Sachverhalt
- Die Spar- und Leihkasse in Bern liess am 10.
März 1923 für 115,000 Fr., nämlich den als ungedeckt
betrachteten Teilbetrag einer durch Faustpfänder versi-
cherten Kreditforderung von 246,449 Fr., da~ im Betrei-
bungskreis Oberha.~li (Meiringen) gelegene Vermögen der
Erbschaft des Otto Junghanss in LeipzigmitArrest,belegen
und hob zur Prosequierung des Arrestes am 27. MäI;"z Faust-
pfandverwertungsbetreibung für 246,449 Fr. nebst Zin-
sen und Quartalskommissionen seit Anfang 1923... Be-
treibung auf Verwertung ihrer Faustpfänder an. Am
24. April 1923 ",-urden in den von der Kantonalbank
von Bern für 112,632 Fr., sowie von weiteren Gläubigern
gegen die Erbschaft Junghanss geführten ordentlichen
Betreibungen (Gruppe Nr. 61) die arrestierten Ver-
mögensstücke gepfändet, wobei die Spar- und Leihkasse
in Bern in der Pfändungsurkunde als gemäss Art. 281
SchKG für 115,000 Fr. provisorisch teilnehmende Gläu-
bigerin aufgeführt wurde. In der Faustpfandverwertungs-
betreibung wurde ihr am 2. Juli 1923 ein Pfandausfall-
schein für 226,784 Fr. 70 Cts. ausgestellt. Gestützt auf
diesen Pfandausfallschein stellte die Spar- und Leih-
kasse am 5. Juli 1923 für den darin genannten Betrag
130
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 32.
beim Betreibungsamt Oberhasli das Fortsetzungsbe-
gehren. Darauf brachte das Betreibungsamt am 18. Juli
• 1923 den Gläubigern der Gruppe Nr. 61 (dn Ergänzung
der Ihnen unterm 1. Jnni a. c. zugesandten Pfändungs-
abschrift » zur Kenntnis, dass der gemäss Art. 281 SchKG
von Amtes wegen vorgenommene Pfändungsanschluss
der Spar- und Leihkasse in Bern «gestützt auf vorge-
legten Pfandausfallschein und gestelltes Pfändungsbe-
gehren nunmehr definitif geworden, nnd zwar für die
ausgewiesene Pfandausfallsumme von 226,784 Fr.»
(recte 226,784 Fr. 70 Cts.) «nebst Zins und Kom. zus. zu
6% seit 2. Juli 1923, dem Datum des Pfandausfall-
scheines. »
Der Erlös aus den gepfändeten Vermögensstücken ver-
mochte den Betrag der an der Pfändung teilnehmenden
Forderungen nicht zu decken... Das Betreibungsamt
liess die Spar-
und Leihkasse im Kollokationsplan
grundsätzlich mit ihrer Faustpfandausfallforderung von
226,784 Fr. 70 Cts., vermehrt um Zins und Kosten im
Betrag von 5611 Fr. 20 Cts., zu, machte jedoch gewisse
Abzüge.
Gegen den Kollokationsplan führte die Spar- und
Leihkasse Beschwerde mit dem Antrag, sie sei für die
vollen Piandausfallforderungen ohne Abzug zuzulassen.
B. -
.Durch Entscheid vom 9. September 1924 hat
die Aufsichtsbehörde über die ~etreibungs- und Konkurs-
ämter des Kantons Bern erkannt:
«Der Kollokations- und Verteilungsplan in der Grup-
penbetreibung Nr. 61 des Betreibungsamtes Oberhasli
in Meiringen ist dahin abzuändern, dass die Spar- und
Leihkasse Bern ... mit einem Betrag von ... 226,784 Fr.
70 Cts. nebst Zins und Kosten zuzulassen ist ... 11
C;. -
Diesen Entscheid hat die Kantonalbank von
Bern am 19. September an das Bundesgericht weiter-
gezogen mit den Anträgen, die Spar- und Leihkasse sei
Dur ftir den Betrag von 115,000 Fr. in der Gruppe Nr. 61
zuzulassen und der Kollokations- und Verteilungsplan
Schuldbetrelbungs- und Konkursrecht. N° 32.
131
entsprechend abzuändern, eventudl -
falls die Kammer
auf diesen Antrag nicht einträte -- sei der Kantonal-
bank von Bern eine neue Frist zur Anbringung der
Kollokationsklage gegE'n die Spar- und Leihkasse zu
eröffnen.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 11 URTEILE DER ZIVILABTEILUNGEN ARRETS DES SECTIONS CIVILES
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
32. Auszug aus dem Entscheid vom 17. Oktober 19M
i. S. Eantonalbank von Dern.
