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42_II_149

BGE 42 II 149

Bundesgericht (BGE) · 1916-01-01 · Deutsch CH
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OhJlgatiouenrecht. N° 22.

S'expliquant par les considerations deja relevees apropos

de rart. 21 CO. La decision attaquee doit ainsi etre

• mainlenue en ce qu'elle admet la rupture du contrat

par le fait et la faute de la defenderesse, qui est ainsi

tenue en principe ades dommages-interHs.

4. - L'instance cantonale, tout en maintenant le prin-

cipe d'une indemnite, a par contre fait application eu la

cause de l'art. 163 al. 3 CO, d'apres lequel le juge doit

reduire la duuse plmale convenue, lorsqu'il estime que la

somme est prevue excessive; il a en consequence abaisse

a 3000 fr. le chiffre de 5000 fr. prevu au contrat. La

defenderesse conclut subsidiairement a ce que cette

somme soit reduite dans une plus large mesure encore;

l'intime n'a pas recouru sur ce point, ni ('onteste l'ap-

plication en la cause de ta disposition susvisee. La seule

question est donc de savoir si la reduction ordonnee par

l'installce cantonale est suffisante ou non en l'espece.

En cette matiere, la doctrine et la juriprudence admet-

tent (v. Pandectes franttaises au mot Theätre n° 503 et

suiv., ct VON BEUST op. cit. p. 216 et suiv.) que, dans

un engagement d'artistes, une dause penale ne doit

jamais depasser le montant anllu~ de la remuneration,

ou le montant total du traitement convenu en cas d'en-

gagement inferieur a un an; -eu l'cspece, la somme

allouee par l'instance cantonale est legerement inferieure

a ce dernier ch:tlre, puisque l'engagement de la recou-

rante portait sur une duree de cinq mois ct demi, ce qui,

a raison de 600 fr. par mois, donnait un total de

3300 fr.

En matiere d'engagement de theätre, on doit du reste

rceonnaitre l'utilite et meme la necessite des clauses pe-

nales qui constituent, pour un directeur, Je seul moyen

cfficace pour obtenir, dans le personnel de sa troupe, la

lixite indispensable a l'exploitation de son entreprise,

ainsi que pour empecher je depart subit d'artistes aux-

quels une situation plus avorable serait offerte au cours

d'une saison theätrale. En l'cspece. le demandeur n'a

Obligationenrecht. N° 23.

149

pas rapporte la preuve du dommage subi par I,ui, et ~I

n'y etait pas tenu en presence de Ia cIause penale stI-

pulee au contrat; il est incontestable du reste que la

disparition subite et inattendue d'une artiste c~antant

Ies premiers emplois a du causer une perturbatIon sen-

sible dans son exploitation, restreindre momentanement

tout au mo ins le repertoire, etc. Enfin, les circonstances

dans lesquelles la rupture a eu lieu, alors que la deten-

deresse beneficiait d'un conge limite, et sans aucun

avertissement prealable de sa part, ne sont pas faites

pour justifier une nouvelle diminution de la somme fixee

par la Chambre d'appel des prud'hommes.

Toutes ces considerations permettent d'admettre qu'en

abaissant a 3000 fr. la clause penale a verser par la

recourante, l'instance cantonale a fait une juste appre-

c:ation des faits de la cause.

Par ces motifs,

le Tribunal federal

prononce:

Le recours est ecarte et l'arret du 15 fevrier 1916,

rendu par la Chambre d'appel des Conseils de prud'hom-

mes de Geneve, est confirrne.

23. 'Urteil der I. Zivilabteilung vom 14. April 1916

i. S. Bühlmann, Kläger, gegen Bernet, Beklagten.

B Ü r g s c h a f t. Formerfordernis der Angabe eines bestimm-

ten Betrages, Art. 493 revOR.

A. -

Durch Urteil vom 6. Dezember 1915 hat die

I. Kammer des Obergerichts des Kantons Luzern über

die Rechtsfrage:

Sind die beklagtischen Forderungen:

a) von 765 Fr. nebst Zins zu 6 % seit dem 14. Sep-

tember 1913,

150

Obligaaionenrecht. N° 23.

b) von 4000 Fr. nebst Zins zu 6 % seit dem 14. Ok-

tober 1913,

c) von 4020 Fr. nebst Zins zu 6 % seit dem 14. No-

vember 1913,

(weniger die von der Hauptschuldnerin Wirtegenossen-

schaftsbrauerei Gütsch bezahlten 1757 Fr. an die Haupt-

summe und 12 Fr. 85 Cts. an die Zinse), für welche

Forderungen in Betreibung N° 10,617 mit Entscheid der

Schuldbetreibungs- und Konkurskommission des Ober-

gerichtes vom 7. /19. Mai 1914 dem Beklagten gegenüber

dem Kläger die provisorische Rechtsöffnung erteilt wurde,

abzuerkennen ?

