Sachverhalt
In mehreren gegen B. Rehroann geführten Be-
treibungen pfändete das Betreibungsamt des Kantons
• Basel-Stadt den «Liquidationsanteil des Schuldners an
folgenden zu gesamter Hand gefertigten Liegenschaften »,
nämlich dem Wohnhaus Hackbergstrasse Nr. 35 in Riehen:
und dem umliegenden Boden, zusammen vier Parzellen
von denen je ein Bruchteil von einem Drittel dem Ehe~
paar Rehmann zu gesamter Hand gehörte, die übrigen
zwei Drittel aber, wiederum zu gesamter Hand, einer
Tochter des Rehmann und deren Ehemann Beyeier, über
welch' letzteren der Konkurs eröffnet war und vom Kon-
kursamt des Kantons Basel-Stadt verwaltet wurde. Als
pfändende Gläubiger das Verwertungsbegehren stellten,
verkaufte «(das Konkursamt des Kantons Basel-Stadt
handelnd namens der Konkursmasse Eduard Beyeler-Reh:
mann und Frau Martha Beyeier geb. Rehmann ... und das
Betreibungsamt des Kantons Basel-Stadt, handelnd namens
der Pfändungsmasse Benjamin Rehmann-Winter und Frau
Euphrosine Rehmann geb. Winter ... » die erwähnten
Liegenschaften im Mai 1928 freihändig an die Beklagten.
Hierüber schrieb das Betreibungsamt am 10. Mai 1928
«(an die Ehegatten B. Rehmann-Winter »,
dass
«(eine
Kaufofferte in Höhe von 90,000 Fr. vorliegt, wobei die
Handänderungssteuer vom Käufer übernommen würde.
lfangels Gegenbericht bis Montag 14. Mai. 1928 nehmen
wir an, dass Sie uns zur Annahme dieser Offerte ermäch-
tigen 1). Rehmann liess während dieser Frist nichts von
sich hören. Nach der Feststellung der Vorinstanz (t war
Rehmann mit dem Verkauf und dessen Bestimmungen
einverstanden 1), und wie seine Ehefrau bezeugt, veran-
lasste er sie, den Kaufvertrag auf dem Bureau des stipu-
lierenden Notars unterzeiohnen zu gehen, was er selbst
nicht tun konnte, da er bettlägerig war. Mangels seiner
Unterschrift wies das Grundbuchamt die Anmeldung der
Eigentumsübertragung zunächst ab. Inzwischen war Reh-
mann am 8. Juli 1928 gestorben. Seine Tochter Frau
Niederhauser, die Klägerin, welche die Erbschaft allein
Sachenrecht. No 43.
263
annahm, verweigerte die Unterzeichnung. Um dem Mangel
abzuhelfen, stellte das Betl'eibungsamt bei seiner Auf-
siehtsbehörde unter Hinweis auf Art. 73 litt. b der Grund-
stücksverwertungsverordnung den Antrag, «den Kauf-
vertrag vom 18. Mai 1928 zu genehmigen resp. das Be-
treibungsarot namens der Pfändungsroasse Rehmann
(bezw. Niederhauser) zu dessen Abschluss zu ermäch-
. tigen». Die Aufsichtsbehörde entsprach diesem Antrag,
worauf dann das Grundbuchamt die Eintragung vornahm.
