Erwägungen (1 Absätze)
E. 11 ~o 32 Erw. 2*, JiEGER, Kommentar zu Art. 260 N°3 e):
An dieser Rechtslage wollte auch durch das mit der
KOllkursverordnung eingeführte Formular N° 7 nichts
geändert werden. 'Wenn hier unter den « Bedingungen»
der Abtretung bestimmt wird, dass «falls hinsichtlich
der gleichen Massenrechte mehrere Abtretungen an verschiedene Gläubiger erfolgt seien, letztere in einem allfälligen Prozessverfahren als Streitgenossen aufzutreten ~
häHen, so ist der Sinn dieses Vorbehalts lediglich der,
dass sich der beklagte Allspruchsgegner die getrennte
'Belangung durch die einzelnen Zessionare nicht gefallen
zu lassen braucht und gegenüber einer solchen die Bildung einer Streitgenossenschaft verlangen kann. Dagegen
sollte damit nicht gesagt werden, dass das in der Abtretung liegende Proze3smalldat von den mehreren Mandataren überhaupt nur gemeinsam ausgeführt werden könne,
btzw. dass die Prozessführung durch einen allein den
yorhcrigen förmlichen Abstand der übrigen von der Teilnahme am Prozesse voraussetze.
Da ullbestriltenermassen die gerichtliche Feststellung
des Anspruchs gegen Wegmanll und der Eingang des
entsprechenden Betrages einzig dem Vorgehen der Zessiollurin Milla :\1artha .Jucker zu verdanken ist und die
übrigen Zessionare dazu nichts beigetragen haben, hat
somit das Konkursamt mit Recht diesen Betrag, der den
Prozessgewilll1 im Sinne VOll Art, 260 Abs. 2 SchKG darstellt, ausschliesslich der Genannten zugewiesen und isl
der diese Verfügung schützende Entscheid der Vorinstanz
zu bestätigen. Die Frage, ob der Rekurrent mit der
KOJIkursforderullg der Frau Meyer-Spörri als Akzessorium auch die Rechte aus der dieser ausgestellten Abtretung habe erwerben können oder ob nicht der Mandatscharakter der Abtretung nach Art. 260 jede Übertragung der aus derselben sich ergebenden Befugnisse an
einen Dritten ausschliesse, selbst wenn sie im Zusammen-
• Ges.-Ausg. 33 n No 48, 34 II N° 42.
340
Entscheidungen der Schuldbetreibungs-
hang mit der Zession der betreffenden Konkursforderung
geschieht (vergl. in diesem Sinne das bereits zitierte
Urteil in Sachen Spörri Erw. 2), sodass die Beschwerde
auch schon wegen mangelnder Legitimation des Rekurrenten zu verwerfen wäre, braucht daher nicht erörtert
zu werden.
Demnach hat die Schuldbetreibungs- u. Konkurskammer
erka nn t:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
69. Entscheid vom 23. September 1915 i. S. Ba.uer.
Art. 260 SchKG. Rechtsstellung des einzelnen Zessionars bei
Abtretung derselben Massenrechte an mehrere Gläubiger.
Verteilung des Prozessergebnisses, wenn nur einer der
Zessionare den Prozess zur Durchführung des Anspruchs
tatsächlich geführt hat.
