Sachverhalt
Über die Mac Millian Company A.-G. in Basel
wurde am 14. April 1950 um 11.30 Uhr der Konkurs
eröffnet. Wenige Stunden früher hatte der vormalige
Angestellte Vogel mit Vollmacht des nach Südamerika
verzogenen Geschäftsführer Cral einen auf den Namen
der Gesellschaft versicherten Personenwagen Marke Stude-
baker für Fr. 5000.- an die Konrad Peter A.-'G. in Liestal
verkauft. Das Konkursamt Basel-Stadt « beschlagnahmte »
am 19. April 1950 den Wagen und am 26. Mai 1950 dann
auch den nach den Vertragsbestimmtmgen bis Ende Mai
zu zahlenden Kaufpreis. Die Käuferin hinterlegte hierauf
nach Abzug von Spesen den Betrag von Fr. 4920.- bei
der Gerichtskasse Basel-Stadt. Am 19. Juni 1950 teilte
das Konkursamt Basel-Stadt demjenigen von Liestal
mit, diese Hinterlegung werde aufgehoben, so dass die
Käuferin den hinterlegten Betrag wieder erhalte; sie sei
jedoch darauf aufmerksam zu machen, ({ dass die Be-
schlagnahmeverfügung vom 26./27. Mai 1950 nach wie
vor besteht, dass sie ohne Einwilligung des Konkursamtes
Basel-Stadt über die Fr. 4920.- nicht verfügen darf,
ansonst sie Gefahr der Doppelzahlung läuft I). Das er-
suchte Konkursamt gab dieser Weisung am 22. Juni 1950
Folge, indem es die Käuferin dahin unterrichtete, der
Kaufpreis werde « neuerdings » mit Beschlag belegt und
könne rechtsgültig nur dem unterzeichneten Amte bezahlt
werden.
B. -
Über die Beschlagnahme vom 26./27. Mai 1950
und ebenso über die
({ erneute» Beschlagnahme vom
19./22. Juni 1950 beschwerte sich der Verkäufer Vogel
mit dem Antrag, der Kaufpreis sei zur Zahlung an ihn
freizugeben.
O. -
Die kantonale Aufsichtsbehörde wies mit Ent-
scheid vom. 3. August 1950 die erste Beschwerde ab, weil
der Wagen nach dem Ergebnis der Prüfung der Gemein-
schuldnerin gehört habe und Vogel sich nicht in guten
Treuen als aus dem Verkaufe forderungsberechtigt halten
könne. Auf die zweite Beschwerde trat die Aufsichts-
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 U.
101
behörde nicht ein, weil das Konkursamt Basel-Stadt keine
zweite Beschlagnahme verfügt, sondern lediglich an der
frühem festgehalten habe, es also an einer neuen der
Anfechtung durch Beschwerde unterliegenden Verfügung
fehle.
D. -
Mit dem vorliegenden Rekurse hält Vogel an
beiden Beschwerden fest. Er hält dafür, nach Rückgabe
des von der Käuferin hinterlegten Preises sei eine neue
Beschlagnahme verfügt worden. Diese sei wie die erste
unzulässig, denn sie lasse sich nicht auf die Art. 221 und
223 SchKG stützen, und im übrigen sei er als Besitzer
der Forderungsurkunden als der wahre Gläubiger zu
vermuten, « bis durch gerichtliches Urteil die Zugehörig-
keit der Forderung zur Masse festgestellt» sei (BGE 50
III I).
Die Sch'ttldbetreibungs- und Konkurskammer
zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
24. Entscheid vom 12. September 1950 i. S. Vogel. Verkauf eines auf den Namen des Gemeinschuldners versicherten Automobils durch einen Dritten kurz vor der Konkurserc öffnung. Nimmt neben dem Verkäufer die Konkursmasse die Kaufpreisforderung für sich in Anspruch, und zeigt die Kon- kursverwaltung dies dem Käufer an, so hat man es mit einer rechtsgeschäftlichen Erklfu-ung, nicht mit einer nach Art. 17 ff. SchKG anfechtbaren Verfügung zu tun. Vente par un tiers, peu de t-emps avant l'ouverture de la faOOte, d'une automobile assuree au nom du failli. Si l'administra- tion de la faillite et le tiers se pretendent chacun creancier du chef de la vente et que l'administration de la faillite porte ce fait a la connaissance de l'acheteur, on est en presence d'une declaration de droit civil et non pas d'une decision attaquable en vertu des art. 17 et suiv. LP. Vendita da parte di un terzo, poco prima ehe fosse dichiarato il fallimento, di un'automobile assicurata al nome deI fallito. Se oItre al venditore anche l'Amministrazione deI fallimentQ accampa dei diritti sul credito derivante dalla vendita e se l'Amministrazione deI fallimento ne da comunicazione al compratore, si e in presenza di una dichiarazione di diritto civile e non di una decisione impugnabile in virtii delI 'art. 17 sgg. LEF.
