Sachverhalt
Der Kläger, Dr. Albert Senn, ist ein bekannter
Zahnarzt, der seit Jahren in ZÜfich seine Praxis ausübt.
AS 56 II -
1930
30
440
Obligationenreeht. N0 7~.
Im November 1925 trat der Beklagte, Zahnarzt Dr. Karl
Sutter, bei ihm als Assistent in Stellung, wobei d~r Kläger
. ihn am 13. April 1926 folgende Erklärung unterzeic;hnen
liess: «Der Unterzeichnete. verpflichtet sich auf Ehren-
wort~ nach eventuellem Austritt aus der Praxis des Herrn
Dr. Senn, sich während zwei Jahren nicht anderweitig in
Zürich zahnärztlich zu betätigen». Im Januar 1927 kam
es zu Differenzen zwischen den Parteien, worauf der Klä-
ger dem Beklagten a..rl Ende 1927 kündigte. In der Folge
einigten sich die Parteien jedoch wieder, und es wurde das
Dienstverhältnis, ohne dass die Frage des Konkurrenz-
verbotes neu geregelt worden wäre, fortgesetzt, bis der
Beklagte dem Kläger am 30. April 1929 seinerseits die
Stellung kündigte. Er trat daraufhin am 15. Juni gleichen
J a.hres bei Zahnarzt Dr. Keller in Zürich ein, bei welchem
Anlass er an seine Bekannten, worunter auch an solche,
zu denen er infolge seiner Tätigkeit beim Kläger in Be-
ziehung getreten war, ein Zirkular versandte, in welchem
er sie davon in Kenntnis setzte, dass. ~r «ab 15. Juni
nächsthin Weinbergstrasse 20, Telephon Hottingen 5488
praktizieren werde».
.
B. -
Der Kläger erblickt in diesem Verhalten eine Ver-
letzung des vom Beklagten unterm 13. April 192~ einge-
gangenen Konkurrenzverbotes, sowie auch ein unlauteres
Verhalten im Sinne von Art. 48 OR, und er reichte daher
gegen den Beklagten Klage auf. Bezahlung von 5000 Fr.,
eventuell eines nach richterlichem Ermessen festzusetzen-
den Betrages ein.
O. -
Mit Urteil vom 27. August 1930 hat das Oberge-
richt des Kantons Zürich die Klage abgewiesen.
D. -
Hiegegen hat der Kläger am 8. Oktober 1930 die
Berufung an das Bundesgericht erklärt, indem er erneut
um Schutz der Klage ersuchte; eventuell sei die Angelegen-
heit zur Feststellung des Schadens an die Vorlnstanzzu-
rnckzuweisen.
Der Beklagte beantragt die Abweisung der Berufung
und Bestätigung. des angefochtenen Entscheides.
Obligationenrecht. No 76.
441
.
Erwägungen (3 Absätze)
E. 1 Der Beklagte hält dem in Frage stehenden Konkur-
~nzverbot, auf das sich die Klage in erster Linie stützt,
entgegen, dieses überschreite die allgemeine Schranke,
welche der Vertragsfreiheit durch Art. 20 OR gesetzt ist"
und sodann beruft er sich auf die besondere Schutzbestim ..
mung, Welche das Gesetz in Art. 356 Abs. 2 OR im Interesse
des Dienstpflichtigen aufgestellt hat.
Mit Recht hat es jedoch die Vorlnstanz abgelehnt, aus
Art. 20 OR die Ungültigkeit des vorliegenden Konkurrenz-
verbotes abzuleiten. Die von der deutschen Judicatur (vgl.
Entscheidungen des Reichsgerichtes in Zivilsachen Bd.
16 NF S. 144) -
auf welche deI! Beklagte sich beruft
-
vertretene Auffassung, wonach die Ausübung eines
ärztlichen Berufes wegen des öffentlichen Interesses' und
auch kraft der diesem innewohflenden Würde unbedingt
frei sein müsse, wird von der schweizerischen Recht-
sprechung nicht geteilt, und sie erweist sich strenger
als die Schranken, welche das Bundesgesetz über das
Obligationenrecht dem in ihm grundsätzlich anerkann-
ten Prinzip der Vertragsfreiheit gezogen hat. Der eidg.