129
Arrest für den als ungedeckt erachteten Teil einer pfandver-
sicherten Forderung; nachfolgende Pfändung der Arrest-
gegenstände zu Gunsten anderer Gläubiger. Die Teilnahme
des Arrestgläubigers an der Pfändung bleibt auf die Ar-
restsumme beschränkt, auch wenn der wirkliche Pfand-
ausfall höher ist (es wäre denn, dass· der Arrestgläubiger
noch vor Ablauf der Teilnahmefrist für den Pfandausfall
das Fortsetzungsbegehren stellen könnte).
Rechtskraftwirkung der nicht durch Beschwerde angefoch-
tenen Verfügungen.
.
Kollokationsklage im Betreibungsverfahren, Beßnn der Klage-
frist.
Art .. 17, 148,281 Abs. 1 SchKG.
A. -- Die Spar- und Leihkasse in Bern liess am 10.
März 1923 für 115,000 Fr., nämlich den als ungedeckt
betrachteten Teilbetrag einer durch Faustpfänder versi-
cherten Kreditforderung von 246,449 Fr., da~ im Betrei-
bungskreis Oberha.~li (Meiringen) gelegene Vermögen der
Erbschaft des Otto Junghanss in LeipzigmitArrest,belegen
und hob zur Prosequierung des Arrestes am 27. MäI;"z Faust-
pfandverwertungsbetreibung für 246,449 Fr. nebst Zin-
sen und Quartalskommissionen seit Anfang 1923... Be-
treibung auf Verwertung ihrer Faustpfänder an. Am
24. April 1923 ",-urden in den von der Kantonalbank
von Bern für 112,632 Fr., sowie von weiteren Gläubigern
gegen die Erbschaft Junghanss geführten ordentlichen
Betreibungen (Gruppe Nr. 61) die arrestierten Ver-
mögensstücke gepfändet, wobei die Spar- und Leihkasse
in Bern in der Pfändungsurkunde als gemäss Art. 281
SchKG für 115,000 Fr. provisorisch teilnehmende Gläu-
bigerin aufgeführt wurde. In der Faustpfandverwertungs-
betreibung wurde ihr am 2. Juli 1923 ein Pfandausfall-
schein für 226,784 Fr. 70 Cts. ausgestellt. Gestützt auf
diesen Pfandausfallschein stellte die Spar- und Leih-
kasse am 5. Juli 1923 für den darin genannten Betrag
130
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 32.
beim Betreibungsamt Oberhasli das Fortsetzungsbe-
gehren. Darauf brachte das Betreibungsamt am 18. Juli
• 1923 den Gläubigern der Gruppe Nr. 61 (dn Ergänzung
der Ihnen unterm 1. Jnni a. c. zugesandten Pfändungs-
abschrift » zur Kenntnis, dass der gemäss Art. 281 SchKG
von Amtes wegen vorgenommene Pfändungsanschluss
der Spar- und Leihkasse in Bern «gestützt auf vorge-
legten Pfandausfallschein und gestelltes Pfändungsbe-
gehren nunmehr definitif geworden, nnd zwar für die
ausgewiesene Pfandausfallsumme von 226,784 Fr.»
(recte 226,784 Fr. 70 Cts.) «nebst Zins und Kom. zus. zu
6% seit 2. Juli 1923, dem Datum des Pfandausfall-
scheines. »
Der Erlös aus den gepfändeten Vermögensstücken ver-
mochte den Betrag der an der Pfändung teilnehmenden
Forderungen nicht zu decken... Das Betreibungsamt
liess die Spar-
und Leihkasse im Kollokationsplan
grundsätzlich mit ihrer Faustpfandausfallforderung von
226,784 Fr. 70 Cts., vermehrt um Zins und Kosten im
Betrag von 5611 Fr. 20 Cts., zu, machte jedoch gewisse
Abzüge.
Gegen den Kollokationsplan führte die Spar- und
Leihkasse Beschwerde mit dem Antrag, sie sei für die
vollen Piandausfallforderungen ohne Abzug zuzulassen.
