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89.345

Ch Vb · 1989-06-23 · Deutsch CH
Erwägungen (2 Absätze)

E. 23 juin 1989 gie, passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie, Bioener- gie, geothermische Energie, Verbesserung des Wirkungs- grades der Wasserkraftwerke). Auch die Verwendung von Energieträgern mit geringen Luftfremdstoff-Emissionen und die Nutzung der Kernenergie zur Wärme- und Elektrizitätser- zeugung anstelle fossilthermischer Anlagen können dazu bei- tragen, die Luftbelastung zu vermindern. Auf Bundesebene können die beschlossenen bzw. eingeleite- ten Massnahmen im Bereich Energie und im Bereich Luftrein- haltung zur Nutzung des Energiesparpotentials und zur Re- duktion der Luftschadstoffemissionen beitragen. Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stel- lung:

1. Die Zunahme der COs-Konzentration in der Atmosphäre ist ein globales Problem. Eine Bilanzierung zwischen natürlichen und anthropogenen Emissionsflüssen einzelner Länder ist nicht sinnvoll. Die industrialisierten Länder in Nordamerika und Europa sowie die Sowjetunion, Japan und Australien tra- gen gegenwärtig zu 75 Prozent der anthropogenen COs-Emis- sionen bei. Diese Länder mit ihrem hohen Energieverbrauch und einem Anteil von 25 Prozent an der Weltbevölkerung sind die Hauptverursacher der steigenden COa-Belastung. Für die Schweiz heisst dies beispielsweise, dass sie mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von etwa 1 Promille mit rund 2 Promil- len zum weltweiten COa-Ausstoss beiträgt und knapp 4 Pro- mille des statistisch erfassten Energieverbrauchs bean- sprucht. Die Schweiz gehört mit gegen 7 Tonnen COa pro Ein- wohner zu den Ländern mit hohen COa-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung.

2. Der jährliche Verbrauch fossiler Energien verursacht in der Schweiz rund 42,5 Millionen Tonnen COa-Emissionen. Im Jahre 1987 verteilten sich (gemäss Bundesamt für Energie- wirtschaft, Gesamtenergiestatistik 1987, SEV-Bulletin Nr. 12/ 1988, und Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 55 und 76) die Anteile der verschiedenen Verbrauchssektoren wie folgt: COa-Emissionen prozentua- in Mio. Tonnen 1er Anteil Haushalte Industrie/Gewerbe/Landwirt- schaft/Dienstleistungen

- Industrie

- Gewerbe, Landwirtschaft, Dienstleistungen Verkehr

- priv. Personenverkehr

- priv. Schwerverkehr

- Flugverkehr

- öffentlicher Verkehr Total COa-Emission 5,9 7,4 8,7 1,9 3,0 2,3 42,5 Mio t 13,3 31,2% 13,3 31,3% 13,9% 17,4% 15,9 37,5% 20,4 % 4,5 % 7,1 % 5,5 % 100% Die verschiedenen Quellengruppen tragen wie folgt zur Ge- samtemission bei: Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienst- leistungen etwa 1/3, die Haushalte ebenfalls 1/3 und der Ver- kehr über 1/3. Innerhalb des Verkehrs ist der private Strassen- verkehr die grösste Quellengruppe mit einem Anteil von rund

