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Obligationenreeht. N0 77.
seinen Bekannten Kenntnis gegeben hat, auch kein unIau~
teres Verhalten im Sinne von Art. 48 OR erblickt werden.
Denn einem Dienstnehmer, der eine Stelle verlässt, um
sich selbständig zu machen, oder bei einem andern Prin-
zipal einzutreten, kann, wenn nicht eine besondere ver-
tragliche Abmachung ihm dies verbietet, nicht verwehrt
werden, sich bei diesem Anlass bei seinen Bekannten, wo-
runter auch allenfalls bei den Kunden seines frühern
Dienstherrn, zu empfehlen, sofern dies nicht in einer Weise
geschieht, dass letzterer hiedurch herabgewürdigt, oder
die eigenen Fähigkeiten in ungehöriger Weise angepriesen
werden. Das ist aber vorliegend nicht geschehen.
Demnach .erkennt das Bundesgericht :
Die B~rufung wird abgewiesen und demgemäss das Ur-
teil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 27. August
1930 bestätigt.
77. Auszug aus dem Urteil der I. Zivila.bteiluug
vom a3. Dezember 1930 i. S. Stadelmann-Vogel
gegen Lötscher.
Vereinbarung eines Kau f ver t rag e s mit Einräumung eines
R ü 0 k kau f s r e 0 h t e s in der Absicht auf Hingabe einer
bestimmten Geldsumme gegen.·8 i 0 her s tell u n g durch
die Kaufsaohe (i. o. eines Grundstückes). Darin liegt 8oIl. sioh
keine Simulation (Erw. 1), und auch keine unzulässige Um-
gehung von Art. 793 Aba. 2 und 816 Aha. 2 ZGB (des Verbotes
der Verfallklausel) (Erw. 2).
.
AU8 dem Tatbestand :
Die Beklagte, Frau A. Stadelmann-Vogel, erwarb im
Jahre 1911 die im Schärlig in der Gemeinde Marbach
gelegene Liegenschaft « Löffelachwand». Im Jahre 1928
wurde dieses Heimwesen in einer von Bäckermeister
Krummenacher für eine Forderung von 1287 Fr. 90 Cts.
gegen die Beklagte eingeleiteten Betreibung gepfändet
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und auf den 16. August 1928 zur ersten Steigerung aus-
geschrieben. Die Beklagte suchte daraufhin, um diese
Verwertung abzuwenden, zuerst bei einem gewissen
Gerber und sodann -
da dieser nicht darauf eingehen
wollte -
beim Kläger, Peter Lötscher, dem Eigentümer
eines der Löffelachwand benachbarten Grundstückes, ein
Darlehen aufzunehmen, gegen SichersteIlung durch eine
auf der Löffelachwand zu errichtende Grundpfandver-
schreibung. Der Kläger erklärte jedoch, auf eine Grund-
pfandverschreibung nicht eingehen zu wollen; er gebe
das Geld nur unter der Bedingung, dass, wenn er dieses
nicht bis 1. März 1929 zurückerhalten haben werde, die
Löffelschwand ihm zu Eigentum zufallen. werde. Dem
stimmte die Beklagte schliesslich zu. Die Parteien begaben
sich demzufolge noch gleichen Tages zum Urkunds-
beamten, dem Gemeindeschreiber von Marbach, bei
welchem die.- Beklagte . nochmals versoohte; den Klägel'-
zur Annahme einer Grundpfandverschreibung zu bewegen.
Dieser fragte daraufhin den Gemeindeschreiber, ob er
denn in diesem Falle bei Nichtza.hlung, um sein Geld
wieder zurückzuerhalten, betreiben müsste.
Letzterer
bejahte dies, worauf der Kläger antwortete, dann wolle
er einen Kaufvertrag. Wenn die Bekla.gte bis 1. März
1929 . das Geld zurückgebe, könne sie die Liegenschaft
wieder haben. Da. die Beklagte zögerte, hierauf ein-
zugehen, schickte der Kläger sich an zu gehen; schliess-
lieh aber gab die Beklagte nach, worauf die Parteien einen
in der Folge vorschriftsgemäss öffentlich beurkundeten,
vom 9. August 1928 datierten Kaufvertrag abschlossen.
Darna.ch verkaufte die Beklagte dem Kläger die Löffel-
schwand zum Preise von 20,000 Fr., der in der Weise zu
tilgen war, dass der Kläger die Forderung des Krummen-
acher samt Verzugszins und Betreibungskosten im Ge-
samtbetrage von 1390 Fr. 10 Cts. zu begleichen, der
Beklagten 543 Fr. 25 Cts. bar zu bezahlen und für den
Rest die auf der Liegenschaft lastenden Grundpfand-
rechte nebst den ausstehenden Zinsen zu übernehmen
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hatte. Nutzen und Scha.densanfang. wurde auf 1. März
1929 festgesetzt. Unter Ziff. 3 der besondern Bestim-
mungen wurde vereinbart: «Verkäuferin behält sich vor,
die Liegenschaft auf den 1. März 1929 wieder um die
gleichen Bedingungen zurück zu nehmen gegen Rück-
zahlung der Summe von 1933 Fr. 35 cts. nebst Zins a.
