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PfsndIlfiCblassverfabren. No 35.
B. Pfandnachlassverfahren.
Procedure de concordat hJPothecaire.
ENTSCHEIDUNGEN DER SCHULD-
BETREmUNGS- UND KONKURSKAMMER
ARRßTS DE LA CHAMBRE
DES POURSUITES ET DES FAILLITES
35. Entscheid. vom a. Kai 1985 i. S. Gebr. Brunold.
Gegen die E r ö ff ~ u n g des P fan d n a. chI a. s s ver f a. h -
ren s können die Kur ren t g 1 ä u b i ger nicht B e -
8 C h wer d e führen.
Art. 294 SchKG, 31 des Bundes-
beschlusses vom 30. September 1932.
Les creanciers chirographaires ne peuvent recourir contra l'ou-
verture da la. procedure da concordat hypothecaira (art. 294
LP, 31 de l'arreM federal du 30 septembra 1932).
I craditori chirografari non possono ricorrera oontro l'apertura,
deI procedimento deI concordato ipotecario (art. 294 LEF,
31 deI decreto federale 30 settembre 1932).
A
.,r A. -
Der Ausschuss des Bezirksgerichtes Plessur hat
am 1. April 1933 das Pfandnachlassverfahren über den
'j'Hotelier Ernst Tagmann in Arosa eröffnet und hievon
noch am gleichen Tage den Grundpfandgläubigern und
ihren Bürgen schriftlich Mitteilung gemacht. Die öffent-
liche Bekanntmachung erfolgte im kantonalen Amtsblatte
vom 21. April.
, B. -
Diesen Entsche~d haben eine Anzahl Grundpfand-
gläubiger aus gesetzlichem Bauhandwerkerpfandrecht,
sowie eine Anzahl Kurrentgläubiger am 29. April an das
Bundesgericht weitergezogen mit dem Antrag auf Auf-
Pfandnacblassverfahren. No 35.
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hebung, eventuell Rückweisung. Sie machen wesentlich
geltend, es sei nicht ohne eigenes Verschulden, dass der
Schuldner die Pfandforderungen nicht voll bezahlen könne.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammet·
zieht in Erwägung :
Um die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens zu
erlangen, muss der Schuldner erstens die in Art. 294
SchKG aufgestellten allgemeinen Voraussetzungen jedes
Nachlassverfahrens und zweitens die in Art. 1 Abs. 2
litt. ades Bundesbeschlusses vom 30. September 1932
aufgestellte besondere V oraus::retzung des Pfandnachlass-
verfahrens erfüllen, dass er ohne eigenes Verschulden
infolge der wirtschaftlichen Krise die Pfandforderungen
und ihre Zinse nicht voll bezahlen kann. Ob letzteres
zutreffe, geht ausschliesslich die Pfandgläubiger an, wes-
halb Art. 31 des Bundesbeschlusses vorschreibt, der Ent-
scheid sei im Falle der Eröffnung des Pfandnachlassver-
fahrens auch den betreffenden Pfandgläubigern schriftlich
mitzuteilen, und anschliessend, er könne gemäss Art. 19
SchKG, also binnen 10 Tagen, an das Bundesgericht
weitergezogen werden. Hier haben aber die Pfandgläu-
biger innert dieser am 12. April abgelaufenen Frist nichts
vorgekehrt, und auf ihren erst am 29. April eingereichten
Rekurs kann wegen Verspätung nicht eingetreten werden.
Eine Mitteilung von der Eröffnung des Pfandnachlassver-
fahrens an die Kurrentgläubiger sieht der Bundesbeschluss
nicht vor, ebensowenig wie Art. 294 Abs. 2 SchKG eine
Mitteilung von der Eröffnung des gewöhnlichen Nachlass-
verfahrens. Aus letzterem haben die kantonalen obern
Nachlassbehörden sozusagen ausnahmslos den Schluss
gezogen, nur der Schuldner, nicht aber die Gläubiger kön-
nen den Entscheid über die Gewährung einer Nachlass-
stundung an die obere kantonale Nachlassbehörde weiter-
ziehen (vgl. die bei JAEGER, Note 7 zu Art. 294 SchKG im
Kommentar und 2. Nachtrag angeführten Präjudizien),
was nur zu billigen ist. Aus dem gleichen Grunde muss
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Pfandnaehlassverfahren. Xo 36.
