Sachverhalt
Die vorliegende Vatersohaftsklage richtet sich gegen einen Portugiesen, der seinen Wohnsitz stets in Portugal hatte und noch hat. Die Mutter ist eine Schwei- zerin, deren Wohnsitz sich schon zur Zeit der intimen Beziehungen mit dem Beklagten in Uster befand. Dort wohnte sie auch zur Zeit der Geburt und wohnt sie heute noch. Der Geschlechtsverkehr, dem das in Uster geborene Kind entstammen soll, fand in Portugal statt, wohin sich die dann Mutter gewordene Klägerin begeben hatte. B. - Mutter und Kind verlangten mit der in Uster angehobenen Klage Vermögensleistungen im Sinne von Art. 317 und 319 ZGB. Der Beklagte erhob die Einrede der örtlichen Unzuständigkeit, jedoch in beiden kantonalen Instanzen ohne Erfolg. Mit vorliegender Berufung gegen den Entscheid des Obergerichtes des Kantons Zürich vom
11. Juli 1953 hält der Beklagte an der Einrede fest.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Der angefochtene selbständige Gerichtsstands- entscheid unterliegt der Berufung nach Art. 49 OG. Auch der erforderliohe Streitwert ist erreicht.
E. 2 Die Vaterschaftsklage ist nach Art. 312 ZGB
beim Richter am schweizerischen Wohnsitze der klagenden
Partei zur Zeit der Geburt oder am Wohnsitz des Beklagten
zur Zeit der Klage anzubringen. Im vorliegenden Falle
hatten Mutter und Kind (vgl. BGE 61 II 146, 67 II 82)
ihren Wohnsitz zur Zeit der Geburt in Uster. Damit war
nach Ansicht der Vorinstanzen das dortige Gericht ohne
weiteres zuständig, ganz ohne Rücksicht auf den Wohnsitz
und die Staatsangehörigkeit des Beklagten. Dieser sieht
dagegen in Art. 312 ZGB in erster Linie eine intern-schwei-
zerische Gerichtsstandsnorm, die nicht uneingeschränkte
I
I
Familienrecht. N° 59.
347
Anwendung gegenüber Ausländern mit Wohnsitz im Aus-
lande finden dürfe. Es ist ihm zuzugeben, dass die allge-
meine Fassung von i\.rt. 312 ZGB nicht hindert, diese
Vorschrift eng auszulegen. Einer im ZGB aufgestellten Ge-
riohtsstandsnorm ist übrigens nicht ohne weiteres der Wille
zuzuschreiben, die schweizerische gegenüber einer ausländi-
schen Gerichtsbarkeit abzugrenzen. Bei Vaterschaftsklagen
auf Zusprechung des Kindes mitStandesfolge (Art. 323ZGB)
gilt denn auch gegenüber Ausländern, selbst in der Schweiz
wohnenden, das in Art. 8/32 NAG aufgestellte Heimat-
prinzip, das die Anwendung von Art. 312 ZGB ausschliesst
(vgl. Bundesblatt 1922 II 579). Davon abweichend unter-
steht aber die Klage auf Vermögensleistungen dem Art. 8
NAG nicht. Überhaupt enthält das NAG keine die An-
wendung von Art. 3]2 ZGB auf solche Klagen ausschIies-
sende BestImmung. Geht die Klage auf Vermögensleistun-
gen gegen einen im Auslande wohnenden Schweizer, so
ergibt sich durch Gegenschluss aus Art. 3] 3 ZGB eindeutig,
dass sie, so gut wie allenfalls im Auslande, am schweizeri-
schen Wohnsitze der klagenden Partei zur Zeit der Geburt
angehoben werden kann. Und ein Ausländer in der Schweiz,
der sich ohnehin (nach Art. 2 in Verbindung mit Art. 32
NAG) an seinem Wohnsitze muss belangen lassen, unter-
steht bei derartigen Klagen ganz allgemein der schweize-
rischen Gerichtsbarkeit, also auch dem Art. 312 ZGB.