~4. -
Im Konkurse über Adolf Meyer-Spörri in Basel
trat das Konkursamt Basel-Stadt am 9. Februar 1911
den « Anspruch der Konkursmasse gegen Henri F. Wegmann in London auf Zahlung von 34,657 Fr. 80 Cts .•
im Sinne VOll Art. 260 SchKG an verschiedene Konkursgläubiger, worunter die Ehefrau des Gemeinschuldners,
Milla Meyer-Spörri und deren Tochter Mina Martha
Jucker, ab. Gestützt hierauf legte Mina Martha Jucker
am 4. August 1913 für einen Teil des abgetretenen Anspruchs von 5000 Fr. auf ein Guthaben des 'Vegmann
an das Gas- U'ld 'Vasserwerk Basel-Stadt im Betrage von
3717 Fr. 90 Cts. Arrest und leitete, da der Arrestschuldner gegenüber der Arrestbetreibung Rechtsvorschlag erhob, gemäss Art. 278 SchKG Klage ein. Dieselbe
wurde geschützt und Wegmann rechtskräftig zur Zahlung
der eingeklagten 5000 Fr. nebst Zinsen an die Konkursmasse Meyer-Spörri verurteilt, worauf Mina Martha
Jncker am 5. Oktober 1914 die Pfändung des Guthabens
an das Gas- und Wasserwerk, dessen Betrag inzwischen
bei der Gerichtskasse zu Handen des Berechtigten deponiert worden war, erwirkte. Da der Arrestschuldner anlässlich des Pfändungsvollzuges behauptete, dass er die
gepfändete Forderung schon vor der Arrestlegung an
seine Tante Frau Lichtensteiger-Dürler in Triest abgetreten habe, kam es in der Folge noch zu einem Widerspruchsverfahren, das indessen ebenfalls zu Gunsten der
Masse ausging, indem die Vindikation der Frau Lichtensteiger sowohl von den kantonalen Instanzen als vom
Bundesgericht, von letzterem durch Urteil vom 19. Juni
1915 abgewiesen wurde.
336
Entscheidungen der Schuldbetreibungs-Am 16. Juni 1915, drei Tage bevor dieses Urteil erging, hatte inzwischen der heutige Rekurrent Franz
Bauer in Basel, der im Betreibungsverfahren gegen Frau
Mina Meyer-Spörri deren Forderung an ihren Ehemann
laut Verlustschein vom 22. Dezember 1911 sowie die
Rechte aus der ihr vom Konkursamt am 9. Februar 1911
ausgestellten Abtretung ersteigert hatte, als {(Inkassomandatar der Konkursmasse Meyer-Spörri» ebenfalls
einen Arrest auf das Depositum zu Gunsten Wegmauns
bei der Gerichtskasse erwirkt. Gestützt hierauf undc die
im Anschluss eingeleitete Arrestbetreibung verlangte er
in der Folge vom Betreibungsamt, dass er bei der Verteilung des arrestierten Betrages ebenfalls berücksichtigt
werde und das « entsprechende BetrefInis» erhalte. Das
Konkursamt Basel-Stadt, an das das Depositum vom Be-Lreibungsamt abgeliefert worden war, teilte jedoch das..r.:;elbe
ganz der Pfändungsgläubigerin Mina lVlartha Jucker auf
Rechnung ihrer Konkursforderung zu, da nur sie (j im
Sinne des Art. 260 SchKG vorgegangen» sei. Bauer betrat
demgegenüber rechtzeitig den Beschwerdeweg, indem er
geltend machte : gemäss Art. 260 Abs. 2 SchKG sei das
Ergebnis der Verfolgung des Anspruchs unter alle Gläubiger, an welche die Abtretung stattgefunden habe, nach
dem unter ihnen bestehenden Range zu verteilen. Die
Tatsache, dass Fräulein Jucker für sich allein geklagt
habe, sei unerheblich. Da ßS sich bei der Abtretung des
Art. 260 SchKG nicht um eine wirkliche Zession, sondern
um eine blosse Prozessvollmacht handle, könne die Geltendmachung des Anspruchs bei mehrfacher Abtretung
nur durch die Gesamtheit der Abtretungsgläubiger erfolgen. Gehe ein einzelner Zessionar dennoch unzulässiger
Weise allein und ohne die übrigen zu benachrichtigen
vor, so könne er daraus keine Vorrechte herleiten; vielmehr sei anzunehmen, dass er damit als Geschäftsführer
für die Gesamtheit der Zessionare gehandelt habe. Es
müsse daher auch im vorliegenden Falle der von Mina
Martha Jucker erstrittene Betrag allen Gläubigern, die
und Konkurskammer . N° 69.