im Pfandnachlassverfahren das gleiche für die Kurrent-
gläubiger gelten. Wenn es den Kurrentgläubigern versagt
ist, gegen die Eröffnung des gewöhnlichen Nachlassver-
fahrens Beschwerde zu führen, so liesse es sich in der Tat
nicht rechtfertigen, ihnen das Recht zur Beschwerde
gegen die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens einzu-
räumen, wofür ja bloss die gleichen Voraussetzungen
erfüllt sein müssen, darüber hinaus freilich noch eine
weitere besondere, nämlich die eingangs erwähnte Voraus-
setzung, die aber, wie dort angedeutet, die Kurrent-
gläubiger nichts angeht. Soweit der vorliegende Rekurs
von Kurrentgläubigern ausgeht, ist er daher wegen Feh-
lens der Beschwerdelegitimation unzulässig.
Demnach erkennt die 8ch'Uldbetr.- 'U. Konk'Urskammer:
Auf den Rekurs wird nicht eingetreten.
36. Entscheid vom 19. Mai 1933
i. S. iheintalische CrecUtanstalt gegen Frei-Löbhard.
P fa. n d n ach 1 a. s s ver f a h ren (Bundesbeschluss vom 30.
September 1932):
Grundsätze des Verfahrens vor der Nachlassbehörde und vor
Bundesgericht (Art. 294 SchKG, Art. 31 des Bundesbeschlusses)
(Erw. 1).
•
Voraussetzung der Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens ist
(Art. 1 des Bundesbeschlusses) :
a) dass gegenw~rtig ein (Hotel- oder Stickerei-) Gewerbe betrieben
wird (Erw. 2).
b) dauernde Sanierbarkeit (Erw. 3).
Nichteinbeziehung der nicht zum Gewerbebetrieb benützten
(und nicht etwa gesamtverpfändeten) Grundstücke (Erw. 4).
Procedure de CO'/'I,CO'rdat hypotMcaire (Arret8 fooeral du 30 septem-
bre 1932).
Principes de la. procedure devant l'autorit8 de concordat et devant
le Tribunal fooeral (art. 294 LP., art. 31 de l'arret8 fooeral)
(consid. 1).
Pfandnaehlassverfahren. No 36.
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Pour que la procooure de concordat hypothecaire puisse etre
ouverte, il faut, conformement a l'art. 1 de l'arrete :
a) qu'il s'agisse d'un etablissement hötelier ou d'une entreprise
de broderie actuellement en exploitation (consid. 2),
b) que cette entreprise soit susceptibJe d'un assainissement
durable (consid. 3).
Exclusion des immeubles qui ne servent pas a I 'exploitation de
l'entreprise (et qui ne sont pas compris dans une hypotheque
generale grevant l'ensemble des biens-fonds du debiteur)
(consid. 4).
Procedura di CO'/'I,CO'rdato
ipotecario (decreto federale dei 30
sett. 1932).
Principi della procedura da.vanti l'autorita di concordato e il
Tribunale federale (art. 294 LEF, art.
31
deI
decreto
federale, consid. 1).
Affinche la procedura di coneordato ipotecario possa essere aperta
occorre, a stregua dell 'art. 1 deI decreto :
a) Che si tratti di un' industria alberghiera 0 di un'impresa di
ricami eaercita ancora attuaJmente (eonsid. 2),
b) Che siffatta impresa ais suaeettibile di risanamento duraturo.
Esclusione degli stabili che non servono all'esercizio dell'impresa
(e ehe non sono compresi in un' ipoteca generale sull'insieme
degli immobili deI debitore).
A. -
Der Rekursgegner besitzt an Liegenschaften
31 ar Boden, Wohnhaus, Scheune und freistehendes Stick-
lokal mit einer Automatenstickmaschine als Zugehör, auf
denen Hypotheken im Kapitalbetrage von 22,500 Fr. nebst
rückständigen Zinsen von 3400 Fr. lasten, während er
den heutigen Wert auf nur 15,000 Fr. angibt.
B. -
Auf sein Gesuch hat das Kantonsgericht von St.
Gallen am 1. Mai 1933 das Pfandnachlassverfahren über
den Rekursgegner eröffnet.
O. -
Diesen Entscheid hat em Hypothekargläubiger,
nämlich die Rheintalische Creditanstalt, an das Bundes-
gericht weitergezogen, indem sie wesentlich geltend
macht: Zwei Drittel des Wertes des Grundbesitzes des
Rekursgegners dienen einem kleinbäuerlichen Betrieb und
nur ein Drittel dem kleinindustrielIen. Schon seit etwa
3 Jahren sei der Rekursgegner nicht mehr in der Stickerei-
industrie tätig.