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MKGE 10 Nr. 20

MKGE 10 Nr. 20 — K. e. MAG 2B

Mkg · 1981-11-24 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

65 20. Zulassung zur Verteidigung (Art. 99 Abs. l MStP) Nr. 20 Kennt ein Kanton eine besondere Zulassung zum Rechtsanwaltsberuf, so sind nor zum Rechtsanwaltsberuf zugelassene Schweizer Bürger als V er- teidiger vor Militargerichten zugelassen. Admission comme défenseur (art. 99, l er al. PPM) Lorsque, dans un canton, la pratique du barreau est soumise à une auto- risation, seuls les citoyens suisses au bénéfice de cette autorisation sont admis comme défenseurs devant les tribunaux militaires. Ammissione aHa difesa (art. 99 cpv. l PPM) Quando un cantone subordina l'esercizio dell'avvocatura a una speciale autorizzazione, solamente i cittadini svizzeri ebe l'hanno ottenuta possono fungere da difensori innanzi ai tribunali militari. Aus den Erwiigungen:

1. - Di e vom Militarappellationsgericht 2B verneinte Frage, o b di e V er- teidigung durch lic.iur. Sp. den Anforderungen von Art. 99 Abs. 1 MStP genüge, stellt sich für die Kassationsbeschwerde schon bei der Frage, o b auf das Rechtsmittel einzutreten sei oder nicht; denn zur Einlegung dieses Rechtsmittels sin d n ur de r Angeklagte, sein V erteidiger, de r Auditor und- wenn dieser verzichtet- der Oberauditor befugt (Art. 186 Abs. 1 MStP). Damit scheiden andere Personen, seien sie nun vom Angeklagten bevoll- machtigt oder vom Entscheid unmittelbar betroffen (so Art. 166 Abs. 2 MStP für die Beschwerde), aus. Ebensowenig hilft es, dass Fürsprech K. di e Beschwerdebegründung mitunterzeichnet hat, wurde sie doch erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist (Art. 186 Abs. 2 MStP) der Post übergeben und war damit als selbstandige Anmeldung der Kassationsbeschwerde ver- spatet (vgl. MKGE 9 Nr. 61 E. l b, 1978 N r. l; BGE 86 III 3, 94 IV 96, 99 II 125, 102 IV 143, 105 IV 285). 2.- Gemass Art. 107 Abs. 1 MStGO konnte der Beschuldigte als Ver- teidiger jeden in bürgerlichen Ehren und Rechten stehenden Schweizerbür- gerwahlen. Der seit l. Januar 1980 geltende Art. 99 Abs. 1 MStP sieht dem- gegenüber vor, dass als V erteidiger n ur noch Schweizerbürger auftreten kõnnen, «die in einem Kanton zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufs zuge- lassen sin d». Im Vergleich zum früheren Recht brachte das neue also eine Beschran- kung in der Auswahl der Verteidiger. Begründet wurde sie damit, dass in jedem Fali di e Interessen des Angeklagten genügend gewahrt und e in Über- gewicht der Anklage in Fragen der Rechtsanwendung verhindert werden müssten (Botschaft vom 7.3.77 S.78/79). Allerdings ging das Parlament da bei noch einen Schritt weiter als der Bundesrat, welcher ne ben den Inha- bern eines kantonalen Rechtsanwaltspatents noch andere Personen mit abgeschlossenem juristischen Hochschulstudium zulassen wollte (a.a.O.

