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60_III_148

BGE 60 III 148

Bundesgericht (BGE) · 1934-01-01 · Deutsch CH
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148

SchuldlJ<'treihungs- und lümkUl·srecb1. No 39.

durchaus rechtswidrigen Steigerungsverfahrens. Solcher

Missachtung eines der obersten Grundsätze des gegen-

wärtig geltenden Nachlassvertragsrechtes

wird schon

dadurch genügend abgeholfen, dass es dem Liquidations-

organ unmöglich sein wird, von der Grundbuchverwaltung

die Eintragung des Erstcigerers als Eigentümers unter

Lösclnmg der durch sein Angebot nicht gedeckten Be-

lastungen zu erlangen -

was das Liquidationsorgan ohne

,veiteres veranlassen wird, entweder "deder von vorn anzu-

fangen und eine Verständigung mit den Grundpfandgläu-

bigern:zu suchen oder dann die Verwertung dem Betrei-

bungsam(im :Grundpfandbetreibungsverrahren zu ü ber-

lassen, wodurch allein die nicht gedeckten Belastungen

zwangsweise abgeschüttelt,,'erden können. Zu Unrecht

hat sich 'daher die Vorinstanz zur Entscheidung der Frage

herbeigelassen, ob das Liquidationsorgan eine zweite

Steigerung habe anordnen dürren. Für die Entscheidung

dieser Frage sollen ja nicht die gesetzlichen und Verord-

nungsvorschriften über die zweite konkursrechtliche Stei-

gerung massgebend sein, sondern der bezügliche Inhalt des

Nachlassvertrages und die Steigerungsbedingungen, die

ausserhalb des Rahmens der konkursrechtlichen Norma-

iivbestimmungen aufgestellt worden sind.

Demnach erkennt die Schuldbei1·.- u. Konf.,"Urskammer :

Der Rekurs wird dahin begründet erklärt, dass der

angefochtene Entscheid aufgehoben und auf die Beschwerde

nicht eingetreten wird.

39. Entscheid vom a4. September 1934 i. S. Gilsi.

ZGB Art. 806; Verordnung über die Zwangsverwertung von

Grundstücken Art. 91 ff. : 'Yährend der N ach las s tun -

dun g kann die G run d p fan d h a f t nicht auf M i e t -

oder Pachtzinsforderungen

ausgedehnt

werden, wenn der Zahlungsbefehl auf Grundpfandverwertung

nicht schon vorher zugestellt worden war.

Schuldhctreihullgs- und Konkursrecht. No 39.

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Ce. art. S06; ORI art. 91 et suiv.: Durant le 8Ursis concordataire .

le gage immobilier ne s'etend pas aux loyers ci jermages si I~

commandement de payer (dans ja poursuite en realisation de

ga ge) n 'a pas 13M notifie avallt l'octroi du sursis.

Ce. art. SOf}; RFF al't. 91 e scg. : Durante la moratoria concor-

dataria, il pegno immobiliare non si applica alle pigioni

e agli affitti se il preeetlo esecutivo (ncll'esccuziollC in via di

realizzazionc deI pegllo) J10n vrmne l1otificato prima !lella UOlI-

cessione della moratoria.

Dem Rekursgegner J. Merz, Eigentümer der Liegen-

schaft Kyburgstrasse NI'. 42 in Zürich 10, wurde am

13. AJu'il 1934 eine Nachlasstundung bewilligt.

Am

21. April stellte der Rekurrent, Inhaber eines Schuld-

briefes auf der erwähnten Liegenschaft, für verraUene

Zinsen ein Betreibungsbegehren auf Grundpfandverwer-

tung, wobei er auch den Einzug der Mietzinsen verlangte.

Das Betreibungsamt steIlte den Zahlungsbefehl vorerst zu,

hob ihn jedoch wieder auf, als es von der Nachlasstundung

erfuhr, und lehnte die verlangte Ausdehnung der Pfand-

haft auf die Mietzinsen ab. Mit der vorliegenden, nach

Abweisung durch die kantonale Aufsichtsbehörde (Ent-

scheid des Obergerichts vom 13. Juli 1934) an das Bundes-

gericht, weit.ergezogenen Beschwerde verlangt der Rekurrent

Anweisung an das Betreibungsamt, die Mietzinssperre

vorzunehmen.