E. 25 Prozent.

3. Die COa-Emissionen verlaufen parallel zum Verbrauch fossi- ler Energien. Technische Massnahmen zurCOa-Abscheidung aus dem Abgasstrom und zur COa-Speicherung und -Entsor- gung sind nur beschränkt denkbar, extrem aufwendig und da- mit unwirtschaftlich. Die Reduktionsmöglichkeiten liegen des- halb im Bereich rationeller Energienutzung, der Energieein- sparungen und des Ersatzes fossiler Energien durch nicht- fossile Energien. Priorität müssen aufgrund von Kosten-/Wir- kungsüberlegungen Massnahmen für eine rationelle Energie- nutzung haben. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die technischen Energiesparmöglichkeiten gross sind: Der durchschnittliche spezifische Energieverbrauch der bestehenden Anlagen, Fahrzeuge und Geräte ist in vielen Anwendungen zwei- bis fünfmal so gross wie der optimale Verbrauch der heute be- kannten energieeffizientesten Technologien. Die realisierba- ren Einsparungen sind geringer als die technischen Potenti- ale, da diese in der Regel nur beim Ersatz der bestehenden In- stallationen genutzt werden können. Wie der Bundesrat in sei- ner Botschaft zur Ausstiegs- und der Moratoriumsinitiative dar- legt, ermittelte die Expertengruppe Energieszenarien (EGES) bei einer starken Politik der rationellen Energieverwendung Einsparungen an Endenergie von 18 Prozent bis zum Jahre 2005 und von 33 Prozent bis zum Jahre 2025 gegenüber einer Politik ohne zusätzliche Sparmassnahmen. Weitere Reduktionsmöglichkeiten lassen sich durch eine Aen- derung der Lebensgewohnheiten mit weniger energieintensi- vem Lebensstil erzielen, die aber eine entsprechende Bereit- schaft der Bevölkerung voraussetzt. Auch beim Ausbau um- weltfreundlicher erneuerbarer Energien ist das technische Po- tential beachtlich, jedoch in der Regel noch nicht wirtschaft- lich. Die Verminderung des Energieverbrauchs und damit auch die Reduktion der COa-Emissionen sind nicht mit einer einzigen Massnahme allein zu erreichen, sondern erfordern zahlreiche einzelne Anstrengungen in jedem Verbrauchssektor. In den verschiedenen Sektoren stehen folgende Massnahmen im Vordergrund: Haushalte (Heizungen, Warmwasserproduktion): -Wärmetechnische Sanierung von bestehenden Gebäuden und Neubauten (verschärfte Normen)

- individuelle Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung

- Optimierung und Wirkungsgradverbesserung der Feuerun- gen, Heizungssysteme und Wassererwärmer Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen:

- Bessere Nutzung von Prozessenergie

- Nutzung der Wärme und Abwärme, zum Beispiel von Indu- strie- und Kehrichtverbrennungsanlagen

- verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse/Biogas, Holz und Umgebungs- energie Verkehr:

- Vermehrte Förderung des öffentlichen Personen- und Güter- verkehrs (z. B. «Bahn 2000» und Neat)

- Reduktion des spezifischen Treibstoffverbrauchs

- sparsamerer Umgang mit Treibstoff Die Realisierung der aufgezeigten Sparpotentiale erfordert das Bereitstellen zusätzlicher gesetzlicher Instrumente, Inve- stitionen in Energiesparen und Erschliessung erneuerbarer Energien, technische Innovationen, Anstrengungen bei der In- formation, Ausbildung, Forschung und Entwicklung sowie die Bereitschaft der Bevölkerung, ihr Verhalten zu ändern. Der Bundesrat ist der Meinung, dass mit den von ihm beantragten bzw. eingeleiteten Massnahmen im Bereich der Energie (Energieartikel, Energienutzungsbeschluss und Energiege- setz) und des Luftreinhaltekonzeptes ein erheblicher Beitrag zur Energieeinsparung und damit auch zur Reduktion der COa-Emissionen geleistet werden kann. Die Lösung des COa-Problems ist eine globale Aufgabe. Die Schweiz trägt zum weltweit anthropogenen COa-Ausstoss rund 2 Promille bei. Internationale Zusammenarbeit und Massnahmen auf globaler Ebene sind deshalb unabdingbar. Dabei haben die Industriestaaten mit hohem Energiever- brauch pro Kopf der Bevölkerung eine besondere Verantwor- tung. Der Bundesrat ist gewillt, die internationale Zusammen- arbeit zu unterstützen und einen aktiven Beitrag zur Lösung des COa-Problems zu leisten. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Interpellation Günter Production de gaz carbonique en Suisse In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.345 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1989 - 08:00 Date Data Seite 1173-1174 Page Pagina Ref. No 20 017 533 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

