Volltext (verifizierbarer Originaltext)
176
Entscheidungen
dariiber zu machen, inwieweit eine die Rückgewähr in
natura ausschliessende Verfügung seitens der Beklagten
tatsächlich stattgefunden habe und welche Bereicherung
sie daraus gezogen haben, war der Kläger nicht gehalten,.
Da die Verpflichtung zum Ersatze des Wertes, bezw. der
Bereicherung nur eine eventuelle, für den Fall der Un-
möglichkeit der RückgeWähr der Sache in natura be-
stehende ist und daher, um zu einer präsenten zu werden,
die vorhergehende Feststellung dieser Unmöglichkeit
voraussetzt, konnte er damit zuwarten, bis im Wege
der Vollstreckung des die Anfechtungsklage grundsätzlich
gutheissEmden Urteils ermittelt sein werde, inWiefern die
Beklagten noch in der Lage sind, ihren Verpflichtungen
durch
unmitte~are Rückerstattung
nachzukommen
oder nicht. Sollte alsdann über die Beträge, welche die
Beklagten statt dessen aus dem Titel der Bereicherung zu
ersetzen haben, keine Einigung zWischen den Parteien
erzielt werden können, so wird er zu deren Feststellung
neuerdings den Klageweg zu beschreiten haben. Dann-
zumal wird auch zu entscheiden sein, wie sich in dieser
Beziehung die Behauptungs- und Beweislast . zwischen
den Parteien verteilen wird (vergl. JAEGER zu Art. 291
Nr.7 i. f.).
Für die Frage, inwiefern die' Beklagten andererseits
Anspruch auf Rückgabe der dem Schuldner gemachten
Gegenleistungen haben, ist massgebend Art. 291 Abs. 1
SchKG. Im vorliegenden Verjahren ·besteht kein Anlass
dazu Stellung zu nehmen, da irgendwelche Rechts-
begehren nach dieser Richtung nicht gestellt worden sind.
Mit diesen Verdeutlichungen inbezug auf die aus der
Gutheissung der Anfechtung sich ergebenden Folgen ist
das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des
Obergerichts des Kantons Solothurn vom 19. März 1919
im Sinne der Erwägungen bestätigt.
38. Än'it da 1 .. IIe Sect.ion civila 411 95 jm 1919
dans la cause Ha101 contre Blanchard.
177
Responsabilite des preposes aux poursuites (art. 5 LP). -
Ordonnance de sequestre.
Atte~du que,le rec~urant a intent~ au prepose aux
poursUl~es de I arrondissement da la Singine, a Tavel,
une .actIon en 2000 fr. de domrnages-interets. basee sur
l~ falt qua le defendeur, en ne donnant pas suite irnrne-
dlatement a. une requisition de sequestre formulee par le
demandeur le 11 septembre 1916 aurait commis une
faute .qui. l'oblig~rait. en vertu de I'art. 5 LP. a reparer
1e preJudice SUbl par le creancier;
Consideran,t. que I'art. 5 LP se rapporte uniquement a
la responsabllite des preposes pour le dornrnage cause
par leur faute dans l'exercice des fonctions que leur attri-
bue la loi fM.erale;
q~e 1a LP ne ~Iace ~oint dans les attributions du pre-
P?se aux poursmtes Iordonnance de sequestre; qu'elle
dIspose a~,contrair~ a l'~t. 23 que les cantons designent
les a~tontes chargees d autoriser le sequestre (art. 271
et .SUlV.), et que, d'apres l'art. 6 de la loi cantonale
d:e~ecution de la LP, le canton de Fribourg a confie
cette fonction au prepose;
que le prepose aux poursuites de Tavel n'ayant par
conseq~ent p~ agi en l'espece comme organe de la
poursmte, maIS comme autorite de sequestre en vertu
de Ia competence que Iui confere le droit cantonal,
sa responsabilite releve de ce droit et non point de l'art. 5
LP (cf. JAEGER, Comment. LP art. 273, note 1);
que le passage du commentaire de Jaeger (note 3
sous art. 272 LP) invoque par le recourant -
« Sie (die
Arrestverfügung) ist nicht als ein Urteil in einem Zivil-
rechtsstreit' zu behandeln, sondern hat den Charakter
einer rein betreibungsrechtlicheu Massnahme »
-
a trait
a la qUestiOl1 de savoir si la decision de sequestre est une
.