J

erkannt:

« Die Klage wird abgewiesen. »

B. -

Gegen dieses Urteil hat der Kläger die Berufung

an das Bundesgericht ergriffen mit dem Antrag auf Auf-

hebung und auf Gutheissung der Klage in vollem Um-

fange.

Das Bundesgericht zieht

in Erwägung:

1. -

Der Kläger Josef Bühlmann ist Mitglied des Ver-

waltungsrates der Wirtegenossenschaftsbrauerei Gütsch

in Luzern, und war von 1910 bis Ende 1912 Präsident

der Betriebskommission der Genossenschaft. Der Beklagte

Susmana Bernet ist deren Hopfenlieferant.

Am 12. August 1912 schloss er mit der Genossenschaft

einen 6 Vertrag mit Bürgschaft » ab, worin diese be-

kannte, von ihm ein Darlehen von 25,000 Fr. erhalten

zu haben, das zu 5 % verzinst werden und drei Jahre

lang unkündbar sein sollte; die Genossenschaft ver-

pflichtete sich ferner, (! von jetzt ab sämtlichen in ihrem

Geschäftsbetriebe benötigten Hopfen im Jahresbedarf

von mindestens 50 Zentnern » ausschliesslich von Bernet

zu beziehen; dieser übernahm seinerseits die Verpflich-

tung, den Hopfen in guter Qualität zum jeweilen üblichen

Verkaufspreise zu liefern. Der Vertrag lautet weiter:

Obllgationenrecht. No 23.

151

« Für sämtliche Verpflichtungen der Wirte-Genossen-

(! schaftsbrauerei (! Gütsch li sowohl bezüglich des Dar-

(! lehenskapitals und der Zinsen wie au.ch bezüglich der

« laufenden Hopfenrechnungen übernehmen die mitunter-

«zeichneten elf Verwaltungsräte der Brauerei, nämlich

« die Herren (folgen die Namen) unter solidarischer Haf-

«tung die Bürgschaft als Selbstschuldner und Selbst-

f zahler.

«Luzern, den 12. August 1912.

• gez. Arnold Bucher, ........ »

Infolge Todes und Krankheit von zwei Mitgliedern

des Verwaltungsrates wurde der Vertrag, der nach seinem

Wortlaut von allen elf Mitgliedern zu unterzeichnen war,

nur von deren neun unterschrieben, darunter auch von

Bühlmann.

In der Folge zog Bernet auf die Genossenschaft, die

inzwischen in Zahlungsschwierigkeiten geraten war, drei

von letzterer akzeptierte Wechsel für Hopfenlieferungen

im Betrage von 3139, 3156 und 3173 Mk., zusammen

9468 Mk. Auf den ersten di{'ser Wechsel erfolgten Ab-

zahlungen. Die Genossenschaft schuldete darauf noch

folgende Beträge in Schweizerwährung : auf 14. Septem-

ber 1913 765 Fr., auf 14. Oktober 1913 4000 Fr. und

auf 14. November. 1913 4020 Fr., zusammen 8785 Fr.

Für diese Summe betrieb Bernet gestützt auf obige

Bürgschaftserklärung das Verwaltungsratsmitglied Bühl-

mann; er erhielt die provisorische Rechtsöffnung, worauf

Bühlmann die vorliegende Aberkennungsklage anhob.

Der Beklagte Bernet beantragte deren Abweisung, er-

mässigte jedoch seine Forderungen um den Betrag, mit

dem er aus dem inzwischen mit der Genossenschaft ab-

geschlossenen Nachlassvertrage befriedigt wurde, was in

der Formulierung der Rechtsfrage berücksichtigt ist.

2. -

Das Schicksal der vorliegenden Aberkennungs-

klage hängt von der Gültigkeit der vom Kläger einge-

gangenen Bürgschaft ab. Vor Bundesgericht ficht dieser

die Bürgschaft deshalb als ungültig an, weil sie entgegen

152

ObUgationenrecht. N0 23.

Art. 493 OR keinen bestimmten Betrag für den Umfang

seiner Haftung angebe, und ferner weil nieht alle im

Bürgschaftsvertrage aufgeführten Bürgen unterschrieben

• haben (OR 497 Abs. 3).

