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56_II_444

BGE 56 II 444

Bundesgericht (BGE) · 1930-01-01 · Deutsch CH
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444

Obligationenreeht. N0 77.

seinen Bekannten Kenntnis gegeben hat, auch kein unIau~

teres Verhalten im Sinne von Art. 48 OR erblickt werden.

Denn einem Dienstnehmer, der eine Stelle verlässt, um

sich selbständig zu machen, oder bei einem andern Prin-

zipal einzutreten, kann, wenn nicht eine besondere ver-

tragliche Abmachung ihm dies verbietet, nicht verwehrt

werden, sich bei diesem Anlass bei seinen Bekannten, wo-

runter auch allenfalls bei den Kunden seines frühern

Dienstherrn, zu empfehlen, sofern dies nicht in einer Weise

geschieht, dass letzterer hiedurch herabgewürdigt, oder

die eigenen Fähigkeiten in ungehöriger Weise angepriesen

werden. Das ist aber vorliegend nicht geschehen.

Demnach .erkennt das Bundesgericht :

Die B~rufung wird abgewiesen und demgemäss das Ur-

teil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 27. August

1930 bestätigt.

77. Auszug aus dem Urteil der I. Zivila.bteiluug

vom a3. Dezember 1930 i. S. Stadelmann-Vogel

gegen Lötscher.

Vereinbarung eines Kau f ver t rag e s mit Einräumung eines

R ü 0 k kau f s r e 0 h t e s in der Absicht auf Hingabe einer

bestimmten Geldsumme gegen.·8 i 0 her s tell u n g durch

die Kaufsaohe (i. o. eines Grundstückes). Darin liegt 8oIl. sioh

keine Simulation (Erw. 1), und auch keine unzulässige Um-

gehung von Art. 793 Aba. 2 und 816 Aha. 2 ZGB (des Verbotes

der Verfallklausel) (Erw. 2).

.

AU8 dem Tatbestand :

Die Beklagte, Frau A. Stadelmann-Vogel, erwarb im

Jahre 1911 die im Schärlig in der Gemeinde Marbach

gelegene Liegenschaft « Löffelachwand». Im Jahre 1928

wurde dieses Heimwesen in einer von Bäckermeister

Krummenacher für eine Forderung von 1287 Fr. 90 Cts.

gegen die Beklagte eingeleiteten Betreibung gepfändet

Obligationenrecht. No 77.

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und auf den 16. August 1928 zur ersten Steigerung aus-

geschrieben. Die Beklagte suchte daraufhin, um diese

Verwertung abzuwenden, zuerst bei einem gewissen

Gerber und sodann -

da dieser nicht darauf eingehen

wollte -

beim Kläger, Peter Lötscher, dem Eigentümer

eines der Löffelachwand benachbarten Grundstückes, ein

Darlehen aufzunehmen, gegen SichersteIlung durch eine

auf der Löffelachwand zu errichtende Grundpfandver-

schreibung. Der Kläger erklärte jedoch, auf eine Grund-

pfandverschreibung nicht eingehen zu wollen; er gebe

das Geld nur unter der Bedingung, dass, wenn er dieses

nicht bis 1. März 1929 zurückerhalten haben werde, die

Löffelschwand ihm zu Eigentum zufallen. werde. Dem

stimmte die Beklagte schliesslich zu. Die Parteien begaben

sich demzufolge noch gleichen Tages zum Urkunds-

beamten, dem Gemeindeschreiber von Marbach, bei

welchem die.- Beklagte . nochmals versoohte; den Klägel'-

zur Annahme einer Grundpfandverschreibung zu bewegen.

Dieser fragte daraufhin den Gemeindeschreiber, ob er

denn in diesem Falle bei Nichtza.hlung, um sein Geld

wieder zurückzuerhalten, betreiben müsste.

Letzterer

bejahte dies, worauf der Kläger antwortete, dann wolle

er einen Kaufvertrag. Wenn die Bekla.gte bis 1. März

1929 . das Geld zurückgebe, könne sie die Liegenschaft

wieder haben. Da. die Beklagte zögerte, hierauf ein-

zugehen, schickte der Kläger sich an zu gehen; schliess-

lieh aber gab die Beklagte nach, worauf die Parteien einen

in der Folge vorschriftsgemäss öffentlich beurkundeten,

vom 9. August 1928 datierten Kaufvertrag abschlossen.

Darna.ch verkaufte die Beklagte dem Kläger die Löffel-

schwand zum Preise von 20,000 Fr., der in der Weise zu

tilgen war, dass der Kläger die Forderung des Krummen-

acher samt Verzugszins und Betreibungskosten im Ge-

samtbetrage von 1390 Fr. 10 Cts. zu begleichen, der

Beklagten 543 Fr. 25 Cts. bar zu bezahlen und für den

Rest die auf der Liegenschaft lastenden Grundpfand-

rechte nebst den ausstehenden Zinsen zu übernehmen

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Obligationenrecht. N° 77.

hatte. Nutzen und Scha.densanfang. wurde auf 1. März

1929 festgesetzt. Unter Ziff. 3 der besondern Bestim-

mungen wurde vereinbart: «Verkäuferin behält sich vor,

die Liegenschaft auf den 1. März 1929 wieder um die

gleichen Bedingungen zurück zu nehmen gegen Rück-

zahlung der Summe von 1933 Fr. 35 cts. nebst Zins a.

