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63_II_39

BGE 63 II 39

Bundesgericht (BGE) · 1937-02-27 · Deutsch CH
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• 38 Prozessreeht. N0 10. Da es sich somit nicht um eine ZiviIrechtsstreitigkeit handelt, ist di~ Berufung an das Bundesgericht nicht gegeben. . Demnach e:rkennt das Bundesgericht : Auf die Berufung wird nicht eingetreten.

10. A\1IZug aus dem Urteil dir I. Zivil&bteilung vom !2. Februar I937 i. S. Fromer und Greber gegen Spar- und Leihkasse des Amtsbezirks Laufen. B e ruf u n gun d s t a a t s r e c h t I ich e B e s c h wer d e. Werden Berufung (oder zivilrechtliehe Beschwerde) und staats- rechtliche Beschwerde in derselben Sache ergriffen, so sind für jedes der beiden Rechtsmittel die gesetzlich vorgesehe- nen Formen zu wahren, insbesondere sind getrenute Eingaben zu machen. ... Ausserdem sind Berufung und staatsrechtliche Be- schwerde in einer einzigen Eingabe vereinigt, was nicht zulässig ist. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene, selbständige Rechtsmittel, die deshalb auch getrennt in den vom Gesetze vorgesehenen Formen eingereicht werden müssen. In einem Falle wie dem vorliegenden, wo die staatsrechtliche Beschwerde neben der Berufung ergriffen ist und sich gegen Verstösse im Beweisverfahren richtet, wird nach einem vom Bundesgerichte im Jahre 1934 be- schlossenen Zusatze zum Gerichtsreglement allerdings auch die staatsrechtliche Beschwerde von der Zivilabteilung beurteilt, die sich mit der Berufung befasst (und das Gleiche gilt, wenn neben der staatsrechtlichen Beschwerde noch eine ziviIrechtliche vorliegt). Diese, übrigens nur versuchsweise getroffene Regelung betrifft aber ausschliess- lich die interne Geschäftsverteilung am Gerichte, durch die an der Selbständigkeit der beiden Rechtsmittel und am Erfordernis getrennter Eingaben nichts geändert wird. Das Bundesgericht hat das auch in seinem Geschäfts- bericht an die Bundesversammlung für das Jahr 1934 ausdrücklich festgestellt (S. 2): « Die Meinung ist dabei, Prozessreeht. No 11. 39 dass wie bisher die staatsrechtliche Beschwerde selbständig in den hiefür vorgesehenen Formen erhoben und begründet werden muss, also nicht mit der Berufung verbunden werden darf 1I.

11. Das Schweizerische Bundesgericht an die kantonalen Justizdirektionen zuhanden der praktizierenden Rechtsanwälte ihres Kantons. Die Bestimmung in Art. 81 des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundasrechtspflege (OG), wonach das Bundesgericht ausnahmsweise nicht an die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Instanz gebunden ist, wenn sie mit dem Inhalt der Akten in Widerspruch stehen, wird vielfach missbräuchlich benützt, um irgendwie unbequeme Tatsachenfeststellungen des ka~tonalen Urteils vor Bun- desgericht als aktenwidrig anzugreifen. Dreissig und mehr « Aktenwidrigkeitsrügen » im nämlichen Prozess sind keine Seltenh~it. Die Anfechtungen sind fast ausnahmslos völlig unbegründet, müssen aber vom Bundesgericht im einzelnen untersucht werden, das dadurch in weitem Um- fange zu einer ihm nicht zustehenden Nachprüfung der kantonalen Tatbestandsfeststellungen und angesichts der Unbegründetheit der Rügen zu gänzlich unfruchtbarer Arbeit gezwungen ist. Das Bundesgericht stellt fest, dass eine Aktenwidrigkeit im Sinne des Art. 81 OG nur vorliegt, wenn eine für die rechtliche Entscheidung des Falles bedeutsame tatsäch- liche Annahme der kantonalen Instanz mit einem ganz bestimmten Aktenstücke in unverträglichem Widerspruch steht. Feststellungen des kantonalen Urteils, die auf einer, wenn auch vorweggenommenen (antizipierten) Würdigung der Beweismittel oder Indizien beruhen, können nicht als aktenwidrig angefochten werden. Künftiger Missbrauch des Vorbehaltes aus Art. 81 OG durch Erhebung offensichtlich unbegründeter Aktenwid-

