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59_III_148

BGE 59 III 148

Bundesgericht (BGE) · 1933-01-01 · Deutsch CH
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148

PfsndIlfiCblassverfabren. No 35.

B. Pfandnachlassverfahren.

Procedure de concordat hJPothecaire.

ENTSCHEIDUNGEN DER SCHULD-

BETREmUNGS- UND KONKURSKAMMER

ARRßTS DE LA CHAMBRE

DES POURSUITES ET DES FAILLITES

35. Entscheid. vom a. Kai 1985 i. S. Gebr. Brunold.

Gegen die E r ö ff ~ u n g des P fan d n a. chI a. s s ver f a. h -

ren s können die Kur ren t g 1 ä u b i ger nicht B e -

8 C h wer d e führen.

Art. 294 SchKG, 31 des Bundes-

beschlusses vom 30. September 1932.

Les creanciers chirographaires ne peuvent recourir contra l'ou-

verture da la. procedure da concordat hypothecaira (art. 294

LP, 31 de l'arreM federal du 30 septembra 1932).

I craditori chirografari non possono ricorrera oontro l'apertura,

deI procedimento deI concordato ipotecario (art. 294 LEF,

31 deI decreto federale 30 settembre 1932).

A

.,r A. -

Der Ausschuss des Bezirksgerichtes Plessur hat

am 1. April 1933 das Pfandnachlassverfahren über den

'j'Hotelier Ernst Tagmann in Arosa eröffnet und hievon

noch am gleichen Tage den Grundpfandgläubigern und

ihren Bürgen schriftlich Mitteilung gemacht. Die öffent-

liche Bekanntmachung erfolgte im kantonalen Amtsblatte

vom 21. April.

, B. -

Diesen Entsche~d haben eine Anzahl Grundpfand-

gläubiger aus gesetzlichem Bauhandwerkerpfandrecht,

sowie eine Anzahl Kurrentgläubiger am 29. April an das

Bundesgericht weitergezogen mit dem Antrag auf Auf-

Pfandnacblassverfahren. No 35.

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hebung, eventuell Rückweisung. Sie machen wesentlich

geltend, es sei nicht ohne eigenes Verschulden, dass der

Schuldner die Pfandforderungen nicht voll bezahlen könne.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammet·

zieht in Erwägung :

Um die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens zu

erlangen, muss der Schuldner erstens die in Art. 294

SchKG aufgestellten allgemeinen Voraussetzungen jedes

Nachlassverfahrens und zweitens die in Art. 1 Abs. 2

litt. ades Bundesbeschlusses vom 30. September 1932

aufgestellte besondere V oraus::retzung des Pfandnachlass-

verfahrens erfüllen, dass er ohne eigenes Verschulden

infolge der wirtschaftlichen Krise die Pfandforderungen

und ihre Zinse nicht voll bezahlen kann. Ob letzteres

zutreffe, geht ausschliesslich die Pfandgläubiger an, wes-

halb Art. 31 des Bundesbeschlusses vorschreibt, der Ent-

scheid sei im Falle der Eröffnung des Pfandnachlassver-

fahrens auch den betreffenden Pfandgläubigern schriftlich

mitzuteilen, und anschliessend, er könne gemäss Art. 19

SchKG, also binnen 10 Tagen, an das Bundesgericht

weitergezogen werden. Hier haben aber die Pfandgläu-

biger innert dieser am 12. April abgelaufenen Frist nichts

vorgekehrt, und auf ihren erst am 29. April eingereichten

Rekurs kann wegen Verspätung nicht eingetreten werden.

Eine Mitteilung von der Eröffnung des Pfandnachlassver-

fahrens an die Kurrentgläubiger sieht der Bundesbeschluss

nicht vor, ebensowenig wie Art. 294 Abs. 2 SchKG eine

Mitteilung von der Eröffnung des gewöhnlichen Nachlass-

verfahrens. Aus letzterem haben die kantonalen obern

Nachlassbehörden sozusagen ausnahmslos den Schluss

gezogen, nur der Schuldner, nicht aber die Gläubiger kön-

nen den Entscheid über die Gewährung einer Nachlass-

stundung an die obere kantonale Nachlassbehörde weiter-

ziehen (vgl. die bei JAEGER, Note 7 zu Art. 294 SchKG im

Kommentar und 2. Nachtrag angeführten Präjudizien),

was nur zu billigen ist. Aus dem gleichen Grunde muss

150

Pfandnaehlassverfahren. Xo 36.

