Erwägungen (3 Absätze)
E. 1 Bedeutung des Urteiles über das sog. «B e s u c h s re c h t »; Grenzen der Angemessenheit (Erw. 1).
E. 2 Vom geschiedenen Ehegatten, dem die Kinder ent-
zogen werden, kann der andere EUernteil nur einen Beitrag
an die Kosten des Unterhaltes und der Erziehung (Aus-
bildung) der Kinder verlangen, wenn diese ihm zugewiesen
werden, also in seiner Eigenschaft als Inhaber der eIter-
liehen Gewalt. Sobald das Kind mündig wird und die
elterliche Gewalt aufhört, steht dem geschiedenen Ehe-
gatten, der sie bisher innehatte, kein Rechtsgrund mehr zu,
um vom andern solche Beiträge zu verlangen (BGE 54 II
341). Eine andere Frage ist, ob dann das ~ündig gewor-
Fa.milienreeht. No 49.
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dene Kind, wenn es noch nicht imstande ist, seinen Unter-
halt zu erwerben, und sich noch weiter ausbilden möchte,
gegenüber dem einen oder andern seiner Eltern oder beiden
Ansprüche auf Unterhaltungsgewährung oder Unterstüt-
zung habe, sei es in Geld oder in natura (so z. B., dass ihm
der eine Elternteil gegen Vergütung der Geldleistungen des
anderen vollen Unterhalt in natura gewährt). Solche An-
spruche können ausschliesslich von dem mündig gewor-
denen Kinde selbst gegenüber dem in Anspruch genom-
menen Elternteil (oder beiden Eltern) geltend gemacht
werden, nicht vom einen Elternteil, der bis zur Mündigkeit
die elterliche Gewalt hatte, jedoch nach der Mündigkeit,
in der Zeit also, für welche die Beiträge gefordert werden,
zum Kind in keinem andern Rechtsverhältnis mehr steht
als der seinerzeit von der elterlichen Gewalt ausgeschlossene
Elternteil. Derartige Beiträge können auch gar nicht mehr
einfach unter den gleichen Voraussetzungen wie bisher
gefordert werden, die Art. 156 ZGB lapidar dahin um-
schreibt, dass der Ehegatte, dem die Kinder entzogen
werden und der ihnen daher nicht in nat'ura Unterhalt
gewährt, « einen seinen Verhältnissen entsprechenden Bei-
trag an die Kosten des Unterhaltes und der Erziehung»
zu entrichten hat. Somit kann der vorliegenden von der
Mutter erhobenen Klage auf Unterhalts- und Ausbil-
dungsbeiträge nicht über die Zeit nach Vollendung des
zwanzigsten Altersjahres des Sohnes hinaus entsprochen
werden.
E. 3 Für die Bestimmung der bis dahin vom Beklagten zu entrichtenden Beiträge ist wie gesagt massgebend, dass sie seinen Verhältnissen entsprechen müssen. Diese sind .•. als so gut zu erachten, dass ihm füglich zugemutet werden darf, einen verhältnismässigen Beitrag an eine kostspielige Ausbildung zu leisten, welche die Mutter als Inhaberin der elterlichen Gewalt dem Sohne zuteil werden lassen will und darf. Solange Art. 156 ZGB anwendbar ist, kommt nichts darauf an, ob sich der Sohn in seinem Be- nehmen gegenüber dem Vater solcher ausserordentlicher ln8 Familienrecht. No 60. Aufwendungen:. würdig erzeige (oder gar während seiner Kindheit würdig erwiesen habe), zumal da es ja die Mutter ist, die allein Anspruch auf die Beiträge hat. Dem'1l,(JA)h erkennt das BundeBgerickt : Die Berufung wird teilweise dahin begründet erklärt, dass in Abänderung des Urteiles des Obergerichtes des Kantons Luzern vom 26. Juni 1935 das Besuchsrecht des Beklagten auf zwei Sonntage in jedem Monat ausgedehnt wird und die an die Klägerin zu leistenden Beiträge für Unterhalt und Ausbildung des Sohnes in dem von der Vor- instanz festgesetzten Umfang auf die Zeit bis zur Vollen- dung des 20. Altersjahres beschränkt werden.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
49. Urteil dl1' II. Zi"ilabteiluDg "om 24. Oktober 1935
i. S. Bossard gegen Detourba;y.
