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59_III_279

BGE 59 III 279

Bundesgericht (BGE) · 1933-01-01 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

:-;chuldbetreibungs. und Konkursrecht. Xo 69.

durch die Vermögensabtretung erfüllten Nachlassver-

trages entgegensteht.

Ob die Betreibung (nach Beseitigung des hier bereits

erhobenen Rechtsvorschlages) mit Rücksicht auf die

Löschung des Handelsregistereintrages (und einen all-

fälligen Ablauf der in Art. 39 Abs. 3 SchKG genannten

Frist) seinerzeit auf Pfändung fortzusetzen ist oder ob

das Betreibungsamt nach Anleitung von BGE 55 III 146

und 56 III 134 vorzugehen hat, ferner ob auf Grund dieser

Betreibung dann auch auf die durch den Nachlassvertrag

abgetretenen Aktiven gegriffen werden kann, all das

bildet nicht Gegenstand der vorliegenden Beschwerde.

Donnach erkennt die Sch~J,ldbet1·.-

11, Konku1'skam1nm':

Der Rekurs wird im Si.nne der Erwägungen gutgeheissen

uud der angefochtene Entscheid aufgehoben.

uf!. Extrait da Parret a.u 18 decembre 1933

dans la eause Fraschina.

L'automobiIe cl'un medecin de campagne est insaisissable. Art. 92

eh. 3 LP.

Das Automohil eines Landarztes ist unpfändbar, Art.. 92 Ziff. 3

SchKG.

L "automobile di un merlico di campagna non e pignorabiIe. Art. 92

cifra 3 J.EF,

Extraits des cOnBiderants:

Aux termes de l'art. 92 ch. 3 LP, les outils, instruments

et livres necessaires au debiteur et a sa famille pour

l'exercice de leur profession sont insaisissables.

On doit eonsiderer eomme necessaires au debiteur,

au sens dudit article, les instruments' qui, d'apres les

eoneeptions loeales, sont indispensables pour Iui permettre

d'exereer sa profession d'une fa~lOn rationnelle et de

soutfmir la concurrenee (JAEGER, n. 9 ad art. 92).

Sd",ldlJclreihullW;. I",tl Konkursre"ht. Xo 70.

27f+

ßn l'espece, le debiteur est etabli dans le chef-lieu

d'nn district rural. POUl' juger si l'objet saisi Iui est indis-

pensable, il faut donc comparer sa situation h ceUe d'un

medecin de campagne en general et non pa;~, comme le

fait l'autorite cantonale, a celle cl'un medecin cantonal,

officiellement charge de traitements de longue duree, et

qui peut aisement exercer ses fonctions avec les moyens

de loeomotion que l'Etat et les services publies mettent

,\ sa disposition (sie dans le cas publie dans RO 54 III 50).

01' le medecin de campagne peut etre appeIe, a toute

heure du jour et de la nnit, a sc rendre, sans perdre un

instant, au chevet de malades habitant ades distanees

<"onsiderables. POUl' exercer sa profession, il a done abso-

lument besoin d'un vehieule rapide et ne saurait en etre

reduit a louer une voiture, dans chaque eas urgent, ce

qni n'est pas toujours possible dans une petite localite

agricole et serait d'ailleurs trop peu economique.

Enlever son auto a un medeein de campagne serait donc

le mettre dans la quasi-ineapacite d'exereer eonsciencieuse-

ment sa profession; en tout cas, eela le mettrait dans un

etat d'inf6riorite evidente par rapport a ses eonfreres,

et eette raison suffit pour que Iedit objet doive etre declare

i nsaisissable, couformement a ce qui a ete expose plus

haut.

70, Entscheid vom 20. Dezember 1933

i. S. Erben Ba.ns Brllgger.

o run d p fall d ver wer tun g s b e t r e i b U II g.

Der Dritteigentiimer der verpfändeten Liegenschaft kann auf

die nachträgliche Zustellung eines Zahlungsbefehls lmd Ver·

schiebung der Verwerhmg um weitere 6 Monate (Art. 100

VZG) verzichten.

Poursuite en realisation de gage imrnobilier.

Le tiers propriE~taire de l'immeublehypotheque peut renOl1.cer

a Ia notifieation d'un commandement de. payer et au renvoi

de la vente pendantun nouveau tlelai de six mois selon I'art. 100

Ord. real. forcee des imm.

280

Schuldbetroibungs- und Konkursrecht. No 70.

Esecuziollc in via di realizzazione del pegno.

JI terzo proprietario deI fondo ipotecato puo rinunciare allu

not.ifieR deI precetto esecutivo e al rinvio della vendita pel<

un 1ll10\"O tennine di sei mesi (art.. 100 RFF).

