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53_II_213

BGE 53 II 213

Bundesgericht (BGE) · 1926-07-21 · Deutsch CH
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Erbrecht: N° 37.

einen Sinn haben soll, es nur der sein kann, der Bedachte

soll das Haus an sich ziehen können, ohne über dessen

Wert den Erben Rechenschaft schuldig zu sein; da

bei der Zuwendung des Hauses auf Anrechnung am

Erbanteil des Bedachten der Liegenschaftswert zwecks

Anrechnung geschätzt werden müsste, hätte der Be-

dachte seinen Miterben entgegen dem ausdrücklichen

Willen des Erblassers eben doch Rede und Antwort

zu stehen. Diese Auslegung wird auch dadurch bekräftigt,

dass der Erblasser das « ganze» Haus dem Beklagten

vermachte; selbstverständlich wollte er damit nicht

sagen, es soll das Haus nicht etwa nur zum Teil dem

Beklagten zufallen, sondern es soll ihm dessen ganzer

Wert zukommen, was nicht der Fall wäre, wenn dieser

ihm an seinem Erbanteil wieder abgezogen würde. Auch

ausserhalb der Verfügung liegende Tatsachen lassen diese

Auslegung als richtig erscheinen: der;Beklagte hat

keine weitere Ausbildung erhalten, während die andern

Kinder des Erblassers mehr oder weniger kostspielig

erzogen worden sind; er ist immer beim Vater geblieben

und hat dem elterlichen Geschäft seine ganze Arbeits-

kraft zugewendet, ohne dafür besonders abgefunden

worden zu sein; es ist daher verständlich, dass ihn der

Erblasser durch die Zuwendung des Hauses wirklich

begünstigen wollte und es nicht in seiner Absicht lag,

ihm den Wert des Hauses an seinem Erbanteil anrechnen

zu lassen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als die Erb-

schaft, die wesentlich über C6,000 Fr. beträgt, das

Vorausvermächtnis des auf 20,000 Fr. Verkehrswert

geschätzten Hauses wohl ertragen kann.

Sachenrecht. N° 38.

III. SACHENRECHT

DROITS REELS

38. Auszug aus dem Urteil aer 11. Zivilabteilung

vom 1. Juni 1927 i. S. J:.andls gegen Itanton Zug.

213

ZGB Art. 955: Keine Ver a n t W 0 r t li c h k e i t der

K a n ton e aus der G run d b u c h f ü h run g we~en

unrichtiger G ren z b e s ehr e i b u n !S'

solange keme

Grundbuchpläne oder mindestens RealfolIen angelegt worden

sind.

Im Jahre 1923 erwarb der Kläger in Zug Bauland,

für dessen frühere rechtliche Schicksale auf BGE 52 II

S. 16/7, ersten Absatz, verwiesen wird. Als der Kläger

auf diesem Land im Abstande von zweieinhalb Metern

von der Bleichestrasse zu

bauen begann, liessen

die Nachbaren !ten und Kaiser die Baute inhibieren

aus dem Grunde, dass laut Baugesetz der Abstand eines

Hauses mindestens drei Meter von der Strasse oder

Grenze sein müsse. Zum Zwecke der Beseitigung der

Baueinsprachen strengte der Kläger gegen d~e beiden

Nachbaren Klagen an mit den Begehren, SIe haben

anzuerkennen, dass der Kläger Eigentümer der Hälfte

der Bleichestrasse sei. Durch in BGE 52 II S. 16 ff.

veröffentlichte Urteile vom 3. Februar 1926 hat das

Bundesgericht diese Klagen abgewiesen.

Mit der vorliegenden Klage verlangt nun der Kläger

Verurteilung des für den aus der Grundbuchführung

entstehenden Schaden verantwortlichen Kantons Zug

zum Ersatz des ihm aus der Sistierung und nachherigen

Änderung der Bauarbeiten erwachsenen Schadens und

der Kosten der gegen lten und Kaiser geführten Pro-

zesse.

Das Bundesgericht hat auch diese Klage abgewiesen,

in zweiter Linie aus folgenden Gründen :

214

Sachenrecht. N° 38.