Auf Rekurs der Klägerin hin hob jedO<'h die Schuldb~trei
bungs- und Konkurskammer des Bundesgerichtes am
11. Februar 1929 diesen Beschluss der kantonalen Auf-
sichtsbehörde auf, im wesentlichen aus folgenden Gründen:
Weil die Pfändung nicht auf Miteigenturosanteile an
Grundstücken, sondern auf den Anteil des SchUldners an
Vermögen einer Gemeinschaft zu gesamter Hand vollzogen
wurde, so sei nicht die Grundstücksverwertungsverord-
nung, sondern die Verordnung über Pfändung und Ver-
wertung von Anteilen an Gemeinschaftsvermögen, vom
17. Januar 1923, anwendbar. Diese sehe aber einen der-
artigen Liegenschaftenverkauf nicht als Verwertungsmass-
nahme vor. Indessen könne die danach zunächst zu
~rstrebende gütliche Einigung zwischen den Beteiligten
1m Verkaufe der das Gemeinschaftsvermögen ausmachen-
den Vermögensgegenstände selbst bestehen, wozu dann
a~r nicht etwa das Betreibungsamt ohne weiteres befugt
seI. «Kann also der streitige Liegenschaftenverkauf nur
auf eine gütliche Einigung der Beteiligten zurückgeführt
werden, so hat das Betreibungsamt nicht kraft Amts-
gewalt, sondern nur kraft gemeinsamer Ermächtigung der
Beteiligten zu seinem Abschlusse schreiten können. Somit
fehlt dem Kaufvertrage. der Charakter einer einseitigen
betreibungsamtlichen V enügung (Freihandverkauf im
Sinne des SchKG) ... »
.
Mit der vorliegenden, gegen die Käufer gerichteten
Klage verlangt Frau Niederhauser-Rehmann die Löschung
des zugunsten jener vorgenommenen Grundbucheintrages.
264
Sachenrecht. N0 43.
-Die Beklagten haben dem Kanton Basel-Sta.dt den
Streit verkündet und tragen mit ihm auf Abweisung
der Klage an.
B. -
Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt
hat 30m 4. April 1930 die Klage abgewiesen.
C. -
Gegen dieses Urteil hat die Klägerin die Berufung
an das Bundesgericht eingelegt, mit dem Antrag auf
Gutheissung der Klage.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
Voraussetzung der Eintragung der Beklagten als Eigen-
tümer der ihnen verkauften Liegenschaften war einerseits
die Anmeldung seitens der Eigentümer der betreffenden
Liegenschaften oder ihres bevollmächtigten Stellvertreters
(Art. 963 Abs. 1 ZGB und- Art. 16 Aba. 1 Grundbuchver-
ordnung), anderseits der Ausweis über das Verfügungsrecht
des Gesuchstellers oder Vollmachtgebers und über den
Rechtsgrund (Art. 965 ZGB). Gerade weil der Verkauf
und die damit verbundene Ermächtigung des stipulieren-
den Notars zur Anmeldung ohne Beiziehung eines der
rr~nhreren Eigentümer, nämlich des B. Rehmann, statt-
gefunden hatte, lehnte das Grundbuchamt die Eintragung
zunächst ab. Um ohne die durch den Tod des B. Rehmann
uümöglich gewordene und von seiner Erbin verweigerte
(nachträgliche) Mitwirkung auszukommen, versuchte das
Betreibungsamt nun, den Verk;,auf als Zwangsvollstrek-
kungsmassnahme gegenüber dem B. Rehmann erscheinen
zu lassen, und holte zu diesem Zwecke die Genehmlgung
der Aufsichtsbehörde ein. Die Befugnis zur Verfügung
auf dem Wege der betreibungsrechtlichen Zwangsverwer-
tung steht nämlich dem Betreibungsamte zu, ohne dass
es irgendwelcher Mitwirkung des Eigentümers bedürfte,
und das Grundbuchamt hat sich auf die Prüfung der
Zuständigkeit des Betreibungsamtes zur Vornahme der
Anmeldung zu beschränken (Art. 17 und 18 Grundbuch-
verordnung). Vorliegend erachtete das Grundbuchamt
gestützt auf den Genehmigungsbeschluss der Aufsichts-
Sachenrecht. N° 43.
265
behörde die Zuständigkeit des Betreibungsamtes als
gegeben, jedoch: wie sich nachträglich herausstellte, zu
Unrecht, weil nicht die Voraussetzungen für die zwangs-
weise Verwertung der Liegenschaften als solcher durch
das Betreibungsamt erfüllt waren.