3. -

Naeh Art. 493 OR bedarf die Bürgschaft zu

ihrer Gültigkeit d~r sehriftlichen Erklärung des Bürgen

und der Angabe eines bestimmten Be-

t rag e s sei n e r H a f tun g. Letztere, anlässlich

der Revision des Obligationenrechtes neu in das Gesetz

aufgenommene Vorschrift si{·llt sich, wie sich aus dem

Zusammenhange und aus den Marginalien deutlich er-

gibt, als eine Formvorschrift dar, als eine formale Vor-

aussetzung der Gültigkeit der Bürgschaft, deren Nicht-

erfüllung die Nichtigkeit des Vertrages bewirkt.

Bei Prüfung der Frage, wie die gedachte Vorschri:t

in h a J t I ich auszulegen sei und ob die vorliegende, seIt

Inkrafttreten des neuen OR abgeschlossene Bürgschaft

ihr entspreche, ist vom Zweck der Aufstellung des neuen

Erfordernisses auszugehen. Dieser Zweck besteht darin,

den Bürgen in den Stand zu setzen, bei Eingehung der

Bürgschaft sich über Umfang und Höhe der übernom-

menen Verpflichtung Rechenschaft zu geben, und ihn

dadurch vor unüberlegter Eingehung ungeahnt weitra-

gender Verbindlichkeiten, insbesondere im Amtsbürg-

schaftswesen, zu schützen, wie denn auch die Bürgschaft

kraft ihrer Eigenart als Vertrag, bei dem sich haupt-

sächlich nur der eine Teil unä zudem zugunsten eines

Dritten, des Hauptschuldners, verpflichtet, in erhöhtem

Masse im Schutze der Bestimmungen über Treu und

Glauben steht (Vergl. BGE 38 II S. 615). Damit dieser

Zweck erreicht werde, ist aber, wie OSER (Komm. S. 859

unten) richtig ausführt, und entgegen der von FICK

(Komm. Anm. 54 zu Art. 493) vertretenen Auffassung

nicht unbedingt erforderlich, dass die Angabe des Be-

trages der Haftung des Bürgen in die Bürgschaftsurkunde

selber aufgenommen werde, sondern es genügt unter

Umständen auch eine Verweisung auf den vom Haupt-

Obligatlonenrecht. N° 23.

153

schuldner ausgeslellten Schuldschein, sofern darin die

Schuld, für die der Bürge einzustehen hat, bestimmt

UItlschrieben ist. Dieser Auslegung steht der Wortlaut

des Gesetzes nicht entgegen. Ferner ginge es zu weit,

wenn man mit FICK (Anm. 46 f.) verlangen wollte, dass

der Betrag stets von vornherein ziffermässig genau be-

stimmt sei. Damit ist aber nicht gesagt, dass der Begriff

des «bestimmten Betrages;) (der Haftung des Bürgen)

kurzerhand durch denjenigen des

(! bestimmbaren Be-

trages I) ersetzt werden dürfe. Um dem Zweck der Vor-

schrift gerecht zu werden, muss vielmehr verlangt werden,

dass der Höchstbetrag der Haftung sich a n H a n d der

in der Bürgschaftsurkunde und im Schul~­

s c h ein e n t haI t e n e n A n gab e n 0 h n ewe 1-

t e res mit Sie her h e i t b e s tim m e n las s e,

sei es durch eine logische Ueberlegung, sei es durch eine

einfache rechnerische Operation; und zwar selbstyer-

ständlich im Z e i t P unk t, wo die B ü r g s c h a f t

ein g e g a n gen wir d, nicht erst im Laufe der Ab-

wicklung des der Bürgschaft zu Grunde liegenden Rechts-

geschäfts. Auf diesem Boden steht übrigens i~ Gru:1de

auch die Vorinstanz, indem sie ausführt, es seI der \ or-

schrift des Art. 493 üR Genüge getan, wenn der Betrag

der Haftung des Bürgen aus bestimmten Angabe~ ~es

Bürgschaftsaktes für alle Beteiligten mit SicherheIt Im

Zeitpunkt der Eingehung der Bürgschaft erkannt werden

könne.

