Sachverhalt
A m 4. Mai 1972 wurde Mag Sdt Ch. verhaftet und in die Strafanstalt Gmün- den eingeliefert zur Verbüssung der Ende 1971 vom Bezirksgericht St. Gallen gegen ihn ausgesprochenen 3-monatigen Gefangnisstrafe wegen Veruntreuung. Wahrend der Strafverbüssung wurde er am 19. Mai 1972 vom Divisionsgericht 5 zu einem weiteren Monat Gefangnis (Zusatzstrafe) verurteilt wegen vorsatzli- cher Versiiumnis des WK 1971. Diese Strafe verbüsste er anschliessend an die erstgenannte ebenfalls in Gmünden. Von der ihm eingeraumten Moglichkeit, am 3. August 1972 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen zu werden, machte er keinen Gebrauch, da er sich nicht wahrend der Probezeit unter Schutzauf- sicht stellen lassen wollte. Weil er den WK 1975 nicht bestanden hatte, wurde Mag Sdt Ch. am 25. September 1975 durch das Divisionsgericht 5 der vorsiitzlichen Dienstversiium- nis im Sin ne von Art. 81 Ziff. l Abs. 2 MStG schuldig befunden und z u 45 Tagen Gefangnis verurteilt. Der bedingte Strafvollzug wurde ihm nicht gewiihrt. Aus den Erwagungen: l.- Der Beschwerdeführer macht geltend, es hatte ihm der bedingte Strafvollzug zugebilligt werden müssen. Dies einmal deshalb, weil Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG die Gewahrung dieser Rechtswohltat dann ausschliesse, wenn der Tãter innerhalb der letzten 5 Jahre vor der T at wegen eines vorsatz- lich begangenen Verbrechens oder Vergehens eine Zuchthaus- oder Gefàng- nisstrafe von mehr als 3 Monaten verbüsst hat. N un sei er am 20. Dezember 1971 vom Bezirksgericht S t. Gallen wegen V eruntreuung zu 3 Monaten Gefãngnis und am 19. Mai 1972 vom Divisionsgericht 5 wegen vorsatzlicher Dienstversãumnis zu l Monat Gefàngnis als Zusatzstrafe verurteilt worden. Es liege demgemãss nicht ein Vergehen vor, das zu einer Strafe von mehr als 3 Monaten geführt hãtte. Sodann stehe Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG der Gewahrung des bedingten Strafvollzugs auch dann nicht entgegen, wenn man die beiden Vorstrafen zusammenrechne; denn er hãtte gemãss Antrag
139 Nr. 83, 84 des Polizeidepartements St. Gallen auf den 3. August 1972, also noch vor Verbüssung von 3 Monaten Gefângnis, aus der Strafanstalt Gmünden ent- lassen werden kõnnen. Auf diese bedingte Entlassung ha be er freiwillig ver- zichtet. 2.- Z ur Zahl der Vorstraftaten hat das Bundesgericht in Entscheid 99 IV 134 entschieden, dass es bei der Frage des Ausschlusses des bedingten Straf- vollzugs im Sinne von Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B nicht darauf ankommt, o b die Vorstrafen aus einem oder aus mehreren Straftatbestãnden herrühren; eine andere Auslegung würde zu einer unannehmbaren Bevorzugungjenes Tãters führen, der sich mehrerer verschiedener Straftatbestãnde schuldig gemacht hat. Von dieser Auffassung abzuweichen, hat das Militãrkassationsgericht keinen Anlass; Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG lautet wõrtlich gleich wie Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B, und für d en Vollzug d er militãrgerichtlichen Strafen gel- ten die Regeln des bürgerlichen Strafrechts (MKGE 9 Nr. 70). 3.