war (AnzeIge uber den Bestand emes nicht feststellbaren Lohn- anspruches ). Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 20. 69 SaiBie de salaire, art. 93 LP. Le delai pour porter plainte contre Ja fixation de Ja somme qui est indispensable au debiteur pour subsister na court, pour le creancier comme pour le debiteur, que des 130 notification du proces-verbal de saisie; - meme Iorsque Ie creancier et le debiteur ont connaissance plus töt du montant fixe par l'office ; - - en particulier Iorsque le creancier a eu connaissance de ce montant par Ja notification de Ja formule n° 11 (avis en cas de saisie d'un salaire dont le montant n'est pas deter- mine). Pignoramento di salario, art. 93 LEF. Il termine per aggravarsi dalla determinazione della somma indispensabile al debitore pel suo sostentamento decorre, sm pel creditore, sm pel debi- tore, soltanto dalla notifica deI verbale di pignoramento, anche se il creditore ed il debitore gia prima hanno avuto conoscenza dell'importo fissato dall'ufficio e, in particolare, anche se il creditore ha conosciuto questo importo in seguito aHa notifica dei modulo n° 11 (avviso 301 creditore concemente il pignoramento di una mercede indeterminata). In der Betreibung des Rekurrenten gegen Monsch erliess das Betreibungsamt am 1. Dezember 1938, da sich sonst nichts Pfändbares vorgefunden hatte, eine «Anzeige an den Gläubiger über den Bestand eines nicht feststellbaren Lohnanspruches » unter Verwendung des hiefm vorgeschriebenen Formulars Nr. 11. Der Gläubiger antwortete darauf am 9. Dezember, er schätze den Ver- dienSt des Schuldners auf 270 Fr. im Monat, worauf das Betreibungsamt den angeblichen Lohnüberschuss von monatlich 40 Fr. pfändete und die Pfändungsurkunde am

16. Dezember versandte. Am 24. Dezember führte der Gläubiger Beschwerde wegen übersetzter Bemessung des Notbedarfs des Schuld~ ners. Die kantonalen Aufsichtsbehörden haben die Be- schwerde als verspätet von der Hand gewiesen. Sie sind der Meinung, die dem Gläubiger bereits am L Dezember in der mit Formular Nr. II erlassenen « Anzeige I) mit- geteilte Festsetzung des Notbedarfs sei mit Ablauf von zehn Tagen seit jener Mitteilung rechtskräftig geworden. Demgegenüber nimmt der Gläubiger, auch mit dem vor- liegenden Rekurs, eine erst seit Zustellung der Pfändungs- urkunde laufende Beschwerdefrist in Anspruch.