Gesetzgeber hat. sich bei der Reform des Obligationen-
rechtesbesonders angelegen sein lassen, die Wirkungen
der Vertra~iheit gerade in Bezug auf das Konkurrenz-
verbot auf ein erträgliches und vernünftiges Mass zurück-
zuschrauben, aber er hat doch davon abgesehen, eine be-
sondere Schranke in Ansehung der Art der Betätigung,
um welche' es sich bei dem Dienstverhältnis handelt, zu
ziehen, d.h. er hat es unterlassen, besondere Klassen von
Dienstpflichtigen bei der Behandlung des KoIikurrenz-
verbotes über die a.llgemeine Ordnung hinauszuheben und
sich vielmehr damit begnügt, in Art. 356 Abs. 2 OR die
Grenzen zu ziehen im Hinblick auf die grÖS8ere oder. ge-
ringere Möglichkeit und die Schadenswirkungen des Ver-
trauensmissbrauches, dem die Konkurrenzverbote be-
gegnen sollen.
Obligationenreeht. No 76.
E. 2 Es fragt sich deshalb bei der Beurteilung de;r Rechts-
gültigkeit des hier im Streite liegenden Konlrurrenzver-
botes einzig, ob die in Art. 356 Abs. 2 OB für dessen Zu-
lässigkeit geforderten Voraussetzungen zutreffen, d.h. ob
das in Frage stehende Dienstverhältnis dem Beklagten
·einen Einblick in den Kundenkreis oder in Geschäftsge-
heimnisse des Klägers gewährte, durch dessen Verwendung
er den Kläger erheblich schädigen könnte. Geschäftsge-
heimnisse kommen hier -
darüber sind die Parteien
einig -
nicht in Frage. Mit Bezug auf delf Einblick in den
Kundenk:reis aber hat das Bundesgericht in seinem Ent-
scheide in Band 44 II S. 56 ff. ausgeführt, dass dieser
immer dann vom Angestellten nicht ausgebeutet werden
könne, wenn das Verhältnis zwischen Kundschaft und
GeschäftsheITD. im wesentlichen auf einem persönlichen
Bande beruhe, wenn es sich stütze auf die persönliche
Leistungsfähigkeit des GeschäftsheITD. In diesem Falle
werde dem Dienstnehmer sein Einblick in den Kundenk:reis
nichts nützen; deim dieser Kenntnis an sich werde er noch
nicht die Mittel entnehmen können, um die Verbindung
zwischen Prinzipal und Kundschaft aufzUlösen oder zu
lockern. Der berühmte Arzt könne daher seinem Assisten-
ten, der bekannte Rechtsanwalt seinem Substituten, kein
Konkurrenzverbqt auferlegen. Wohl sei eventuell ~uch in
solchen lfällen eine Schadenszufügung vermöge der eigenen
Leistungsfähigkeit des Dienstnehmers möglich. Allein dann
sei eben nicht dessen Einblick, wenigstens nicht in erheb-
lichem Masse, für den Schaden des Dienstgebers kausal,
sondern kausal seien dann seine persönlichen Eigenschaften,
deren Werbekraft aber nach Art. 356 Abs. 2 OR nicht un-
terbunden werden dürfe. Es liegt kein Grund vor, von der
Auslegung, wie sie die in Frage stehende Bestimmung
durch den erwähnten Entscheid erfahren hat, abzugehen.
Art. 356 Abs. 2 OR ist nur ein besonderer Anwendungsfall
des in Art. 27 ZGB ausgesprochenen allgemeinen Prinzips,
wonach niemand sich seiner persönlichen Freiheit ent-
äussern oder sich in ihrem Gebrauch in einem das ·Recht
Obligationenrecht. No 76.
