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41_I_304

BGE 41 I 304

Bundesgericht (BGE) · 1913-06-14 · Français CH
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Sachverhalt

Am 2. Februar 1915 wUlden in Göschenen,-on

einer Weinlieferung der Firma A. Bäc;hler & (ie, Wein-

handlung in Kreuzlingen, all'den Wirt des Bahnhof-

büffets Göschenen, bestehend aus drei Fässern, welche

als « Hallauer coupiert,)}

« \Veisser Tafelwein I) und

(< Waadtländer coupiert » bt:zeichnet waren, Proben ent-

nommen. Ueber deren Untersuchung erstattete die Ur-

schweizerische Lebensmitte1-Untersuchungsanstalt Brun-

nen der Sanitätsdirektion des Kantons Uri am 8. März

1915 folgenden Bericht: Der « Hallauer» entspreche we-

der im Geschmack noch in den Gehaltszahlen einem

Weine aus dem Kanton Schaffhausen; es liege mit Be-

zug hierauf eine Uebertretung VOll Art. 173 der bundes-

rätlichen Lebensmittelverordnung vom 8. Mai 1914 vor;

der Wein dürfe nur unter der Bezeichnung « Rotwein»

ausgeschenkt werden. Beim « Weissen Tafelwein» und

Gericbh,tund. N° 44.

307

beim« Waadtländer)} handle es sich überhaupt nicht um

rein gehaltene, sondern um gestreckte Weine.

Auf Grund dieses. Berichts beschloss der Regierungs-

rat des Kantons Uri am 13./26. März 1915 die Ueber-

weisung der Firma A. Bächler & Cie, wegen Zuwider-

handlung gegen die erwähnte Verordnung, an den Straf-

richter, und am 29. März 1915 lud die Staatsanwalt-

schaft Uri sie, unter Angabe des vorstehenden Tatbe-

standes als ~ Klage », auf den 3. Mai 1915 zur Verhand-

lung vor Kreisgericht Uri vor. Hierauf bestritt die Firma

in Zuschriften ihrer Vertreter an die Staatsanwaltschaft

vom 3. und 20. April 1915 die Zuständigkeit des Urner

Richters und verlangte, die ergangene Vorladung sei,

nötigenfalls durch Revision des regierungsrätlichen Ueber-

wei&ungsbeschlusses, aufzuheben und die Angelegenheit

an das thurgauische Verhörrichteramt zu verweisen. wo

bereits eine «allseitige Strafunterbuchung >} wegen ihres

Weinhandels gegen sie anhängig sei. Die Staatsanwalt-

schaft gab dem Regierungsrate von dieser Einsprache

Kenntnis und ersuchte um rechtzeitige Mitteilung seiner

Verfügung. Eine solche erfolgte jedoch vor dem ange-

setzten Verhandlungsterffiin nicht. Als die Firma A.