23. Juni 1989 N 1173 Interpellation Günter Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. Mail989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 mai 1989 Le Conseil fédéral suit de près les travaux relatifs aux effets sur l'homme et l'environnement de l'accident du réacteur à Tcher- nobyl. Les publications et les conférences des organisations internationales telles que l'Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA), l'Organisation mondiale de la santé (OMS), le Comité scientifique sur les effets des rayonnements ioni- sants de l'ONU (UNESCAR) et autres, sont les principales sources d'information. Les recommandations établies sur la base des résultats de ces travaux par la Commission interna- tionale de la radioprotection seront prises en considération dans l'application de la loi sur la radioprotection. Le Conseil fédéral informera le Parlement dès que de nouvelles données scientifiques importantes seront connues. Les services fédéraux compétents examinent actuellement l'opportunité d'envoyer des experts suisses dans la région de Tchernobyl. Le délégué de l'Union soviétique à l'AEA a en ef- fet déclaré lors d'une réunion d'experts, tenue du 12 au 16 décembre 1988 et portant sur la «planification de l'assainisse- ment, de la décontamination et du contrôle de grandes régions contaminées par la radioactivité», que d'autres Etats pourraient participer, dans le cadre d'une expédition scientifi- que à Tchernobyl, à des essais d'assainissement et de décon- tamination en vue de récupérer les territoires contaminés. Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt. #ST# 89.345 Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Production de gaz carbonique en Suisse Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989

1. Der Bundesrat wird um Auskunft gebeten über die Grössen- ordnung der natürlichen und zivilisatorischen COa-Produktion in unserem Land.

2. Zusätzlich wird er gebeten, Auskunft zu geben über die Grössenordnung (in Prozenten und in Tonnen) und über die Aufteilung der zivilisatorischen CO2-Produktion (Stichworte: Privatverkehr, Schwerverkehr, öffentlicher Verkehr, Heizun- gen, Warmwasserproduktion, Industrie, Landwirtschaft, wei- tere grössere Erzeuger).

3. Nachdem die Diskussion um die Wirkung des steigenden COa-Gehaltes auf das globale Klima angelaufen ist, wird der Bundesrat gebeten, seine heutige Meinung kundzutun, bei welchem der unter Punkt 2 erwähnten COa-Erzeuger eine Re- duktion am ehesten zu bewerkstelligen wäre. Texte de l'interpellation du 1er mars 1989 Le Conseil fédéral est invité

1. à fournir des renseignements sur l'ordre de grandeur des quantités de COa produites dans notre pays (par la nature et par la société);

2. à donner des indications sur l'ordre de grandeur des quan- tités de COa produites par la société (en tonnes et en pour cent) ainsi que sur l'origine de ce COa (véhicules de tourisme, poids lourds, transports publics, chauffages, production d'eau chaude, industrie, agriculture et autres);