Was endlich die im Auslande wohnenden Ausländer
betrifft, so ist freilich für sie dem Art. 2 NAG nichts zu
entnehmen (vgl. BGE 77 II 120). Doch schIiesst dies die
Klage am (ausländischen) Wohnsitze, wo sie nach dortigem
Rechte zulässig sein mag, natürlich nicht aus. Das Fehlen
einer Regel des NAG für die im Auslande wohnenden
Ausländer hindert aber auch nicht deren. Belangung in
der Schweiz auf Grund des Art. 312 ZGB, an dem danach
zur Wahl stehenden Gerichtsstand . des Wohnsitzes der
klagenden Partei zur Zeit der Geburt. Wie es sich damit
verhält, ist Sache der Auslegung des Art. 312 ZGB selbst,
die sich nicht auf das NAG zu stützen braucht.
348
Familiemecht. No 59.
Nun anerkennen kantonale Entscheidungen, und mit
ihnen eine Reihe von Autoren, bei Vaterschaftsklagen
auf Vermögensleistungen diesen Gerichtsstand ohne wei-
tere Voraussetzungen und ausnahmslos, sofern nur eben
ein schweizerischer Wohnsitz der klagenden Partei zur
Zeit der Geburt erwiesen ist (BIZR 12 Nr. 193 und 50
Nr. 40 = SJZ 9 S. 143 Nr. 33 und 47 S. 94 Nr. 30; ZbJV
57 S. 238; SJZ 34 S. 297 und 49 S. 62; EGGER N. 3 und
SILBERNAGEL N. 12 zu Art. 312; STAUFFER N. 4 zu Art.
2 NAG; SOHNITZER, Handbuch des Internationalen Privat-
rechts, 3. Aufl., Bd. I S. 429/30; GULDENER, Das In-
ternationale und Interkantonale Zivilprozessrecht der
Schweiz S. 57). Die vorinstanzliehe Entscheidung glaubt
sich in diesem Sinne auch auf BGE 77 II 120 berufen zu
können. Doch sieht dieses Urteil in Art. 312 ZGB zunächst
nur eine intern-schweizerische Norm, wonach es der
klagenden Partei frei steht, statt am schweizerischen
Wohnsitze des Beklagten (zur Zeit der Klage) an ihrem
eigenen schweizerischen Wohnsitz (zur Zeit der Geburt)
vorzugehen. Das Urteil bleibt dann allerdings nicht wie
gewisse Autoren bei diesem Ausgangspunkte stehen (vgl.
RAOHEL VUILLE. La recherche de la paternite, Genf 1917,
S.131/2; F. L. ZWEIFEL, Du for en matiere de filiation,
Lausanne 1924, S. 79/80), sondern nimmt für die Klage
gegen einen- im Auslande wohnenden Ausländer eine
analog dem Art. 312 ZGB auszufüllende Lücke des Bundes-
rechtes an. Erst auf diesem Wege gelangt das erwähnte
Präjudiz dazu, diesen an einen Wohnsitz der Klägerschaft
anknüpfenden Gerichtsstand auf die Klage gegen den
seit den intimen Beziehungen, auf die sich die Klage
stützt, ins Ausland verzogenen Ausländer auszudehnen,
und ebenso auf einen Ausländer, der gar nie in der Schweiz
gewohnt hat (vgl. auch Zeitschrift des bernischen Juristen-
vereins 89 S. 297). An dieser Betrachtungsweise ist fest-
zuhalten. Infolgedessen ist hier der Gerichtsstand in
Uster gegeben. Unerheblich ist, dass im Unterschied zum
Falle des Präjudizes der Geschlechtsverkehr, dem das Kind
Familienrecht. N° 59.