Bächler & Cle zur Verhandlung vom 3. Mai 1915 nicht

erschien, beschloss das Kreisgericht gemäss dem Antrage

der Staatsanwaltschaft, die sich in rechtlicher Hinsicht

auf die Art. 41, 48 und 50 des Lebensmittelgesetzes und

die Art. 162 Abs.l, 173 und 192 der Lebensmittelver·

ordnung berief, es sei jene

(< wegen Uebertretung des

)} Art. 173 eingangs erwähnter Verordnung in contumaciam

» verurteilt zu 70 Fr. Busse, 2 Fr. Gerichtsgeld und zur

» Zahlung der üntersuchungskosten von 36 Fr.,) Erst

mit Beschluss vom 22. Mai 1915 stellte der Regierungs-

rat sodann fest, der Einsprache der Firma A. Bächler

& Oe habe keine Folge gegeben werden können, da ~ als

Ort der Deliktshandlung bezw. wo der Erfolg eintrat I},

im vorliegenden Falle Göschenen, wohin der Wein ge-

Dispositiv
  1. T1rteil vom 30. September 1915 i. S.A. Bächler Sr. Oie gegen T1ri. Staatsrechtliche Anfechtung eines Strafurteils, das in einem andern Kanton erlassen worden ist, wegen Unzuständigkeit des erkennenden Richters, erst gegenüber dem Versuche der Urteilsvollstreckung im Wohnsitzkanton des Rekur- renten. - Gerichtsstand für Vergehen betr. den Yer- kehr mit Wein gemäss den Art. 50 und 01 LMPG. Kompetenz des Staatsgerichtshofs aus Art. 52 LMPG. A. - Am 2. Februar 1915 wUlden in Göschenen ,-on einer Weinlieferung der Firma A. Bäc;hler & (ie, Wein- handlung in Kreuzlingen, all' den Wirt des Bahnhof- büffets Göschenen, bestehend aus drei Fässern, welche als « Hallauer coupiert,)} « \Veisser Tafelwein I) und (< Waadtländer coupiert » bt:zeichnet waren, Proben ent- nommen. Ueber deren Untersuchung erstattete die Ur- schweizerische Lebensmitte1-Untersuchungsanstalt Brun- nen der Sanitätsdirektion des Kantons Uri am 8. März 1915 folgenden Bericht: Der « Hallauer» entspreche we- der im Geschmack noch in den Gehaltszahlen einem Weine aus dem Kanton Schaffhausen ; es liege mit Be- zug hierauf eine Uebertretung VOll Art. 173 der bundes- rätlichen Lebensmittelverordnung vom 8. Mai 1914 vor; der Wein dürfe nur unter der Bezeichnung « Rotwein» ausgeschenkt werden. Beim « Weissen Tafelwein» und Gericbh,tund. N° 44. 307 beim« Waadtländer)} handle es sich überhaupt nicht um rein gehaltene, sondern um gestreckte Weine. Auf Grund dieses. Berichts beschloss der Regierungs- rat des Kantons Uri am 13./26. März 1915 die Ueber- weisung der Firma A. Bächler & Cie, wegen Zuwider- handlung gegen die erwähnte Verordnung, an den Straf- richter, und am 29. März 1915 lud die Staatsanwalt- schaft Uri sie, unter Angabe des vorstehenden Tatbe- standes als ~ Klage », auf den 3. Mai 1915 zur Verhand- lung vor Kreisgericht Uri vor. Hierauf bestritt die Firma in Zuschriften ihrer Vertreter an die Staatsanwaltschaft vom 3. und 20. April 1915 die Zuständigkeit des Urner Richters und verlangte, die ergangene Vorladung sei, nötigenfalls durch Revision des regierungsrätlichen Ueber- wei&ungsbeschlusses, aufzuheben und die Angelegenheit an das thurgauische Verhörrichteramt zu verweisen. wo bereits eine «allseitige Strafunterbuchung >} wegen ihres Weinhandels gegen sie anhängig sei. Die Staatsanwalt- schaft gab dem Regierungsrate von dieser Einsprache Kenntnis und ersuchte um rechtzeitige Mitteilung seiner Verfügung. Eine solche erfolgte jedoch vor dem ange- setzten Verhandlungsterffiin nicht. Als die Firma A. Bächler & Cle zur Verhandlung vom 3. Mai 1915 nicht erschien, beschloss das Kreisgericht gemäss dem Antrage der Staatsanwaltschaft, die sich in rechtlicher Hinsicht auf die Art. 41, 48 und 50 des Lebensmittelgesetzes und die Art. 162 Abs.l, 173 und 192 der Lebensmittelver· ordnung berief, es sei jene (< wegen Uebertretung des )} Art. 173 eingangs erwähnter Verordnung in contumaciam » verurteilt zu 70 Fr. Busse, 2 Fr. Gerichtsgeld und zur » Zahlung der üntersuchungskosten von 36 Fr. ,) Erst mit Beschluss vom 22. Mai 1915 stellte der Regierungs- rat sodann fest, der Einsprache der Firma A. Bächler & Oe habe keine Folge gegeben werden können, da ~ als Ort der Deliktshandlung bezw. wo der Erfolg eintrat I}, im vorliegenden Falle Göschenen, wohin der Wein ge-
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

304

Staatsrecht.

43. Arrit du a8 octobre 1915

dans Ia cause D&me Sugn&ux contre Sugn&ux.

D omicile de la femme ma~i{le. art. 170 ces. La femme

mariee peut se constituer. meme en l'absence de toute

au~orisation du juge, un domicile separe, lorsque des motifs

obJectifs -

p. ex. l'internement du mari dans un asile

d'alienes -

s'opposent a la continuation de la vie commune.

~ Les epo~x, .Sugna~x etaient domicilies a Fribourg.