3. à dire, maintenant que l'on commence à se préoccuper des effets de l'augmentation des quantités de COa sur le climat, sur laquelle des sources de COa énumérées au chiffre 2 il serait possible d'agir le plus efficacement. Mitunterzeichner - Cosignataires: Diener, Dünki, Grendel- meier, Jaeger, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller-Aargau, We- der-Basel, Widmer, Wiederkehr, Zwygart (11) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 5. Juni 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 5 juin 1989 Der Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe (Erdöl, Kohle, Erdgas) in Industrie.Haushalten und Verkehr, die Herstellung und der Verbrauch von chemischen Substanzen, die Intensiv- nutzung in der Landwirtschaft sowie die Wald- und Bodenzer- störung sind die wichtigsten anthropogenen Quellen von Koh- lendioxid (COa) und anderen klimawirksamen Spurengasen (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), Methan (CH4), Lachgas (Na) und troposphärisches Ozon (Oa)). Sie verursa- chen weltweit signifikante Aenderungen der Spurengaszu- sammensetzung in der Atmosphäre. Als Folge davon kommt es'ähnlich wie in einem Treibhaus zu einer Aufheizung der At- mosphäre, dem Treibhauseffekt. Die COa-Emissionen stammen sowohl aus natürlichen als auch aus anthropogenen Quellen. Auf natürliche Art gelangt das COa in die Atmosphäre durch den Abbgau organischen Materials durch Bodenlebewesen sowie durch die Respiration (Atmung) der Pflanzen, Tiere und Menschen. Im natürlichen Kreislauf des Kohlenstoffs werden aber durch Photosynthese der Pflanzen gleichzeitig wieder grosse Mengen COa aus der Atmosphäre entfernt; damit wird die organische Substanz auf- gebaut (Assimilation), so dass der naturbedingte COa-Gehalt der Atmosphäre annähernd ausgeglichen bleibt. Ueberlagert ist nur eine jahreszeitlich bedingte Schwankung in der Kon- zentration (höher im Winterhalbjahr, tiefer in der Vegetations- periode). Auch an der Oberfläche der Ozeane findet mit der Atmosphäre ein langsamer COa-Austausch statt. Weltweit werden die Aus- tauschflüsse zwischen Atmosphäre und Ozeanen sowie zwi- schen Landvegetation und Atmosphäre um einen Faktor 10 höher als die anthropogenen Emissionsflüsse geschätzt. Der anthropogene COa-Ausstoss ist zwar - verglichen mit der natürlichen Freisetzung - kleiner, setzt aber zusätzlichen in den Sedimenten gebundenen Kohlenstofffrei und stört damit das natürliche Gleichgewicht. Da die relativ rasche Zunahme des anthropogenen COs nicht durch die langsame Aufnahme in die COa-Speicher (Ozeane) kompensiert wird, erfolgt eine Anreicherung von COa in der Atmosphäre. Neben der Zunahme der COa-Konzentration erhöht sich die Konzentration anderer klimawirksamer Spurengase wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe, Methan, Lachgas und tropo- sphärischem Ozon zum Teil noch schneller. Gegenwärtig tra- gen diese und andere Spurengase etwa gleichviel zum Treib- hauseffekt bei wie das COa. Die Gefahr einer Klimaänderung ist deshalb nicht allein auf die COa-Zunahme zurückzuführen, sondern nach heutigem Kenntnisstand auf rund 40 klimawirk- same Spurengase. Die Erwärmung ist jedoch nur ein Aspekt möglicher Beeinflus- sungen des Klimageschehens. Mit Sicherheit ist auch mit Ver- änderungen des globalen atmosphärischen Druck- und Zirku- lationssystems sowie der Niederschlagsverteilung zu rech- nen. Regional und jahreszeitlich führt dies zu ganz unter- schiedlichen Auswirkungen, wie der Beeinträchtigung aquati- scher und terrestrischer Oekosysteme sowie der Ressourcen- verfügbarkeit wie Nahrung und Wasser und damit der Lebens- grundlagen überhaupt. Um die «Klimagefahr» abzuwenden, müssen sowohl die Emis- sionen von COa als auch diejenigen der ändern Spurengase- (FCKW, CHi, NaO usw.) global drastisch reduziert werden. Die energiebedingten Emissionen, insbesondere von Luftschad- stoffen, lassen sich durch technische Massnahmen und eine rationelle Energienutzung wesentlich verringern. Die rationelle Energienutzung ist der direkteste und schnellste Weg zu einer umfassenden Entschärfung nicht nur des COa-Klimaproblems, sondern auch vieler weiterer Umwelt- probleme. Der Bundesrat misst daher der rationellen Energie- verwendung zentrale Bedeutung zu. Er unterstützt Massnah- men zur Verringerung des Energieverbrauchs und fördert den Ausbau risikoarmer erneuerbarer Energiequellen (Windener-