337
seiner Zeit die Abtretung des Anspruchs gegen Wegmann
verlangt und erhalten hätten, zukommen.
Die kantonale Aufsichtsbehörde schloss sich indessen
der RechtsaufIassung des Konkursamtes an nnd wies
demgemäss durch Entscheid vom 25. August 1915 die
Beschwerde ab. Die von der Beschwerdegegnerin bestrittene Legitimation des Beschwerdeführers zur Beschwerde
wurde von ihr mit der Begründung bejaht, dass die aus
der Abtretung nach Art. 260 fliessenden Befugnisse sich
als Akzessorium der Konkursforderung, zu Gunsten deren
die Abtretung erfolgt sei, darstellten und daher im Falle
der Zession dieser Forderung ipso jllre mit ihr auf den
Erwerber übergingen.
B. .- Gegen diesen Entscheid rekurriert Bauer an das
Bundesgericht, indem er auf dem in seiner Beschwerde
an die kantonale Aufsichtsbehörde vertretenen Standpunkte beharrt.
Die Schuldhetreibungs- und Konkurskammer zieht
inErwägung:
::-.rach feststehender Praxis des Bundesgerichts und
übereinstimmender Meinung der Doktrin hat die Abtretung nach Art. 260 SchKG nicht den Charakter einer
zivilrechtlicheIl Zession, sondern lediglich denje'nigell
eines Prozessmandats. Der Gläubiger, dem sie ausgestellt
wird, wird dadurch nicht zum Träger des « abgetretenen;>
Anspruchs, sondern erhält lediglich die Befugnis, ihn als
Vertreter und Beauftragter der Masse, aber auf eigene
Gefahr und mit privilegiertem Anrecht auf das Ergebnis
geltend zu machen. Das den Zessionaren in Art. 260
Abs. 2 eingeräumte Privileg vorzugsweiser Befriedigung
aus dem Prozessgewinn ist demnach keine Folge, die sich
wchon aus der Abtretung als solcher ergäbe, sondern es bildet die Prämie für die Übernahme des Risikos, das mit der
Prozessführung verbunden ist. Es steht daher nur denjenigen Zessionaren zu. die den Prozess zur Durchführung
des Anspruchs tatsächlich geführt haben. Nur unter
338
Entscheidungen der Schuldbetreibungs-
dies.er Vor~ussetzung lässt es sich auch innerlich rechtfertigen; dIe blüsse Tatsache der Stellung des Abtretungs-
~eg~hrens vermag eine solche Bevorzugung vor den
ubngen Konkursgläubigern unmöglich zu begründen. Dass
das Ge~etz in Art. ~60 Abs. 2 von der Verteilung des
Ergebmsses unter « die Gläubiger, an welche die Ab tretung stattgefunden ha.t », spricht, steht dieser Folgerung,
w~lch~ das BundesgerH~ht schon in einem früheren: UrteIle In Sachen Spörri (AS Sep.-Ausg. 16 N° 44 *) ge-
z~gen hat, nicht entgegen. Indem der Gesetzgeber sich
dIeser Ausdrucksweise bediente, dachte er offenbar nur
an den Fall, wo die verschiedenen Zessionare von der
Abtretung auch wirklich durch Durchführung des Prozesses G~brau~h gemacht, also alle geklagt haben. Die
Frage, WIe es sIch verhalte, wenn nur einzelne unter ihnen
klagend .vorgega~gen s~nd,. wird yom Gesetz nicht geregelt. SIe kanu 1m Hmbhck auf die Natur der Abtretung naclJ Art. 260 'nur in dem oben vertretenen Sinne
gelöst werden.