~ugnaux a ete mterne le 11 avril1905 a l'Asile de Marsens

pour cause d'alienation mentale; il y est reste sans inter-

ruption depuis cette date.

Dame Sugnaux a quitte Fribourg et le 2 mars 1912

elle est venue s'installer a Lausanne, OU elle a obtenu un

permis de domicile ct OU elle continue ademeurer. Le

2 janvier 1915 elle a ouvert action eu divorce devant le

Tribunal civil du district de Lausanne, en invoquant 13

e~mse du divorce prevue a I' art. 141 CCS.

,A l'audien;,e ~e jugement du 14 juin 1913, ä. laquelle le

defendeur II etmt pas represeute, le declinatoire a He

souJeve d'office et par jugement du 24 juill le Tribunal a

OOodlduit 1-a demanderesse de son instauce par le m01 if

:Iue, ~amt' Sugn3ux n'flyant pas ete autol'isee par k jugt.'

a avou' un aub'e domieilt' que celui rle SOll epoux, elle est

ccnsee etre domicilil'.e ä. Fribourg, dcrniel' domicile du

mari avant SOll internement;. c'est donc a tort qu'elle a

ouvert s~n action en divol't.·e au for de Lausanne. qui n'f'st

pas celUI de son domicile Il'gal.

Dame Sugnaux, representet' par SOli avocat d'office'

Me F~allcis G~~boni. a forme un recours de clroit publie

au Tnbunal federal contre ce jugement. Elle a demandf\

yu son indigence, l'assistaIICe judiciaire gratuite.

Le Tribunal civil du district cle Lausanne a rait observl'r

qu~ son jugement aurait pu faire l'objet cl'un recours au

Tnbunal cantonal; il estime des lors qul' le I'ecours d€'

·droit public est irrecevable.

Le tuteur dl' Joseph Sugnaux, Lfoll Sugnaux, a BilIens,

Gerichtsstand. N° 43.

30!)

'li'est refuse ä. presenter des observations en reponse au

recours et a declare ne pouvoir repondre d'aucuns frais,

son pupille ne possedant aucuns biens.

Statuant sur ces faits et considerant

en droit :

Contrairement a ce que soutient le Tribunal de Lau-

sanne dans sa reponse, le recours est recevable malgre que

le jugement attaque fUt susceptible de recours ä. I'instance

('antonale superieure. En effet, en matiere de questions

de for, il n'est pas necessaire que les instances cantonales

niellt ete epuisees (RO 35 I p. 82-83, consid. 1).

Le Tribunal de district de Lausanne a decline sa com-

peience par l'unique motif que dame Sugnaux n'a pas eH-

autorisee par I e J u g e ä. avoir un domicile autre que

celui de sou mari et qu'elle n'a done pu se creer un domi-

eile separe ä Lausanne. Cette eOllception est erronee.

Dans l'arn~t recent Ferrnris c. Ferraris (RO 41 I p. 105

l't suiv., en particulier p. 108-109), aux considerants du-

quel il suffit de se referer. le Tribunal federal a juge que

Ja faculte de la femme de se constituer Ull domieile se-

pare n'est nullemenL subordolll1l>e ä. une autoriastion

prealable du juge et qu'ellc existe chaque fois qu'il y :1

des motifs objcctifs s'opposallt ä la eontinuation de la·

vie commune (CCS art. 170 al. 1). 01', en l'espece il est

illdiscutahle que, par suite dt' l'alienation mentale de

Sugnaux, qui a rendu necessaire son internement definitif

dans une maison de sante, toute vie commUlle est devenue

impossible et que la demanderesse etait done fondee a se

sepal'er de son mari,aquittel' Fribourg et.a se creer Ull

domicile ä. LausalllH~ -- ce qu'elle a fait effectivement,

puisque depuis plus de trois ans elle s'est fixee a Lausanne.

OU elle a obtenu UB permis de domicile, et qu'elle y reside

manifestement {< avec !'intention de s'y etablir » (art, 23

:11. 1 CeS). Le Tribunal de Lausanne est dOllC cOlnpHellt

pour statuer sm l'action eil divorce ({u'elle a intentee

(art. 144 CCS).

306

Staatsrecht.

Par ces motifs,

le Tribunal fMeral

prononce:

Le recours est admis, le jugement attaque est annule et

le Tribunal civil du district de Lausanne est declare com-

petent pour statuer sur la demande de divorce de la

recourante.