349
entstammen soll, im Auslande stattgefunden hat. Der Ort
der Schwängerung spielt keine Rolle, denn es handelt sich
um eine Klage aus Familienrecht, nicht aus unerlaubter
Handlung, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, den
Ort der Schwängerung etwa bei mehrmaligem Geschlechts-
verkehr dies- und jenseits der Grenze festzustellen. Es
muss das Personalstatut (Wohnsitz oder Heimat) der
beteiligten Personen massgebend sein. Ist es für das
anwendbare Recht nach schweizerischer Rechtsprechung
grundsätzlich der Wohnsitz des Beklagten zur Zeit der
Schwängerung (BGE 77 II 115), so kommt für den Ge-
richtsstand eben die in Art. 312 ZGB getroffene Ordnung
in Betracht, die sich nach dem Gesagten auf den vorliegen-
den Fall ausdehnen lässt. Nicht zu prüfen ist, ob dieser
doppelte Gerichtsstand in internationalen Fällen ganz
allgemein zur Geltung komme, gleichgültig ob weder die
Mutter noch der als Vater angesprochene Beklagte zur
Zeit der Schwängerung, die den Rechtsgrund der Klage
bildet, mit der Schweiz als Einwohner oder Staatsbürger
verbunden war. Wie dem auch sein möge, trifft im vor-
liegenden Falle, da die Mutter Schweizerin ist und schon
zur Zeit ihres Umganges mit dem Beklagten in der Schweiz
wohnte, der in Anlehnung an Art. 312 ZGB in Anspruch
genommene Gerichtsstand zu.
Dem steht nicht etwa die vom Beklagten behauptete
Anwendbarkeit des portugiesischen Rechtes für die mate-
rielle Beurteilung der Sache entgegen. « Die V aterschafts-
klage », für welche Art. 312 ZGB den Gerichtsstand
ordnet, kann freilich nur eine Klage sein, mit der Ansprüche
von solcher Art geltend gemacht werden, wie es der
Vaterschaftsklage des schweizerischen Rechtes einiger-
massen entspricht. Es ist aber nicht erforderlich, dass
dieses Recht als solches anwendbar sei. Der schweizerische
Richter kann auch ausländischem Recht unterstehende
Vaterschaftsklagen beurteilen (vgl. BGE 53 II 90, wonach
der heimatliche Gerichtsstand des Art. 3] 3 ZGB nicht die
Anwendung des schweizerischen Rechtes nach sich zieht).
350
Familienrecht. N° 60.
Im vorliegenden Falle wird übrigens genau im Sinne von
Art. 317 und 319 ZGB geklagt.
Keine Voraussetzung des Eintretens bildet endlich die
Möglichkeit, das mit der Klage erbetene Urteil alsdann
im Auslande, besonders im Heimat- und Wohnsitzstaate
des Beklagten zu vollziehen (BGE 77 II 122 oben).
Dispositiv
- Die Berufung wird abgewiesen und der Beschluss des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 11. Juli 1953 bestätigt.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
59. Urteil der 11. Zivil abteilung vom 10. Dezember 1953
i. S. Bastos de Barros gegen Bossard und deren Kind.
Gerichtsstand decr Vater8chaftsklage auf Verm6gensleistungen.
Auch gegen einen im Auslande .wohnenden Ausländer ist. die Kla~e
am schweizerischen WOhnsItz der klagenden ParteI zur Zelt
der Geburt entsprechend Art. 312 ZGB wenigstens d~ zu-
lässig, wenn die Mutter Schweizerin ist und schon zur Zelt der
intimen Beziehungen in der Schweiz Wohnsitz hatte. In welchem
Lande diese Beziehungen stattfanden, ist dafür ohne Belang.
For de l'action en paternite tendant a des prßc8tations pecuniaire8.