4 Yz %.. Der Kläger zahlte daraufhin die erwähnte For-
derung des Krummenacher, wofür dieser der Beklagten
Quittung ausstellte. Auch händigte er d~r Beklagten
den vertraglichen Barbetrag aus.
B. -
Da die Beklagte innert der vorgesehenen Frist
von ihrem Rückkaufsrecht nicht in der vertraglich ver-
einbarten Weise Gebrauch machte, reichte der Kläger
Klage ein mit dem Begehren : « 1. Hat die Beklagte den
Liegenschaftskaufvertrag vom 9. August 1928 um die
Liegenschaft LöHelschwand in der Gemeinde Marbach
als rechtsverbindlich anzuerkennen und zu halten ~ 2. Ist
daher innert 10 Tagen nach Rechtskraftbeschreitung des
Urteils die Liegenschaft. LöHelschwand dem Kläger
gerichtlich zuzufertigen ~ 3. Eventuell hat die Beklagte
an Kläger a) zurückzuvergüten die Summe von 1933 Fr.
35 ets. nebst Zins zu 6 % seit 9. August 1928, b) zu be-
zahlen die Summe von 10,000 Fr. nebst Zins Zu 6 %
seit 18. April 1929 (Friedensrichtervorstand) per Ent-
S eschlagend,
für das Bundesgericht verbindlich. Von einer anfechtbaren
Übervorteilung kann mithin nicht die Rede sein. Hiebei
mag dahingestellt bleiben, ob es zur Abweisung der
Einrede aus Art. 21 OR nicht überhaupt schon genügt
hätte, dass der objektive Wert der Liegenschaft den
vereinbarten Kaufpreis nicht überstieg, ohne dass dem
vermehrten Interesse. das d~r Kläger als :Inhaber des
benachbarten G~dstückes am Erwerb der Liegenschaft
besessen haben mag, Rechnung getragen werden müsste.
ID. VERSICHERUNGSVERTRAG
CONTRAT D'ASSURANCE
78. Arret de 11. 1Ie Section eivile du 6 novembre 1930
dans la cause If La Winterthur" contre Wettstein.
1. Nature juridique de l'assurance obligatoire prevue A l'art. 11
du concordat intercantonal du 7 avril 1914 BUr la circulation
des automobiles et des cycles (consid. 2).
2. L'art. 14 a1. 2 LCA est applicable a cette assurance (consid. 3
et 4).
3. Cette disposition n'est pas inconciliable avec celle de l'art. 60
LCA (consid. 5).
4. Question de savoir si les conventions entre l'assureur et le
preneur d'a.ssura.nce excluent, in 008U, l'applica.tion de l'art.14
&1. 2 LCA. Cette exclusion ne saurait d6couler purement et
simplement du fait que les parties ont d6clare conclure UD
contrat d'assurance de 180 responsabilite civile, ni des references
au concordat interca.ntonal que contient ledit contrat (consid. 6
et 7).
Veraicherungsvertrag. N0 78.
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A. -
En 1925, Alfred Wettstein etait proprietaire
d'une motocyclette avec side-car. En cette qualire il etait
assure aupres de la defenderesse contre les consequences
de la responsabilire civile. Ce contrat avait ere conclu
par un precedent proprietaire. La proposition d'assurance
souscrite par celui-ci porte le titre de « Proposition d'as-
surance de responsabilire civile vis-a-vis des tierces
personnes aux termes du code suisse des obligations et
du code civil suisse», La police elle-meme a un titre et
un pream bule analogues. Le premier alinea des conditions
generales d'assurance reproduites dans la proposition et
da.ns la police a la teneur suivante :
« Art. 1 er. Dlfinition et itendue de l'Q,8surance. 1. Acci-
dents corporels. a) La presente assurance garantit le
preneur d'assurance contre la responsabiliU civile pouvant
lui incomber en sa qualire de proprietaire ou de conducteur
du vekicule automobile indique dans la proposition, en
vertu des prescriptions des lois en vigueur dans les pays
mentionnes aux conditions particulieres, a la suite d'ac-
cidents corporels arrivant ades tierces personnes pour
autant que le dommage est cause par le vehicule assure »,
Le 5 avril 1925, un accident a ere cause par la moto-
cyclette assuree, conduite par un tiers avec l'assentiment
du proprietaire Wettstein. Celui-ci a eM decla.re respon-
sable de l'accident et condamne par le Tribunal cantonal
valaisan a payer a la victime une indemnite de 5924 fr.,
plus les interets et une somme importante representant
les frais.
Wettstein a reclame a la sociere defenderesse le rem-
boursement de cette indemnire. Mais cette sociere, excipant
d'une faute grave de l'assure et invoquant l'art. 14 al. 2
LCA, n'a consenti a lui en payer que la moitie.
Wettstein l'a alors assignee par-devant le Tribunal can-
tonal du canton du Valais, qui a admis sa demande. La
tribunal a considere que la defenderesse n'etait pas en
droit d'invoquer l'art. 14 a1. 2 LCA, parce que les condi-
tions generales. d'assurance ne reservaient pas cette