Allein die Klage auf Löschung eines Grundbucheintrages
kann nicht schon mit der Mangelhaftigkeit der Anmeldung
oder des Ausweises über das Verfügungsrecht begründet
werden. Damit die Klage auf Löschung durchdringe,
muss vielmehr der Eintrag ungerechtfertigt sein, was nur
zutrifft, wenn er ohne Reohtsgrund (oder aus einem
unverbindlichen Rechtsgeschäft) oder auf Verfügung einer
nicht verfügungsberechtigten Person bezw. ohne Ermäch-
tigung der verfügungsberechtigten Person erfolgt ist
(Art. 975 Abs. 1, 974 Abs. 2 ZGB). An einem solohen
Mangel leidet j~doch der angefochtene Eintrag nioht.
Zunächst ist am (I Rechtsgrund» nichts auszusetzen, da
der öffentlich beurkundete Kaufvertrag genügt, auch
wenn das Betreibungsamt schon beim Abschlusse gemeint
haben sollte, der Mitwirkung des B. Rehmann gänzlich
entraten zu können (und nicht etwa erst nachträglich,
als diese Mitwirkung wegen Krankheit und nachherigem
Tode des B. Rehmann auf Schwierigkeiten stiess, ja
unmöglich wurde, den Versuch machte, um die Mitwirkung
herumzukommen). Beim Vertragsabschluss ist das Be-
treibungsamt ja nicht etwa selbst als Vertragspartei
(Veräusserer) aufgetreten, wie z. B. bei einer Zwangs-
versteigerung und der anschliessenden Anmeldung des
Zuschlages, wo es die Verfügungsbefugnis äous seiner
Amtsgewalt herzuleiten vermag. Vielmehr hat es sich als
Vertreter ausgegeben, zwar nicht ausdrüoklich des B.
Rehmann, sondern es hat namens seiner Pfändungs-
masse gehandelt, was jedenfalls auch die Vertretung des
B. Rehmann als des betriebenen Schuldners umfasste.
Hiefür wurde es von B. Rehmann ermächtigt. Nicht nur
hat die Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich
festgestellt, dass B. Rehmann mit dem Verkauf um
266
Sachenrecht. N0 43.
90,000 Fr. einverstanden war, sondern im Stillschweigen
auf das Schreiben des Betreibungsamtes vom 10. Mai
1928 hin lag auch die unerlässliche Ermächtigungserklä-
rung an das Betreibungsamt, die, obwohl sie die Ver-
äusserung von Grundeigentum betraf, formlos giütig war
und daher auch nicht eine ausdrückliche zu sein brauchte
(vgl. OSER, Note 25 zu OR 32 mit Anführung n;cht ver-
öffentlichter Urteile des Bundesgerichts; BECKER, Note 5
zu OR 32; VON TURR, Obligationenrecht, S. 289). Dass
das Einverständrns bezw. die Ermächtigung sämtlIche
Vertragsbestimmungen umfasste, wie
die Vorinstanz
festgestellt hat, was die Klägerin aber als aktenWldng rügt,
wal' keint',swegs erfoTIlerIich; somit ist die Aktenwidrig-
keitsrüge belanglos, und zudem ist sie auch unbegründet,
da sIch aus den Akten nicht der direkte Beweis für das
Gegenteil ergibt; höchstenfalls hätte es <leI' Giütigkeit
des Vertrages schaden können, wenn das Betreibungsamt
erheblich von den üblichen Vertragsbestimmungen ab-
gewichen wäre, was aber die Klägerin selbst nicht be-
hauptet.