Meme lorsqu'elle est dirigee contre un etranger domicilie a l'et~an
ger, l'action peut etre portee, selon l'art. 31200, devant.le Juge
du domicile que la partie demanderesse avait en Swsse au
moment de la naissance, tout au moins lorsque la mere est de
nationalite suisse et etait deja domiciliee en Su~sse lors d~s
relations intimes. Peu importe a cet egard la questlOn de savOlr
dans quel pays ces relations ont eu lieu.
Foro deU'azione di paternitd per ottenere prestazioni pecuniarie.
Anche quando e diretta contro uno straniero domiciliato all'es~ro,
l'azione puo essere proposta, secondo l'art. 312 00, davantl al
346
Familienrecht. N° 59.
giudice deI domicilio ehe la parte attriee aveva in Isvizzera
al ~ome!lto ~ella n~ita dell'wante, almeno quando la madre
€I di nazlOnahtä. sVlzzera 0 era gia domiciliata in Isvizzera al
tempo delle relazioni intime. Nulla importa in quale paese
queste relazioni intime hanno avuto luogo.
A. -
Die vorliegende Vatersohaftsklage richtet sich
gegen einen Portugiesen, der seinen Wohnsitz stets in
Portugal hatte und noch hat. Die Mutter ist eine Schwei-
zerin, deren Wohnsitz sich schon zur Zeit der intimen
Beziehungen mit dem Beklagten in Uster befand. Dort
wohnte sie auch zur Zeit der Geburt und wohnt sie heute
noch. Der Geschlechtsverkehr, dem das in Uster geborene
Kind entstammen soll, fand in Portugal statt, wohin sich
die dann Mutter gewordene Klägerin begeben hatte.
B. -
Mutter und Kind verlangten mit der in Uster
angehobenen Klage Vermögensleistungen im Sinne von
Art. 317 und 319 ZGB. Der Beklagte erhob die Einrede
der örtlichen Unzuständigkeit, jedoch in beiden kantonalen
Instanzen ohne Erfolg. Mit vorliegender Berufung gegen
den Entscheid des Obergerichtes des Kantons Zürich vom
11. Juli 1953 hält der Beklagte an der Einrede fest.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung :
1. -
Der angefochtene selbständige Gerichtsstands-
entscheid unterliegt der Berufung nach Art. 49 OG. Auch
der erforderliohe Streitwert ist erreicht.
2. -
Die Vaterschaftsklage ist nach Art. 312 ZGB
beim Richter am schweizerischen Wohnsitze der klagenden
Partei zur Zeit der Geburt oder am Wohnsitz des Beklagten
zur Zeit der Klage anzubringen. Im vorliegenden Falle
hatten Mutter und Kind (vgl. BGE 61 II 146, 67 II 82)
ihren Wohnsitz zur Zeit der Geburt in Uster. Damit war
nach Ansicht der Vorinstanzen das dortige Gericht ohne
weiteres zuständig, ganz ohne Rücksicht auf den Wohnsitz
und die Staatsangehörigkeit des Beklagten. Dieser sieht
dagegen in Art. 312 ZGB in erster Linie eine intern-schwei-
zerische Gerichtsstandsnorm, die nicht uneingeschränkte
I
I
Familienrecht. N° 59.