In den erwähnten Urteilen vom 3. Februar 1926

hatte das Bundesgericht die Voraussetzung für die

ordentliche Ersitzung und für die Grundbuchberichti-

gungs(wider) klage, dass nämlich der Kläger, wie schon

seine Rechtsvorgänger Geschwister Keiser und Zotz &

Griessl, als Alleineigentümer der südlichen Hälfte der

Bleichestrasse im übergangsgrundbuch eingetragen sei,

als gegeben betrachtet, obwohl sich der Kläger einzig

darauf berufen konnte, dass bei der Eintragung des ihm

:on .?en Geschwistern Keiser verkauften Grundstückes

Im Ubergangsgrundbuch als Grenze nicht die südliche

Grenze der Bleichestrasse, sondern die Mitte der Bleiche-

strasse angegeben worden, m. a. W. dass die Grenz-

beschreibung unrichtig. war, indem sein Grundstück

nach der Grenzbeschreibung einen Teil eines fremden

Grun~stückes mitumfasste. Ob bei erneuter Prüfung

an ~eser Auffa~sung festgehalten werden könne, mag

dahingestellt bleIben. (Beiläufig sei immerhin bemerkt,

dass die gegenteilige Auffassung am wirtschaftlichen

Ergebnis der Prozesse zwischen dem Kläger und Iten

b.ezw. Kaiser nichts geändert haben würde, da es dann

emfach noch an einem weiteren Erfordernis der Er-

sitzung gefehlt und die Grundbuchberichtigungswider-

klage hätte als gegenstandslos abgewiesen werden müs-

sen, weil der angegriffene Eintrag als gar nicht bestehend

anzusehen gewesen wäre.) 'Denn jedenfalls kann die

Verantwortlichkeit der Kantone für den aus der Grund-

buchführung entstehenden Schaden nicht auf die Grenz-

beschreibung der Liegenschaften ausgedehnt werden

solange die Stelle des eidgenössischen Grundbuche~

von früheren kantonalen Formen versehen wird, die

weder auf Grundbuchplänen noch dem Realfolien-

system beruhen. Während nämlich die Aufnahme und

~schreibung der einzelnen Grundstücke im eidgenös-

sIschen Grundbuch auf Grund eines Planes erfolgt,

der dazu bestimmt ist, den Umfang des Grundstückes

ein für alle male festzulegen (unter Vorbehalt nach-

Sachenrecht. N° 38.

215

träglicher Teilung, Vereinigung oder Umschreibung von

Grundstücken), sodass die Grundstücke nur in dem

derart umschriebenen Umfange zum Gegenstand des

Rechtsverkehres gemacht werden können, kann unter

der Herrschaft der alten kantonalen Formen bis zur

Herstellung der Grundbuchpläne der Grundeigentümer

über seinen Grundbesitz in beliebiger Weise ver-'

fügen, insbesondere z. B. nur einzelne Teile von

Grundstücken veräussern. Freilich gilt' schon vor der

Anlage und Einführung des eidgenössischen Grund-

buches, dass grundbuchliche Verfügungen nur auf Grund

eines Ausweises über das Verfügungsrecht vorgenom-

men werden dürfen und dass der Ausweis über das

Verfügungsrecht in dem Nachweise liegt, dass der

Gesuchsteller die nach Massgabe des Grundbuches

verfügungsberechtigte Person ist oder von dieser eine

Vollmacht erhalten hat (Art. 965 ZGB und Art. 15 der

Grundbuchverordnung). Allein die daherige Prüfungs-

pflicht des Grundbuchbeamten ist darauf beschränkt,

ob die verfügende Person identisch sei mit derjenigen

Person, welche nach der allgemeinen Beschreibung

des veräusserten Grundstückes als dessen Eigentümer

eingetragen ist (um nur den regelmässigen Fall, dass der

eingetragene Eigentümer verfügt, in den Kreis der

Betrachtung zu ziehen). Dagegen hat sich der Grund-

buchbeamte nicht etwa auch im einzelnen um die

Grenzbeschreibung zu kümmern, braucht er also nament-

lich nicht nachzuprüfen, ob der Eigentümer im ganzen

Umfange der -angegebenen Grenzen verfügungsberechtigt

sei oder gegenteils durch die Art und Weise der Grenz-

beschreibung mit seiner Verfügung in ein Nachbar-

grundstück übergreife, bezüglich dessen ihm nach Mass':'

gabe des Grundbuches keinerlei Verfügungsrecht zusteht.

weil als dessen Eigentümer eine andere Person eingetragen

ist. Andernfalls wäre die Prüfungs pflicht der Grund-

buchbeamten und damit auch die Haftpflicht der

Kantone für diese Beamten unter der Herrschaft früherer

216

S'achenrecht. N0' 39.