AS 45 111 -
19HI
13
Ent,,-llf'idungen
lllcsure du droH dt~ poursuite Oll est assimilable a Ul1 jugc-
lUellt soumis aux voies da recours du droit de procedure
eivil (Zeitsehr. hern. J. v. 45 p.335), mais ne dit nulle-
ment que l'autorisation du sequestre ressortit au preposc
en sa qualite d'organe de poursuite institue par Ia loi
federale;
que, s'agissant des 10rs de l'application du droit call-
tonal, 1e present recours n'est pas recevable.
Le Tribunal /ederal prononce :
Il n'est pas entre en matiere sur le recours.
39. UrteU der IX. ZlvilabteUung vom aa. Oktober 1919
i. S. Aarga.uiache Kühlen A.-G. gegen Sichler.
Anfechtungsklage nach Art. 286 SchKG : Berechnung der
sechsmonatlichen Frist nach dem Datum der Grundbuch-
eintragung. -
·Ob ein Missverhältniss zwischen den beiden
Leistungen vorliegt, ist Schätzungsfrage; Ueberprüfbarkeit
der rechtlichen Grundlagen des· kantonalen Schätzungs-
entscheides. -
Massgebend für die Schätzung ist der Ver-
kehrswert. -
Grundsätze für dessen Bestimmung.
A .. -
Der Beklagte J. I-!ächler-Suter, Mechaniker,
kaufte laut Vertrag vom 8. August 1916 von seinem
73-jährigen Vater Johann Hächler-HäuptU in Rohr dessen
auf 25,770 Fr. geschätztes Heimwesen samt Inventar
zum Preise von 19,000 Fr. Der Kaufvertrag wurde am 22.
September an das Grundbuchamt Aarau abgesandt.
Die Eintragung erfolgte jedoch erst am 3. Oktober
1916, da zuvor die Löschungsbewilligungen von Pfand-
gläubigern eingeholt werden mussten.
Im Mai 1917 wurde Johann Hächler-Häuptli von der
Klägerin,
der Aargauischen Mühlen A.-G., für eine
Bürgschaftsschuld von 3000 Fr., die er ihr gegenüber
1
der Ziv1lkammern. N° 39.
179
am 30. Januar 1914 zu Gunsten seines Schwiegersohnes
A. Frischknecht eingegangen war, betrieben. Die Gläu-
bigerln erhielt jedoch einen vom 28. März 1917 datierten
Verlustschein zugestellt mit der Erklärung des Betrei-
bungsamtes, dass der Schuldner infolge der Veräussernng
seiner Grundstücke und der Verwendung des Erlöses ·zur
Tilgung von Verpflichtungen keinerlei Vermögen mehr
besitze.
Darauf focht die Aargauische Mühlen A.-G., gestützt
auf Art. 286 und 288 SchKG den Kaufvertrag an mit
der Begründung, der Kaufpreis stehe mit der Schätzung
und - dem ·wirklichen Werte des Kaufgegenstandes in
einem offensichtlichen Missverhältnis. Mit der Veräus-
serung des Heimwesens hätten die Vertragsparteien den
Zweck verfolgt, die Gläubiger Johann Hächlers zu be-
nachteiligen.
B.- Durch Urteil vom 7. Juni 1919 hat das Obergericht
des Kantons Aargau -
im Gegensatz zur ersten Instanz-
die Klage abgewiesen. Den Motiven ist zu entnehmen :
Bei der· Beurteilung der Frage, ob das angefochtene
Rechtsgeschäft in den nach Art. 286 SchKG massge-
ben den Zeitraum von sechs Monaten vor der Pfändung,
also hier in die" Zeit zwischen dem 28. September 1916
lind dem 28. März 1917, falle, sei nicht auf das Datum
der Eintragung im Grundbuch abzustellen, da dieses
keine Handlung des Schuldners bilde, sondern auf den
Tag der Anmeldung beim Grundbuchamt (AS 42 III
S. 176). Diese, d. h. die Absendung des Kaufvertrages
an den Grundbuchführer, sei jedoch schon am 22. Sep-
tember 1916 erfolgt. Demnach müsse der aus Art. 286
SchKG hergeleitete Klaganspruch als verwirkt bezeichnet
werden. -
Für die weitere Frage aber, ob das angefoch-
tene Rechtsgeschäft im Sinne des Art. 288 SchKG zum
Zwecke der Gläubigerbenachteiligung abgeschlossen wor-
den sei, komme als gewichtigstes Indiz ein allfälig~s
offensichtliches Missverhältnis zwischen den bei den LeI-
stungen in Betracht.