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Prozessrecht. N° 19.
konnte der Streitwert vor zweiter kantonaler Instanz
nicht mehr betragen als 3000 Fr. plus Zinsen, abzüglich
allfällig durch Stofer geleisteter Zahlungen, und da weder
das Urteil noch die Akten über solche Zahlungen Aus-
kunft geben, muss der massgebende Streitwert somit erst
noch bestimmt werden. Dies hat von Amteswegen zu
geschehen, und darum geht der Widerspruch des Be-
rufungsklägers gegen eine Berücksichtigung der von den
Berufungsbeklagten erst in der Berufungsinstanz aufge-
stellten Behauptung über die Zahlung Stofers, als eines
gemäss Art. 80 OG unzulässigen novum, fehl. Es handelt
sich eben bei der Behauptung, dass eine solche Zahlung
erfolgt sei, nicht bloss um eine Ergänzung des der rich-
terlichen Beurteilung unterstelilen Tatbestandes (vgl.
WElSS, Berufung, S. 156 f.), sondern gleichzeitig um ein
Element, das für die Feststellung einer Prozessvoraus-
setzung für die bundesgerichtliche Instanz wesentlich in
Betracht fällt. Selbst wenn die Berufungsbeklagten ge-
schwiegen hätten, würde das Bundesgericht sich mit der
Frage. wie es sich mit den von der ersten Installz vor-
behaltenen allfälligen Zahlungen Stofers verhalte, noch
zu befassen gehabt haben, indem erst durch eine Fest-
stellung hierüber der nach Art.;)9 OG für die Berufung
erforderliche Streitwert überhaupt bestimmt werden kann.
2. -
Bei dieser von Amteswegen vorzunehmenden
Feststellung ist nach Analogie des Art. 53 OG zu ver-
fahren. Nun ergibt sich, dass Stofer, als el" kurz nach
seiuem Prozessabstand von der Verwaltung des Kon-
kurses Zimmerli auf Zahlung der vollen Klagesumme be-
trieben wurde, eine Quittung vorlegte, gestützt auf welche
das Rechtsöffnungsgesuch des Konkursamtes abgewiesen
wurde, und der Berufungskläger führt selber an, jene
Quittung sei vermutlich identisch mit der von den Be-
rufungsbeklagten produzierten Kopie. Es ist denn auch
nicht ersichtlich, welche andere Quittung, als eine solche,
die sich auf die in Betreibung gesetzte Forderung, d. h.
eben auf die von Zimmerli gegenüber den Beklagten
Prozessrecht. N° 20.
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Obrist und Stofer eingeklagte Forderung bezog, zur Ab-
weisung des Rechtsöffnungsgesuches geführt haben
könnte. Darnach muss aber angenommen werden, Stofer
habe schon vor Erlass des erstinstanzlichen Urteils an
die eingeklagte Forderung eine Zahlung, und zwar im
Betrag von 1500 Fr. nebst Zinsen geleistet gehabt, und
auf Grund dieser Zahlung blieben dann vor der letzten
kantonalen Instanz nicht mehr 2000 Fr. im Streit.
Demnach hat das Bundesgericht
erkannt:
Auf die Berufung wird nicht eingetreten.
20. Urteil der staatsrechtlichen Abteilung
vom 18. Februar 1915
i. S. Schönmann, Kläger, gegen Xanton Bern, Beklagten.
Art. 48, ZifI. 4 und 52 OG. Beschränkung der im letzteren
vorgesehenen Prorogationsgerichtsbarkeit des Bundesge-
richts auf zivilrechtliche Streitigkeiten. -
Verneinung der
zivilrechtlichen Natur der Klage eines entlassenen ber-
nischen Beamten (Landjägers) auf Zahlung der Besoldung,
wenn dieselbe ausschliesslich darauf gestützt wird, dass
das tatsächlich aufgelöste Dienstverhältniss zwischen ihm
und dem Staat rechtlich fortbestehe, weil die Behörde, die
die Entlassung verfügt hat, dazu nach kantonalem Recht
nicht kompetent gewesen sei.
