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56_II_313

BGE 56 II 313

Bundesgericht (BGE) · 1927-07-15 · Deutsch CH
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312

Prozessrecht. NI} 52.

unter diesen engen Begriff der Zivilrechtsstreitigkeit fällt,

auch soweit damit die Haftung der Beklagten für ein

widerrechtliches Verhalten ihrer Organe und Beamten

. geltend gemacht wird. Denn die Personen, für die sie

angeblich verantwortlich sein soll, standen und' stehen zu

ihr nicht in einem privatrechtlichen, sondern in einem

,dem öffentlichen Recht angehörigen Verhältnis (BGE 50 I,

S. 75 und die dort zit. Judikatur, 55 II S. 210). Dazu

kommt, dass nach ZGB Art. 59 für die Haftung' der

öffentlichrechtlichen Körperschaften der Kantone, zu

denen die Beklagte gehört, ausdrücklich das kantonale

öffentliche Recht vorbehalten wird.

An dieser Lösung wird auch dadurch nichts geändert,

dass die Frage der Haftung der Gemeinde auf dem Wege

einer Rückforderungsklage, wegen Bezahlung einer Nicht-

schuld aufgeworfen wurde. Allerdings hat das Bundes-

gericht in seinem staatsrechtlichen Urteil vom 15. Juli

1927 und vorher schon in seinem Entscheid vom 30. Ja-

nuar 1908 i. S. NestIe and Anglo Swiss Condensed Milk

Company (BGE 34 I S. 61) erkannt, dass Art. 86 SchKG

nur privatrechtliche Forderungen im Sinne habe und nur

bei der Zahlung solcher infolge Betreibung dem Betrie-

'benen von Bundesrechts wegen das Mittel der Rück-

forderung im ordentlichen Prozess wegen Nichtschuld

einräume. Allein im vorliegenden Fall kann aus der

Natur des Prozesses als Rückff?rderungsprozess deshalb

kein Schluss auf die Natur des Rechtsstreites im Sinne

des Art. 56 OG gezogen werd(lD, weil SchKG Art. 86 gar

nicht unmittelbar angewendet worden ist. Vielmehr hat

der Kanton lediglich davon Gebrauch gemacht, dass es

ihm freisteht, wie das Bundesgericht festgestellt hat (BGE

53 I S. 257 ff.), eine gleiche Klage dem Betriebenen auch

für Ansprüche zu gewähren, die dem kantonalen öffent-

lichen Recht (im Sinne des Bundesrechts) -angehören.

Demnach erke'nnt 008 Bunde8gerwkt :

Auf die Berufung wird nicht eingetreten.

Versicherungsvertrag. NI} 53.

VI. VERSICHERUNGSVERTRAG

CONTRAT D'ASSURANCE

53. Auszug aus dem Urteil der II. Zivila.bteilung

vom a. Juni 1930 i. S. Keyer

gegen Assicuratrice Italiana. S. A.

313

VVG 14: 'Auch bei der Unfall-, überhaupt Personenversicherung

kann für den Fall grobfa.hrlässiger Herbeiführung des befürch·

teten Ereignisses die Haftung des Versicherers durch die

allgemeinen Versicherungsbedingungen ausgeschlossen werden.

Mit der vorliegenden Klage verlangt d~r Kläger als

Zessionar der aus der Unfallversicherung des Ernst Kalt

bei der Beklagten begünstigten Erben desselben Zahlung

der Versicherungssumme von 10,000 Fr. Die Beklagte

schützt folgende allgemeine Versicherungsbedingung vor :'

«Ausgeschlossen sind Unfälle durch eigene grobe Fahr-

lässigkeit. »

A U8 deri Erwägungen :

Durchaus abwegig ist der auch in der heutigen Ver-

handlung wieder eingenommene Standpunkt, der Aus-

schluss grobfahrlässig selbstverschuldeter Unfälle von der'

Versicherung, bezw. die Art und Weise, wie er stattgefun-

den habe, sei rechtswidrig bezw. unsittlich und verstosse

gegen Treu und Glauben. Ist zwar zuzugeben, dass der

Katalog der zwingenden Bestimmungen am Schlusse des

VVG kein absolut erschöpfender ist, so'lässt sich doch

dem Wesen der Unfallversicherung oder allgemeiner der

Personenversicherung kein Anhaltspunkt dafür entneh-

men, dass im Gebiete dieser Versicherung nicht nur Art. 14

Abs. 4 VVG, wie Art. 98 VVG vorsieht, sondern auch

Art. 14 Abs. 2 nicht zuungunsten des Versicherungs-

nehmers oder des Anspruchsberechtigten abgeändert wer-

314

Versicherungsvertrag. No 54.

den dürfe, wie der Kläger meint. Sodann erweckt es kein

Bedenken, dass der Ausschluss unauffällig im Rahmen der

allgemeinen Versicherungsbedingungen stattgefunden hat .