Zuzugeben ist also zwar, dass das Grundbuchamt
mangels Ausweit,es über da·s Verfügungsrecht des Betrei-
bungsamtes, m. a. W. mangels Betreibung einer von
Rehmann ausgestellten Vollmachtsurkunde die Eintragung
der Beklagten als Eigentümer der streitigen Liegenschaften
hätte ablehnen sollen. Allein. die einmal erfolgte Ein-
tragung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden,
nachdem sich herausstellt, dass es dem Betreibungsamt
trotz dem Fehlen einer solchen Urkunde doch nicht an
der Ermächtigung' zur Veräusserung gefehlt hat.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird abgewiesen und da~Urteil des
Appellationsgerichtes des Kantons Basel-Stadt vom 4.
April 1930 bestätigt.
Obligationenrecht. N0 44.
IV. OBLIGATIONENRECHT
DROIT DES OBLIGATIONS
44. Auszug aus dem t1rteU der I. ZivilabteUung
vom 3. Juni 1930 i. S. Pfister
gegen liuear und Xonsortsn uud Versicherilngkasse
für die eidg. Beamten, Angestellten und Arbeiter.
267
Berechmmg des Ver s 0 r ger s c h ade n s im Sinne von Art. 45
A'bs. 3 OR. Der Betrag einer dem Geschädigten infolge des
Unfalles ausbezahlten VersicherungsI:ente ist nicht zu berück-
sichtigen und zwar unbekümmert darum, ob die Rente de~
Geschädigten aus einem privaten Versicherungsvertrag oder
aber als statutengemässe Leistung einer öffentlich-rechtlichen
Versicherungskasse zufliesst (Erw. 3).
Art. 14 Abs. 1 der Statuten der Versicherungskasse für die eidg.
Beamten, Angestellten und Arbeiter (S u b r 0 g a t ion s-
a. n s p r u c h zugunsten der Versicherungskasse) findet keine
Anwendung, wenn ein Beamter erst nach erfolgter Pensionie-
rung durch Verschulden eines Dritten verletzt oder getötet
wornen ist (Erw. 4).
Aus dem Tatbe8tand :
Am Sonntag den 17. März 1929 abends zirka 6 Uhr
wurde der damals 67-jährige, seit dem 1.,August 1928
pensionierte ehemalige eidg. Oberpferdearzt, Oberst Karl
Buser, als er in Bem von der Thunstrasse herkommend
in der Richtung der Kirchenfeldbrücke den Helvetiaplatz
überschritt, vom Personenautomobil des Beklagten, Albert
Pfister-Fisch, der aus der Marienstrasse daherfuhr, ange-
fahren, zu Boden geschleudert und hiebei derart schwer
. verletzt, dass er noch am gleiohen Tage starb. Der
Beklagte war im Momente des Unfalles erheblich ange-
trunken und f~ mit einer stark übersetzten Geschwin-
digkeit. Buser hinterliess eine damals 52 Jahre alte Witwe
Erwägungen (1 Absätze)
E. 44 Auszug aus dem t1rteU der I. ZivilabteUung
vom 3. Juni 1930 i. S. Pfister
gegen liuear und Xonsortsn uud Versicherilngkasse
für die eidg. Beamten, Angestellten und Arbeiter.
267
Berechmmg des Ver s 0 r ger s c h ade n s im Sinne von Art. 45
A'bs. 3 OR. Der Betrag einer dem Geschädigten infolge des
Unfalles ausbezahlten VersicherungsI:ente ist nicht zu berück-
sichtigen und zwar unbekümmert darum, ob die Rente de~
Geschädigten aus einem privaten Versicherungsvertrag oder
aber als statutengemässe Leistung einer öffentlich-rechtlichen
Versicherungskasse zufliesst (Erw. 3).
Art. 14 Abs. 1 der Statuten der Versicherungskasse für die eidg.
Beamten, Angestellten und Arbeiter (S u b r 0 g a t ion s-
a. n s p r u c h zugunsten der Versicherungskasse) findet keine
Anwendung, wenn ein Beamter erst nach erfolgter Pensionie-
rung durch Verschulden eines Dritten verletzt oder getötet
wornen ist (Erw. 4).