100 Sohuldbetreibullgs- und KOllkursrecht. No 24. A. -Über die Mac Millian Company A.-G. in Basel wurde am 14. April 1950 um 11.30 Uhr der Konkurs eröffnet. Wenige Stunden früher hatte der vormalige Angestellte Vogel mit Vollmacht des nach Südamerika verzogenen Geschäftsführer Cral einen auf den Namen der Gesellschaft versicherten Personenwagen Marke Stude- baker für Fr. 5000.- an die Konrad Peter A.-'G. in Liestal verkauft. Das Konkursamt Basel-Stadt « beschlagnahmte » am 19. April 1950 den Wagen und am 26. Mai 1950 dann auch den nach den Vertragsbestimmtmgen bis Ende Mai zu zahlenden Kaufpreis. Die Käuferin hinterlegte hierauf nach Abzug von Spesen den Betrag von Fr. 4920.- bei der Gerichtskasse Basel-Stadt. Am 19. Juni 1950 teilte das Konkursamt Basel-Stadt demjenigen von Liestal mit, diese Hinterlegung werde aufgehoben, so dass die Käuferin den hinterlegten Betrag wieder erhalte; sie sei jedoch darauf aufmerksam zu machen, ({ dass die Be- schlagnahmeverfügung vom 26./27. Mai 1950 nach wie vor besteht, dass sie ohne Einwilligung des Konkursamtes Basel-Stadt über die Fr. 4920.- nicht verfügen darf, ansonst sie Gefahr der Doppelzahlung läuft I). Das er- suchte Konkursamt gab dieser Weisung am 22. Juni 1950 Folge, indem es die Käuferin dahin unterrichtete, der Kaufpreis werde « neuerdings » mit Beschlag belegt und könne rechtsgültig nur dem unterzeichneten Amte bezahlt werden. B. - Über die Beschlagnahme vom 26./27. Mai 1950 und ebenso über die ({ erneute» Beschlagnahme vom 19./22. Juni 1950 beschwerte sich der Verkäufer Vogel mit dem Antrag, der Kaufpreis sei zur Zahlung an ihn freizugeben. O. - Die kantonale Aufsichtsbehörde wies mit Ent- scheid vom. 3. August 1950 die erste Beschwerde ab, weil der Wagen nach dem Ergebnis der Prüfung der Gemein- schuldnerin gehört habe und Vogel sich nicht in guten Treuen als aus dem Verkaufe forderungsberechtigt halten könne. Auf die zweite Beschwerde trat die Aufsichts- Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 U. 101 behörde nicht ein, weil das Konkursamt Basel-Stadt keine zweite Beschlagnahme verfügt, sondern lediglich an der frühem festgehalten habe, es also an einer neuen der Anfechtung durch Beschwerde unterliegenden Verfügung fehle. D. - Mit dem vorliegenden Rekurse hält Vogel an beiden Beschwerden fest. Er hält dafür, nach Rückgabe des von der Käuferin hinterlegten Preises sei eine neue Beschlagnahme verfügt worden. Diese sei wie die erste unzulässig, denn sie lasse sich nicht auf die Art. 221 und 223 SchKG stützen, und im übrigen sei er als Besitzer der Forderungsurkunden als der wahre Gläubiger zu vermuten, « bis durch gerichtliches Urteil die Zugehörig- keit der Forderung zur Masse festgestellt» sei (BGE 50 III I). Die Sch'ttldbetreibungs- und Konkurskammer zieht in Erwägung: Ob die zweite Verfügung (vom 19./22. Juni) nur eine Bestätigung der ersten (vom 26./27. Mai) war und daher die zweite Beschwerde als eigentlich gegenstandslos zu betrachten ist, wie die kantonale Aufsichtsbehörde an- nimmt, oder ob das Konkursamt die erste Verfügung durch die zweite eingeschränkt und klargestellt hat, so dass vielmehr die erste Beschwerde als gegenstandslos erscheinen möchte, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls ergibt sich aus der zweiten Verfügung eindeutig, dass das Konkursamt, wenn vielleicht nicht schon zuvor, so doch jedenfalls hinfort die « Beschlagnahme» der Kaufpreis- forderung nur als Anzeige des Prätendentenstreites an die Drittschuldnerin verstanden wissen wollte. So betrach- tet, war die ({ Beschlagnahme» aber durchaus zulässig. Sie erweist sich als nichts anderes denn eine Anzeige privatrechtlichen Charakters, wie sie jedermann dem Schuldner abgeben darf, um ihn eben seine Anspruchs- berechtigung wissen zu lassen und einer Zahlung an andere Ansprecher mit befreiender Wirkung vorzubeugen
102 Schuldbetreibungs- und Konktu'~recht. N° ·25. (Art. 96 und 168, insbesondere Abs. 2 OR). Man hat es also, jedenfalls nach der zweiten Verfügung, keineswegs mit einer Admassierung zu tun, zum Zwecke, den Kläger im Sinne von Art. 242 SchKG in die Klägerrolle zu drän- gen (was freilich nicht anginge, vgl. BGE 76 III 9). Viel- mehr liegt nur eine Anzeige der erwähnten Art vor. Diese aber jst der Anfechtung durch Beschwerde überhaupt entzogen. Nimmt die Konkursmasse das Forderungsrecht für sich in Anspruch, so gibt es dagegen keine Beschwerde, denn diese Stellungnahme steht den Organen des Kon- kurses wie einer handlungsfähigen Privatperson zu. Der Rekurrent, also der andere. Forderungsprätendent, ist dadurch nicht in irgendwelchen Rechten verletzt. Er hat sich mit der Masse vor dem Richter über das Forderungs- recht auseinanderzusetzen. Dabei steht er der Masse als gleichberechtigte Partei gegenüber und kaml alle Grund- lagen seines Rechtes wie gegenüber einem sonstigen Prätendenten geltend machen. Stellt somit die ange- fochtene ((Beschlagnahme») nach Massgabe der zweiten Verfügung keine gegen den Rekurrenten getroffene Amts- verfügung dar, die dessen Rechten abträglich sein könnte, so erweist sich der Rekurs als unbegründet. Demnach erkennt die Sch'ltldbetr. u. Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.