443
oder die Sittlichkei~ verletzenden Grade beschränken kann.
Eine solche rechtswidrige bezw. unsittliche Beschränkung
würde aber durch die Vereinbarung von Konkurrenzver-
boten ermöglicht, wenn man der in Frage stehenden Be-
stimmung nicht die weitreichende Bedeutung, wie sie ihr
im erwähnten Entscheide beigemessen worden ist, zuer-
kennen würde. Dem kann nicht, wie der Kläger glaubt,
entgegengehalten werden, dass diese Auffassung in ihrer
Verallgemeinerung einer Verneinung der Anwendbarkeit
des Konkurrenzverbotes auf freie Dienste gleichkomme.
Die Haltlosigkeit dieser Behauptung ergibt sich schon dar-
aus, dass. es sich im angefochtenen Urteil, . wie auch im
heutigen Falle, nur um den Einblick in den Kundenkreis
und nicht auch in Geschäftsgeheimnisse handelt. Auch
bei sog. freien Diensten kann der Dienstnehmer sehr wohl
in die Lage kommen, Geschäftsgeheimnisse des Dienst-
heITD zu erfahren, in welchem Falle dann der Vereinbarung
eines Konkurrenzverbotes nichts im Wege steht.
Sind somit die vorerwähnten, in dem angeführten Ent-
scheide ausgesprochenen Grundsätze heute noch als zu-
treffend zu erachten, so ist damit aber, wie die Vorinsta.nz
mit R~ht angenommen hat, ohne weiteres auch die Unzu-
lässigkeit des vorliegend streitigen Konkurrenzverbotes
dargetan. Der Kläger behauptet zwar, er sei wohl ein guter,
angesehener Zahna.rzt, aber nicht « berühmt». Das spielt
jedoch keine ausschlaggebende Rolle. Der Gleichstellung
des « berühmten» Arztes mit dem « bekannten» Rechts-
anwalt ist unschwer zu entnehmen, dass das bezügliche
Urteil -
was sich übrigens auch aus dem Sinn jener Er-
wägungen ohne w~iteres ergibt -
nicht gerade eine Be-
rühmtheit in dem betreffenden Fach, sondern überhaupt
einen Praktiker von Ruf im Auge hatte; hierauf passt
aber auch das Prädikat, das dem Kläger nach seiner eige-
nen Sachdarstellung zukommt.
E. 3 Bei dieser Sachlage kann aber in dem Umstande, dass der Beklagte sich seit Austritt beim Kläger ander- weitig in Zürich als Zahnarzt betätigt Und dass er. hievon 444 Obligationenrecht. N° '1'1. seinen Bekannten Kenntnis gegeben hat, auch kein unlau~ teres Verhalten im Sinne von Art. 48 OR erblickt werden. Denn einem Dienstnehmer, der eine Stelle verlä8st, um sich selbständig zu machen, oder bei einem andern Prin- zipal einzutreten, kann, wenn nicht eine besondere ver- tragliche Abmachung ihm dies verbietet, nicht verwehrt werden, sich bei diesem Anlass bei seinen Bekannten, wo- runter auch allenfalls bei den Kunden seines frühem Dienstherrn, zu empfehlen, sofern dies nicht in einer Weise geschieht, dass letzterer hiedurch herabgewürdigt, oder die eigenen Fähigkeiten in ungehöriger Weise angepriesen werden. Das ist aber vorliegend nicht geschehen. Demnach, .erkennt das Bundesgericht : Die &rufung wird abgewiesen und demgemäss das Ur- teil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 27. August 1930 bestätigt.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
76. Urteil aer 1. Zivilabtei1ung vom a3. Dezember 1930
. i. S. Senn gegen Butter.
.
K 0 n kur ren z ver bot. Dessen ZuIässigkeit im Ar z t-
bezw. Za.hnarztberuf. Es ist nicht auf Grund von
Art. 200& ungültig (Erw. 1). -
Mangel der Voraussetzungen
des Art. 356 Abs.2 OR ·(Erw. 2).