Aus dem Tatbe8tand :
Am Sonntag den 17. März 1929 abends zirka 6 Uhr
wurde der damals 67-jährige, seit dem 1.,August 1928
pensionierte ehemalige eidg. Oberpferdearzt, Oberst Karl
Buser, als er in Bem von der Thunstrasse herkommend
in der Richtung der Kirchenfeldbrücke den Helvetiaplatz
überschritt, vom Personenautomobil des Beklagten, Albert
Pfister-Fisch, der aus der Marienstrasse daherfuhr, ange-
fahren, zu Boden geschleudert und hiebei derart schwer
. verletzt, dass er noch am gleiohen Tage starb. Der
Beklagte war im Momente des Unfalles erheblich ange-
trunken und f~ mit einer stark übersetzten Geschwin-
digkeit. Buser hinterliess eine damals 52 Jahre alte Witwe
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
43. Urteil der II. Zivilabteüung vom 10. Juli 1980
i. S. Niederha.llser gegen Dubak und !'lun.
Abweisung der Klage auf Lösch ung eines Grundbucheintrages, der auf AnmeldUng eines nicht verfügungsberechtigten Dritten hin trotz Fehlen einer Vollmachtsurkunde. jedoch in Wahrheit mit Ermächtigung des Eigentümers erfolgt war. ZGB Art. 963. 965. 974.975; OR Art. 32;
Grundbuchverordnung Art. 16, 17. 18.
262
Sachenrecht. N0 43.
A. -
In mehreren gegen B. Rehroann geführten Betreibungen pfändete das Betreibungsamt des Kantons
• Basel-Stadt den «Liquidationsanteil des Schuldners an
folgenden zu gesamter Hand gefertigten Liegenschaften »,
nämlich dem Wohnhaus Hackbergstrasse Nr. 35 in Riehen:
und dem umliegenden Boden, zusammen vier Parzellen
von denen je ein Bruchteil von einem Drittel dem Ehe~
paar Rehmann zu gesamter Hand gehörte, die übrigen
zwei Drittel aber, wiederum zu gesamter Hand, einer
Tochter des Rehmann und deren Ehemann Beyeier, über
welch' letzteren der Konkurs eröffnet war und vom Konkursamt des Kantons Basel-Stadt verwaltet wurde. Als
pfändende Gläubiger das Verwertungsbegehren stellten,
verkaufte «(das Konkursamt des Kantons Basel-Stadt
handelnd namens der Konkursmasse Eduard Beyeler-Reh:
mann und Frau Martha Beyeier geb. Rehmann ... und das
Betreibungsamt des Kantons Basel-Stadt, handelnd namens
der Pfändungsmasse Benjamin Rehmann-Winter und Frau
Euphrosine Rehmann geb. Winter ... » die erwähnten
Liegenschaften im Mai 1928 freihändig an die Beklagten.
Hierüber schrieb das Betreibungsamt am 10. Mai 1928
«(an die Ehegatten B. Rehmann-Winter »,
dass
«(eine
Kaufofferte in Höhe von 90,000 Fr. vorliegt, wobei die
Handänderungssteuer vom Käufer übernommen würde.
lfangels Gegenbericht bis Montag 14. Mai. 1928 nehmen
wir an, dass Sie uns zur Annahme dieser Offerte ermächtigen 1). Rehmann liess während dieser Frist nichts von
sich hören. Nach der Feststellung der Vorinstanz (t war
Rehmann mit dem Verkauf und dessen Bestimmungen
einverstanden 1), und wie seine Ehefrau bezeugt, veranlasste er sie, den Kaufvertrag auf dem Bureau des stipulierenden Notars unterzeiohnen zu gehen, was er selbst
nicht tun konnte, da er bettlägerig war. Mangels seiner
Unterschrift wies das Grundbuchamt die Anmeldung der
Eigentumsübertragung zunächst ab. Inzwischen war Rehmann am 8. Juli 1928 gestorben. Seine Tochter Frau
Niederhauser, die Klägerin, welche die Erbschaft allein
Sachenrecht. No 43.