- ... (29. Januar 1976, i.S. Ch. e. DG 5) 84. Kassationsbeschwerde; Verletzung des Strafgesetzes im Sinne von Art. 188 Abs. l Ziff. l MStGO: Eine solche stellt das Fehlen der Ermãchtigung bei Ermãchtigungsdelikten dar (Erw. la). Strafrechtliche Verfolgung von Beamten unter Militãrgerichtsbarkeit (Art. 13 Abs. 2 VG): Bei Militãrstrafverfahren gegen Festungswãchter sin d die Vorschriften des MStG und der MStGO ausschliesslich (insbesondere ohne vorgãngige Ermãchtigung gemãss Art. 15 Abs. l VG) anwendbar (Erw. lb). Verfahrenskosten (Art. 163 Abs. 2 MStGO); Kostenauflage im Fali e eines Freispruches): Begriff des verwerflichen Verhaltens im Sinne dieser Vorschrift; Solidarhaft; Zulãssigkeit ihrer Anwendung trotz Schweigens des Gesetzes (Erw. 6). Recours en cassation; violation de la loi pénale au sens de l'article 188, l er al., eh. l er OJPPM: constitue pareille violation le défaut d'une autorisation lorsque celle-ci est nécessaire pour ouvrir la poursuite pénale (cons. la). Poursuite pénale contre les fonctionnaires soumis à la juridiction militaire (art. 13, 2e al., LRCF): dans la poursuite pénale militaire dirigée contre des gardes-fortifications, les dispositions du CPM et de l'OJPPM sont applica- bles exclusivement (notamment sans autorisation préalable au sens de l'art. 15, 1er al., LRCF) (cons. lb). Frais judiciaires mis à la charge de l'accusé acquitté (art. 163, 2e al., OJPPM):
Erwägungen (1 Absätze)
E. 5 zu einem weiteren Monat Gefangnis (Zusatzstrafe) verurteilt wegen vorsatzli- cher Versiiumnis des WK 1971. Diese Strafe verbüsste er anschliessend an die erstgenannte ebenfalls in Gmünden. Von der ihm eingeraumten Moglichkeit, am 3. August 1972 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen zu werden, machte er keinen Gebrauch, da er sich nicht wahrend der Probezeit unter Schutzauf- sicht stellen lassen wollte. Weil er den WK 1975 nicht bestanden hatte, wurde Mag Sdt Ch. am 25. September 1975 durch das Divisionsgericht 5 der vorsiitzlichen Dienstversiium- nis im Sin ne von Art. 81 Ziff. l Abs. 2 MStG schuldig befunden und z u 45 Tagen Gefangnis verurteilt. Der bedingte Strafvollzug wurde ihm nicht gewiihrt. Aus den Erwagungen: l.- Der Beschwerdeführer macht geltend, es hatte ihm der bedingte Strafvollzug zugebilligt werden müssen. Dies einmal deshalb, weil Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG die Gewahrung dieser Rechtswohltat dann ausschliesse, wenn der Tãter innerhalb der letzten 5 Jahre vor der T at wegen eines vorsatz- lich begangenen Verbrechens oder Vergehens eine Zuchthaus- oder Gefàng- nisstrafe von mehr als 3 Monaten verbüsst hat. N un sei er am 20. Dezember 1971 vom Bezirksgericht S t. Gallen wegen V eruntreuung zu 3 Monaten Gefãngnis und am 19. Mai 1972 vom Divisionsgericht 5 wegen vorsatzlicher Dienstversãumnis zu l Monat Gefàngnis als Zusatzstrafe verurteilt worden. Es liege demgemãss nicht ein Vergehen vor, das zu einer Strafe von mehr als 3 Monaten geführt hãtte. Sodann stehe Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG der Gewahrung des bedingten Strafvollzugs auch dann nicht entgegen, wenn man die beiden Vorstrafen zusammenrechne; denn er hãtte gemãss Antrag
139 Nr. 83, 84 des Polizeidepartements St. Gallen auf den 3. August 1972, also noch vor Verbüssung von 3 Monaten Gefângnis, aus der Strafanstalt Gmünden ent- lassen werden kõnnen. Auf diese bedingte Entlassung ha be er freiwillig ver- zichtet. 2.- Z ur Zahl der Vorstraftaten hat das Bundesgericht in Entscheid 99 IV 134 entschieden, dass es bei der Frage des Ausschlusses des bedingten Straf- vollzugs im Sinne von Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B nicht darauf ankommt, o b die Vorstrafen aus einem oder aus mehreren Straftatbestãnden herrühren; eine andere Auslegung würde zu einer unannehmbaren Bevorzugungjenes Tãters führen, der sich mehrerer verschiedener Straftatbestãnde schuldig gemacht hat. Von dieser Auffassung abzuweichen, hat das Militãrkassationsgericht keinen Anlass; Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG lautet wõrtlich gleich wie Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B, und für d en Vollzug d er militãrgerichtlichen Strafen gel- ten die Regeln des bürgerlichen Strafrechts (MKGE 9 Nr. 70). 