D1.~e Schuldbetreibungs- und Kon1.;urs1.~amtneJ'

zieht in Erwägu,ng :

Gemäss Art. 806 ZGB erstreckt sich die Grundpfandhaft

auch auf die l\Iietzinsforderullgen, die seit Anhebung der

Betreibung auf Verwertung des Grundpfandes oder seit

der Eröffnung des Konkurses über den Schuldner (Grund-

eigentümer) bis zur Verwertung auflaufen.

Ist dem

Grundeigentümer eine Nachlasstundung bewilligt worden,

so könnte der Grundpfandgläubiger die Grundpfandhaft

nichtsdestoweniger auf die Mietzinsforderungen erstrecken

lassen, wenn unter Anhebung der Betreibung bloss das

Betreibungsbegehren zu verstehen wäre, das auch während

1;;0

iSchnldbetreibungs. und Konkursrecht. No 39.

der Nachlasstimdung nicht zurückgewiesen werden darf,

zumal weil es· zur Unterbrechung der Verjährung dienen

kann. Die rein wörtliche Auslegung ergibt kein sicheres

Ergebnis, weil das SchKG, aus welchem das ZGB den

Ausdruck entlehnt hat, mit Anhebung der Betreibung das

eine Mal zwar das Betreibungsbegehren des Gläubigers

(so in der überschrift zu Art. 67/8), das andere Mal den

Erlass des Zahlungsbefehls meint (so insbesondere gerade

in Art. 297, der aus dem eben angedeuteten Grund in die-

sem Sinn auszulegen ist). Dagegen lässt sich aus der Bot-

schaft des Bundesrates zum ZGB-Entwurf (S. 76 der

deutschen und der französischen Ausgabe, Bundesblatt

1904 IV) ersehen, welches die dem Zweck der Vorschrift

des Art. 806 entsprechende Auslegung ist, indem dort

bezüglich der (natürlichen) Früchte gesagt ist, « die Fest-

stellung der Pfandhaft bestimmt sich nach dem Zeitpunkt

der Inanspruchnahme der Sicherheit durch den Pfand-

gläubiger (Anhebung der Betreibung oder Eröffnung des

Konkurses}» und bezüglich der Miet- und Pachtzinsen,

({ der Pfandgläubiger hat von demselben Zeitpunkt an

ein Recht auf die gesamte Verwertbarkeit des Unter-

pfandes, und dazu gehört auch der Miet- oder Pacht-

nutzen. Aus dieser Überlegung lässt es sich rechtfertigen,

wenn die von· da an auflaufenden Zinsen zur Deckung der

Pfandforderungen in Anspruch genommen werden». Von·

einer Inanspruchnahme der Pfandsicherheit, welche für

die Erstreckung der Pfandhaft auf die Mietzinsforderungen

massgebend sein soll, kann jedoch schlechterdings nicht

gesprochen werden während der Nachlasstundung, welche

gleichwie im allgemeinen jeder Zwangsvollstreckungsmass-

nahrne, so der « Anhebung der Betreibung}) durch den

Grundpfandgläubiger im Sinne seines Zugriffs auf das

Pfand entgegensteht.

Nichts gegenteiliges ergibt sich

daraus, dass die von Art. 806 Abs. 2 vorgesehene Mitteilung

von der Betreibung an die Mieter mit der Anweisung, die

von nun an fällig werdenden Mietzinsen an das Betrei-

bungsamt zu bezahlen, auch während der Nachlasstundung

Schuldbetreiblmgs. und Konkursrecht. No 39.