A. -

Am 9. November 1932 liessen die Rekurrenten

dem Heinrich Baumgartner einen Zahlungsbefehl (für

Betreibung auf Grundpfandverwertung) für 2600 Fr.

zust.ellen und verlangten nach Beseitigung eines vom

Schuldner erhobenen Rechtsvorschlages am 12. Juni 1933

die Verwertung. Da jedoch der Schuldner das I)fand-

objekt am 5.Mai 1933 einem JosefMeyer hatte zufertigen

lassen -

eine Verfügungsbeschränkung war damals im

Hypothekarprotokoll noch nicht eingetragen -, lehntp

das Konkursamt Rothenburg es ab, dem Verwertungs-

begehren Folge zu leisttm, bevor dem neuen Eigentümer

ein Zahlungsbefehl zugestellt und rechtskräftig geworden

und die Sechsmonatefrist abgelaufen sei (Art. 100 VZG).

B, -

Hiegegen führten die Rekurrenten Beschwerde

mit dem Antrag, das Amt zum Vollzug der Verwertung

anzuhalten. Von der ersten Instanz abgewiesen, wieder-

holten sie diesen Antrag vor der oberen kantonalen Auf-

sichtsbehörde und legten gleichzeitig eine Erklärung des

neuen Eigentümers der Liegenschaft vor, wonach dieSel'

« auf die Zustellung eines Zahlungsbefehls und die damit

eintretende Stundung von 6 Monaten)} verzichtet und

seinerseits rasche Durchführung der Verwertung wünscht.

O. -

Mit Entscheid vom' 31. Oktober 1931 hat die

obere kantonale Aufsichtsbehörde die Beschwerde abge-

wiesen mit der Begründung, das Amt habe Art. 100 VZG

richtig angewendet. Die Frage, ob die erst jetzt vorgelegte

Erklärung des Dritteigentümers bei der Entscheidung des

Rekurses zu berücksichtigen sei, erledige sich schon damit,

dass das Gesetz für die Möglichkeit eines solchen Verzichtes

keine Handhabe biete. Und ob Meyer nach Zustellung

eines Zahlungsbefehls auf die Einhaltung der Sechsmo-

natefrist verzichten könne, sei in diesem Verfahren, an

dem Meyer nicht beteiligt sei, nicht zu untersuchen.

Schuldbotl'eilJung.'. und Konkursrecht. N0 70.

281

D. -

Diesen Entscheid haben die Rekurrenten recht-

~eitig an das Bundesgericht weitergezogen.

Die SchUldbetreibungs- und KonkuTskammer

zieht in Erwä.gung :

Die Vorschrift des Art. 100 VZG, dass dem Dritteigen-

tümer der verpfändeten Liegenschaft (nachträglich) ein

Zahlungsbefehl zuzustellen sei, bezweckt, dem Dritteigen-

tümer die Möglichkeit zu verschaffen, durch Bestreitung

der Forderung oder des Pfandrechtes die Verwertung

seines Eigentums zu verhindern. Und die weitere Bestim-

mung, dass die Verwertung erst 6 Monate nach Zustellung

dieses Zahlungsbefehls vorgenommen werden

< dürfe, will

wiederum dem Dritteigentümer ermöglichen, sein Eigen-

tum zu behalten, indem sie ihm eine angemessene Zeit-

spanne gewährleistet, sei es nun für Unterhandlungen

mit dem Gläubiger und dem persönlichen Schuldner, sei

es für die Bereitstellung der zur Abfindung des Gläubigers

erforderlichen Geldmittel. In beiden Fällen handelt es

sich aber ausschliesslich um die Wahrung von Interessen

des DritteigentÜIDers; irgendwelche Interessen weiterer

Personen oder der Öffentlichkeit schlechthin stehen dabei

nicht auf dem Spiel. Infolgedessen darf diesem Art. 100

Abs. 1 VZG nicht zwingender Charakter in dem Sinn

beigemessen werden, dass der Dritteigentümer des Pfandes

nicht auf die Zustellung des Zahlungsbefehls und auf die

Hinausschiebung der Verwertung verzichten könnte. Hin-

sichtlich des Verwertungszeitpunktes ergibt sich übrigens

die Zulässigkeit des Verzichtes des DritteigentÜIDers aus

Art. 33 Abs. 2 SchKG: Der DritteigentÜIDer, dem ein

Zahlungsbefehl zugestellt werden muss, ist Schuldner

im Sinn dieser Bestimmung. -

Verlangt werden muss

lediglich, dass der Verzicht ausdrücklich und deut-

lich erklärt werde; das ist aber im vorliegenden Fall

geschehen.

Dass die Erklärung des DritteigentÜIDers hier nicht

berücksichtigt werden dürfe, weil sie erst nach AusfaIlung

282

Sdmldhctroibungs- und Konkursrecht. N0 71.

des erstinstanzlichen Entscheides abgegeben' wurde, hat

die Vorinstanz nicht festgestellt.