Bei Ungültigkeit eines Konkurrenzverbotes verstösst es n$.cht gegen
Treu und GI.a.~eD. (Art. 48 0&), wenn ein Dienstnehmer, der,
um sich selbständig zu ma.chen, eine Stelle verlässt, dies seinen
Bekannten durch ein Rundschreiben zur Kenntnis bringt
(Erw.3).
A. -
Der Kläger, Dr. Albert Senn, ist ein bekannter
Zahnarzt, der seit Jahren in ZÜfich seine Praxis ausübt.
AS 56 II -
1930
30
440
Obligationenreeht. N0 7~.
Im November 1925 trat der Beklagte, Zahnarzt Dr. Karl
Sutter, bei ihm als Assistent in Stellung, wobei d~r Kläger
. ihn am 13. April 1926 folgende Erklärung unterzeic;hnen
liess: «Der Unterzeichnete. verpflichtet sich auf Ehren-
wort~ nach eventuellem Austritt aus der Praxis des Herrn
Dr. Senn, sich während zwei Jahren nicht anderweitig in
Zürich zahnärztlich zu betätigen». Im Januar 1927 kam
es zu Differenzen zwischen den Parteien, worauf der Klä-
ger dem Beklagten a..rl Ende 1927 kündigte. In der Folge
einigten sich die Parteien jedoch wieder, und es wurde das
Dienstverhältnis, ohne dass die Frage des Konkurrenz-
verbotes neu geregelt worden wäre, fortgesetzt, bis der
Beklagte dem Kläger am 30. April 1929 seinerseits die
Stellung kündigte. Er trat daraufhin am 15. Juni gleichen
J a.hres bei Zahnarzt Dr. Keller in Zürich ein, bei welchem
Anlass er an seine Bekannten, worunter auch an solche,
zu denen er infolge seiner Tätigkeit beim Kläger in Be-
ziehung getreten war, ein Zirkular versandte, in welchem
er sie davon in Kenntnis setzte, dass. ~r «ab 15. Juni
nächsthin Weinbergstrasse 20, Telephon Hottingen 5488
praktizieren werde».
.
B. -
Der Kläger erblickt in diesem Verhalten eine Ver-
letzung des vom Beklagten unterm 13. April 192~ einge-
gangenen Konkurrenzverbotes, sowie auch ein unlauteres
Verhalten im Sinne von Art. 48 OR, und er reichte daher
gegen den Beklagten Klage auf. Bezahlung von 5000 Fr.,
eventuell eines nach richterlichem Ermessen festzusetzen-
den Betrages ein.
O. -
Mit Urteil vom 27. August 1930 hat das Oberge-
richt des Kantons Zürich die Klage abgewiesen.
D. -
Hiegegen hat der Kläger am 8. Oktober 1930 die
Berufung an das Bundesgericht erklärt, indem er erneut
um Schutz der Klage ersuchte; eventuell sei die Angelegen-
heit zur Feststellung des Schadens an die Vorlnstanzzu-
rnckzuweisen.
Der Beklagte beantragt die Abweisung der Berufung
und Bestätigung. des angefochtenen Entscheides.
Obligationenrecht. No 76.
441
. Das Bundesgericht zieht in Erwägung :
1. Der Beklagte hält dem in Frage stehenden Konkur-
~nzverbot, auf das sich die Klage in erster Linie stützt,
entgegen, dieses überschreite die allgemeine Schranke,
welche der Vertragsfreiheit durch Art. 20 OR gesetzt ist"
und sodann beruft er sich auf die besondere Schutzbestim ..
mung, Welche das Gesetz in Art. 356 Abs. 2 OR im Interesse
des Dienstpflichtigen aufgestellt hat.
Mit Recht hat es jedoch die Vorlnstanz abgelehnt, aus
Art. 20 OR die Ungültigkeit des vorliegenden Konkurrenz-
verbotes abzuleiten. Die von der deutschen Judicatur (vgl.