15t

erlassen werden darf, sofern der Zahlungsbefehl auf Grund-

pfandverwertung schon vor Beginn der Nachlasstundung

zugestellt worden ist, weil hier eben die Inanspruchnahme

der Pfandsicherheit durch die Zustellung des Zahlungs-

befehls bereits der Nachlasstundung vorausgegangen ist

und die Anzeige an die Mieter nur zum Zwecke der Siche-

rung der schon vorher erfolgten Erstreckung der Pfandhaft

auf die Mietzinsforderungen noch nachgeholt werden muss

oder, wie die Botschaft a.a.O. sagt: « nur dass zum Schutze

des Zinsschuldners die nötige Kautel angefügt werden

muss I).

Weil die die Erstreckung der Grundpfandhaft auf die

Mietzinsforderungen herbeiführende Anhebung der Be-

treibung auf bloss einseitiges Gesuch des angeblichen

Gläubigers einer fälligen Grundpfandschuld wirksam wird,

schon bevor er einen rechtskräftigen Vollstreckungstitel

erlangt hat, musste bestimmt werden (in Art. 93 VZG),

dass die Erstreckung der Pfandhaft auf die J\tIietzinsfor-

derungen vom Schuldner mittelst Rechtsvorschlages in

Frage gezogen und dann nur dadurch aufrechterhalten

werden kann, dass der Gläubiger unverzüglich die nötigen

Vorkehrungen trifft, um sich einen rechtskräftigen Voll-

streckungstitel zu verschaffen; andernfalls werden die

an die Mieter erlassenen Anzeigen widerrufen und die

inzwischen bereits bezahlten Mietzinsbeträge dem Vermie-

ter aushingegeben. Es liesse sich nämlich nicht rechtfer-

tigen, dem Schuldner die Mietzinsen wegen einer zu Un-

recht in Betreibung gesetzten Grundpfandforderung für

längere Zeit vorzuenthalten. Dieses Schutzes würde der

Schuldner verlustig gehen, wenn die Mietzinssperre wäh-

rend der Nachlasstundung ohne sofortige Zustellung des

Zahlungsbefehls durchgeführt werden dürfte. Diese Schutz-

bedürftigkeit des Schuldners kann nicht (mit WOLFER

Schweizerische Juristenzeitung 30 S. 262) wegdisputiert

werden durch den Hinweis auf eine schon durch die Nach-

lasstundung herbeigeführte Verfügungsbeschränkung, wel-

che, auch soweit sie gesetzlich gerechtfertigt ist (vgl.

15:!

!:!chuldbetreibullgs- lmd Konkursre"ht.. N° 40_

darüber BGE;56 III S. 96), nichts gemeinsames mit der

l\Iietzinssperre hat, die ja schon vor einem allfälligen Ver-

wertungsbegeJ.uen zu Abschlagsverteilungen führen kann

(vgl. Art. 95 VZG, den WOLFER a.a.O. übersieht). Wenn

es den übrigen Gläubigern durch die Bewilligung der

Nachlasstund~ng verwehrt wird, irgendwas zu tun, um

den Schuldner in der Verfügung über seine Aktiven zu

beschränken, soweit es nicht (durch Pfandung, Güter-

verzeichnis) schon vorher geschehen ist, so ist nicht ein-

zusehen, warum dies den Grundpfandgläubigern bezüglich

der l\Iietzinsforderungen gleichwohl ermöglicht werden

sollte. Freilich wird der Vorsprung der Grundpfandgläubi-

ger, die bereits vor der Nachlasstundung betrieben haben,

gegenüber nicht betreibenden durch die Nachlasstundung

erheblich vergrössert; dafür wird aber mindestens unter

den noch nicht betreibenden Grundpfandgläubigern der

durch Art. 806 ZGB ermöglichte rangstörende Wettlauf.

durch die Nachlasstundung ausgeschlossen.

Demnach erkennt die Schuldbetr. u. Konhurskamtner:

Der Rekurs wird abgewiesen.

40. Entscheid vom 26. September 1934 i. S. Buchmann.

Im K a n ton L uze r n kann bezüglich der b e t r e i b u n g s -

r e c h t I ich e n L i e gen s c h art s ver wer tun g eine

einheitliche B es 0 h wer d e

gegen Betreibungs- und Kon-

kursamt geführt werden (Erw. 1).

