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55_III_101

BGE 55 III 101

Bundesgericht (BGE) ·III · 1929-09-25 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Das Betreibungsamt Schattdorf hat in verschie-

denen Betreibungen gegen Franz Zgraggen vom, Lohn des

Schuldners bereits zweimal die pfändbare Quote von

25 Fr. pro Monat gepfändet und zwar einmal mit Wir-

kung bis 1. November 1929 (Betreibungsnummer, Gläu-

biger, Forderungsbetrag und Datum der Pfändung sind

aus den Akten nicht ersichtlich) und sodann unterm

5. Dezember 1928 zu Gunsten einer Gruppe (deren nähere

Zusammensetzung ebenfalls aus den Akten nicht hervor-

102

Schuldbetreibungs. und Konluus~eeht. No 24.

geht) mit Wirkung ab 1. November 1929 für eine Gesamt-

forderung von 330 Fr.

AIs der Rekurrent unterm 26. Januar 1929 in seiner

. Betreibung gegen den nämliohen Schuldner Forisetzung

verlangte, stellte dasBetreibungsamt am 4. Februar 1929

die Pfändungsurkunde als Verlustsohein aus mit dem

Vermerk, es sei «kein pfändbares Vermögen und Ein-

kommen vorhanden, da zur Zeit aus dem Arbeitslohn des

Schuldners genügend gepfändet ist)J.

B. -

Hiegegen führte der Rekurrent rechtzeitig Be-

schwerde mit dem Antrag, es sei in seiner Betreibung

Nr. 156 eine Lohnpfändung mit Wirkung ab 1. Dezember

1929 zu veranlassen.

G. -

Mit Entscheid vom 5. Juli 1929 wies die Auf-

sichtsbehörde Uri die Beschwerde im Sinn der Erwä-

gungen ab. Die letztern gehen dahin, dass mit Rücksicht

auf die Pfändung vom 5. Dezember 1928 eine Pfändung

zu Gunsten des Beschwerdeführers erst ab 1. Oktober

1930 in Frage käme. Eine solohe sei jedoch deswegen

unzuläBsig, weil jeder Gläubiger nur während eines Jahres

auf den Lohn des Schuldners greifen könne und dieses

Jahr zu laufen beginne mit der Stellung des Fortsetzungs-

begehrens. Vom 1. Oktober 193Q an könne der Lohn

dagegen wieder für andere Gläubiger gepfändet werden.

D. -

Diesen den Parteien am 3. September 1929

zugestellten Entscheid zog der Rekurrent rechtzeitig an

das Bundesgericht weiter unter Wiederholung des vor der

Vorinstanz gestellten Antrages.

Die 8chuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht

Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 Gemäss feststehender Praxis d.ari eine Lohn-

pfändung nur für die Dauer eines J abres angeordnet

werden, wobei sich das Jahr jedoch nicht, wie die Vor-

instanz annimmt, von der Stellung des Fortsetzungs-

begehrens, sondern vom Pfändungsvollzug an berechnet.

Andernfalls käme, wie gerade der vorliegende Fall zeigt,

Schuldbetreibungs':Ulld Konkursreeht. No 24.

103

der Gläubiger bei einer ungerechtfertigten Weigerung des

Betreibungsam,tes nicht in den Genuss eines vollen Pfän-

dungsjahres. Besteht nun im Moment des Pfändungs-

vollzuges bereits eine Lohnpfändung zu Gunsten einer

andern Betreibung, die die ganze pfändbare Lohnquote

in Anspruch nimmt, so· darf der Beginn der Wirksamkeit

der zweiten Pfändung nicht auf das Ende des Jahres

hinausgeschoben werden, während welchem die erste

Pfändung in Kraft steht, denn das hätte zur Folge, dass

iii einem gegebenen Zeitpunkt der Lohn des Schuldners

auf mehrere Jahre hinaus gepfändet sein könnte -

ein

Ergebnis, das gerade durch die Beschränkung der Pfän-

dung auf die Dauer eines Jahres im Interesse sowohl des

Schuldners als auch dritter Gläubiger vermieden werden

wollte. Dagegen steht dem nichts entgegen, dass die

pfändbare Quote ein zweites Mal für die Dauer eines

Jahres gepfändet wird, jedoch ohne Hinausschiebung des

Wirkungsbeginns : Denn einerseits hat jeder Gläubiger

das Recht, auf den Lohn des Schuldners zu greifen, und

anderseits können gemäss Art. llO Abs. 3 SchKG bereits

gepfändete Vermögensstücke, zu denen auch die pfändbare

Lohnquote gehört, neuerdings gepfändet werden, insoweit

ihr Erlös nicht den Gläubigern, welche die vorgehende

Pfändung erwirkt haben, herauszugeben ist. Dieser letz-

tem Vorschrift zufolge wird die spätere Lohnpfändung

allerdings einen Ertrag erst abwerfen, nachdem die voran-

gehende zufolge Tilgung der in Betreibung gesetzten

Forderung, wegen 'Ablaufs des Pfändungsjahres oder aus

andern Gründen dahingefallen sein wird. Natürlich hat

das Betreibungsamt in einem solchen Fall bei der zweiten

Pfändung zur Orientierung des Gläubigers in der Pfän-

dungsurkunde einen entsprechenden Vermerk unter An-

gabe des Umfangs und der äussersten Dauer der vor-

gehenden Lohnpfändung anzubringen.