Entscheidungen des Reichsgerichtes in Zivilsachen Bd.
16 NF S. 144) -
auf welche deI! Beklagte sich beruft
-
vertretene Auffassung, wonach die Ausübung eines
ärztlichen Berufes wegen des öffentlichen Interesses' und
auch kraft der diesem innewohflenden Würde unbedingt
frei sein müsse, wird von der schweizerischen Recht-
sprechung nicht geteilt, und sie erweist sich strenger
als die Schranken, welche das Bundesgesetz über das
Obligationenrecht dem in ihm grundsätzlich anerkann-
ten Prinzip der Vertragsfreiheit gezogen hat. Der eidg.
Gesetzgeber hat. sich bei der Reform des Obligationen-
rechtesbesonders angelegen sein lassen, die Wirkungen
der Vertra~iheit gerade in Bezug auf das Konkurrenz-
verbot auf ein erträgliches und vernünftiges Mass zurück-
zuschrauben, aber er hat doch davon abgesehen, eine be-
sondere Schranke in Ansehung der Art der Betätigung,
um welche' es sich bei dem Dienstverhältnis handelt, zu
ziehen, d.h. er hat es unterlassen, besondere Klassen von
Dienstpflichtigen bei der Behandlung des KoIikurrenz-
verbotes über die a.llgemeine Ordnung hinauszuheben und
sich vielmehr damit begnügt, in Art. 356 Abs. 2 OR die
Grenzen zu ziehen im Hinblick auf die grÖS8ere oder. ge-
ringere Möglichkeit und die Schadenswirkungen des Ver-
trauensmissbrauches, dem die Konkurrenzverbote be-
gegnen sollen.
Obligationenreeht. No 76.
2. Es fragt sich deshalb bei der Beurteilung de;r Rechts-
gültigkeit des hier im Streite liegenden Konlrurrenzver-
botes einzig, ob die in Art. 356 Abs. 2 OB für dessen Zu-
lässigkeit geforderten Voraussetzungen zutreffen, d.h. ob
das in Frage stehende Dienstverhältnis dem Beklagten
·einen Einblick in den Kundenkreis oder in Geschäftsge-
heimnisse des Klägers gewährte, durch dessen Verwendung
er den Kläger erheblich schädigen könnte. Geschäftsge-
heimnisse kommen hier -
darüber sind die Parteien
einig -
nicht in Frage. Mit Bezug auf delf Einblick in den
Kundenk:reis aber hat das Bundesgericht in seinem Ent-
scheide in Band 44 II S. 56 ff. ausgeführt, dass dieser
immer dann vom Angestellten nicht ausgebeutet werden
könne, wenn das Verhältnis zwischen Kundschaft und
GeschäftsheITD. im wesentlichen auf einem persönlichen
Bande beruhe, wenn es sich stütze auf die persönliche
Leistungsfähigkeit des GeschäftsheITD. In diesem Falle
werde dem Dienstnehmer sein Einblick in den Kundenk:reis
nichts nützen; deim dieser Kenntnis an sich werde er noch
nicht die Mittel entnehmen können, um die Verbindung
zwischen Prinzipal und Kundschaft aufzUlösen oder zu
lockern. Der berühmte Arzt könne daher seinem Assisten-
ten, der bekannte Rechtsanwalt seinem Substituten, kein
Konkurrenzverbqt auferlegen. Wohl sei eventuell ~uch in
solchen lfällen eine Schadenszufügung vermöge der eigenen
Leistungsfähigkeit des Dienstnehmers möglich. Allein dann
sei eben nicht dessen Einblick, wenigstens nicht in erheb-
lichem Masse, für den Schaden des Dienstgebers kausal,
sondern kausal seien dann seine persönlichen Eigenschaften,
deren Werbekraft aber nach Art. 356 Abs. 2 OR nicht un-
terbunden werden dürfe. Es liegt kein Grund vor, von der
Auslegung, wie sie die in Frage stehende Bestimmung
durch den erwähnten Entscheid erfahren hat, abzugehen.
