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62_II_205

BGE 62 II 205

Bundesgericht (BGE) ·II · 1936-01-01 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

53. Urteil der 11. Zivila.bteilung vom a4. September 1936

i. S. Brunner gegen Vormundschaftsbehörde Keltingen.

Zur Wie der her s tell u n g der e 1 t e r 1 i 0 h enG e -

wal t ist die Behörde am Wohnort der Eltern z u s t ä n d i g,

Art. 287/8 ZGB (unter dem Vorbehalt, dass die Kantone für

ihre im Kanton wohnenden Bürger die Behörden der Heimat

als zuständig erklären können, Art. 376 Abs. 2 ZGB).

Die Vormundschaftsbehörde der Einwohnergemeinde

Meltingen im Kanton Solothurn entzog im Jahre 1931 dem

damals dort wohnenden Beschwerdeführer, der Luzerner

Kantonsbürger ist, die elterliche \ Gewalt über seine Kinder

aus erster Ehe.

Gegenwärtig verlangt der nun in Basel wohnende

Beschwerdeführer von der Vormundschaftsbehörde der

Einwohnergemeinde Meltingen die Wiederherstellung der

elterlichen Gewalt.

Auf eine bezügliche Beschwerde ist der Regierungsrat

des Kantons Solothurn am 14. Juli 1936« mangels örtlicher

Zuständigkeit der solothurnischen Behörden» nicht ein-

getreten.

Hiegegen richtet sich die vorliegende zivilrechtliche

Beschwerde mit dem Hauptantrag auf Rückweisung zu

materieller Entscheidung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

Die Wiederherstellung der elterlichen Gewalt ist das

Gegenstück zu deren Entziehung. Dem entspricht es,

dass für jene gleich wie für diese (vgl. BGE 53 n 282) die

Behörde am gegenwärtigen Wohnort der Eltern zuständig

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Familienrecht. N0 53.

sei. Weil die :Entscheidung über ein solches Gesuch we-

sentlich durch die gegenwärtigen Lebensverhältnisse der

Eltern bedingt ist, verdient dieser Ort den Vorzug vor

demjenigen, an welchem seinerzeit die Entziehung ausge-

sprochen worden ist (wie auch vor demjenigen andern, an

welchem allfällig die Vormundschaft über dIe Kinder ge-

führt wird), und zwar aus den gleichen Gründen, die dafür

bestimmend waren, für die Beurteilung von Gesuchen um

Änderung der Gestaltung der Elternrechte über Kinder

aus geschiedener Ehe nicht das seinerzeitige Scheidungs-

gericht als zuständig zu erklären (BGE 46 II 333). Abwei-

chendes kann sich nur aus Art. 376 Abs. 2 ZGB ergeben,

der gleichwie (gemäss BGE 53 a.a.O.) für die Entziehung,

so auch für die Wiederherstellung der elterlichen Gewalt

vorzubehalten ist, jedoch auf den vorliegenden Fall wegen

Auseinanderfallen von Heimat- und Wohnkanton nicht

zutrifft. Durch diese Entscheidung wird auch die Befürch-

tung des Beschwerdeführers hinfällig werden, die Basler

Behörden werden sich nicht mit seinem Wiederherstellungs:..

gesuch befassen, das ja in erster Linie Familienrechte eines

Einwohners von Basel zum Gegenstand hat und nur indi-

rekt den Fortbestand einer anderswo als in Basel geführten

Vormundschaft in Frage stellt.

Demnach erkennt das Bundesgerit;ht :

Die Beschwerde wird abgewiesen ..

Vergl. auch Nr. 54, 57, 58. -

Voir aussi nOS 54, 57,58.

ErhJ'E'cht. N0 54.

n. ERBRECHT

DROIT DES SUCCESSIONS