4. -- Diese Voraussetzung war aber im vorliegenden

Falle nicht erfüllt. \Var schon der jährliche Bedarf an

Hopfen und damit der Umfang der Lieferungen, auf die

sich die Bürgschaft bezieht, weil vom Geschäft!'gange

einer im ausgesprochenen Konkurrenzkampfe stehenden

Bierbrauerei abhängig, nicht mit Sicherheit zum Voraus

zu berechnen, so wurde die- Höhe der Bürgschaft auch

wesentlich beeinflusst durch den jeweiligen Preis des

Hopfens. Dieser ist bedeutenden Schwankungen aus?e-

setzt, und es ist denn auch im vorliegenden Fall ellle

154

Obligationenrecht. No 23.

erhebliche Steigerung eingetreten, die im Zeitpunkt, wo

der Bürgschaftsvertrag abgeschlossen wurde, unmögJich

• mit Bestimmtheit vorausgesehen werden konnte. Dass

de.r Kläger sich in seiner Eigenschaft als Mitglied des

Verwaltungsrates und Präsident der Betriebskommission

der Genossenschaft angeblich jederzeit über den Umfang

der übernommenen Verpflichtung orientieren konnte,

worauf die Vorinstanz als entscheidend abstellt, vermag

am Gesagten nichts zu ändern; denn eine solche Orientie-

rung war zum mindesten im massgebenden Zeitpunkt

der Eingehung der Bürgschaft ausgeschlossen; zudem

hatte der Kläger, soweit er die Hopfenbestellungen selbst

verfügte, die Interessen de'r Genossenschaft zu wahren

und nicht diejenigen der Bürgen. Ferner war die Angabe

der Mindestgrenze der Haftung (50 Zentner per Jahr)

in der Schuldverpflichtung der Hauptschuldnerin unzu-

reichend und konnte die vom Gesetz verlangte « Angabe

eines bestimmten Betrages der Haftung des Bürgen»

nicht ersetzen, da es hiebei natürlich auf die 0 be re

Haftungsgrenze ankommt. Endlich kann nicht gesagt

werden, es liege ein Verstoss gegen Treu und Glauben

darin, dass nachträglich wegen m~ngelnder Angabe eines

bestimmten Haftungsbetrages die Gültigkeit der Bürg-

schaft angefochten werde. Denn der Kläger beruft sich

auf eine Bestimmung, die das Gesetz speziell zum

Schutze der Bürgen aufstellt;- gegenüber einer solchen

formalen Schutzvorschrift kann die Einrede der mala fides

nach bekannten Grundsätzen nicht aufkommen.

5. -

Erweist sich danach der Bürgschaftsvertrag vom

12. August 1912, soweit er auf die Hopfenlieferungen

des Beklagten Bezug hat, als ungültig, so braucht die

weitere Einrede, mit welcher der Kläger jenen Vertrag

gestützt auf Art. 497 Abs. 3 OR anficht, nicht geprüft

zu werden.

Fragen könnte sich nur noch, ob der Kläger -

wie

der Beklagte in letzter Linie behauptet -

nicht aus

einem anderen Schuldgrunde für die streitigen Beträge

Obllgationenrecht. N° 24.

155

hafte. Allein auch das ist zu verneinen. Der Vertrag

vom 12. August 1912 war von den Parteien als Bürg-

schaft gedacht; es kann darin weder eine kumula-

tive Schuldübernahme, noch ein Garantievertrag im

Sinne von Art. 111 OR erblickt werden; ein solcher

ist auch deshalb ausgeschlossen, weil ja der Beklagte

vom Kläger nicht Schadenersatz, sondern direkt Er-

füllung verlangt. Die Forderungen, für welche der Be-

klagte die provisorische Rechtsöfinung erlangt hatte,

sind daher in vollem Umfange abzuerkennen.

Demnach hat das Bundesgericht

erkannt:

Die Berufung wird gutgeheissen und damit, in Abän-

derung des Urteils des Obergerichts des Kantons Luzern

vom 6. Dezember 1915, die gestellte Aberkennungsklage

zugesprochen.

24. Urteil der I. Zivibbteilung vom 15. April 191G

i. S. der Erben Müller und Genossen, Kläger, gegen

die Gewerbebank in Zürioh, Beklagte.

Gen 0 s sen s c h a.f t s r e c h t. Recht zum Aus tri t taus

der Genossenschaft im Falle eines vor Ablauf der Kündi-

gungsfrist erfolgenden Liquidationsbeschlusses. Li q u i-

d a t ion durch Abt r e tun g des G e s c h ä f t e s an

eine zu gründende Aktiengesellschaft. Frage der Verbind-

lichkeit des Abtretungsbeschlusses für die einzelnen Genos-

senschafter. Anspruch auf Zuteilung des Li q u i da t ion s-

b e t r e f f n iss e s in bar statt in Aktien der Geschäfts-

übernehmerin?

1. -

Die Kläger, die Erben des Xaver Müller und

Genossen, sind Inhaber von 24 Anteilscheinen der nun-

mehr in Liquidation befindlichen Genossenschaft « Ge-

werbebank Zürich », der heutigen Beklagten. Diese hatte

am 16. März 1914 ihr früheres Stammkapital um %, auf

2,661,000 Fr. herabgesetzt, in welcher Höhe es in die