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annahm, verweigerte die Unterzeichnung. Um dem Mangel
abzuhelfen, stellte das Betl'eibungsamt bei seiner Aufsiehtsbehörde unter Hinweis auf Art. 73 litt. b der Grundstücksverwertungsverordnung den Antrag, «den Kaufvertrag vom 18. Mai 1928 zu genehmigen resp. das Betreibungsarot namens der Pfändungsroasse Rehmann
(bezw. Niederhauser) zu dessen Abschluss zu ermäch-
. tigen». Die Aufsichtsbehörde entsprach diesem Antrag,
worauf dann das Grundbuchamt die Eintragung vornahm.
Auf Rekurs der Klägerin hin hob jedO<'h die Schuldb~treibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichtes am
11. Februar 1929 diesen Beschluss der kantonalen Aufsichtsbehörde auf, im wesentlichen aus folgenden Gründen:
Weil die Pfändung nicht auf Miteigenturosanteile an
Grundstücken, sondern auf den Anteil des SchUldners an
Vermögen einer Gemeinschaft zu gesamter Hand vollzogen
wurde, so sei nicht die Grundstücksverwertungsverordnung, sondern die Verordnung über Pfändung und Verwertung von Anteilen an Gemeinschaftsvermögen, vom
17. Januar 1923, anwendbar. Diese sehe aber einen derartigen Liegenschaftenverkauf nicht als Verwertungsmassnahme vor. Indessen könne die danach zunächst zu
~rstrebende gütliche Einigung zwischen den Beteiligten
1m Verkaufe der das Gemeinschaftsvermögen ausmachenden Vermögensgegenstände selbst bestehen, wozu dann
a~r nicht etwa das Betreibungsamt ohne weiteres befugt
seI. «Kann also der streitige Liegenschaftenverkauf nur
auf eine gütliche Einigung der Beteiligten zurückgeführt
werden, so hat das Betreibungsamt nicht kraft Amtsgewalt, sondern nur kraft gemeinsamer Ermächtigung der
Beteiligten zu seinem Abschlusse schreiten können. Somit
fehlt dem Kaufvertrage. der Charakter einer einseitigen
betreibungsamtlichen V enügung (Freihandverkauf im
Sinne des SchKG) ... »
.
Mit der vorliegenden, gegen die Käufer gerichteten
Klage verlangt Frau Niederhauser-Rehmann die Löschung
des zugunsten jener vorgenommenen Grundbucheintrages.
264
Sachenrecht. N0 43.
-Die Beklagten haben dem Kanton Basel-Sta.dt den
Streit verkündet und tragen mit ihm auf Abweisung
der Klage an.
B. -
Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt
hat 30m 4. April 1930 die Klage abgewiesen.