A. -
Ernst Schönmann von Niederbipp stand vom
15. April 1900 bis 30. November 1913 als Landjäger im
Dienste des Kantons Bern. Am 28. November 1913 wurde
er wegen Verletzung seiner Dienstpflichten mitte1st einer
Verfügung der kantonalen Polizeidirektion seines Dienstes
entsetzt. Nachdem er durch seinen Vertreter, Fürsprech
Jahn in Bem, am 6. März 1914 der Regierung des Kantons
Bern mitgeteilt hatte, dass er die Gesetzmässigkeit und
die Verbindlichkeit der Entlassungsverfügung der Poli-
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zeidirektion bestreite, weil er nach Art. 16 der Kantons-
verfassung nur durch· geri'chtliches Urteil seines Amtes
entsetzt werden könne und dass er auf dem Prozesswege
beim Bundesgerichte die Aufhebung der Amtsentsetzung,
eventuell Entschädigung verlangen werde, erhob er am
25. Juni 1914 beim Regierungsrate eine Beschwerde über
die kantonale Polizeidirektion und verlangte die Aufhe-
bung der Entlassungsverfügung vom 28. November 1~13.
Zur Begründung stützte er sich auf die erwähnte BestIm-
mung der Kantonsverfassung, wonach kein Bea~t~r oder
Angestellter von seinem Amte anders als durch em rI~hter
liches Urteil entsetzt oder entfernt werden kann, mdem
er behauptete, diese Bestimmung gelte auch für ihn und
die von der Polizeidirektion ausgegangene Entlassungs-
verfügung sei daher verfassungswidrig. Der Regierungsrat
beschloss am 14. Juli 1914, auf die Beschwerde im Wesent-
lichen aus nachstehenden Erwägungen nicht einzutreten.
a) Die angefochtene Verfügung der Polizeidirektion
stütze sich auf § 4 Ahs. 3 des grossrätlichen Ausführungs-
dekretes vom 4. Oktober 1906 zum Gesetz betreffend das
bernische Polizeikorps vom 6. Mai 1906, wonach die
Pol i z eid ire k t ion über die Aufnahme, über die
Beförderungen und die E n t las s u n gen aus dem kan-
tonalen Polizeikorps entscheide. Diese Bestimmung ~a~e
den Art. 7 des Gesetzes betreffend das bernische PohzeI-
korps zur Grundlage, wo dem je hier, die behauptete Verfassungswi-
drigkeit eines rechtskräftigen Verwaltungsaktes den
ein z i gen Entscheidungsgrund bildet, zur Beurteilung
nicht zuständig. Das den Streitgegenstand bildende
Rechtsverhältnis gehört dem öffentlichen Rechte an und
berührt das Privatrecht in keiner Weise. Anders könnte
die Zuständigkeit nur beurteilt werden, wenn der Besol-
dungsanspruch aus einem unbestrittenermassen zu Recht
bestehenden staatlichen Dienstverhältnisse geltend ge-
macht würde, oder wenn eine Schadenersatzforderung
wegen materiell ungerechtfertigter Entlassung in Frage
stände, wobei die Verfassungsmässigkeit des Entlassungs-
aktes keine Rolle spielte. In einem solchen Falle wäre zu
erwägen, ob an der frühern Praxis des Bundesgerichtes,
wonach trotz der Anerkennung des öffentlich-rechtlichen
Charakters des staatlichen Dienstverhältnisses die Besol-
dungsansprüche der Beamten und Angestellten für zivil-
rechtliche angesehen wurden, festzuhalten sei. Da aber
im vorliegenden Falle der B e s t a n d des Dienstverhält-
nisses selbst den Streitgegenstand bildet, wogegen der
Besoldungsanspruch nur als eine unbestreibare Folge des
bestrittenen Bestehens des Dienstverhältnisses in Frage
kommt, so kann jene Praxis keine Anwendung finden.