E. 2 :.-.- Im. vorliegenden Fall beanstandet der Rekurrent daher mit Recht, dass ihm auf sein Fortsetzungsbegehren lediglich ein Verlustschein zugestellt wurde. Das Betrei- lOt Schuldbetreibung .. akursrecht. N0 2;;. bungsamt ist vielmehr nach dem Gesagten gehalten, diesen Verlustschein zurückzuziehen und in der Betreibung Nr. 156 die pfändbare Lohnquote für die Dauer eines Jahres zu pfänden. Als Beginn dieses Jahres kommt, wie schon ausgeführt wurde, nicht das Datum des Fort- setzungsbegehrens oder des angefochtenen Verlustscheines, sondern nur der Tag des Pfändungsvollzuges in Betracht. Aus dem in Erwägung 1 Ausgeführten ergibt sich auch, dass die vom Betreibungsamt am 5. Dezember 1928 mit Wirkung für den Zeitraum vom 1. November 1929 bis

1. November 1930 (der angefochtene Entscheid setzt hier wohl irrtümlicherweise: 1. Oktober 1930) vorgenommene Lohnpfändung den Vorschriften nicht entsprioht. Ob und in welohem Umfang jenen Gläubigern aus dieser Pfändung Rechte erwaohsen sind, welohe denjenigen des Rekurrenten entgegenstehen, kann in diesem Verfahren nicht untersucht werden. Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer : Der Rekurs wird dahin gutgeheissen, dass der ange- foohtene Entsoheid aufgehoben und das Betreibungsamt Schattdorf angewiesen wird, in der Betreibung Nr. 156 im Sinn der Erwägungen vorzugehen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

24. Entsoheid vom 25. September 1929 i. S. Itull.

Loh np f ä. n dun g. Berechnung des Jahres, für dessen Dauer

eine Lohupfändung zulä.ssig ist, vom Tag des Pfändungs-

vollzuges an, und zwar selbst dann, wenn die pfändbare

Quote bereits zu Gunsten einer andem Betreibung gepfändet

ist. Art. 93 SchKG.

SaiBie du salaire. -

La dur6e d'une annee pour laquelle le salaire

peut etre saisi se calcule a partir du jour Oll 11.10 saisie est operee.

et cela meme lorsque le montant saisissable est deja saisi a.u

profit d'une autre creance. Art. 93 LP.

Pignoramento di salario. La durata di un a.nno per il quale il

salario 0 guadagno puo essere pignorato. e da computarsi dal

giomo deIl'esecuzione deI pignoramento anche quando la

quota. pignorabile e gia stata staggita a favore di altr' esecu-

zione. Art. 93 LEF.

A. -

Das Betreibungsamt Schattdorf hat in verschie-

denen Betreibungen gegen Franz Zgraggen vom, Lohn des

Schuldners bereits zweimal die pfändbare Quote von

25 Fr. pro Monat gepfändet und zwar einmal mit Wir-

kung bis 1. November 1929 (Betreibungsnummer, Gläu-

biger, Forderungsbetrag und Datum der Pfändung sind

aus den Akten nicht ersichtlich) und sodann unterm

5. Dezember 1928 zu Gunsten einer Gruppe (deren nähere

Zusammensetzung ebenfalls aus den Akten nicht hervor-

102

Schuldbetreibungs. und Konluus~eeht. No 24.

geht) mit Wirkung ab 1. November 1929 für eine Gesamt-

forderung von 330 Fr.

AIs der Rekurrent unterm 26. Januar 1929 in seiner

. Betreibung gegen den nämliohen Schuldner Forisetzung

verlangte, stellte dasBetreibungsamt am 4. Februar 1929

die Pfändungsurkunde als Verlustsohein aus mit dem

Vermerk, es sei «kein pfändbares Vermögen und Ein-

kommen vorhanden, da zur Zeit aus dem Arbeitslohn des

Schuldners genügend gepfändet ist)J.

B. -

Hiegegen führte der Rekurrent rechtzeitig Be-

schwerde mit dem Antrag, es sei in seiner Betreibung

Nr. 156 eine Lohnpfändung mit Wirkung ab 1. Dezember

1929 zu veranlassen.

G. -

Mit Entscheid vom 5. Juli 1929 wies die Auf-

sichtsbehörde Uri die Beschwerde im Sinn der Erwä-

gungen ab. Die letztern gehen dahin, dass mit Rücksicht

auf die Pfändung vom 5. Dezember 1928 eine Pfändung

zu Gunsten des Beschwerdeführers erst ab 1. Oktober

1930 in Frage käme. Eine solohe sei jedoch deswegen

unzuläBsig, weil jeder Gläubiger nur während eines Jahres

auf den Lohn des Schuldners greifen könne und dieses

Jahr zu laufen beginne mit der Stellung des Fortsetzungs-

begehrens. Vom 1. Oktober 193Q an könne der Lohn

dagegen wieder für andere Gläubiger gepfändet werden.