Wird eine b e t r e i b u n g sr e c h t I ich e Li e gen sc ha fts-

steigerung trotz

Bestreitung einer ins

Lastenverzeichnis aufgenommenen

Las t

ohne weiteres

abgehalten, so kann nicht erst gegen die Zuteilung des auf

diese Last entfallenden Teiles des Erlöses im Verteilungsplan

Beschwerde geführt werden (besonders nicht vom Bestreitenden,

der die Liegenschaft selbst ersteigert hat (Erw. 2).

Das B e t r e i b u n g sam t

darf in die Rechnung über die

Gebühren der Ver wal tun gun d

Ver wer tun g

ein e r

L i e gen s c h a f t

für

i m

T a r i f

n ich t

vor g e s ehe n e Ver r ich tun gen je nach Umständen

SchuIdbetreibungs- und Konkursrecht. N° 40.

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bei besonderer Mühewaltung angemessene Ge b ü h ren ein-

stellen, gegen welche daun Beschwerde geführt werden kann

(Erw. 3 a).

Von den 0 f f i z i e 11 e n F 0 r m u I are n g r 0 s sen F 0 r -

m a t e s muss auch für die Ge b ü h r von 80 Rappen eine

Seite ausgefüllt und darf sie nicht nur mit 720 Buchstaben

beschrieben werden (Erw. 3 b).

Verläuft. die L i e gen s c h a f t s s t e i ger u n ger g e b n i s -

los, sind jedoch M i e t z ins e n

eingezogen worden, so

dürfen daraus nicht die Verwertungskosten gedeckt, sondern

müssen sie gemäss Art. 114 VZG verteilt werden und ist jedem

daraus nicht vollgedeckten Grundpfandgläubiger ein Auszug

aus dem

Ver t eil n n g s p I a n

zuzustellen.

Ge gen

r e c h t s w i d r i g e Ver t eil u n g kann auch noch nach

deren Yollzug Be s c h wer d e geführt werden. VZG Art. 48

Abs. 2, 102, 111 Abs. 2, 112, 114, Anleitung dazu Ziff. 28

(Erw.4).

Dans le CGnton de Lucerne, 180 realisation de.s immeubles dans Za

poursuite peut etre attaquee dans une plainte unique, dirigee

a la fois coIitre I'office des poursuites et contre I'office des

faillites (consid. I).

Si, dans WIr. pOUT81.dtc, l'immeu blc est ~'endu aux cnc1!ercs, 110nobstant

le fait qu'une des cl/arges inscrites a l'etat des charges est

contest6e, l'interesse ne doit pas attendre I'etablissement du

tableau de distribution, et se contenter de port,er plainte contre

l'attribution d'un dividende au beneficiaire de cette charge,

surtout lorsque le plaignant 8'est lui-meme rendu acquereur

de l'immeuble (consid. 2).

Dans Ie compte des frais relatif a I'administration el d Za realisation

d'un immeuble, l'office des poursuitcs est en droit de faire

figurer des emoluments equitables pour les operations ncm

prevues au tarif, lorsque Ba täche 80 ete particulierement impor-

tante; ces emoluments sont fixes suivant les circonstances;

ils peuvent etre attaques par la voie de 180 plainte (consid. 380).

L'emolunwnt de 80 cts. vaut pour toute une page, meme dans

les formules officielles de grand f01'mat;· I'office 11e peut se

contenter de remplir lesdites pages aVBC 720lettres (consid. 3 b).

Si les encheres immobiliCres n 'ont pas de resultat, mais que, dans

l'intervalle, l'office ait pero;m des loyers, ceux-ci ne doivent pas

servir a couvrir les frais de realisation; au contraire, ils doivent

etre distribues conformement a l'art. 114 ORI, et chaque

creancier qui n'est pas entierement desinteresse par ce moyen

doit recevoir un extrait du tableau de distribution. Une repar-

tition contraire d la lai peut etre attaquee, mame apres qu'elle

80 eM effectuOO. Art. 48 801. 2, 102, 111 aI. 2, 112, 114, ORI,

et 28 Instr. ad ORI (consid. 4).

AB 60 In -

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