B. -
.Durch Entscheid vom 9. September 1924 hat
die Aufsichtsbehörde über die ~etreibungs- und Konkurs-
ämter des Kantons Bern erkannt:
«Der Kollokations- und Verteilungsplan in der Grup-
penbetreibung Nr. 61 des Betreibungsamtes Oberhasli
in Meiringen ist dahin abzuändern, dass die Spar- und
Leihkasse Bern ... mit einem Betrag von ... 226,784 Fr.
70 Cts. nebst Zins und Kosten zuzulassen ist ... 11
C;. -
Diesen Entscheid hat die Kantonalbank von
Bern am 19. September an das Bundesgericht weiter-
gezogen mit den Anträgen, die Spar- und Leihkasse sei
Dur ftir den Betrag von 115,000 Fr. in der Gruppe Nr. 61
zuzulassen und der Kollokations- und Verteilungsplan
Schuldbetrelbungs- und Konkursrecht. N° 32.
131
entsprechend abzuändern, eventudl -
falls die Kammer
auf diesen Antrag nicht einträte -- sei der Kantonal-
bank von Bern eine neue Frist zur Anbringung der
Kollokationsklage gegE'n die Spar- und Leihkasse zu
eröffnen.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung :
Die EntscheidungsgrÜllde der Vorinstanz sind im
wesentlichen die folgenden: Für ihre pfandversicherte
Forderung habe die Spar- und Leihkasse in Bern inso-
weit einen Arrest herausnehmen können, als sie nach der
Schätzung der Arrestbehörde durch das Pfand nicht ge-
deckt zu sein schien .. Zur Prosequierung des Arrestes
habe die Durchführung der Faustpfandverwertungsbe-
treibung in Verbindung mit der Anhebung der Betrei-
bung «auf den Arrestgegenstand J) binnen zehn Tagen
nach der Ausstellung des Pfandausfallscheins genügt.
Als die Arrestgegenstände für andere Gläubiger gepfän-
det wurden, habe das Betreibungsamt zutreffend in An-
wendung des Art. 281 SchKG die Spar- und Leihkasse
für den voraussichtlichen Pfandausfall in die betreffende
Pfändungsgruppe aufgenommen ... Für diesen 226,784 Fr.
70 Cts. betragenden Pfandausfall sei die Spar- und
Leihkasse im Kollokations-
und Verteilungsplan zu·
zulassen, nachdem seinerzeit von keiner Seite gegen
ihre Gruppenteilnahme in diesem Umfang Einspruch
erhoben worden seL.
Demgegenüber macht die Rekurrentin geltend. die
Teilnahme des Arrestgläubigers am Erlös der Arrest-
gegenstände könne den Betrag, für welchen ihm der
Arrest bewilligt worden sei, nicht übersteigen, gleich-
gültig ob sich nachträglich ein höherer als der bei der
Bewilligung des Arrestes vorausgesehene Pfandausfall
ergeben habe.
Dieser Auffassung ist grundsätzlich beizustimmen.
Es ist davon auszugehen, dass bei der Pfändungsbe-
132
Schuldbetreibungs.. und Konkursrecht. N0 32.
treibung zu Gunsten der Gläubiger Pfändungspfandrechte
nur für diejenigen Beträge entstehen, für welche die Pfän-
• dung vorgenommen worden bezw. die Teilnahme an der
Pfändung erfolgt ist. Dies ergibt sich ohne weiteres aus
der überlegung, dass nach Art. 97 Abs. 2 SchKG nicht
mehr gepfändet wird als nötig ist, um die pfändenden
Glaubiger für ihre Forderungen samt Zins und Kosten
z~ befried!gen. Infolgedessen ist es ausgeschlossen, dass
e~n Gla~bIger im Kollokations- und Verteilungsplan für
emen hoheren Betrag als denjenigen zugelassen würde,
für welchen die Pfändung bezw. die Teilnahme statt-
gefunden hat. Dies muss auch im Falle gelten, dass der
Arrestgläubiger bei Pfändung der arrestierten Gegen-
stän~e ~u Gunsten anderer Gläubiger von Rechts wegen
provIsorIsch an der Pfändung teilnimmt. Insbesondere
steht es emem Pfandgläubiger, welcher für den unge-
deckt erscheinenden Teilbetrag seiner Pfandforderung
einen Arrest herausgenommen hat und dann für diesen
Betrag zur Teilnahme an der nachfolgenden Pfändung
der Arrestgegenstände zu Gunsten anderer Gläubiger zu-
gelassen worden ist, nicht [zu, ein weitergehendes Pfän-
dungspfandrecht geltend zu machen, wenn sich später,
noch vor Abschluss der Betreibung, herausstellt, dass
der dur~h das Pfand gedeckte Teilbetrag niedriger ist
als bei der Stellung des Arrestgesuches vom Arrest-
gläubiger selbst oder bei der ~willigung des Arrestes
von der Arrestbehörde vorausgesehen wurde. Daher
hätte das Betreibungsamt dem auf den Pfandausfall-
schein gestützten Fortsetzungsbegehren der Rekurs-
gegnerin nur in der Weise Folge geben dürfen, dass es
ihre provisorische Teilnahme an der Pfändung zu Gunsten
der Gruppe Nr. 61 für den Betrag von 115,000 Fr. als
~~finitiv geworden vormerkte und für den Restbetrag,
fur wel~hen es nach Art. 158 SchKG eines Zahlungsbe-
fehls mcht bedurfte, anderseits aber die Teilnahme an
~~r. früheren Pfändung wegen Ablaufs der dreissig-
tagIgen Anschlussfrist nicht mehr möglich war, die ge-
S.ehuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 32.