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Kin der aus g e s chi e den er Ehe (Art. 15617 ZGB) :
1. Bedeutung des Urteiles über das sog. «B e s u c h s re c h t »;
Grenzen der Angemessenheit (Erw. 1).
2. Der Ehegatte, dem die Kinder zugewiesen werden. kann vom
andern Ehegatten keinesfalls länger als für die Zeit bis zu deren
Mündigkeit U nt e rh alt s bei t r ä ge verlangen (Erw. 2);
Bemessung derselben bei günstigen Verhältnissen (Erw. 3).
Der Mitte 1917 geborene Sohn der am gleichen Ort woh-
nenden Parteien ist im Scheidungsprozess dem Vater, je-
doch auf nachträgliche Klage der Mutter im vorliegenden
Prozess der Mutter zugewiesen worden. In diesem Prozess
hat das Obergericht des Kantons Luzern am 26. Juni
1935 erkannt:
« Der Sohn Edmund ist während der Zeit, da er sich
in X aufhält, verpflichtet, den Beklagten jeden zweiten
Monat je einen halben Tag zu besuchen.
» Der Beklagte hat an den Unterhalt und die Ausbildung
des Sohnes Edmund einen monatlichen vorauszahlbaren
Beitrag von ..• Fr. zu entrichten, laufend von der Rechts-
kraftsbeschreitung des Urteils an bis zum erfüllten 23. Al-
tersjahr des Kindes. »
Gegen dieses Urteil hat der Beklagte die Berufung an
das Bundesgericht erklärt mit den Anträgen, sein Besuchs-
recht sei nach richterlichem Ermessen zu erweitern, und
er sei von der Verpflichtung zu befreien, einen ••• Fr. im
Monat übersteigenden Unterhaltsbeitrag, bezw. nach dem
20. AltersjalIre Edmund Bossards überhaupt einen Unter-
haltsbeitrag zu leisten.
Daa Bundesgericht zieht in ErwägtJm,g :
1. -
Gemäss Art. 156 Aha. 3 ZGB hat der geschiedene
Ehegatte, dem die Kinder entzogen werden, ein Recht auf
angemessenen persönliohen Verkehr mit den Kindern.
Um diesen z~ ermöglichen, ist die elterliche Gewalt des
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Familienreeht. N° 49.
andern Elternteiles, dem die Kinder zugewiesen werden,
einzuschränken, damit er nicht unter Berufung auf seine
elterliche Gewalt dem angemessenen persönlichen Verkehr
der Kinder mit dem von der elterlichen Gewalt ausge-
schloEsenen Elternteil entgegentreten könne. Hiebei kommt
nichts darauf an, inwieweit sich ein älter gewordenes,
der Mündigkeit nahes Kind dem persönlichen Verkehr hin-
gebe oder aber entziehe, weil n ich t
sei n e Ver-
pflichtungen durch das über das sog. Besuchsrecht ent-
scheidende Scheidungsurteil oder Abänderungsurteil fest-
gestellt werden. Unter diesem Gesichtspunkt darf es nicht
das Bewenden haben bei dem von der Vorinstanz aufge-
stellten Satze: « Sofern bei Vater und Sohn ein weiter-
gehendes Bedürfnis nach gegenseitigem Verkehr (als wäh-
rend je einem halben von 60 Tagen) vorhanden sein sollte,
so steht ja das Urteil einer freiwilligen Erweiterung des
Besuchsrechtes keinesfalls entgegen».
Vielmehr muss
schon das Urteil selbst die für angemessenen persönlichen
Verkehr mit dem Kind erforderliche Beschränkung der
elterlichen Gewalt aussprechen. Ein auf einen halben von
sechzig Tagen beschränkter persönlicher Verkehr des
Vaters mit seinem Sohne verdient jedoch nicht mehr als
angemessen bezeichnet zu werden. Vielmehr ist die Pflicht
der Mutter, den ihr zugewiesenen Sohn für den persön-
lichen Verkehr mit dem Vater freizugeben, auf allmonat-
lich zwei (jeweilen zu vereinbarende) ganze Sonntage zu
erweitern.