• Mag auch der Ausschluss grobfahrlässig selbstverschul-

deter Unfälle aus der Unfallversicherung hierzulande nicht

üblich sein, so ist doch eine kaum weniger empfindliche

Einschränkung der Versicherung durch Ausschlussklauseln

am Anfang der allgemeinen Versicherungsbedingungen

allgemein üblich, sodass von einem Verstecktsein der hier

streitigen Klausel schlechterdings nicht gesprochen werden

kann.

"Übrigens dürfte

diese Ausschlussklausel

den

Prämiensatz der Beklagten beeinflussen und daher gemäss

Art. 20 Abs. 2 OR ohnehin nicht einfach zum Nachteil

der Beklagten angenommen werden, der Versicherungs-

vertrag enthalte diese Klausel nicht und gelte ohne sie.

54. Extrait da l'arret da la. IIe Section civile du 10 juillet 1930

dans la cause l'ierra l'ra.z contre l'Assicura.trice Ita.1ia.na..

1. La violation de l'art. 3 aI. 1 LCA n'entraine pas d'autra

consequence que celle qui est prevqe a. l'aJ. 2 de cet articla

(consid. I).

2. Lorsqu'une proposition d'assurance est caduque, l'envoi da

Ia police au proposant n'equivaut pas a une acceptation,

mais a une nouvelle offre de contrat emanant de l'assureur

Iui-meme, et, a defaut de convention contraire, les conditions

de cette offre (c'est-a-dire celles de 180 police) constituent les

conditions memes du contrat (consid. I).

3. L'a,rt. 12 801. 1 ne donne au preneur d'assurance que le droit

de demander la rectification de la police pour la mettre en

accord avec les conventions intervenues entre les parties.

La preuve de ces conventions incombe au preneur d'assurance

(consid. 2).

II ressort des do8siers en lait :

A. -

En novembre 1927, Edouard Deleze, dont le

demandeur Praz etait l'associe et est actuellement le

successeur, a conclu un contrat d'assurance de corps

Versicherungsvertrag. N0 54.

315

d'automobiles; dite assurance «caseo ». L'assurance devait

s'etendre au risque d'incendie du vehicule. Deleze signa

la proposition et la remit a la sociere sans que les

conditions generales du contrat lui eussent ere commu-

niquees.

Le formulaire de police qui lui fut delivre contient entre

autres, la clause suivante :

« L'assurance ne porte que sur le vehicule propriete du

preneur d'assurance, conduit par lui-meme ou parceux

de ses employes ou les membres de Ba famille qui sont

munis d'un permis regulier de conduire.)

B. -

Endooembre 1928, Praz remit l'automobile assuree

au garagiste Gagliardi, a Sion, aux fins de procMer a une

revision. Au cours d'un essai que faisait Gagliardi sur la

route de Sion a Bramois, le vehicule prit feu et :hit comple':

tement detruit.

La compagnie, invoquant la clause de la police repro-

duite Sous lettre A ci-dessus, refusa ses prestations a raison

de ce sinistre.

O. -

Praz a intente a l'Assicuratrice Italiana une action

tendant au paiement d'une indemnite de 5000 fr.

E. -=- Le Tribunal cantonal du Valais a deboute le de-

mandeur.

F. -

Praz ~ recouru en reforme au Tribunal federal, en

reprenant ses conclusions de premiere instance.

Stafiuant sur ces laits et considerant en droit :

1. -

Le recourant soutient qu'on ne peut lui opposer

la clause de la police prevoyant la liberation de l'assureur

dans les cas Oll la voiture sinistree n'etait pas conduite par

le proprietaire ou par quelqu'un de sa maison. Cette

clause n'est pas contenue dans la proposition signee par

Edouard DeIeze, mais bien dans les conditions generales

d'assurance, auxquelles celle-la renvoie expressement.

Praz soutient, il est vrai, que ces conditions generales ne

peuvent etre invoquees contre lui, par le motif qu'elles