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79_III_124

BGE 79 III 124

Bundesgericht (BGE) ·III · 1953-09-03 · Deutsch CH
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Erwägungen (3 Absätze)

E. 1 (Prozessuales).

E. 2 Art. 158 Abs. 1 SchKG gibt nach seinem ·unmissverständlichen Wortlaut dem Gläubiger nur Anspruch

darauf, dass ihm gegebenenfalls bescheinigt wird, dass

das Pfand wegen ungenügenden Angebotes nicht verwertet werden konnte oder dass der Erlös die Forderung

nicht deckt. Ihm das Recht auf eine entsprechende Bescheinigung zuzugestehen und gestützt darauf das Vorgehen

nach Art. 158 Abs. 2 SckKG zu gestatten, wenn die

Verwertung des Pfandes wegen einer Drittansprache

unterblieben ist, wäre nur dann angängig, wenn die

wortgetreue Auslegung des Gesetzes zu unhaltbaren, dem

Sinne der gesetzlichen Vorschrift widersprechenden Folgen

führen würde. Davon kann keine Rede sein. Ist in einer

Pfandbetreibung, gegen die kein Rechtsvorschlag erhoben

wurde, die Verwertung an einer Drittansprache gescheitert, so ist die Vermutung für das Bestehen eines Forderungsrechtes des Betreibenden bei weitem nicht so stark,

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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 28.

wie wenn es bis zur Gant gekommen wäre. Die Berechtigung des Drittanspruchs kann ja für den Betriebenen

von vornherein so unzweifelhaft sein, dass er sich gar

nicht veranlasst sieht, den Fortgang der Betreibung

durch Rechtsvorschlag zu hemmen, sondern sich darauf

verlässt, dass der Dritte seinen Anspruch mit Erfolg

geltend machen werde. Es rechtfertigt sich daher nicht,

den Fall, dass es wegen eines Drittanspruchs nicht zur

Verwertung kommt, den in Art. 158 Abs. 1 erwähnten

Fällen gleichzustellen, d. h. dem Gläubiger auch in diesem

Falle die Möglichkeit zu geben, die Betreibung auf dem

Wege der Pfändung oder des Konkurses zu führen, ohne

dem Schuldner einen neuen Zahlungsbefehl zustellen zu

lassen und ihm dainit nochmals Gelegenheit zu geben, die

Forderung zu bestreiten. Gibt der Dritte, auf dessen

Widerspruch der Betriebene rechnete, sein Recht preis,

so kann die Pfandbetreibung freilich ihren Fortgang

nehmen und muss sich der Betriebene gegebenenfalls

gefallen lassen, dass der Betreibende einen Pfandausfallschein erhält und ihn gestützt darauf ohne neuen Zahlungsbefehl auf Pfändung oder Konkurs betreibt. Dies ist aber

kein Grund, dem Betriebenen die Möglichkeit, gegenüber

einer ordentlichen Betreibung für die zunächst auf dem

Wege der Pfandbetreibung geltend gemachte Forderung

Rechtsvorschlag zu erheben, auch dann zu entziehen,

wenn das Widerspruchsverfahren in der Pfandbetreibung

den von ihm erwarteten Verlauf genommen hat.

Welches im einzelnen Falle die Motive des Betriebenen

für die Unterlassung des Rechtsvorschlages gewesen

seien, haben die Betreibungsbehörden nicht zu prüfen.

Eine solche Untersuchung würde den Rahmen der ihnen

zustehenden Entscheidungsbefugnis überschreiten. Der

Umstand, dass es Fälle geben kann, in denen das erwähnte

Motiv massgebend ist, genügt, um die analoge Anwendung

von Art. 158 SchKG auf Fälle wie den vorliegenden auszuschliessen.

Wie zu entscheiden wäre, wenn der Betriebene in der

c

1

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 29.

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am Drittanspruch gescheiterten Pfandbetreibung Rechtsvorschlag erhoben hätte und dieser durch Rechtsöffnung

oder durch ein Urteil des ordentlichen Richters beseitigt

worden wäre, kann dahingestellt bleiben, weil es sich hier

nicht so verhält.