im Pfandnachlassverfahren das gleiche für die Kurrent-

gläubiger gelten. Wenn es den Kurrentgläubigern versagt

ist, gegen die Eröffnung des gewöhnlichen Nachlassver-

fahrens Beschwerde zu führen, so liesse es sich in der Tat

nicht rechtfertigen, ihnen das Recht zur Beschwerde

gegen die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens einzu-

räumen, wofür ja bloss die gleichen Voraussetzungen

erfüllt sein müssen, darüber hinaus freilich noch eine

weitere besondere, nämlich die eingangs erwähnte Voraus-

setzung, die aber, wie dort angedeutet, die Kurrent-

gläubiger nichts angeht. Soweit der vorliegende Rekurs

von Kurrentgläubigern ausgeht, ist er daher wegen Feh-

lens der Beschwerdelegitimation unzulässig.

Demnach erkennt die 8ch'Uldbetr.- 'U. Konk'Urskammer:

Auf den Rekurs wird nicht eingetreten.

36. Entscheid vom 19. Mai 1933

i. S. iheintalische CrecUtanstalt gegen Frei-Löbhard.

P fa. n d n ach 1 a. s s ver f a h ren (Bundesbeschluss vom 30.

September 1932):

Grundsätze des Verfahrens vor der Nachlassbehörde und vor

Bundesgericht (Art. 294 SchKG, Art. 31 des Bundesbeschlusses)

(Erw. 1).

Voraussetzung der Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens ist

(Art. 1 des Bundesbeschlusses) :

a) dass gegenw~rtig ein (Hotel- oder Stickerei-) Gewerbe betrieben

wird (Erw. 2).

b) dauernde Sanierbarkeit (Erw. 3).

Nichteinbeziehung der nicht zum Gewerbebetrieb benützten

(und nicht etwa gesamtverpfändeten) Grundstücke (Erw. 4).

Procedure de CO'/'I,CO'rdat hypotMcaire (Arret8 fooeral du 30 septem-

bre 1932).

Principes de la. procedure devant l'autorit8 de concordat et devant

le Tribunal fooeral (art. 294 LP., art. 31 de l'arret8 fooeral)

(consid. 1).

Pfandnaehlassverfahren. No 36.

11>1

Pour que la procooure de concordat hypothecaire puisse etre

ouverte, il faut, conformement a l'art. 1 de l'arrete :

a) qu'il s'agisse d'un etablissement hötelier ou d'une entreprise

de broderie actuellement en exploitation (consid. 2),

b) que cette entreprise soit susceptibJe d'un assainissement

durable (consid. 3).

Exclusion des immeubles qui ne servent pas a I 'exploitation de

l'entreprise (et qui ne sont pas compris dans une hypotheque

generale grevant l'ensemble des biens-fonds du debiteur)

(consid. 4).

Procedura di CO'/'I,CO'rdato

ipotecario (decreto federale dei 30

sett. 1932).

Principi della procedura da.vanti l'autorita di concordato e il

Tribunale federale (art. 294 LEF, art.

31

deI

decreto

federale, consid. 1).

Affinche la procedura di coneordato ipotecario possa essere aperta

occorre, a stregua dell 'art. 1 deI decreto :

a) Che si tratti di un' industria alberghiera 0 di un'impresa di

ricami eaercita ancora attuaJmente (eonsid. 2),

b) Che siffatta impresa ais suaeettibile di risanamento duraturo.

Esclusione degli stabili che non servono all'esercizio dell'impresa

(e ehe non sono compresi in un' ipoteca generale sull'insieme

degli immobili deI debitore).

A. -

Der Rekursgegner besitzt an Liegenschaften

31 ar Boden, Wohnhaus, Scheune und freistehendes Stick-

lokal mit einer Automatenstickmaschine als Zugehör, auf

denen Hypotheken im Kapitalbetrage von 22,500 Fr. nebst

rückständigen Zinsen von 3400 Fr. lasten, während er

den heutigen Wert auf nur 15,000 Fr. angibt.

B. -

Auf sein Gesuch hat das Kantonsgericht von St.

Gallen am 1. Mai 1933 das Pfandnachlassverfahren über

den Rekursgegner eröffnet.

O. -

Diesen Entscheid hat em Hypothekargläubiger,

nämlich die Rheintalische Creditanstalt, an das Bundes-

gericht weitergezogen, indem sie wesentlich geltend

macht: Zwei Drittel des Wertes des Grundbesitzes des

Rekursgegners dienen einem kleinbäuerlichen Betrieb und

nur ein Drittel dem kleinindustrielIen. Schon seit etwa

3 Jahren sei der Rekursgegner nicht mehr in der Stickerei-

industrie tätig.