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Anwendung gegenüber Ausländern mit Wohnsitz im Aus-
lande finden dürfe. Es ist ihm zuzugeben, dass die allge-
meine Fassung von i\.rt. 312 ZGB nicht hindert, diese
Vorschrift eng auszulegen. Einer im ZGB aufgestellten Ge-
riohtsstandsnorm ist übrigens nicht ohne weiteres der Wille
zuzuschreiben, die schweizerische gegenüber einer ausländi-
schen Gerichtsbarkeit abzugrenzen. Bei Vaterschaftsklagen
auf Zusprechung des Kindes mitStandesfolge (Art. 323ZGB)
gilt denn auch gegenüber Ausländern, selbst in der Schweiz
wohnenden, das in Art. 8/32 NAG aufgestellte Heimat-
prinzip, das die Anwendung von Art. 312 ZGB ausschliesst
(vgl. Bundesblatt 1922 II 579). Davon abweichend unter-
steht aber die Klage auf Vermögensleistungen dem Art. 8
NAG nicht. Überhaupt enthält das NAG keine die An-
wendung von Art. 3]2 ZGB auf solche Klagen ausschIies-
sende BestImmung. Geht die Klage auf Vermögensleistun-
gen gegen einen im Auslande wohnenden Schweizer, so
ergibt sich durch Gegenschluss aus Art. 3] 3 ZGB eindeutig,
dass sie, so gut wie allenfalls im Auslande, am schweizeri-
schen Wohnsitze der klagenden Partei zur Zeit der Geburt
angehoben werden kann. Und ein Ausländer in der Schweiz,
der sich ohnehin (nach Art. 2 in Verbindung mit Art. 32
NAG) an seinem Wohnsitze muss belangen lassen, unter-
steht bei derartigen Klagen ganz allgemein der schweize-
rischen Gerichtsbarkeit, also auch dem Art. 312 ZGB.
Was endlich die im Auslande wohnenden Ausländer
betrifft, so ist freilich für sie dem Art. 2 NAG nichts zu
entnehmen (vgl. BGE 77 II 120). Doch schIiesst dies die
Klage am (ausländischen) Wohnsitze, wo sie nach dortigem
Rechte zulässig sein mag, natürlich nicht aus. Das Fehlen
einer Regel des NAG für die im Auslande wohnenden
Ausländer hindert aber auch nicht deren. Belangung in
der Schweiz auf Grund des Art. 312 ZGB, an dem danach
zur Wahl stehenden Gerichtsstand . des Wohnsitzes der
klagenden Partei zur Zeit der Geburt. Wie es sich damit
verhält, ist Sache der Auslegung des Art. 312 ZGB selbst,
die sich nicht auf das NAG zu stützen braucht.
348
Familiemecht. No 59.
Nun anerkennen kantonale Entscheidungen, und mit
ihnen eine Reihe von Autoren, bei Vaterschaftsklagen
auf Vermögensleistungen diesen Gerichtsstand ohne wei-
tere Voraussetzungen und ausnahmslos, sofern nur eben
ein schweizerischer Wohnsitz der klagenden Partei zur
Zeit der Geburt erwiesen ist (BIZR 12 Nr. 193 und 50
Nr. 40 = SJZ 9 S. 143 Nr. 33 und 47 S. 94 Nr. 30; ZbJV
57 S. 238; SJZ 34 S. 297 und 49 S. 62; EGGER N. 3 und
SILBERNAGEL N. 12 zu Art. 312; STAUFFER N. 4 zu Art.
2 NAG; SOHNITZER, Handbuch des Internationalen Privat-
rechts, 3. Aufl., Bd. I S. 429/30; GULDENER, Das In-
ternationale und Interkantonale Zivilprozessrecht der
Schweiz S. 57). Die vorinstanzliehe Entscheidung glaubt
sich in diesem Sinne auch auf BGE 77 II 120 berufen zu
können. Doch sieht dieses Urteil in Art. 312 ZGB zunächst
nur eine intern-schweizerische Norm, wonach es der
klagenden Partei frei steht, statt am schweizerischen
Wohnsitze des Beklagten (zur Zeit der Klage) an ihrem
eigenen schweizerischen Wohnsitz (zur Zeit der Geburt)
vorzugehen. Das Urteil bleibt dann allerdings nicht wie
gewisse Autoren bei diesem Ausgangspunkte stehen (vgl.