Interpellation Günter 1174 N 23 juin 1989 gie, passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie, Bioener- gie, geothermische Energie, Verbesserung des Wirkungs- grades der Wasserkraftwerke). Auch die Verwendung von Energieträgern mit geringen Luftfremdstoff-Emissionen und die Nutzung der Kernenergie zur Wärme- und Elektrizitätser- zeugung anstelle fossilthermischer Anlagen können dazu bei- tragen, die Luftbelastung zu vermindern. Auf Bundesebene können die beschlossenen bzw. eingeleite- ten Massnahmen im Bereich Energie und im Bereich Luftrein- haltung zur Nutzung des Energiesparpotentials und zur Re- duktion der Luftschadstoffemissionen beitragen. Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stel- lung:

1. Die Zunahme der COs-Konzentration in der Atmosphäre ist ein globales Problem. Eine Bilanzierung zwischen natürlichen und anthropogenen Emissionsflüssen einzelner Länder ist nicht sinnvoll. Die industrialisierten Länder in Nordamerika und Europa sowie die Sowjetunion, Japan und Australien tra- gen gegenwärtig zu 75 Prozent der anthropogenen COs-Emis- sionen bei. Diese Länder mit ihrem hohen Energieverbrauch und einem Anteil von 25 Prozent an der Weltbevölkerung sind die Hauptverursacher der steigenden COa-Belastung. Für die Schweiz heisst dies beispielsweise, dass sie mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von etwa 1 Promille mit rund 2 Promil- len zum weltweiten COa-Ausstoss beiträgt und knapp 4 Pro- mille des statistisch erfassten Energieverbrauchs bean- sprucht. Die Schweiz gehört mit gegen 7 Tonnen COa pro Ein- wohner zu den Ländern mit hohen COa-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung.

2. Der jährliche Verbrauch fossiler Energien verursacht in der Schweiz rund 42,5 Millionen Tonnen COa-Emissionen. Im Jahre 1987 verteilten sich (gemäss Bundesamt für Energie- wirtschaft, Gesamtenergiestatistik 1987, SEV-Bulletin Nr. 12/ 1988, und Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 55 und 76) die Anteile der verschiedenen Verbrauchssektoren wie folgt: COa-Emissionen prozentua- in Mio. Tonnen 1er Anteil Haushalte Industrie/Gewerbe/Landwirt- schaft/Dienstleistungen

- Industrie

- Gewerbe, Landwirtschaft, Dienstleistungen Verkehr

- priv. Personenverkehr

- priv. Schwerverkehr

- Flugverkehr

- öffentlicher Verkehr Total COa-Emission 5,9 7,4 8,7 1,9 3,0 2,3 42,5 Mio t 13,3 31,2% 13,3 31,3% 13,9% 17,4% 15,9 37,5% 20,4 % 4,5 % 7,1 % 5,5 % 100% Die verschiedenen Quellengruppen tragen wie folgt zur Ge- samtemission bei: Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienst- leistungen etwa 1/3, die Haushalte ebenfalls 1/3 und der Ver- kehr über 1/3. Innerhalb des Verkehrs ist der private Strassen- verkehr die grösste Quellengruppe mit einem Anteil von rund 25 Prozent.

