Erwägungen (5 Absätze)
E. 1 Ausgangslage Am 14. Dezember 1993 reichte Nationalrat Poncet eine par- lamentarische Initiative ein, die eine Änderung von Arti- kel 28c Absatz 3 des Zivilgesetzbuches über das Verbot von Presseartikeln durch vorsorgliche Massnahmen verlangt. Die RK-NR lehnte diese parlamentarische Initiative und damit eine Änderung von Artikel 28c Absatz 3 ZGB ab. In einer eigenen parlamentarischen Initiative schlug die RK- NR aber als Gegenentwurf die Berufungsfähigkeit von vor- sorglichen Massnahmen vor. Sie beantragte die Schaffung einer speziellen richterlichen Kontrolle für vorsorgliche Mass- nahmen im Zusammenhang mit dem Persönlichkeitsschutz nach Artikel 28c Absatz 3 ZGB, welche gegen ein periodisch erscheinendes Medienerzeugnis ausgesprochen werden. Die letztinstanzlichen kantonalen Entscheide sollten inskünf- tig der Berufung an das Bundesgericht unterstellt werden. Dafür wäre eine Änderung des Bundesrechtspflegegesetzes (OG) notwendig (neue Art. 44 Bst. g und Art. 54 Abs. 4 OG).
E. 2 Beschluss des Nationalrates Der Vorlage der RK-NR wurde am 25. September 1995 mit 111 zu 87 Stimmen zugestimmt. Bei diesen Verhandlungen zog Nationalrat Poncet seine eigene Initiative zurück (AB 1995 N 1878).
E. 3 Kommission für Rechtsfragen des Ständerates Die RK-SR führte zusätzliche Hearings durch und hörte unter anderem auch das Bundesgericht an. Nach eingehender Dis- kussion beschloss die Kommission einstimmig, auf die Vor- lage nicht einzutreten. Sie war insbesondere der Auffassung, dass die Berufung gegen vorsorgliche Massnahme der Sy- stematik des OG widerspreche. Die Berufung sei auch als Mittel ungeeignet, da nach einem mehrmonatigen Verfahren das Urteil bei seinem Erlass kaum mehr aktuell sein könne.
E. 4 Décision du Conseil des Etats Le 11 décembre 1996, le Conseil des Etats a décidé, sans contre-proposition, de ne pas entrer en matière. Considérations de la commission La commission s’est ralliée aux considérations de la CAJ-CE et du Conseil des Etats. Elle estime que le recours contre des mesures provisionnelles ne constitue pas une solution adé- quate pour régler la délicate question de la pesée d’intérêts entre la liberté des médias et la protection de la personnalité. Par ailleurs, elle considère qu’il n’y a pas lieu d’introduire d’urgence, pour les mesures provisionnelles, un recours au Tribunal fédéral. En revanche, il conviendrait plutôt d’étudier, dans le cadre de la réforme de l’OJ qui est actuellement en préparation, s’il ne serait pas possible d’agir sur le plan de la procédure dans le cadre précisément de cette réforme. Antrag der Kommission Die Kommission beantragt einstimmig, dem Beschluss des Ständerates (Nichteintreten) zuzustimmen. Proposition de la commission La commission propose, à l’unanimité, d’approuver la déci- sion du Conseil des Etats (ne pas entrer en matière). Angenommen – Adopté Schluss der Sitzung um 12.40 Uhr La séance est levée à 12 h 40
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Parlamentarische Initiative (RK-NR) Berufung ans Bundesgericht bei vorsorglichen Massnahmen gegen Medienerzeugnisse Initiative parlementaire (CAJ-CN) Mesures provisionnelles contre un média. Recours au Tribunal fédéral In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1997 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung
E. 08 Séance Seduta Geschäftsnummer 94.431 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 01.10.1997 - 08:00 Date Data Seite 1873-1874 Page Pagina Ref. No 20 042 658 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