C. -
Gegen dieses Urteil hat die Klägerin die Berufung
an das Bundesgericht eingelegt, mit dem Antrag auf
Gutheissung der Klage.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
Voraussetzung der Eintragung der Beklagten als Eigentümer der ihnen verkauften Liegenschaften war einerseits
die Anmeldung seitens der Eigentümer der betreffenden
Liegenschaften oder ihres bevollmächtigten Stellvertreters
(Art. 963 Abs. 1 ZGB und- Art. 16 Aba. 1 Grundbuchverordnung), anderseits der Ausweis über das Verfügungsrecht
des Gesuchstellers oder Vollmachtgebers und über den
Rechtsgrund (Art. 965 ZGB). Gerade weil der Verkauf
und die damit verbundene Ermächtigung des stipulierenden Notars zur Anmeldung ohne Beiziehung eines der
rr~nhreren Eigentümer, nämlich des B. Rehmann, stattgefunden hatte, lehnte das Grundbuchamt die Eintragung
zunächst ab. Um ohne die durch den Tod des B. Rehmann
uümöglich gewordene und von seiner Erbin verweigerte
(nachträgliche) Mitwirkung auszukommen, versuchte das
Betreibungsamt nun, den Verk;,auf als Zwangsvollstrekkungsmassnahme gegenüber dem B. Rehmann erscheinen
zu lassen, und holte zu diesem Zwecke die Genehmlgung
der Aufsichtsbehörde ein. Die Befugnis zur Verfügung
auf dem Wege der betreibungsrechtlichen Zwangsverwertung steht nämlich dem Betreibungsamte zu, ohne dass
es irgendwelcher Mitwirkung des Eigentümers bedürfte,
und das Grundbuchamt hat sich auf die Prüfung der
Zuständigkeit des Betreibungsamtes zur Vornahme der
Anmeldung zu beschränken (Art. 17 und 18 Grundbuchverordnung). Vorliegend erachtete das Grundbuchamt
gestützt auf den Genehmigungsbeschluss der Aufsichts-Sachenrecht. N° 43.
265
behörde die Zuständigkeit des Betreibungsamtes als
gegeben, jedoch: wie sich nachträglich herausstellte, zu
Unrecht, weil nicht die Voraussetzungen für die zwangsweise Verwertung der Liegenschaften als solcher durch
das Betreibungsamt erfüllt waren.
Allein die Klage auf Löschung eines Grundbucheintrages
kann nicht schon mit der Mangelhaftigkeit der Anmeldung
oder des Ausweises über das Verfügungsrecht begründet
werden. Damit die Klage auf Löschung durchdringe,
muss vielmehr der Eintrag ungerechtfertigt sein, was nur
zutrifft, wenn er ohne Reohtsgrund (oder aus einem
unverbindlichen Rechtsgeschäft) oder auf Verfügung einer
nicht verfügungsberechtigten Person bezw. ohne Ermächtigung der verfügungsberechtigten Person erfolgt ist
(Art. 975 Abs. 1, 974 Abs. 2 ZGB). An einem solohen
Mangel leidet j~doch der angefochtene Eintrag nioht.
Zunächst ist am (I Rechtsgrund» nichts auszusetzen, da
der öffentlich beurkundete Kaufvertrag genügt, auch
wenn das Betreibungsamt schon beim Abschlusse gemeint
haben sollte, der Mitwirkung des B. Rehmann gänzlich
entraten zu können (und nicht etwa erst nachträglich,
als diese Mitwirkung wegen Krankheit und nachherigem
Tode des B. Rehmann auf Schwierigkeiten stiess, ja
unmöglich wurde, den Versuch machte, um die Mitwirkung
herumzukommen). Beim Vertragsabschluss ist das Betreibungsamt ja nicht etwa selbst als Vertragspartei
(Veräusserer) aufgetreten, wie z. B. bei einer Zwangsversteigerung und der anschliessenden Anmeldung des
Zuschlages, wo es die Verfügungsbefugnis äous seiner
Amtsgewalt herzuleiten vermag. Vielmehr hat es sich als
Vertreter ausgegeben, zwar nicht ausdrüoklich des B.
Rehmann, sondern es hat namens seiner Pfändungsmasse gehandelt, was jedenfalls auch die Vertretung des
B. Rehmann als des betriebenen Schuldners umfasste.
Hiefür wurde es von B. Rehmann ermächtigt. Nicht nur
hat die Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich
festgestellt, dass B. Rehmann mit dem Verkauf um
266
Sachenrecht. N0 43.
