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54_II_409

BGE 54 II 409

Bundesgericht (BGE) · 1928-01-01 · Deutsch CH
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Markenschutz. No 77.

Eine Bezeichnung aber, die nach ihrer begrifflichen

Bedeutung in Beziehung auf eine bestimmte Ware der-

gestalt einen offensichtlichen, für jedennann verständ-

lichen Hinweis auf deren Zweckbestimmung enthält,

kann als Marke nicht geschützt werden, auch wenn sie

vom Zeicheninhaber in diesem Zusammenhange neu

im Verkehr eingeführt worden ist. Ebenso verschlägt

es nichts, dass sie, wie das Handelsgericht auf Grund

der von seinen sachverständigen Mitgliedern gemachten

Erhebungen feststellt, während ihrer langjährigen Be-

nutzung in den beteiligten Verkehrskreisen tatsächlich

die Anerkennung als Kennwort für Hustenbonbons der

Beklagten erlangt hat. Dieser Umstand, der allenfalls

aus dem Gesichtspunkte des unlauteren Wettbewerbes

von Bedeutung sein könnte, vennag den Mangel der

Schutzfähigkeit nicht zu beheben. Denn als deskrip-

tives und damit Gemeingut bildendes Zeichen kann der

Ausdruck

« Rachenputzer» von einem Gewerbetrei-

benden nicht zu seinem besonderen Gebrauche mono-

polisiertwerden; vielmehr bleibt er dermarkenrecht-

lichen Aneignung schlechthin entzogen (vgl. BGE 52

II 306; DUNANT, Marques de fabrique et de commerce

S. 128).

Demnach erkennt das Bundesgericht :

In Gutheissung der Berufung wird' das Urteil des

Handelsgerichts des Kantons· Bern vom 6. Juni 1928

aufgehoben und die von den Beklagten am 24. September

1910 unter Nr. 28,134 beim eidg. Amt für geistiges

Eigentum hinterlegtr. Marke « Rachenputzer ~ als un-

. gültig erklärt.

OFDAG Offset-, Formular- und Fotodruck AG 3000 Bern

I. FAMILIENRECHT

DROIT DE LA FAMILLE

78. Auszag aus dem 'Urteil der Ir. Zivilabteilung

vom 16. .Dezember 192B

i. S. Bug und Scha.tZmaml gegen Schatzmann.

A n fee h tun g der Ehe li ehe r k I ä run g. Art. 262

ZGB.

Die Einhaltung der Klagefrist ist eine Voraussetzung des

Klagerechtes; sie muss daher vom KHiger behauptet

werden, jedenfalls muss sie beim Fehlen einer solchen

Behauptung aus den Akten hervorgehen.

Art. 262 ZGB schreibt vor, dass der dia Ehelicherklä-

. rung eines Kindes Anfechtende seine Klage binnen drei

Monaten, nachdem jen~ ihm bekannt geworden ist, ein-

zuleiten hat. Es handelt sich hier um eine Verwirkungs-

frist, deren Nichteinhaltung den Verlust des Klage-

rechtes zur Folge hat und die von Amtes wegen zu

berücksichtigen ist. Da die Einhaltung der Frist eine

Voraussetzung des Anspruchs ist, muss sie vom Kläger

behauptet werden; jedenfalls muss sie beim Fehlen

einer solchen Beha!lptung aus den Akten hervorgehen.

Im vorliegenden Fall fehlt es nun nicht nur an Ausfüh-

rungen des Klägers darübel, wann er Kenntnis von der

Ehelicherklärung erlangt habe; die Akten enthalten

auch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass dies innert

drei Monaten vor Klaganhebung, d. h. ~rst nach dem

22. August 1926 der Fall gewesen sei. Im Gegenteil.

Zwar wurde der Entscheid über die Ehelicherklärung

seinerzeit dem Kläger nicht von Amtes wegen zuge-

stellt, jene Akten enthalten wenigstens keinen derartigen

Ausweis. Allein mit Rücksicht auf die grosse Bedeu-

AS

·110

Familiem-echt. N° 79.

tung, die der Entscheid fü) die heiden Beklagten gegen-

über dem Kläger hatte, darf vermutet werden, dass die

Beklagte Hug seinerzeit nicht zögerte, ihn dem Kläger

mitzuteilen.