RAOHEL VUILLE. La recherche de la paternite, Genf 1917,
S.131/2; F. L. ZWEIFEL, Du for en matiere de filiation,
Lausanne 1924, S. 79/80), sondern nimmt für die Klage
gegen einen- im Auslande wohnenden Ausländer eine
analog dem Art. 312 ZGB auszufüllende Lücke des Bundes-
rechtes an. Erst auf diesem Wege gelangt das erwähnte
Präjudiz dazu, diesen an einen Wohnsitz der Klägerschaft
anknüpfenden Gerichtsstand auf die Klage gegen den
seit den intimen Beziehungen, auf die sich die Klage
stützt, ins Ausland verzogenen Ausländer auszudehnen,
und ebenso auf einen Ausländer, der gar nie in der Schweiz
gewohnt hat (vgl. auch Zeitschrift des bernischen Juristen-
vereins 89 S. 297). An dieser Betrachtungsweise ist fest-
zuhalten. Infolgedessen ist hier der Gerichtsstand in
Uster gegeben. Unerheblich ist, dass im Unterschied zum
Falle des Präjudizes der Geschlechtsverkehr, dem das Kind
Familienrecht. N° 59.
349
entstammen soll, im Auslande stattgefunden hat. Der Ort
der Schwängerung spielt keine Rolle, denn es handelt sich
um eine Klage aus Familienrecht, nicht aus unerlaubter
Handlung, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, den
Ort der Schwängerung etwa bei mehrmaligem Geschlechts-
verkehr dies- und jenseits der Grenze festzustellen. Es
muss das Personalstatut (Wohnsitz oder Heimat) der
beteiligten Personen massgebend sein. Ist es für das
anwendbare Recht nach schweizerischer Rechtsprechung
grundsätzlich der Wohnsitz des Beklagten zur Zeit der
Schwängerung (BGE 77 II 115), so kommt für den Ge-
richtsstand eben die in Art. 312 ZGB getroffene Ordnung
in Betracht, die sich nach dem Gesagten auf den vorliegen-
den Fall ausdehnen lässt. Nicht zu prüfen ist, ob dieser
doppelte Gerichtsstand in internationalen Fällen ganz
allgemein zur Geltung komme, gleichgültig ob weder die
Mutter noch der als Vater angesprochene Beklagte zur
Zeit der Schwängerung, die den Rechtsgrund der Klage
bildet, mit der Schweiz als Einwohner oder Staatsbürger
verbunden war. Wie dem auch sein möge, trifft im vor-
liegenden Falle, da die Mutter Schweizerin ist und schon
zur Zeit ihres Umganges mit dem Beklagten in der Schweiz
wohnte, der in Anlehnung an Art. 312 ZGB in Anspruch
genommene Gerichtsstand zu.
Dem steht nicht etwa die vom Beklagten behauptete
Anwendbarkeit des portugiesischen Rechtes für die mate-
rielle Beurteilung der Sache entgegen. « Die V aterschafts-
klage », für welche Art. 312 ZGB den Gerichtsstand
ordnet, kann freilich nur eine Klage sein, mit der Ansprüche
von solcher Art geltend gemacht werden, wie es der
Vaterschaftsklage des schweizerischen Rechtes einiger-
massen entspricht. Es ist aber nicht erforderlich, dass
dieses Recht als solches anwendbar sei. Der schweizerische
Richter kann auch ausländischem Recht unterstehende
Vaterschaftsklagen beurteilen (vgl. BGE 53 II 90, wonach
der heimatliche Gerichtsstand des Art. 3] 3 ZGB nicht die
Anwendung des schweizerischen Rechtes nach sich zieht).
350
Familienrecht. N° 60.
Im vorliegenden Falle wird übrigens genau im Sinne von
Art. 317 und 319 ZGB geklagt.
Keine Voraussetzung des Eintretens bildet endlich die
Möglichkeit, das mit der Klage erbetene Urteil alsdann
im Auslande, besonders im Heimat- und Wohnsitzstaate
des Beklagten zu vollziehen (BGE 77 II 122 oben).
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird abgewiesen und der Beschluss des
Obergerichtes des Kantons Zürich vom 11. Juli 1953
bestätigt.