4 Yz %.. Der Kläger zahlte daraufhin die erwähnte For-

derung des Krummenacher, wofür dieser der Beklagten

Quittung ausstellte. Auch händigte er d~r Beklagten

den vertraglichen Barbetrag aus.

B. -

Da die Beklagte innert der vorgesehenen Frist

von ihrem Rückkaufsrecht nicht in der vertraglich ver-

einbarten Weise Gebrauch machte, reichte der Kläger

Klage ein mit dem Begehren : « 1. Hat die Beklagte den

Liegenschaftskaufvertrag vom 9. August 1928 um die

Liegenschaft LöHelschwand in der Gemeinde Marbach

als rechtsverbindlich anzuerkennen und zu halten ~ 2. Ist

daher innert 10 Tagen nach Rechtskraftbeschreitung des

Urteils die Liegenschaft. LöHelschwand dem Kläger

gerichtlich zuzufertigen ~ 3. Eventuell hat die Beklagte

an Kläger a) zurückzuvergüten die Summe von 1933 Fr.

35 ets. nebst Zins zu 6 % seit 9. August 1928, b) zu be-

zahlen die Summe von 10,000 Fr. nebst Zins Zu 6 %

seit 18. April 1929 (Friedensrichtervorstand) per Ent-

S eschlagend,

für das Bundesgericht verbindlich. Von einer anfechtbaren

Übervorteilung kann mithin nicht die Rede sein. Hiebei

mag dahingestellt bleiben, ob es zur Abweisung der

Einrede aus Art. 21 OR nicht überhaupt schon genügt

hätte, dass der objektive Wert der Liegenschaft den

vereinbarten Kaufpreis nicht überstieg, ohne dass dem

vermehrten Interesse. das d~r Kläger als :Inhaber des

benachbarten G~dstückes am Erwerb der Liegenschaft

besessen haben mag, Rechnung getragen werden müsste.

ID. VERSICHERUNGSVERTRAG

CONTRAT D'ASSURANCE

78. Arret de 11. 1Ie Section eivile du 6 novembre 1930

dans la cause If La Winterthur" contre Wettstein.

1. Nature juridique de l'assurance obligatoire prevue A l'art. 11

du concordat intercantonal du 7 avril 1914 BUr la circulation

des automobiles et des cycles (consid. 2).

2. L'art. 14 a1. 2 LCA est applicable a cette assurance (consid. 3

et 4).

3. Cette disposition n'est pas inconciliable avec celle de l'art. 60

LCA (consid. 5).

4. Question de savoir si les conventions entre l'assureur et le

preneur d'a.ssura.nce excluent, in 008U, l'applica.tion de l'art.14

&1. 2 LCA. Cette exclusion ne saurait d6couler purement et

simplement du fait que les parties ont d6clare conclure UD

contrat d'assurance de 180 responsabilite civile, ni des references

au concordat interca.ntonal que contient ledit contrat (consid. 6

et 7).

Veraicherungsvertrag. N0 78.

453

A. -

En 1925, Alfred Wettstein etait proprietaire

d'une motocyclette avec side-car. En cette qualire il etait

assure aupres de la defenderesse contre les consequences

de la responsabilire civile. Ce contrat avait ere conclu

par un precedent proprietaire. La proposition d'assurance

souscrite par celui-ci porte le titre de « Proposition d'as-

surance de responsabilire civile vis-a-vis des tierces

personnes aux termes du code suisse des obligations et

du code civil suisse», La police elle-meme a un titre et

un pream bule analogues. Le premier alinea des conditions

generales d'assurance reproduites dans la proposition et

da.ns la police a la teneur suivante :

« Art. 1 er. Dlfinition et itendue de l'Q,8surance. 1. Acci-

dents corporels. a) La presente assurance garantit le

preneur d'assurance contre la responsabiliU civile pouvant

lui incomber en sa qualire de proprietaire ou de conducteur

du vekicule automobile indique dans la proposition, en

vertu des prescriptions des lois en vigueur dans les pays

mentionnes aux conditions particulieres, a la suite d'ac-

cidents corporels arrivant ades tierces personnes pour

autant que le dommage est cause par le vehicule assure »,

Le 5 avril 1925, un accident a ere cause par la moto-

cyclette assuree, conduite par un tiers avec l'assentiment

du proprietaire Wettstein. Celui-ci a eM decla.re respon-

sable de l'accident et condamne par le Tribunal cantonal

valaisan a payer a la victime une indemnite de 5924 fr.,

plus les interets et une somme importante representant

les frais.

Wettstein a reclame a la sociere defenderesse le rem-

boursement de cette indemnire. Mais cette sociere, excipant

d'une faute grave de l'assure et invoquant l'art. 14 al. 2

LCA, n'a consenti a lui en payer que la moitie.

Wettstein l'a alors assignee par-devant le Tribunal can-

tonal du canton du Valais, qui a admis sa demande. La

tribunal a considere que la defenderesse n'etait pas en

droit d'invoquer l'art. 14 a1. 2 LCA, parce que les condi-

tions generales. d'assurance ne reservaient pas cette