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49_III_108

BGE 49 III 108

Bundesgericht (BGE) ·III · 1923-01-01 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Dem Ehemanne der Rekurrentin wurde am 27. Mai 1922 eine Anzahl Möbel gepfändet. Am 30. September 1922 erhielt er gemäss Art. 123 SchKG vier Monate Ver- wertungsaufschub, der aber wegen Nichteinhaltung der Zahlungsfristen wieder dahin .fiel. Am 10. April 1923 machte Frau Rey beim Betreibungsamt das Eigentums- recht an sämtlicher ihrem Manne gepfändeten Fahrnis geltend. Das Betreibungsamt liess die Anmeldung zu und setzte dem Gläubiger Frist zur Einreichung des Wi- derspruchsverfahrens. Die Fristansetztung wurde aber Sehuldbetrelbungs- und Konkursrecht. N° 25. 100 auf Beschwerde hin von der kantonalen Aufsichtsbe- hörde wieder aufgehoben, nachdem sich ergeben hatte. dass die Rekurrentin jedenfalls seit dem 8. März 1923 um die Pfändung ihrer Möbel wusste. B.-Hiergegen rekurriert Frau Rey ans Bundesgericht. Sie macht geltend: ihr Mann hätte· ihr angegeben. es handle sich nur um Pfändung für einen kleinen Betrag. welche nach dessen Tilgung dahinfalIen werde. Zu diesem Zwecke habe sie ein Darlehen aufgenommen und es ihrem Manne zur Zahlung der Betreibungsschuld gegeben. Erst später habe sie erfahren, dass die Summe zur Schuld- tilgung nicht genügt hätte. Sie stehe vollkommen unter dem Einflusse ihres Mannes und hätte keinen Grund ge- habt. an seinen Angaben zu zweifeln. Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

25. Entscheid. von 14. Juni 19~3 i. S. Bey.

Art. 106 SchKG: Frist zur Anmeldung des Eigentumsan-

spruchs. Die Anmeldung des Rechtes an der im Gewahrsam

des Schuldners befindlichen Sache durcb den Drittansprecher

darf nur bei Vorhandensein besonderer

0 b j e k t i ver

Umstände später als binnen zehn Tagen nach Kenntnis-

nahme von der Pfändung erfolgen. Bloss subjektive Grunde

entschuldigen ein Fristversäu~nts nicht.

A.- Dem Ehemanne der Rekurrentin wurde am 27. Mai

1922 eine Anzahl Möbel gepfändet. Am 30. September

1922 erhielt er gemäss Art. 123 SchKG vier Monate Ver-

wertungsaufschub, der aber wegen Nichteinhaltung der

Zahlungsfristen wieder dahin .fiel. Am 10. April 1923

machte Frau Rey beim Betreibungsamt das Eigentums-

recht an sämtlicher ihrem Manne gepfändeten Fahrnis

geltend. Das Betreibungsamt liess die Anmeldung zu

und setzte dem Gläubiger Frist zur Einreichung des Wi-

derspruchsverfahrens. Die Fristansetztung wurde aber

Sehuldbetrelbungs- und Konkursrecht. N° 25.

100

auf Beschwerde hin von der kantonalen Aufsichtsbe-

hörde wieder aufgehoben, nachdem sich ergeben hatte.

dass die Rekurrentin jedenfalls seit dem 8. März 1923

um die Pfändung ihrer Möbel wusste.

B.-Hiergegen rekurriert Frau Rey ans Bundesgericht.

Sie macht geltend: ihr Mann hätte· ihr angegeben. es

handle sich nur um Pfändung für einen kleinen Betrag.

welche nach dessen Tilgung dahinfalIen werde. Zu diesem

Zwecke habe sie ein Darlehen aufgenommen und es

ihrem Manne zur Zahlung der Betreibungsschuld gegeben.

Erst später habe sie erfahren, dass die Summe zur Schuld-

tilgung nicht genügt hätte. Sie stehe vollkommen unter

dem Einflusse ihres Mannes und hätte keinen Grund ge-

habt. an seinen Angaben zu zweifeln.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht

in Erwägung :

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat der

DritteigentÜIDer einer im Gewahrsam des Betreibungs-

schuldners befindlichen gepfändeten Sache unter Ver-

wirkungsfolge seinen Eigentumsanspruch binnen zehn

Tagen, von der Kenntnisnahme der Pfändung an gerech-

net, dem Betreibungsamte mitzuteilen (BGE 37 I 465 ff)

Wenn nun das Bundesgericht in dem Entscheid 48

III 431 erklärt hat, dass eine solche Verwirkung dann

nicht angenommen werden könne, wenn die Nichtan-

meldung durch die besondern Umstände des Falles ent-

schuldigt sei, so kann' es sich dabei nur um äussere,

nicht aber um in der Person des Drittansprechers

liegende Umstände handeln, wie Rechtsunkenntnis,

leichte Beeinflussbarkt'it und dergleichen. Auch muss

selbstverständlich verlangt werden, dass der Ansprecher.

wenn er nicht selbst über die Art und Weise der Geltend~

machung des Anspruches im Klaren ist, sich darüber

erkundige und die Unterlassung einer solchen Erkundi-

gung kann ebenfalls nicht als Entschuldigungsgrund an-

erkannt werden.

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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 26.

Die Rekurrentin hat nun spätestens am 8. März 1923

in Erfahrung gebracht, dass ihr gehörende Möbelstücke

gepfändet worden seien. Sie war somit von diesem Mo-

mente an in der Lage, ihre Eigentumsrechte anzumelden

und es ist deshalb einem eigenen Verschulden zuzurech-

nen, wenn sie sieh nicht aufklären liess und binnen der

zehn Tage nicht ihren Anspruch geltend machte.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.