Art. 356 Abs. 2 OR ist nur ein besonderer Anwendungsfall
des in Art. 27 ZGB ausgesprochenen allgemeinen Prinzips,
wonach niemand sich seiner persönlichen Freiheit ent-
äussern oder sich in ihrem Gebrauch in einem das ·Recht
Obligationenrecht. No 76.
443
oder die Sittlichkei~ verletzenden Grade beschränken kann.
Eine solche rechtswidrige bezw. unsittliche Beschränkung
würde aber durch die Vereinbarung von Konkurrenzver-
boten ermöglicht, wenn man der in Frage stehenden Be-
stimmung nicht die weitreichende Bedeutung, wie sie ihr
im erwähnten Entscheide beigemessen worden ist, zuer-
kennen würde. Dem kann nicht, wie der Kläger glaubt,
entgegengehalten werden, dass diese Auffassung in ihrer
Verallgemeinerung einer Verneinung der Anwendbarkeit
des Konkurrenzverbotes auf freie Dienste gleichkomme.
Die Haltlosigkeit dieser Behauptung ergibt sich schon dar-
aus, dass. es sich im angefochtenen Urteil, . wie auch im
heutigen Falle, nur um den Einblick in den Kundenkreis
und nicht auch in Geschäftsgeheimnisse handelt. Auch
bei sog. freien Diensten kann der Dienstnehmer sehr wohl
in die Lage kommen, Geschäftsgeheimnisse des Dienst-
heITD zu erfahren, in welchem Falle dann der Vereinbarung
eines Konkurrenzverbotes nichts im Wege steht.
Sind somit die vorerwähnten, in dem angeführten Ent-
scheide ausgesprochenen Grundsätze heute noch als zu-
treffend zu erachten, so ist damit aber, wie die Vorinsta.nz
mit R~ht angenommen hat, ohne weiteres auch die Unzu-
lässigkeit des vorliegend streitigen Konkurrenzverbotes
dargetan. Der Kläger behauptet zwar, er sei wohl ein guter,
angesehener Zahna.rzt, aber nicht « berühmt». Das spielt
jedoch keine ausschlaggebende Rolle. Der Gleichstellung
des « berühmten» Arztes mit dem « bekannten» Rechts-
anwalt ist unschwer zu entnehmen, dass das bezügliche
Urteil -
was sich übrigens auch aus dem Sinn jener Er-
wägungen ohne w~iteres ergibt -
nicht gerade eine Be-
rühmtheit in dem betreffenden Fach, sondern überhaupt
einen Praktiker von Ruf im Auge hatte; hierauf passt
aber auch das Prädikat, das dem Kläger nach seiner eige-
nen Sachdarstellung zukommt.
3. Bei dieser Sachlage kann aber in dem Umstande,
dass der Beklagte sich seit Austritt beim Kläger ander-
weitig in Zürich als Zahnarzt betätigt Und dass er. hievon
444
Obligationenrecht. N° '1'1.
seinen Bekannten Kenntnis gegeben hat, auch kein unlau~
teres Verhalten im Sinne von Art. 48 OR erblickt werden.
Denn einem Dienstnehmer, der eine Stelle verlä8st, um
sich selbständig zu machen, oder bei einem andern Prin-
zipal einzutreten, kann, wenn nicht eine besondere ver-
tragliche Abmachung ihm dies verbietet, nicht verwehrt
werden, sich bei diesem Anlass bei seinen Bekannten, wo-
runter auch allenfalls bei den Kunden seines frühem
Dienstherrn, zu empfehlen, sofern dies nicht in einer Weise
geschieht, dass letzterer hiedurch herabgewürdigt, oder
die eigenen Fähigkeiten in ungehöriger Weise angepriesen
werden. Das ist aber vorliegend nicht geschehen.
Demnach, .erkennt das Bundesgericht :
Die &rufung wird abgewiesen und demgemäss das Ur-
teil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 27. August
1930 bestätigt.