3. -
Nach dem Gesagten kann auf die Klage wegen
Unzuständigkeit nicht eingetreten werden, und darum
ist auch auf die vom Beklagten blos e v e n tue 11 erho-
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Prozessrecht. N0 21.
bene Einrede der Begründetheit der Entlassung nicht ein-
zutreten, obschon diese Einrede vielleicht als eine zivil-
rechtliehe Streitfrage hätte betrachtet werden können.
Demnach hat das Bundesgericht
erkannt:
Auf die Klage wird wegen Unzuständigkeit nicht ein-
getreten.
21. Anit de Ia. Ire section civile du G Märs 1915
dans la cause
Sta.ttelmann, Lilla. et Seinet contre Vuüle et Dunant.
Proces intente par des avocats en paiement de notes d'hono-
raires. Delimitation de ]a sphere d'application du droit
federa] et du droit cantonal.
Lorsque plusieurs pro ces distincts ont He juges par l'ins-
tance cantonale, Ie recours au Tribunal federa] peut va-
lablement etre fait par le depöt d'un acte de recours unique.
A. -
Stattelmann, Lilla et Seinet ont eu recours aux
services de MMes Vuille et Dunant ä l'occasion d'opera-
tions immobilieres faites par eux au Bouveret et de nom-
breux litiges qui s'y sont rattaches. Notamment MMes
. Vuille et Dunant les ont representes dans un proces qui
leur a ete intente par le Comptoir d'Escompte de Geneve
et qui s'est termine par un arret du Tribunal federal du
13 juillet 191t.
Le 14 juillet 1910 Stattelmann, LiIla. et Seinet ont passe
avec leurs avocats une convention aux termes de laquelle :
Art. 1. Le compte du honoraires de)8 Societe du Bou-
veret est definitivement liquide;
Art. 2. Les honoraires concernant l'affaire Lachenal
sont reduits de moitie;
Art. 3. Les honoraires dus ä MMeto VuilIe et Dunant, pour
toute la periode de leur activite qui a precede la liqui-
Prozessrecht. N° 21.
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dation da la Soßiete du Bouveret et la formation de la_
Societe. avec M. Seinet, sont arretes d'un commun accord
ä 4000 fr.; il est enten du que cette somme sera repartie
entre MM. Stattelmann, Lilla 6t Seinet ainsi qu'll suit_:
1500 francs ä la charge de M. Stattelmann,
1500 francs ä la charge de M. Lilla,
1000 francs ä Ia charge dE:' M. Seinet. »
Art. 4. Les honoraires del'affaire Lugon sont reduits ä
450 fr.; {< cette Somme sera portee au debit du compte
general ouvert ä MM. Stattelmann, Lilla et Seinet.,)
Art. 5. Par la presente transaction tous honoraires au-
tres que ceux du proces contre le Comptoir d'Escompte
et les co-cautions, actuellement encora pendant devant la
Cour d'appel et ceux du proces relatif ä la servitude de
passage de I'Hötel du Bouveret sont definitivement li-
quides.
Un compte genera) sera ouvert ä MM. Stattelmann,
LiHa eL Seinet Oll figureront tous les articles non liquides
par la presente transaction; ce compte sera regle par
tiers lorsque les affaires seront definitivement termi-_
nees.
B. -
Une fois tel mine le proces avec ]e CompLoir d'Es-
compte, MMes Vuille et Dunant ont fait taxer par les ma-
gistrats competents leurs honoraires pour ce proces; ils
ont ete taxes, pour chacun des trois clients separement, ä
1500 francs pour la premiere instance et ä 1000 fr. pour
l'instance d'appel. MMes Vuille et Dunant ont ensuite
dresse leur compte general et ont reclame ä chacun destrois
clients le tiers du solde qu'H presentait. N'ayant pu ob-
tenir un reglement amiable, Hs ont ouvert trois actions se-
parees ä StatteJmann, Lilla et Seinet en concluant contre
chacun d'eux au paiement de 4532 fr. 13. La jonction des
trois causes a ete ordonnee et le Tribunal de premiere
instance a admis les conclusions des demandeurs ä con-
currence de 3691 fr 37 ä payer par chacun des defendeurs.
Sur appel de ces derniers la Cour a par arret du 11 d e-