E. 3 Hat die Rekurrentin keinen Anspruch auf Ausstellung eines Pfandausfallscheines, so kann auch ihrem Eventualbegehren nicht entsprochen werden, die Fortsetzung ihrer Betreibung auf dem Wege der Pfändung anzuordnen. Dies wäre nichts anderes als eine Umgehung des Gesetzes, das dem Gläubiger nur dann erlaubt, von der Pfandbetreibung ohne neuen Zahlungsbefehl zur Betreibung auf Pfändung oder Konkurs überzugehen, wenn ihm ein Pfandausfallschein ausgestellt worden ist. Demnach erkennt die Sckuldbetr.- u. Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

28. Entseheid vom 3. September 1953 i. S. Rodax G.m.b.H.

Wenn in einer Pfandbetreibung, gegen die kein Rechtsvorschlag

erhoben wurde, das Pfand wegen einer Drittansprache nicht

verwertet werden kann, ist dem Betreibenden kein Pfandausfallschein auszustellen und kann er nicht verlangen, dass die

Betreibung auf dem Wege der Pfändung oder des Konkurses

fortgesetzt werde (Art. 158 SchKG).

Lorsque dans une poursuite en reaiisation de gage a laquelle il n'a

pas ete fait opposition le gage n'a pu etre realise en raison de la

revendication d'un tiers, on ne doit pas delivrer d'acte d'insuffesance de gage au creancier poursuivant et ce dernier n'a pas

le droit de demander que la poursuite soit continuee par voie

de saisie ou de faillite (art. 158 LP).

Se in un'esecuzione in via di realizzazione del pegno, nella quale

non e stata fatta opposizione, il pegno non puo essere realizzato

a motivo della rivendicazione d'un terzo, l'ufficio non deve

rilasciare un attestato d'insuffecienza di pegno al creditore procedente e questi non puo domandare il proseguimento dell'esecuzione in via di pignoramento o di fallimento (art. 158 LEF).

Am 1. September 1953 retinierte das Betreibungsamt

Zürich 11 bei Hans Honegger für eine Mietzinsforderung

der Rekurrentin als einzigen Gegenstand eine Couch.

Diese wurde von einem Dritten zu Eigentum beansprucht.

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 28.

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Nach Erhalt der Retentionsurkunde leitete die Rekurrentin

gegen Honegger unter Verzicht auf die bei Stellung des

Retentionsbegehrens angehobene Mietzinsbetreibung Nr.

21351 Betreibung auf Pfandverwertung ein (Nr. 36339).

Honegger erhob dagegen keinen Rechtsvorschlag. Nachdem die Rekurrentin durch Stillschweigen während der

ihr gemäss Art. 106 SchKG mit Formular Nr. 22 angesetzten Frist auf das Retentionsrecht an der Couch verzichtet hatte, ersuchte sie das Betreibungsamt, ihr einen

Pfandausfallschein auszustellen oder die Betreibung auf

dem Wege der Pfändung fortzusetzen~ Gegen den ablehnenden Bescheid des Betreibungsamtes vom 24. März

1953 führte sie Beschwerde. Von der untern und am 26.

Juni 195.3 auch von der obern kantonalen Aufsichtsbehörde

abgewiesen, hält sie vor Bundesgericht an ihrem Begehren

fest.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

zieht in Erwägung :

1. -

(Prozessuales).