Ob die übrigen Zessionare yon der Anhebung des Pro-
z.esses Kennt?is hatten bezw. VOll dem klagenden Zes-SIOnar zu: TeIlnahme an der Prozessführung aufgefordert
worden smd oder ob der letztere ohne ihr \Vissen VOl-
gegangen ist, macht dabei keinen Unterschied. Wie das
B~ndesgericht schon wiederholt ausgesprochen hat, hat
dl~. S~ellung des Abtretu!lgsbegehrens durch mehrere
G:laubiger, entgegen der Behauptung des Rekurrenten,
~Icht etwa zur Folge, dass der abgetretene Anspruch VOll
Ihnen nur gemeinsam geltend gemacht werden könnte
s?ndern erhält auch in diesem Falle jeder der Zessionar~
em ~elbständiges Prozessführungsrecht, kann also für sich
allem. ~nd ohne Mitwirkung der andern vorgehen. Eine
VerpflIchtung, die übrigen Zessionare in den Streit zu
rufen, bezw. zum Anscbluss an die Klage aufzufordern
~:~teht für ihn nicht (vergl.AS Sep.-Ausg. 10 N°40 Erw. 2:
* Ges.-Ausg. 39 I No 81.
und .KOllkurskalilll1f~r. :rs 0 6,).
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11 ~o 32 Erw. 2*, JiEGER, Kommentar zu Art. 260 N°3 e):
An dieser Rechtslage wollte auch durch das mit der
KOllkursverordnung eingeführte Formular N° 7 nichts
geändert werden. 'Wenn hier unter den « Bedingungen»
der Abtretung bestimmt wird, dass «falls hinsichtlich
der gleichen Massenrechte mehrere Abtretungen an verschiedene Gläubiger erfolgt seien, letztere in einem allfälligen Prozessverfahren als Streitgenossen aufzutreten ~
häHen, so ist der Sinn dieses Vorbehalts lediglich der,
dass sich der beklagte Allspruchsgegner die getrennte
'Belangung durch die einzelnen Zessionare nicht gefallen
zu lassen braucht und gegenüber einer solchen die Bildung einer Streitgenossenschaft verlangen kann. Dagegen
sollte damit nicht gesagt werden, dass das in der Abtretung liegende Proze3smalldat von den mehreren Mandataren überhaupt nur gemeinsam ausgeführt werden könne,
btzw. dass die Prozessführung durch einen allein den
yorhcrigen förmlichen Abstand der übrigen von der Teilnahme am Prozesse voraussetze.
Da ullbestriltenermassen die gerichtliche Feststellung
des Anspruchs gegen Wegmanll und der Eingang des
entsprechenden Betrages einzig dem Vorgehen der Zessiollurin Milla :\1artha .Jucker zu verdanken ist und die
übrigen Zessionare dazu nichts beigetragen haben, hat
somit das Konkursamt mit Recht diesen Betrag, der den
Prozessgewilll1 im Sinne VOll Art, 260 Abs. 2 SchKG darstellt, ausschliesslich der Genannten zugewiesen und isl
der diese Verfügung schützende Entscheid der Vorinstanz
zu bestätigen. Die Frage, ob der Rekurrent mit der
KOJIkursforderullg der Frau Meyer-Spörri als Akzessorium auch die Rechte aus der dieser ausgestellten Abtretung habe erwerben können oder ob nicht der Mandatscharakter der Abtretung nach Art. 260 jede Übertragung der aus derselben sich ergebenden Befugnisse an
einen Dritten ausschliesse, selbst wenn sie im Zusammen-
• Ges.-Ausg. 33 n No 48, 34 II N° 42.
340
Entscheidungen der Schuldbetreibungs-
hang mit der Zession der betreffenden Konkursforderung
geschieht (vergl. in diesem Sinne das bereits zitierte
Urteil in Sachen Spörri Erw. 2), sodass die Beschwerde
auch schon wegen mangelnder Legitimation des Rekurrenten zu verwerfen wäre, braucht daher nicht erörtert
zu werden.
Demnach hat die Schuldbetreibungs- u. Konkurskammer
erka nn t:
Der Rekurs wird abgewiesen.