3. Die COa-Emissionen verlaufen parallel zum Verbrauch fossi- ler Energien. Technische Massnahmen zurCOa-Abscheidung aus dem Abgasstrom und zur COa-Speicherung und -Entsor- gung sind nur beschränkt denkbar, extrem aufwendig und da- mit unwirtschaftlich. Die Reduktionsmöglichkeiten liegen des- halb im Bereich rationeller Energienutzung, der Energieein- sparungen und des Ersatzes fossiler Energien durch nicht- fossile Energien. Priorität müssen aufgrund von Kosten-/Wir- kungsüberlegungen Massnahmen für eine rationelle Energie- nutzung haben. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die technischen Energiesparmöglichkeiten gross sind: Der durchschnittliche spezifische Energieverbrauch der bestehenden Anlagen, Fahrzeuge und Geräte ist in vielen Anwendungen zwei- bis fünfmal so gross wie der optimale Verbrauch der heute be- kannten energieeffizientesten Technologien. Die realisierba- ren Einsparungen sind geringer als die technischen Potenti- ale, da diese in der Regel nur beim Ersatz der bestehenden In- stallationen genutzt werden können. Wie der Bundesrat in sei- ner Botschaft zur Ausstiegs- und der Moratoriumsinitiative dar- legt, ermittelte die Expertengruppe Energieszenarien (EGES) bei einer starken Politik der rationellen Energieverwendung Einsparungen an Endenergie von 18 Prozent bis zum Jahre 2005 und von 33 Prozent bis zum Jahre 2025 gegenüber einer Politik ohne zusätzliche Sparmassnahmen. Weitere Reduktionsmöglichkeiten lassen sich durch eine Aen- derung der Lebensgewohnheiten mit weniger energieintensi- vem Lebensstil erzielen, die aber eine entsprechende Bereit- schaft der Bevölkerung voraussetzt. Auch beim Ausbau um- weltfreundlicher erneuerbarer Energien ist das technische Po- tential beachtlich, jedoch in der Regel noch nicht wirtschaft- lich. Die Verminderung des Energieverbrauchs und damit auch die Reduktion der COa-Emissionen sind nicht mit einer einzigen Massnahme allein zu erreichen, sondern erfordern zahlreiche einzelne Anstrengungen in jedem Verbrauchssektor. In den verschiedenen Sektoren stehen folgende Massnahmen im Vordergrund: Haushalte (Heizungen, Warmwasserproduktion): -Wärmetechnische Sanierung von bestehenden Gebäuden und Neubauten (verschärfte Normen)

- individuelle Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung

- Optimierung und Wirkungsgradverbesserung der Feuerun- gen, Heizungssysteme und Wassererwärmer Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen:

- Bessere Nutzung von Prozessenergie

- Nutzung der Wärme und Abwärme, zum Beispiel von Indu- strie- und Kehrichtverbrennungsanlagen

- verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse/Biogas, Holz und Umgebungs- energie Verkehr:

- Vermehrte Förderung des öffentlichen Personen- und Güter- verkehrs (z. B. «Bahn 2000» und Neat)

- Reduktion des spezifischen Treibstoffverbrauchs

- sparsamerer Umgang mit Treibstoff Die Realisierung der aufgezeigten Sparpotentiale erfordert das Bereitstellen zusätzlicher gesetzlicher Instrumente, Inve- stitionen in Energiesparen und Erschliessung erneuerbarer Energien, technische Innovationen, Anstrengungen bei der In- formation, Ausbildung, Forschung und Entwicklung sowie die Bereitschaft der Bevölkerung, ihr Verhalten zu ändern. Der Bundesrat ist der Meinung, dass mit den von ihm beantragten bzw. eingeleiteten Massnahmen im Bereich der Energie (Energieartikel, Energienutzungsbeschluss und Energiege- setz) und des Luftreinhaltekonzeptes ein erheblicher Beitrag zur Energieeinsparung und damit auch zur Reduktion der COa-Emissionen geleistet werden kann. Die Lösung des COa-Problems ist eine globale Aufgabe. Die Schweiz trägt zum weltweit anthropogenen COa-Ausstoss rund 2 Promille bei. Internationale Zusammenarbeit und Massnahmen auf globaler Ebene sind deshalb unabdingbar. Dabei haben die Industriestaaten mit hohem Energiever- brauch pro Kopf der Bevölkerung eine besondere Verantwor- tung. Der Bundesrat ist gewillt, die internationale Zusammen- arbeit zu unterstützen und einen aktiven Beitrag zur Lösung des COa-Problems zu leisten. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Interpellation Günter Production de gaz carbonique en Suisse In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.345 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1989 - 08:00 Date Data Seite 1173-1174 Page Pagina Ref. No 20 017 533 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.