44. T1rteil vom 30. September 1915 i. S.A. Bächler Sr. Oie

gegen T1ri.

Staatsrechtliche Anfechtung eines Strafurteils, das in einem

andern Kanton erlassen worden ist, wegen Unzuständigkeit

des erkennenden Richters, erst gegenüber dem Versuche

der Urteilsvollstreckung im Wohnsitzkanton des Rekur-

renten. -

Gerichtsstand für Vergehen betr. den Yer-

kehr mit Wein gemäss den Art. 50 und 01 LMPG.

Kompetenz des Staatsgerichtshofs aus Art. 52 LMPG.

A. -

Am 2. Februar 1915 wUlden in Göschenen,-on

einer Weinlieferung der Firma A. Bäc;hler & (ie, Wein-

handlung in Kreuzlingen, all'den Wirt des Bahnhof-

büffets Göschenen, bestehend aus drei Fässern, welche

als « Hallauer coupiert,)}

« \Veisser Tafelwein I) und

(< Waadtländer coupiert » bt:zeichnet waren, Proben ent-

nommen. Ueber deren Untersuchung erstattete die Ur-

schweizerische Lebensmitte1-Untersuchungsanstalt Brun-

nen der Sanitätsdirektion des Kantons Uri am 8. März

1915 folgenden Bericht: Der « Hallauer» entspreche we-

der im Geschmack noch in den Gehaltszahlen einem

Weine aus dem Kanton Schaffhausen; es liege mit Be-

zug hierauf eine Uebertretung VOll Art. 173 der bundes-

rätlichen Lebensmittelverordnung vom 8. Mai 1914 vor;

der Wein dürfe nur unter der Bezeichnung « Rotwein»

ausgeschenkt werden. Beim « Weissen Tafelwein» und

Gericbh,tund. N° 44.

307

beim« Waadtländer)} handle es sich überhaupt nicht um

rein gehaltene, sondern um gestreckte Weine.

Auf Grund dieses. Berichts beschloss der Regierungs-

rat des Kantons Uri am 13./26. März 1915 die Ueber-

weisung der Firma A. Bächler & Cie, wegen Zuwider-

handlung gegen die erwähnte Verordnung, an den Straf-

richter, und am 29. März 1915 lud die Staatsanwalt-

schaft Uri sie, unter Angabe des vorstehenden Tatbe-

standes als ~ Klage », auf den 3. Mai 1915 zur Verhand-

lung vor Kreisgericht Uri vor. Hierauf bestritt die Firma

in Zuschriften ihrer Vertreter an die Staatsanwaltschaft

vom 3. und 20. April 1915 die Zuständigkeit des Urner

Richters und verlangte, die ergangene Vorladung sei,

nötigenfalls durch Revision des regierungsrätlichen Ueber-

wei&ungsbeschlusses, aufzuheben und die Angelegenheit

an das thurgauische Verhörrichteramt zu verweisen. wo

bereits eine «allseitige Strafunterbuchung >} wegen ihres

Weinhandels gegen sie anhängig sei. Die Staatsanwalt-

schaft gab dem Regierungsrate von dieser Einsprache

Kenntnis und ersuchte um rechtzeitige Mitteilung seiner

Verfügung. Eine solche erfolgte jedoch vor dem ange-

setzten Verhandlungsterffiin nicht. Als die Firma A.

Bächler & Cle zur Verhandlung vom 3. Mai 1915 nicht

erschien, beschloss das Kreisgericht gemäss dem Antrage

der Staatsanwaltschaft, die sich in rechtlicher Hinsicht

auf die Art. 41, 48 und 50 des Lebensmittelgesetzes und

die Art. 162 Abs.l, 173 und 192 der Lebensmittelver·

ordnung berief, es sei jene

(< wegen Uebertretung des

)} Art. 173 eingangs erwähnter Verordnung in contumaciam

» verurteilt zu 70 Fr. Busse, 2 Fr. Gerichtsgeld und zur

» Zahlung der üntersuchungskosten von 36 Fr.,) Erst

mit Beschluss vom 22. Mai 1915 stellte der Regierungs-

rat sodann fest, der Einsprache der Firma A. Bächler

& Oe habe keine Folge gegeben werden können, da ~ als

Ort der Deliktshandlung bezw. wo der Erfolg eintrat I},

im vorliegenden Falle Göschenen, wohin der Wein ge-