2. -

Art. 158 Abs. 1 SchKG gibt nach seinem ·unmissverständlichen Wortlaut dem Gläubiger nur Anspruch

darauf, dass ihm gegebenenfalls bescheinigt wird, dass

das Pfand wegen ungenügenden Angebotes nicht verwertet werden konnte oder dass der Erlös die Forderung

nicht deckt. Ihm das Recht auf eine entsprechende Bescheinigung zuzugestehen und gestützt darauf das Vorgehen

nach Art. 158 Abs. 2 SckKG zu gestatten, wenn die

Verwertung des Pfandes wegen einer Drittansprache

unterblieben ist, wäre nur dann angängig, wenn die

wortgetreue Auslegung des Gesetzes zu unhaltbaren, dem

Sinne der gesetzlichen Vorschrift widersprechenden Folgen

führen würde. Davon kann keine Rede sein. Ist in einer

Pfandbetreibung, gegen die kein Rechtsvorschlag erhoben

wurde, die Verwertung an einer Drittansprache gescheitert, so ist die Vermutung für das Bestehen eines Forderungsrechtes des Betreibenden bei weitem nicht so stark,

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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 28.

wie wenn es bis zur Gant gekommen wäre. Die Berechtigung des Drittanspruchs kann ja für den Betriebenen

von vornherein so unzweifelhaft sein, dass er sich gar

nicht veranlasst sieht, den Fortgang der Betreibung

durch Rechtsvorschlag zu hemmen, sondern sich darauf

verlässt, dass der Dritte seinen Anspruch mit Erfolg

geltend machen werde. Es rechtfertigt sich daher nicht,

den Fall, dass es wegen eines Drittanspruchs nicht zur

Verwertung kommt, den in Art. 158 Abs. 1 erwähnten

Fällen gleichzustellen, d. h. dem Gläubiger auch in diesem

Falle die Möglichkeit zu geben, die Betreibung auf dem

Wege der Pfändung oder des Konkurses zu führen, ohne

dem Schuldner einen neuen Zahlungsbefehl zustellen zu

lassen und ihm dainit nochmals Gelegenheit zu geben, die

Forderung zu bestreiten. Gibt der Dritte, auf dessen

Widerspruch der Betriebene rechnete, sein Recht preis,

so kann die Pfandbetreibung freilich ihren Fortgang

nehmen und muss sich der Betriebene gegebenenfalls

gefallen lassen, dass der Betreibende einen Pfandausfallschein erhält und ihn gestützt darauf ohne neuen Zahlungsbefehl auf Pfändung oder Konkurs betreibt. Dies ist aber

kein Grund, dem Betriebenen die Möglichkeit, gegenüber

einer ordentlichen Betreibung für die zunächst auf dem

Wege der Pfandbetreibung geltend gemachte Forderung

Rechtsvorschlag zu erheben, auch dann zu entziehen,

wenn das Widerspruchsverfahren in der Pfandbetreibung

den von ihm erwarteten Verlauf genommen hat.

Welches im einzelnen Falle die Motive des Betriebenen

für die Unterlassung des Rechtsvorschlages gewesen

seien, haben die Betreibungsbehörden nicht zu prüfen.

Eine solche Untersuchung würde den Rahmen der ihnen

zustehenden Entscheidungsbefugnis überschreiten. Der

Umstand, dass es Fälle geben kann, in denen das erwähnte

Motiv massgebend ist, genügt, um die analoge Anwendung

von Art. 158 SchKG auf Fälle wie den vorliegenden auszuschliessen.

Wie zu entscheiden wäre, wenn der Betriebene in der

c

1

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 29.

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am Drittanspruch gescheiterten Pfandbetreibung Rechtsvorschlag erhoben hätte und dieser durch Rechtsöffnung

oder durch ein Urteil des ordentlichen Richters beseitigt

worden wäre, kann dahingestellt bleiben, weil es sich hier

nicht so verhält.

3. -

Hat die Rekurrentin keinen Anspruch auf Ausstellung eines Pfandausfallscheines, so kann auch ihrem

Eventualbegehren nicht entsprochen werden, die Fortsetzung ihrer Betreibung auf dem Wege der Pfändung

anzuordnen. Dies wäre nichts anderes als eine Umgehung

des Gesetzes, das dem Gläubiger nur dann erlaubt, von

der Pfandbetreibung ohne neuen Zahlungsbefehl zur

Betreibung auf Pfändung oder Konkurs überzugehen,

wenn ihm ein Pfandausfallschein ausgestellt worden ist.

Demnach erkennt die Sckuldbetr.- u. Konkurskammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.