133'
pfändeten Vermögensstücke (für den Überschuss) neuer-
dings pfändete. Die Verfügung des Betreibungsamts, dass
die Rekursgegnerin für den gesamten Betrag des Pfand-
ausfalls, 226,784 Fr., an der Pfändung zu Gunsten der
Gruppe Nr. 61 teilnehme, erweist sich somit als gesetz-
widrig.
Nun ist aber diese Verfügung dadurch in Rechtskraft
erwachsen, dass die übrigen Gläubiger der Gruppe Nr.61 •.
insbesondere die Rekurrentin. unterlassen haben, sie
binnen zehn Tagen seit der am 18. Juli 1923 erfolgten
Mitteilung durch Beschwerde anzufechten. Als Vor-,
schrift zwingender Natur, wegen deren Verletzung auch
noch nach Ablauf der ordentlichen Beschwerdefrist
Beschwerde geführt werden könnte, lässt sich die Be-
stimmung des Art. 110 SchKG, wonach (nur solche)
Gläubiger an der Pfändung teilnehmen, welche inner-
halb dreissig Tagen nach ihrem Vollzug das Pfändungs-
begehren stellen, nicht auffassen, da sie wesentlich nur
dem Schutz der vigilanten Gläubiger dient. War aber
die Rekursgegnerin in folge dieser Verfügung als mit
226,784 Fr. an der Pfändung teilnehmende Gläubigerin
anzusehen, so musste sie im Kollokations~ un(l Vertei-
lungs plan auch mit diesem Betrag zugelassen werden~
Der Entscheid der Vorinstanz ist somit im Ergebnis
nicht zu beanstanden.
Der Eventualantrag betreffend die Befristung der-
Kollokationsklage muss schon deshalb zurückgewiesen
werden, weil er erst vor Bundesgericht neu gestellt
wurde (Art. 80 OG). Hievon abgesehen handelt es sich
um eine Frist, deren Anfangspunkt durch das' Gesetz
bestimmt und nicht der Festsetzung durch die Auf-
sichtsbehörden anheimgestellt ist. Vielmehr ist des Sache
der Gerichte, welche allfällig mit einer Kollokationsklage
der Rekurrentin befasst würden, zu prüfen, ob die
Klagefrist mit der Zustellung des Beschwerdeentscheides
der Vorinstanz zu laufen begann, oder, obwohl kein
Antrag gestellt wurde, dem Rekurs aufschiebende Wir-
134
Sehuldbetreibungs- und Konkursrecht (ZivilahteUungen). N° 33-
kung zuzubilligen, von der Zustellung des Rekursent-
scheides des Bundesgerichts, oder ob sie vielmehr nicht
• vor dem Empfang des Auszuges aus dem nach der
Fassung des_Dispositivs der Vorinstanz erst noch vom
Betreibungsamt abzuändernden Kollokationsplanes zu
laufen beginnt. Indessen kann di~ Rekurrentin mit einer
solchen Klage nur aus materiellrechtlichen Gründen
Wegweisung oder Herabsetzung der zugelassenen Forde-
rung der Rekursgegnerin verlangen, dagegen nicht die
im vorliegenden Rekursverfahren erörterte rein betrei-
bungsrechtliche Frage neu aufwerfen, weil deren Be-
urteilung einzig den betreibungsrecht1ichen Aufsichts-
behörden zusteht.
Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.
11. URTEILE DER ZIVILABTEILUNGEN
ARRETS DES SECTIONS CIVILES