Demnach erkennt die Schuldbetr.-u. J(onkurs1(ammcr:

Der Rekurs wird gutgeheissen, der angefochtene Ent-

scheid aufgehoben und das Konkursamt Rothenburg

angewiesen, dem Verwertungsbegehren der Rekurrentell

die gecsetzliche Folge zn geben.

71. Entscheid vom ao. Dezember 1933 i. S. Xnärri.

Retention von Sachen des Untermieters für

die Mietzinsforderung des (Ober-) Vermieters:

\Verden Retentionsobjekte . als :Eigentum eines Untermieters

bezeichnet, so hat das Betreibungsamt. den UntermietE'l'

unter gleichzeitiger Zustellung einer Abschrift der Reten-

tionsurklmde anzuweisen, künftig seine Untermietzin8en dem

Betreibungsamt. nicht mehr dem Unt.ervermieter zu bezahlen

(Erw. 4).

Dem Uni.ermieter läuft die Frist zur Beschwerde gegen die Reten-

tion von Kompetenzstücken (erst) vom Empfang dieser Ab-

schrift der Retentionsurkunde an, es wäre denn, er habe

schon vorher in . Kenntnis der Retention ausdrücklich auf

den Kompetenzanspruch verzichtet (Erw. 3).

Nach rechtzeitiger Anhebung der Betreibung auf Faustpfandver-

wertung können die Retentionsobjekte in amtliche Verwahrung

genommen werden (Erw. 2).

Droit de retention portant sur des meubles du sous-locaf.ctire et garall-

tissant le loym' dl1 au baiUeur principal :

Lorsque des objets sur lesquels nn droit de retention est invoqu~

sont designes comme etant la propriete d'un sous-locataire,

l'office des poursuites est tenu de notiiier ll. oe dernier une

copie de l'inventaire en le sommant en meme temps de payer

desormais son propre loyer non plus an locataire principal,

mais ll. l'office (consid. 4).

Le deIa.i ponr porter plainte contre Ia. retention d'objets insaisis-

sables ne court ll. l'encontre du sous-Iocataire qu'll. partir de

la reooption de Ia copie de I'inventaire, a. moins que Ie sous-

locataire, ayant dejll. eu connaissance de la retention, n'ait

expressement renonce a. invoquer l'insaisissabiJiM (consid, 3).

SchuldbeÜ'eibungs- und Konkursrecht. No 71.

Une fois la poursuite en realisation de gage dfunent introduite,

les objets sur Iesquels porte Ie droit de retention peuvent

etre places sous la garde de l'office (consid. 2).

Uiritto di ritenzionc su mobili del subcondttitore (t garanzia,fpl

canone del primo locatol"e.

Ove gli oggetti, sui quali e riventlicato UI1 diritto di ritenzione,

siano designati quaIi proprieta deI subconduttore, l'ufficio

e tenuto di notifieargli una copia deI verbale di ritenzione

ingiungendogli di ilolvere il eanone, non piü al jJrimo locatore,

ma aU' ufficio.

Il termine di reclamo contl'O la rit~mzione di heni impignorabili

non comincia, nei riguardi deI subconduttol'e, ehe dal momento

deI ricevimento di detta copia, a meno ehe il subconduttore

non abbia rinunciato e8pressamente all'esecuzionc dell'impigno-

rabilitll. dopo aver avuto eonoseenza deI vantato diritto di

ritenzione.

Introdotta regolamente l'e<.ecuzione in realizzazione di pegno,

i beni ehe formano oggetto deI diritto di ritenzione possono

essere dati in custodia dell'ufficio.

A. -

Fräulein Lydia Witschi hatte von der Bau- und

Verwertungs-

A.-G. in Bern eine WohntUlg gemietet

und einen Teil derselben dem Rekurrenten untervermietet.

Am 19.JuID 1933liess die Bau- undVerwertungs-A.-G.für

fällige und laufende Mietzinse eine Couch und 2 Fauteuils

im Schätzungswert von 200 Fr. retinieren. Nach einem

Vermerk in der Retentionsurkunde bezeichnete die Schuld-

nerin diese Möbel als Eigentum des Rekurrenten, der sich

mit den Untermietzinsen seit April 1933 im Rückstand

befinde. Dem Rekurrenten wurde keine Abschrift der

Retentionsurkunde zugestellt. -

Als die Schuldnerin am

1. November auszog, ordnete das Betreibungsamt die

amtliche Verwahrung der Retentionsobjekte an.

B. -

Hiegegen führte der Rekurrent Beschwerde mit

der Begründung, die Retentionsobjekte seien sein Eigen-

turn und die Couch sei für ihn als Bettstelle unentbehrlich;

gegen das Retentionsbegehren habe er seinerzeit nicht

Einspruch erhoben, weil er damals mit seinen Mietzinsen

im Rückstand gewesen sei.

O. -

Mit Entscheid vom 24. November 1933 hat die

kantonale Aufsichtsbehörde die Beschwerde hinsichtlich