1. Oktober 1997 N 1873 Parlamentarische Initiative (RK-NR) Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Gusset, Gysin Remo, Haering Binder, Hafner Ursula, Häm- merle, Herczog, Hollenstein, Hubacher, Hubmann, Jans, Jaquet, Jeanprêtre, Ledergerber, Leemann, Marti Werner, Maury Pasquier, Meier Hans, Meier Samuel, Müller-Hemmi, Ostermann, Rechsteiner Paul, Rechsteiner Rudolf, Renn- wald, Roth, Ruffy, Schlüer, Semadeni, Spielmann, Strahm, Stump, Teuscher, Thanei, Tschäppät, Vermot, Vollmer, von Felten, Weber Agnes, Widmer, Zwygart (63) Der Stimme enthalten sich – S’abstiennent: Binder, David, Fehr Hans, Fehr Lisbeth, Fischer-Hägglingen, Maurer, Schmid Samuel, Speck, Tschuppert, Vallender (10) Entschuldigt/abwesend sind – Sont excusés/absents: Aregger, Bangerter, Baumann Stephanie, Bezzola, Blocher, Caccia, Columberg, Comby, Diener, Ducrot, Egerszegi, Engelberger, Fasel, Giezendanner, Grendelmeier, Grobet, Gross Andreas, Guisan, Heberlein, Imhof, Jutzet, Keller, Leu, Leuba, Leuenberger, Loretan Otto, Maspoli, Meyer Theo, Moser, Müller Erich, Nabholz, Nebiker, Pini, Randeg- ger, Ruf, Steffen, Theiler, Thür, Tschopp, Vogel, von Allmen, Wiederkehr, Wyss, Zapfl, Zbinden, Ziegler (46) Präsidentin, stimmt nicht – Présidente, ne vote pas: Stamm Judith (1) Abschreibung – Classement Antrag des Bundesrates Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse gemäss Brief an die eidgenössischen Räte Proposition du Conseil fédéral Classer les interventions parlementaires selon lettre aux Chambres fédérales Angenommen – Adopté An den Ständerat – Au Conseil des Etats 94.431 Parlamentarische Initiative (RK-NR) Berufung ans Bundesgericht bei vorsorglichen Massnahmen gegen Medienerzeugnisse Initiative parlementaire (CAJ-CN) Mesures provisionnelles contre un média. Recours au Tribunal fédéral Differenzen – Divergences Siehe Jahrgang 1995, Seite 1876 – Voir année 1995, page 1876 Beschluss des Ständerates vom 11. Dezember 1996 Décision du Conseil des Etats du 11 décembre 1996 ___________________________________________________________ Nabholz Lili (R, ZH) unterbreitet im Namen der Kommission für Rechtsfragen (RK) den folgenden schriftlichen Bericht:
1. Ausgangslage Am 14. Dezember 1993 reichte Nationalrat Poncet eine par- lamentarische Initiative ein, die eine Änderung von Arti- kel 28c Absatz 3 des Zivilgesetzbuches über das Verbot von Presseartikeln durch vorsorgliche Massnahmen verlangt. Die RK-NR lehnte diese parlamentarische Initiative und damit eine Änderung von Artikel 28c Absatz 3 ZGB ab. In einer eigenen parlamentarischen Initiative schlug die RK- NR aber als Gegenentwurf die Berufungsfähigkeit von vor- sorglichen Massnahmen vor. Sie beantragte die Schaffung einer speziellen richterlichen Kontrolle für vorsorgliche Mass- nahmen im Zusammenhang mit dem Persönlichkeitsschutz nach Artikel 28c Absatz 3 ZGB, welche gegen ein periodisch erscheinendes Medienerzeugnis ausgesprochen werden. Die letztinstanzlichen kantonalen Entscheide sollten inskünf- tig der Berufung an das Bundesgericht unterstellt werden. Dafür wäre eine Änderung des Bundesrechtspflegegesetzes (OG) notwendig (neue Art. 44 Bst. g und Art. 54 Abs. 4 OG).
2. Beschluss des Nationalrates Der Vorlage der RK-NR wurde am 25. September 1995 mit 111 zu 87 Stimmen zugestimmt. Bei diesen Verhandlungen zog Nationalrat Poncet seine eigene Initiative zurück (AB 1995 N 1878).
3. Kommission für Rechtsfragen des Ständerates Die RK-SR führte zusätzliche Hearings durch und hörte unter anderem auch das Bundesgericht an. Nach eingehender Dis- kussion beschloss die Kommission einstimmig, auf die Vor- lage nicht einzutreten. Sie war insbesondere der Auffassung, dass die Berufung gegen vorsorgliche Massnahme der Sy- stematik des OG widerspreche. Die Berufung sei auch als Mittel ungeeignet, da nach einem mehrmonatigen Verfahren das Urteil bei seinem Erlass kaum mehr aktuell sein könne.