3.- ... (29. Januar 1976, i.S. Ch. e. DG 5) 84. Kassationsbeschwerde; Verletzung des Strafgesetzes im Sinne von Art. 188 Abs. l Ziff. l MStGO: Eine solche stellt das Fehlen der Ermãchtigung bei Ermãchtigungsdelikten dar (Erw. la). Strafrechtliche Verfolgung von Beamten unter Militãrgerichtsbarkeit (Art. 13 Abs. 2 VG): Bei Militãrstrafverfahren gegen Festungswãchter sin d die Vorschriften des MStG und der MStGO ausschliesslich (insbesondere ohne vorgãngige Ermãchtigung gemãss Art. 15 Abs. l VG) anwendbar (Erw. lb). Verfahrenskosten (Art. 163 Abs. 2 MStGO); Kostenauflage im Fali e eines Freispruches): Begriff des verwerflichen Verhaltens im Sinne dieser Vorschrift; Solidarhaft; Zulãssigkeit ihrer Anwendung trotz Schweigens des Gesetzes (Erw. 6). Recours en cassation; violation de la loi pénale au sens de l'article 188, l er al., eh. l er OJPPM: constitue pareille violation le défaut d'une autorisation lorsque celle-ci est nécessaire pour ouvrir la poursuite pénale (cons. la). Poursuite pénale contre les fonctionnaires soumis à la juridiction militaire (art. 13, 2e al., LRCF): dans la poursuite pénale militaire dirigée contre des gardes-fortifications, les dispositions du CPM et de l'OJPPM sont applica- bles exclusivement (notamment sans autorisation préalable au sens de l'art. 15, 1er al., LRCF) (cons. lb). Frais judiciaires mis à la charge de l'accusé acquitté (art. 163, 2e al., OJPPM):
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
Nr. 83 138 83. Bedingter Strafvollzug (Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG): diese Bestimmung kommt zur Anwendung, wenn der V erurteilte innerhalb der letzten fünf J ahre eine Zuchthaus- oder eine Gefangnisstrafe von mehr als drei Monaten in einem Zuge verbüsst hat. · Sursis (art. 32, eh. 1er, 2e al. CPM): seulle condamné qui a subi en une fois, dans les cinq ans, une peine de réclusion ou d'emprisonnement de plus de trois mois peut se voir refuser le sursis en application de cette disposition. Sospensione condizionale della pena (art. 32 n. l cpv. 2 CPM): questa disposizione e applicabile quando il condannato, nei cinque anni precedenti il reato, ha scontato una pena di reclusione o di detenzione superiore a tre mesi senza interruzione. Aus dem Sachverhalt: A m 4. Mai 1972 wurde Mag Sdt Ch. verhaftet und in die Strafanstalt Gmün- den eingeliefert zur Verbüssung der Ende 1971 vom Bezirksgericht St. Gallen gegen ihn ausgesprochenen 3-monatigen Gefangnisstrafe wegen Veruntreuung. Wahrend der Strafverbüssung wurde er am 19. Mai 1972 vom Divisionsgericht 5 zu einem weiteren Monat Gefangnis (Zusatzstrafe) verurteilt wegen vorsatzli- cher Versiiumnis des WK 1971. Diese Strafe verbüsste er anschliessend an die erstgenannte ebenfalls in Gmünden. Von der ihm eingeraumten Moglichkeit, am 3. August 1972 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen zu werden, machte er keinen Gebrauch, da er sich nicht wahrend der Probezeit unter Schutzauf- sicht stellen lassen wollte. Weil er den WK 1975 nicht bestanden hatte, wurde Mag Sdt Ch. am 25. September 1975 durch das Divisionsgericht 5 der vorsiitzlichen Dienstversiium- nis im Sin ne von Art. 81 Ziff. l Abs. 2 MStG schuldig befunden und z u 45 Tagen Gefangnis verurteilt. Der bedingte Strafvollzug wurde ihm nicht gewiihrt. Aus den Erwagungen: l.