40 Prozessrecht. No 11. rigkeitsrngen :, wird durch disziplinarische Massnahmen gegen die schmdige Partei oder gegen ihren Vertreter, der dem Gerichte gegenüber für eine ordnungsgemässe Prozess- führung verantwortlich ist, geahndet werden. Lausanne, den 27. Februar 1937. Le Tribunal federal smsse aux Departements de justice ~cantonaux pour etre communique aux avocats pratiquants du Oanton. L'atticle 81 de l'organisation judiciaire permet excep- tionnellement au Tribunal federal de revoir les constata- tions de fait du juge cantonallorsqu'elles sont contraires aux pieces du dossier. Les recourants abusent frequem- ment de ce moyen pour attaquer des constatations qui leur sont simplement desavantageuses. Il n'est pas rare de voir artieuler jusqu'a trente pretendues « eontrarietes» dans le meme proces. Or, ces griefs sont presqua toujOlm! depourvus de fondement. Le Juge est neanmoins oblige de les examiner un a un, et il doit de la sorte s'astreindre a un travail sterile, puisqu'il est amene a exercer un eontrole qui, an reaIite, a raison du mal-fonde du grief, ne lui appattient pas. Le Tribunal federal rappelle qu'il n'y a de contraneM avec les pieces du dossier dans le sens de l'art. 81 que lors- qu'une constatation du jugement attaque, importante pour l'appreciation juridique du litige, est inconeiliable avec telle piece determinee du dossier. Des constatations qui reposent Bur une appreciation, meme anticipee, des preuves ou des indices ne sauraient etre contraires aux pieces du dossier. .. Le Tribunal prendra donc a l'avenir des mesures disci- plinaires contre la partie ou son representant, responsable de la conduite du proces, qui abuseraient du moyen reserve a l'att. 81. Lausanne, le 27 ferner 1937. Prozessrecht. No H. 41 n 'l'ribunale federale s'rizzero ai Dipartimenti cantonali di giustizia. perehe si trasmetta agli avvocati esercenti nel Cantone. L'art. 81 della legge federale sull'organizzazione giu- diziaria federale permette eecezionalmente al Tribunale federale di sindacare gli accertamenti di fatto dell'istanza cantonale, quand'essi siano in eontraddizione eol con- tenuto degli atti. Gli appellanti abusano frequentemente di questa disposizione par impugnare accertamenti di fatto ehe non tornano loro comodi. Di trenta 0 pih eostatazioni di fatto si pretende, talora e non di rado, nella medesima causa, ehe sarebbero inconciliabili con gli atti. Siffatti appunti mancano quasi sempre d'ogni fondamento. Essi devono tuttavia essere vagliati a uno a uno dal Tribunale federale, il quale e cosl costretto ad un riesame approfon- dito, che non gli compete, dei fatti quali accertati dall'ul- tima istanza cantonale : lavoro ehe il difetto di fonda- mento delle critiche rende completamente sterile. n Tribunale federale ritiene ehe vi e contraddizione con gli atti a' sensi dell'art. 81 OGF solo quando una costata- zione di fatto dell'istanza eantonale, rilevante per la soluzione giuridica deI litigio, e manifestamente ed asso- lutamente incompatibile eon un atto ben determinato dell'inserto. Non puo essern contraddizione con gli atti quando una costatazione sia basata sul libero apprez- zamento, anehe se anticipato, delle prove 0 degli indizi. n Tribunale federale prendera in avvenire dei provvedi- menti disciplinari contro la parte 0 contro il patrocinatore (responsabile verso il giudice dellacorretta condotta della causa) ehe si serviranno abusivamente della facolta con- cessa dall'art. 81 OGF. LOsanna, 27 febbraio 1937.