4. Beschluss des Ständerates Am 11. Dezember 1996 beschloss der Ständerat ohne Ge- genantrag, auf die Vorlage nicht einzutreten. Erwägungen der Kommission Die Kommission schliesst sich den Erwägungen der RK-SR und des Ständerates an. Sie ist der Auffassung, dass die Be- rufung gegen vorsorgliche Massnahmen ungeeignet ist, die heikle Frage der Güterabwägung zwischen Persönlichkeits- schutz und Medienfreiheit befriedigend zu lösen. Im übrigen besteht kein so grosser zeitlicher Druck, der es rechtfertigen würde, bei den vorsorglichen Massnahmen jetzt dringend ein Rechtsmittel an das Bundesgericht einzuführen. Im Rahmen der sich in Vorbereitung befindenden Gesamtrevision des OG soll hingegen geklärt werden, ob eine verfahrensrechtli- che Lösung im OG möglich ist. Nabholz Lili (R, ZH) présente au nom de la Commission des affaires juridiques (CAJ) le rapport écrit suivant:
1. Rappel des faits Le 14 décembre 1993, M. Poncet, conseiller national, a dé- posé une initiative parlementaire, visant à modifier l’article 28c alinéa 3 du Code civil relative à l’interdiction d’articles de presse par voie de mesures provisionnelles. La CAJ-CN a re- jeté cette initiative parlementaire et, en conséquence, une modification de l’article 28c alinéa 3 du Code civil (CC). Dans sa propre initiative parlementaire, la CAJ-CN prône, dans un contre-projet, la possibilité de recourir contre des mesures provisionnelles. Elle propose de créer un contrôle judiciaire spécial pour les mesures provisionnelles ordon- nées pour protéger la personnalité au sens de l’article 28c alinéa 3 CC, en autorisant le recours au Conseil fédéral pour les décisions cantonales de dernière instance. Cette mesure exigerait de compléter la loi fédérale d’organisation judiciaire (OJ) au moyen d’un nouvel article 44 lettre g et d’un nouvel article 54 alinéa 4.
2. Décision du Conseil national Le 25 septembre 1995, il a été donné suite à l’initiative parle- mentaire de la CAJ-CN par 111 voix contre 87. Au cours du débat, M. Poncet a retiré son initiative parlementaire (BO 1995 N 1878).
3. Commission des affaires juridiques du Conseil des Etats La CAJ-CE a procédé à des auditions supplémentaires, et a notamment entendu des représentants du Tribunal fédéral. Après discussion approfondie, la commission a décidé de ne pas entrer en matière sur le projet. Elle considère en effet que le recours contre des mesures provisionnelles contre- vient à la systématique de l’OJ. Par ailleurs, il constitue un outil inappropriée du fait que le jugement, après plusieurs
Initiative parlementaire (CAJ-CN) 1874 N 1er octobre 1997 Bulletin officiel de l’Assemblée fédérale mois de procédure, n’aurait très souvent plus de rapport avec l’actualité.
4. Décision du Conseil des Etats Le 11 décembre 1996, le Conseil des Etats a décidé, sans contre-proposition, de ne pas entrer en matière. Considérations de la commission La commission s’est ralliée aux considérations de la CAJ-CE et du Conseil des Etats. Elle estime que le recours contre des mesures provisionnelles ne constitue pas une solution adé- quate pour régler la délicate question de la pesée d’intérêts entre la liberté des médias et la protection de la personnalité. Par ailleurs, elle considère qu’il n’y a pas lieu d’introduire d’urgence, pour les mesures provisionnelles, un recours au Tribunal fédéral. En revanche, il conviendrait plutôt d’étudier, dans le cadre de la réforme de l’OJ qui est actuellement en préparation, s’il ne serait pas possible d’agir sur le plan de la procédure dans le cadre précisément de cette réforme. Antrag der Kommission Die Kommission beantragt einstimmig, dem Beschluss des Ständerates (Nichteintreten) zuzustimmen. Proposition de la commission La commission propose, à l’unanimité, d’approuver la déci- sion du Conseil des Etats (ne pas entrer en matière). Angenommen – Adopté Schluss der Sitzung um 12.40 Uhr La séance est levée à 12 h 40
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Parlamentarische Initiative (RK-NR) Berufung ans Bundesgericht bei vorsorglichen Massnahmen gegen Medienerzeugnisse Initiative parlementaire (CAJ-CN) Mesures provisionnelles contre un média. Recours au Tribunal fédéral In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1997 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 08 Séance Seduta Geschäftsnummer 94.431 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 01.10.1997 - 08:00 Date Data Seite 1873-1874 Page Pagina Ref. No 20 042 658 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.