- Der Beschwerdeführer macht geltend, es hatte ihm der bedingte Strafvollzug zugebilligt werden müssen. Dies einmal deshalb, weil Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG die Gewahrung dieser Rechtswohltat dann ausschliesse, wenn der Tãter innerhalb der letzten 5 Jahre vor der T at wegen eines vorsatz- lich begangenen Verbrechens oder Vergehens eine Zuchthaus- oder Gefàng- nisstrafe von mehr als 3 Monaten verbüsst hat. N un sei er am 20. Dezember 1971 vom Bezirksgericht S t. Gallen wegen V eruntreuung zu 3 Monaten Gefãngnis und am 19. Mai 1972 vom Divisionsgericht 5 wegen vorsatzlicher Dienstversãumnis zu l Monat Gefàngnis als Zusatzstrafe verurteilt worden. Es liege demgemãss nicht ein Vergehen vor, das zu einer Strafe von mehr als 3 Monaten geführt hãtte. Sodann stehe Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG der Gewahrung des bedingten Strafvollzugs auch dann nicht entgegen, wenn man die beiden Vorstrafen zusammenrechne; denn er hãtte gemãss Antrag
139 Nr. 83, 84 des Polizeidepartements St. Gallen auf den 3. August 1972, also noch vor Verbüssung von 3 Monaten Gefângnis, aus der Strafanstalt Gmünden ent- lassen werden kõnnen. Auf diese bedingte Entlassung ha be er freiwillig ver- zichtet. 2.- Z ur Zahl der Vorstraftaten hat das Bundesgericht in Entscheid 99 IV 134 entschieden, dass es bei der Frage des Ausschlusses des bedingten Straf- vollzugs im Sinne von Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B nicht darauf ankommt, o b die Vorstrafen aus einem oder aus mehreren Straftatbestãnden herrühren; eine andere Auslegung würde zu einer unannehmbaren Bevorzugungjenes Tãters führen, der sich mehrerer verschiedener Straftatbestãnde schuldig gemacht hat. Von dieser Auffassung abzuweichen, hat das Militãrkassationsgericht keinen Anlass; Art. 32 Ziff. l Abs. 2 MStG lautet wõrtlich gleich wie Art. 41 Ziff. l Abs. 2 StG B, und für d en Vollzug d er militãrgerichtlichen Strafen gel- ten die Regeln des bürgerlichen Strafrechts (MKGE 9 Nr. 70). 3.- ... (29. Januar 1976, i.S. Ch. e. DG 5) 84. Kassationsbeschwerde; Verletzung des Strafgesetzes im Sinne von Art. 188 Abs. l Ziff. l MStGO: Eine solche stellt das Fehlen der Ermãchtigung bei Ermãchtigungsdelikten dar (Erw. la). Strafrechtliche Verfolgung von Beamten unter Militãrgerichtsbarkeit (Art. 13 Abs. 2 VG): Bei Militãrstrafverfahren gegen Festungswãchter sin d die Vorschriften des MStG und der MStGO ausschliesslich (insbesondere ohne vorgãngige Ermãchtigung gemãss Art. 15 Abs. l VG) anwendbar (Erw. lb). Verfahrenskosten (Art. 163 Abs. 2 MStGO); Kostenauflage im Fali e eines Freispruches): Begriff des verwerflichen Verhaltens im Sinne dieser Vorschrift; Solidarhaft; Zulãssigkeit ihrer Anwendung trotz Schweigens des Gesetzes (Erw. 6). Recours en cassation; violation de la loi pénale au sens de l'article 188, l er al., eh. l er OJPPM: constitue pareille violation le défaut d'une autorisation lorsque celle-ci est nécessaire pour ouvrir la poursuite pénale (cons. la). Poursuite pénale contre les fonctionnaires soumis à la juridiction militaire (art. 13, 2e al., LRCF): dans la poursuite pénale militaire dirigée contre des gardes-fortifications, les dispositions du CPM et de l'OJPPM sont applica- bles exclusivement (notamment sans autorisation préalable au sens de l'art. 15, 1er al., LRCF) (cons. lb). Frais judiciaires mis à la charge de l'accusé acquitté (art. 163, 2e al., OJPPM):