2. -
Vom geschiedenen Ehegatten, dem die Kinder ent-
zogen werden, kann der andere EUernteil nur einen Beitrag
an die Kosten des Unterhaltes und der Erziehung (Aus-
bildung) der Kinder verlangen, wenn diese ihm zugewiesen
werden, also in seiner Eigenschaft als Inhaber der eIter-
liehen Gewalt. Sobald das Kind mündig wird und die
elterliche Gewalt aufhört, steht dem geschiedenen Ehe-
gatten, der sie bisher innehatte, kein Rechtsgrund mehr zu,
um vom andern solche Beiträge zu verlangen (BGE 54 II
341). Eine andere Frage ist, ob dann das ~ündig gewor-
Fa.milienreeht. No 49.
217
dene Kind, wenn es noch nicht imstande ist, seinen Unter-
halt zu erwerben, und sich noch weiter ausbilden möchte,
gegenüber dem einen oder andern seiner Eltern oder beiden
Ansprüche auf Unterhaltungsgewährung oder Unterstüt-
zung habe, sei es in Geld oder in natura (so z. B., dass ihm
der eine Elternteil gegen Vergütung der Geldleistungen des
anderen vollen Unterhalt in natura gewährt). Solche An-
spruche können ausschliesslich von dem mündig gewor-
denen Kinde selbst gegenüber dem in Anspruch genom-
menen Elternteil (oder beiden Eltern) geltend gemacht
werden, nicht vom einen Elternteil, der bis zur Mündigkeit
die elterliche Gewalt hatte, jedoch nach der Mündigkeit,
in der Zeit also, für welche die Beiträge gefordert werden,
zum Kind in keinem andern Rechtsverhältnis mehr steht
als der seinerzeit von der elterlichen Gewalt ausgeschlossene
Elternteil. Derartige Beiträge können auch gar nicht mehr
einfach unter den gleichen Voraussetzungen wie bisher
gefordert werden, die Art. 156 ZGB lapidar dahin um-
schreibt, dass der Ehegatte, dem die Kinder entzogen
werden und der ihnen daher nicht in nat'ura Unterhalt
gewährt, « einen seinen Verhältnissen entsprechenden Bei-
trag an die Kosten des Unterhaltes und der Erziehung»
zu entrichten hat. Somit kann der vorliegenden von der
Mutter erhobenen Klage auf Unterhalts- und Ausbil-
dungsbeiträge nicht über die Zeit nach Vollendung des
zwanzigsten Altersjahres des Sohnes hinaus entsprochen
werden.
3. -
Für die Bestimmung der bis dahin vom Beklagten
zu entrichtenden Beiträge ist wie gesagt massgebend, dass
sie seinen Verhältnissen entsprechen müssen.
Diese
sind .•. als so gut zu erachten, dass ihm füglich zugemutet
werden darf, einen verhältnismässigen Beitrag an eine
kostspielige Ausbildung zu leisten, welche die Mutter als
Inhaberin der elterlichen Gewalt dem Sohne zuteil werden
lassen will und darf. Solange Art. 156 ZGB anwendbar ist,
kommt nichts darauf an, ob sich der Sohn in seinem Be-
nehmen gegenüber dem Vater solcher ausserordentlicher
ln8
Familienrecht. No 60.
Aufwendungen:. würdig erzeige (oder gar während seiner
Kindheit würdig erwiesen habe), zumal da es ja die Mutter
ist, die allein Anspruch auf die Beiträge hat.
Dem'1l,(JA)h erkennt das BundeBgerickt :
Die Berufung wird teilweise dahin begründet erklärt,
dass in Abänderung des Urteiles des Obergerichtes des
Kantons Luzern vom 26. Juni 1935 das Besuchsrecht des
Beklagten auf zwei Sonntage in jedem Monat ausgedehnt
wird und die an die Klägerin zu leistenden Beiträge für
Unterhalt und Ausbildung des Sohnes in dem von der Vor-
instanz festgesetzten Umfang auf die Zeit bis zur Vollen-
dung des 20. Altersjahres beschränkt werden.