opencaselaw.ch

43_III_279

BGE 43 III 279

Bundesgericht (BGE) ·III · 1917-10-13 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

57. ÄUSZUS aus dem Entscheid vom 13. Oktober 1917

i. S. Zimmerlt

279

Begriff des rekursfähigen Entscheides im Sinne von Art. 19

SehKG.

iI Nach Art. 19 SchKG ist die Weiterziehung an das

Bundesgericht nur zulässig gegenüber Entscheiden der

kantonalen Aufsichtsbehörden oder von ihnen began-

genen Rechtsverweigerungen bezw. Rechtsverzögerungen.

Anfechtbar sind demnach nicht alle von einer kanto- .

nalen Aufsichtsbehörde erlassenen Anordnungen, son-

dern nur diejenigen, welche sich als «Entscheide)) im

Sinne der zitierten Bestimmung charakterisieren. Unter

Entscheiden sind dabei zwar (entgegen der Ansicht

BLUMENSTEINS, Handbuch, S. 91-95) nicht nur Beschwer-

deentscheide, d. h. Erkenntnisse, womit eine Mass-

nahme des Betreibungs-bezw. Konkursamtes im Voll-

streckungsverfahren bestätigt, aufgehoben oder abgeän-

dert wird, sondern auch solche Akte zu verstehen, durch

welche die Aufsichtsbehörde eine derartige Massnahme

selber trifft. Kann nach Art. 17-19 SchKG jede gesetz-

widrige

(< Verfügung» des Amtes bis an das Bundes-

gericht weitergezogen werden, so muss diese Möglichkeit

folgerichtig auch gegenüber einem von der Aufsichts-

behörde selbst ausgehenden gleichartigen. Akte gegeben '

sein. Voraussetzung ist aber immer, dass es sich um

eine (l Verfügung)}, im Sinne von Art. 17 des Gesetzes,

d. h. um eine Massnahme im Vollstreckungsverfahren

handle. Blosse prozessleitende Anordnungen in einem

pendenten Beschwerde- bezw. Rekursverfahren können

sowenig als weiterziehbare « Entscheide » nach Art. 19

gelten wie die Schlussnahme, durch· die einer einge-

reichten Beschwerde aufschiebende Wirkung nach Art. 36

zuerkannt wird. Hätte demnach die Anordnung des

Vorsitzenden der Aufsichtsbehörde vom 29. Mai 1917,

280

Entscheidungen der Sehuldbetreibungs-

weil sie sich unzweifelhaft nicht als Verfügung im Voll-

streckungsverfahren, sondern als blosser Inzident des

Beschwerdeverfahrens, nämlich als vorsorgliche Mass-

• regel zur Aufrechthaltung des tatsächlichen Zustandes

während der Hängigkeit jenes Verfahrens darstellte,

nicht auf dem Wege des Rekurses an das Bundesgericht

angefochten werden können, so ist eine solche Anfechtung

aber folgerichtig auch nicht möglich gegenüber einem

Beschlusse, mit dem die Aufsichtsbehörde die Rück-·

gängigmachung der Massregel ablehnt.))

Demnach hat die Schuldbetreibungs- u. Konkurskammer

erkannt:

Auf den. Rekurs wird nicht eingetreten.