D. -

Diesen den Parteien am 3. September 1929

zugestellten Entscheid zog der Rekurrent rechtzeitig an

das Bundesgericht weiter unter Wiederholung des vor der

Vorinstanz gestellten Antrages.

Die 8chuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht

in Erwägung:

1. -

Gemäss feststehender Praxis d.ari eine Lohn-

pfändung nur für die Dauer eines J abres angeordnet

werden, wobei sich das Jahr jedoch nicht, wie die Vor-

instanz annimmt, von der Stellung des Fortsetzungs-

begehrens, sondern vom Pfändungsvollzug an berechnet.

Andernfalls käme, wie gerade der vorliegende Fall zeigt,

Schuldbetreibungs':Ulld Konkursreeht. No 24.

103

der Gläubiger bei einer ungerechtfertigten Weigerung des

Betreibungsam,tes nicht in den Genuss eines vollen Pfän-

dungsjahres. Besteht nun im Moment des Pfändungs-

vollzuges bereits eine Lohnpfändung zu Gunsten einer

andern Betreibung, die die ganze pfändbare Lohnquote

in Anspruch nimmt, so· darf der Beginn der Wirksamkeit

der zweiten Pfändung nicht auf das Ende des Jahres

hinausgeschoben werden, während welchem die erste

Pfändung in Kraft steht, denn das hätte zur Folge, dass

iii einem gegebenen Zeitpunkt der Lohn des Schuldners

auf mehrere Jahre hinaus gepfändet sein könnte -

ein

Ergebnis, das gerade durch die Beschränkung der Pfän-

dung auf die Dauer eines Jahres im Interesse sowohl des

Schuldners als auch dritter Gläubiger vermieden werden

wollte. Dagegen steht dem nichts entgegen, dass die

pfändbare Quote ein zweites Mal für die Dauer eines

Jahres gepfändet wird, jedoch ohne Hinausschiebung des

Wirkungsbeginns : Denn einerseits hat jeder Gläubiger

das Recht, auf den Lohn des Schuldners zu greifen, und

anderseits können gemäss Art. llO Abs. 3 SchKG bereits

gepfändete Vermögensstücke, zu denen auch die pfändbare

Lohnquote gehört, neuerdings gepfändet werden, insoweit

ihr Erlös nicht den Gläubigern, welche die vorgehende

Pfändung erwirkt haben, herauszugeben ist. Dieser letz-

tem Vorschrift zufolge wird die spätere Lohnpfändung

allerdings einen Ertrag erst abwerfen, nachdem die voran-

gehende zufolge Tilgung der in Betreibung gesetzten

Forderung, wegen 'Ablaufs des Pfändungsjahres oder aus

andern Gründen dahingefallen sein wird. Natürlich hat

das Betreibungsamt in einem solchen Fall bei der zweiten

Pfändung zur Orientierung des Gläubigers in der Pfän-

dungsurkunde einen entsprechenden Vermerk unter An-

gabe des Umfangs und der äussersten Dauer der vor-

gehenden Lohnpfändung anzubringen.

2. :.-.- Im. vorliegenden Fall beanstandet der Rekurrent

daher mit Recht, dass ihm auf sein Fortsetzungsbegehren

lediglich ein Verlustschein zugestellt wurde. Das Betrei-

lOt

Schuldbetreibung .. akursrecht. N0 2;;.

bungsamt ist vielmehr nach dem Gesagten gehalten,

diesen Verlustschein zurückzuziehen und in der Betreibung

Nr. 156 die pfändbare Lohnquote für die Dauer eines

Jahres zu pfänden. Als Beginn dieses Jahres kommt, wie

schon ausgeführt wurde, nicht das Datum des Fort-

setzungsbegehrens oder des angefochtenen Verlustscheines,

sondern nur der Tag des Pfändungsvollzuges in Betracht.

Aus dem in Erwägung 1 Ausgeführten ergibt sich auch,

dass die vom Betreibungsamt am 5. Dezember 1928 mit

Wirkung für den Zeitraum vom 1. November 1929 bis

1. November 1930 (der angefochtene Entscheid setzt hier

wohl irrtümlicherweise: 1. Oktober 1930) vorgenommene

Lohnpfändung den Vorschriften nicht entsprioht.

Ob

und in welohem Umfang jenen Gläubigern aus dieser

Pfändung Rechte erwaohsen sind, welohe denjenigen des

Rekurrenten entgegenstehen, kann in diesem Verfahren

nicht untersucht werden.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :

Der Rekurs wird dahin gutgeheissen, dass der ange-

foohtene Entsoheid aufgehoben und das Betreibungsamt

Schattdorf angewiesen wird, in der Betreibung Nr. 156

im Sinn der Erwägungen vorzugehen.