Nr. 20 66 S. 79). N ationalrat Friedrich rechtfertigte di ese weitergehende Beschran- kung, indem er ausführte, zu einer wirkungsvollen Verteidigung brauche es «nicht n ur juristische Kenntnisse, sondern a ue h Erfahrungen auf prozessua- lem Gebiet» (Sten. Buli. NR 1978 S.635). Und Nationalrat Barchi doppelte nach: «Le fait d'avoir suivi des étudesjuridiques completes ne donne pas une garantie suffisante, surtout dans le domaine du droit pénal; la formation d'a- vocat autorisé à pratiquer le bàrreau parait nécessaire» (a.a.O. ). Auch Stan- derat Munz wollte die Beschuldigten fortan durch Leute verteidigt wissen, «die sich in der gerichtlichen Praxi~ und im Verfahrensrecht auskennen» (Sten. Buli. SR 1978 S.481). Diese Ausführungen der Berichterstatter in der Bundesversammlung blieben unwidersprochen. Si e sin d als Wille des Gesetzgebers - jedenfalls so kurze Zeit nach Erlass des Gesetzes - bei der Auslegung von Art. 99 Abs. l MStP zu beachten (vgl. Meier-Hayoz in Berner Kommentar, N. 151 ff. un d 215 ff. zu Art. l ZGB; MKGE 8 N r. lO E.3 un d N r. 13 E.3, 9 Nr. 19). 3.- Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers ist die Frage, ob er als Verteidiger in einem Militarstrafverfahren zuzulassen sei, keine solche des kantonalen Prozessrechts. Vielmehr geht es um die Anwendung und Auslegung eines eigenstandigen bundesrechtlichen Prozessgesetzes, des MStP, der sich auf Art. 20 BV stützt un d anders als das OG nicht auf einen vorangehenden kantonalen Instanzenzug Rücksicht zu nehmen braucht. Dabei ist das solothurnische Recht nur insoweit von Bedeutung, als es - unwiderlegt- unterscheidet zwischen jedermann, de r e ine Parte i im Prozess vertreten kann, und patentierten Rechtsanwalten, die allein Pflichtverteidi- gungen und Armenrechtsvertretungen übernehrnen konnen. Das Rechts- anwaltspatent wiederum beruht offenbar auch irn Kanton Solothurn auf einer besondern Prüfung (als Fürsprech), was zum Beispiel durch die auf patentierte Fürsprecher beschrankte Gegenrechtserklarung zwischen den Kantonen Bern und Solothurn vom 30. Novernber/24. Dezember 1965 deut- lich gernacht wird (ZBJV 102 S.l98). Ware es anders, würde sich wohl lic.iur. Sp. langst ebenfalls Fürsprech nennen wie sein Kollege K.

4. - Kennt der Kanton Solothurn dernnach eine besondere Zulassung zum Rechtsanwaltsberuf, ist- de m Willen des Gesetzgebers entsprechend- ein Hochschulabsolvent ohne Ausweis über hinreichende Erfahrungen in der Prozessführung wie Sp. als Verteidiger vor Militargerichten nicht zuzu- lassen und auf die von ihm allein angemeldete Kassationsbeschwerde nicht einzutreten. Beigefügt sei, dass ein solcher Schluss gegen keine Grund- rechte verstosst (vgl. BGE 105 la 70). Ohne dass ein Kassationsgrund ausdrücklich angerufen würde, stützt si eh das Rechtsmittel offenbar auf Art. 185 Abs. l li t. e MStP, d er de n frühe- ren Kassationsgrund von Art. 188 Abs. l Ziff. 6 MStGO (unzulassige Beschrankun'g der Verteidigung) einschliesst (Botschaft S.l03). Nach Art.

67 Nr. 20, 21 195 MStP kann es daher auch nicht als Rekurs entgegengenommen werden, obschon es insoweit durch Fürsprech K. rechtzeitig erklãrt wurde, indem er die Beschwerdebegründung mitunterzeichnete (Art. 197 Abs. l MStP). 5.-... (24. November 1981, K. e. MAG 2B) 21. Widerruf des bedingten StrafvoHzugs (Art. 32 Ziff. 3 MStG) Verfahren und Rechtsmittel: Nor Sachentscheide über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs unterliegen d er Anfechtung mittels Kassationsbeschwerde (Erw. I, 1 und 2); Gegen einen Nichteintretensentscheid im V erfahren betreffend Wider- ruf des bedingten Strafvollzugs steht das Rechtsmittel der Appellation nicht zur V erfügung (Erw. Il, 1), sondern das Rechtsmittel des Rekurses (Erw. II, 2); Das Verfahren betreffend Widerruf des bedingten Strafvollzugs muss zu Ende geführt werden, au eh wenn di e Anwesenheit des V erurteilten nicht bewirkt werden kann (Erw. II, 3); Ist der Verurteilte durch einen unrichtigen Entscheid und entspre- chende unzutreffende Rechtsmittelbelehrung zur Einreichung der Beschwerde verleitet worden, so rechtfertigt sich ein Kostenerlass (Erw. III). Révocation du sursis (art. 32, eh. 3 CPM) Procédure et moyens: Seules les décisions au fond relatives à la révocation d'un sursis peuvent être attaquées en cassation (cons. I, let 2); Contre la décision de ne pas entrer en matiere sur un e révocation de sur- sis, la voie de l'appel n'est pas ouverte ( cons. li, l), mais bien celle du recours (cons. li, 2); La procédure en révocation de sursis doit être suivie jusqu'au boot, même lorsque la comparution du condamné ne peut pas être obtenue (cons. li, 3); Lorsque le condamné a été engagé à recourir par un e décision erronée e t par un e mention des voies de recours qui, de ce fait, n'était pas exacte, il doit être déchargé des frais en totalité ( cons. III). Revoca deHa sospensione condizionale della pena (art. 32 cfr. 3 CPM) Procedura e rimedi giuridici: Solamente i giudizi di merito relativi alia revoca della sospensione condi- zionale de lia pena son o impugnabili con ricorso per cassazione ( cons. I, l e 2).