Es muss dies umso eher angenommen

werden, als die Beklagte in jener Zeit beim Kläger ge-

wohnt hat: Der Kläger liess in seiner Replik selbst

ausführen, die Beklagte sei im Mai 1926 von ihm weg-

gezogen. Es erscheint als ganz unwahrscheinlich, dass

die Parteien während längerer Zeit miteinander in täg-

lichem Verkehr standen, ohne dass dabei die Ehelich-

erklärung je zur Sprache kam. Es muss daher davon

ausgegangen werden, dass der Kläger spätestens im

Mai 1926 Kenntnis von der Ehelicherklärung erhielt.

Die am 22. November 1926 eingereichte Klage erweist

sich daher als verspätet,

79. Extrait de l'arrit de la IIe SecHon civile

du Ei octobre 1928 dans la cause Gassner contre Andrist.

.Art. 177 al. 3 ee. Intercession de la {emme.

L'art. 177 al. 3 ce vise tous Ies engagements pris par Ia femme

envers des tiers dans I'interet de son mari, quand bien

meme ces engagements ne se caracterisent point en Ia forme

comme des actes d'intercession. -- Lorsque l'acte ne se

presente pas en Iui-mcme comme une intercession, il incombe

a Ia femme qni excipe de l'art. 177 al. 3 de prouver que le

tiers contractant a sn ou du. savoir qne Ie contrat etait

conclu dans l'interet du mari uniquemenL -

Seull'interCt

juridique entre en consideration, a I'exclusion de tous autres

avantages materiels ou moraux. -

S'agissant d'un emprunt

contracte solidairement par Ia femme et le mari, il faut

rechercher quel a He l'emploi des fonds empruntes, et si

le tiers contractant a connu cet emploi (consid. 1).

La circonstance que l'emprullt a etecontracte solidairemeni

par Ia femme et le mari n'est nullement dCcisive (consid.2).

Resume des taUs :

Les epoux Gassner etaient locataires, a Anieres, d'une

villa. Comme le proprietaire de cette villa manifestait

l'intention de la vendre, Gassner se proposa de l'acheter

Familienrecht. N°' 79.

411

parce que sa femme, de sante deIicate, desirait continuer

a vivre a la campagne. En consequence, il conclut avec

le proprietaire un pacte d'emption (ou de preemption),

aux termes duquel il pouvait acquerir l'immeuble dans

un delai de deux ans et s'obligeait, s'il nc l'achetait pas,

a payer une dedite de 5000 fr.

Al' expiratioll de ce delai, Gassller chercha ase pro;::urer

les . fonds necessaires a l'achat et trouva, par l'inter-

mediaire de Me Meyer de Stadelhofen, un preteur a court

terme qui les lui avanc;a. Il put acquerir la villa; mais il

ne fut pas en mesure de rembourser lepret al' echeance.

Les epoux Andrist intervinrent alors, a la demandc

des epoux Gassner, ou de sieur Gassner, et se declarerent

disposes a avancer les sommes necessaires pour le rem-

hoursemellt du pret.

.

En date du 1er juillet 1920, les epouxAndrist passerent

avec les epoux Gassner une « convention » qui stipulait

entre mltres :

« M. et Mme Victor Gassner reconnaissent conjointe-

» ment et solidairement a'voir rec;u de ~I. et Mme William

» Andrist la somme de 28 000 fr., somme reconnue ct

II legitimement due conjointement et solidairement entre

)) eux au preteur.»

» M. et Mme Victor Gassner s'ellgagent conjointement

» et solidairement a rendre et a rembourser M. et Mme

» William Andrist de la somme de 28 000 fr. dans un

» delai de trois ans maximum, moyennant versement..<;

) trimestriels de 1500 fr ....

Eil date du 4 juillet 1922, Gassner a ete declare eil

faillite. Andrist fut colloque pour une somme de 32 065 fr.

65; il ne re<;ut aucun dividende.

Le 15 decembre, les epoux Andrist firent notifier a

dame Gassner un commandement de payer pour le

montant de 26 000 fr., solde du pret consenti le 1 er juillet

1920. La Cour de Justice civile pronon<;a, le 12 mars

1923, la maill-Ievee de l'opposition formee par dame

Gassner.