90,000 Fr. einverstanden war, sondern im Stillschweigen
auf das Schreiben des Betreibungsamtes vom 10. Mai
1928 hin lag auch die unerlässliche Ermächtigungserklärung an das Betreibungsamt, die, obwohl sie die Veräusserung von Grundeigentum betraf, formlos giütig war
und daher auch nicht eine ausdrückliche zu sein brauchte
(vgl. OSER, Note 25 zu OR 32 mit Anführung n;cht veröffentlichter Urteile des Bundesgerichts; BECKER, Note 5
zu OR 32; VON TURR, Obligationenrecht, S. 289). Dass
das Einverständrns bezw. die Ermächtigung sämtlIche
Vertragsbestimmungen umfasste, wie
die Vorinstanz
festgestellt hat, was die Klägerin aber als aktenWldng rügt,
wal' keint',swegs erfoTIlerIich; somit ist die Aktenwidrigkeitsrüge belanglos, und zudem ist sie auch unbegründet,
da sIch aus den Akten nicht der direkte Beweis für das
Gegenteil ergibt; höchstenfalls hätte es <leI' Giütigkeit
des Vertrages schaden können, wenn das Betreibungsamt
erheblich von den üblichen Vertragsbestimmungen abgewichen wäre, was aber die Klägerin selbst nicht behauptet.
Zuzugeben ist also zwar, dass das Grundbuchamt
mangels Ausweit,es über da·s Verfügungsrecht des Betreibungsamtes, m. a. W. mangels Betreibung einer von
Rehmann ausgestellten Vollmachtsurkunde die Eintragung
der Beklagten als Eigentümer der streitigen Liegenschaften
hätte ablehnen sollen. Allein. die einmal erfolgte Eintragung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden,
nachdem sich herausstellt, dass es dem Betreibungsamt
trotz dem Fehlen einer solchen Urkunde doch nicht an
der Ermächtigung' zur Veräusserung gefehlt hat.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird abgewiesen und da~Urteil des
Appellationsgerichtes des Kantons Basel-Stadt vom 4.
April 1930 bestätigt.
Obligationenrecht. N0 44.
IV. OBLIGATIONENRECHT
DROIT DES OBLIGATIONS
44. Auszug aus dem t1rteU der I. ZivilabteUung
vom 3. Juni 1930 i. S. Pfister
gegen liuear und Xonsortsn uud Versicherilngkasse
für die eidg. Beamten, Angestellten und Arbeiter.
267
Berechmmg des Ver s 0 r ger s c h ade n s im Sinne von Art. 45
A'bs. 3 OR. Der Betrag einer dem Geschädigten infolge des
Unfalles ausbezahlten VersicherungsI:ente ist nicht zu berücksichtigen und zwar unbekümmert darum, ob die Rente de~
Geschädigten aus einem privaten Versicherungsvertrag oder
aber als statutengemässe Leistung einer öffentlich-rechtlichen
Versicherungskasse zufliesst (Erw. 3).
Art. 14 Abs. 1 der Statuten der Versicherungskasse für die eidg.
Beamten, Angestellten und Arbeiter (S u b r 0 g a t ion s-
a. n s p r u c h zugunsten der Versicherungskasse) findet keine
Anwendung, wenn ein Beamter erst nach erfolgter Pensionierung durch Verschulden eines Dritten verletzt oder getötet
wornen ist (Erw. 4).
Aus dem Tatbe8tand :
Am Sonntag den 17. März 1929 abends zirka 6 Uhr
wurde der damals 67-jährige, seit dem 1.,August 1928
pensionierte ehemalige eidg. Oberpferdearzt, Oberst Karl
Buser, als er in Bem von der Thunstrasse herkommend
in der Richtung der Kirchenfeldbrücke den Helvetiaplatz
überschritt, vom Personenautomobil des Beklagten, Albert
Pfister-Fisch, der aus der Marienstrasse daherfuhr, angefahren, zu Boden geschleudert und hiebei derart schwer
. verletzt, dass er noch am gleiohen Tage starb. Der
Beklagte war im Momente des Unfalles erheblich angetrunken und f~ mit einer stark übersetzten Geschwindigkeit. Buser hinterliess eine damals 52 Jahre alte Witwe