kantonaler Formen eine weit ausgedehntere und ge-

fährlichere als künftig nach der Einführung des eid-

genössischen Grundbuches, was sich unmöglich recht-

fertigen liesse. Dass etwa schon das frühere kantonale

Recht dem Grundprotokollführer die Pflicht auferlegt

hätte, bei Anlass jeder Handänderung in den die Nach-

barliegenscbaften betreffenden Einträgen nachzusehen,

ob die gegensei~igen Grenzbeschreibungen übereinstim-

men, und dass es ferner dem Kanton die Haftpflicht

für die Verletzung dieser Prüfungspflicht auferlegt

hätte -

welche Vorschriften gegebenenfalls bis zur

Einführung des eidgenössischen Grundbuches weiter

gelten würden -. hat der Kläger nicht behauptet,

geschweige denn nachgewiesen (vgl. Art. 3 BZP).

39. Extrait de l'urSt de la IIe Seetion civile du 2 juin 19a7

dans la cause Nos6da contre Vessr.z.

Hypotheque legale des artisans et entrepreneurs. -

Passe

le delai de trois mois des l'achevement des travaux, aucune

hypotheque d'entrepreneur ne peut plus etre inscrite, quand

bien meme elle aurait ete demandee au juge et accordee

par lui en temps utile. -

A l'expiration du temps pour le-

quel elle a He ordonnee, l'inscription provisoire perd, sans

autre, toute valeur, du seul fait qu'aucune prolongation

ou transformation en inscription definitive n'a He mention-

nee au registre.

Resume des laUs.

Par acte authentique du 23 septembre 1925, rUsine

de laminage Ed. Mathey fIls S. A., a Neuveville, a vendu

a Paul Vessaz, pour le prix de 11000 fr., un terrain sis

a Neuveville.

Le 19 decembre 1925, le registre du commerce a inserit

la constitution, en date du 3 deeembre, de la Societeen

eommandite Vessaz & Oe, autogarage, a Neuveville.

Cette societe, qui reprenait ractif et le passif de la soeieM

J

Sachenrecht. N° 39.

217

Schwab & Vessaz, etait composeede Mareel Vessaz, seul

associe indefiniment responsable, et de son frere Paul

Vessaz, commanditaire pour 3000 francs.

La sodete a fait construire un garage sur le terrain

acquis par Paul Vessaz. A cet effet, elle a confie, par

contrat du 18 fevrier 1926, les travaux de terrassement,

fonilles,

ma~onnerie et beton arme, a l'entrepreneur

Antoine Noseda, de St-Blaise.

Acheves le 12 mai 1926, les travaux furent acceptes

le 15 mai 1926. Le 16 juillet 1926, Marcel Vessaz, agissant

au nom de Vessaz & oe, reconnut la cf(~ance de l'entre-

preneur, d'un montant de 27208 fr. 30.

Ne parvenant pas a 'se faire payer, Noseda requit, le

21 juillet 1926, l'inscription d'une hypotheque legale

d'entrepreneur.

Par decision du 12 aoilt 1926, le President du Tribunal

de Neuveville ordonna, en faveur de Noseda, l'inscription

provisoire, pour la duree d'un mois, d'une hypotheque

legale d'entrepreneur sur l'immeuble de Paul Vessaz.

L'inscription fut effectuee Ie jour-m~me.

Par demande du 6 septembre 1926, deposee le 9 sep-

tembre, Noseda eonclut a ce qu'il plaise a Ia Cour d'appel

du canton de Berne reconnaitre son droit d'hypotheque

legale, pour 27208 fr. 30, sur l'immeuble Paul Vessaz,

et ordonner l'inscription a titre definitif de l'hypotMque

annotee en vertu de l'ordonnance du 12 aoilt 1926. Le

demandeur sollicitait, en m~me temps, le tribunal de

prolonger les effets de cette ordonnance jusqu'a solution

du proces. Le President de la Cour d'appel declina, tou-

tefois, cette requete, pour cause d'incompetence.

Le 7 septembre 1926, PanI Vessaz vendit le terrain

litigieux a la societe Vessaz & Oe. L'acte meutionne

l'hypotheque inscrite, le 12 aoilt 1926, pourla duree d'un

mois.

Tout en formulant sa demande a la Cour d'appel,

Noseda requerrait egalement du President du Tribunal

de Neuveville la prolongation de l'inscription du 12 aoilt,