Sachverhalt
Bei der Heirat im Jahre 1934 brachte der Ehemann den vom Vater geerbten, 'von ihm geführten Landwirtschaftsbetrieb in Wettingen in die Ehe ein. Am 17. Februar 1937 verkaufte er die Liegenschaft und erwarb am
4. März gleichen Jahres das Restaurant Freihof in Rapperswil, das die Eheleute dann gemeinsam mit Erfolg führten. Durch Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen, vom Bundesgericht am 11. März 1946 bestätigt, wurde die Ehe auf Begehren und aus Verschulden beider Parteien geschieden und die güterrechtliche Auseinandersetzung ad separatum verwiesen. Für diese haben sich die Parteien auf den 19. Juni 1944 als Stichtag geeinigt. In seinem Urteil vom 27. Januar 1949 berechnet das Kantonsgericht die Auseinandersetzung wie folgt : Eheliches Reinvermögen, inkl. liegenschaft zum Freihof im Werte von . . . . . . . . . . . . Fr. 146,000.- Fr. 65,941.97 Eingebrachtes Gut: Mann: Erlös aus Liegenschaft Wettingen Fr. 14,944.- Weitere eingebrachte Werte. 5,040.- Aktiven. . . . Fr. 19,984.- Passiven . " » 17,900.- Eingebrachtes Mannesgut netto . 'FTau: Eingebrachtes Frauengut . . . Zusammen eingebrachtes Gut . Vorschlag •• Fr. 2,084.- » 4,000.- Fr. 6,084.- Fr. 6,084.- Fr. 59,857.97 Familienrecht. N0 40. Anspruch deT Klägerin : Frauengut ... 1/3 Vorschlag . Daran erhalten Restforderung der Klägerin. Fr. 4,000.- » 19,952.66 Fr. 23,952.66 7,652.85 Fr. 16,299.81 275 Zur Bezahlung dieses Betrages ist der Beklagte verpflichtet worden. B. - Gegen dieses Urteil legte der Beklagte Berufung an das Bundesgericht ein mit dem Antrag, die Klage sei, soweit sie Fr. 6335.40 übersteige, abzuweisen. Mitte1st Anschlussberufung verlangt die Klägerin Erhöhung des ihr zugesprochenen Betrages um Fr. 1333.33 auf Fr. 17633.14.
Erwägungen (3 Absätze)
E. 1 Die Berufung des Beklagten richtet sich einzig
dagegen, dass bei der Berechnung seines eingebrachten
Mannesgutes der Erlös aus der von ihm eingebrachten und
1 während der Ehe verkauften Liegenschaft in Wettingen
(Fr. 14944.-d eingestellt werde; er verlangt, wie schon
vor den Vorinstanzen, dass statt dieses Erlöses das damit
gekaufte und daher kra.ft des Grundsatzes der dinglichen
Subrogation an dessen Stelle bzw. an die Stelle der verkauften Wettinger Liegenschaft getretene Restaurant Frei~
hof in Rapperswil mit seinem Werte als eingebrachtes
Mannesgut eingesetzt werde.
Nach den Feststellungen der Vorinstanz hat der Beklagte die Liegenschaft in Wettingen am 17. Februar 1937
für Fr. 93 500.- bzw., nach Abzug der Hypothekarschulden, für netto Fr. 31 000.- verkauft. An diesen Betrag
erhielt er Fr. 10650 in bar. Für den Rest von Fr. 20350.-
musste er Wertschriften und Guthaben an Zahlungsstatt
annehmen; daraus konnte er im ganzen nur Fr. 4000.-
realisieren; das Restguthaben repräsentiert noch einen
Wert von Fr. 294.-. So ergibt sich als Erlös aus der liegenschaft ein Betrag von Fr. 14944.-.
276
Familienrecht. N0 40.
Zwei Wochen nach dem Verkauf in Wettingen kaufte
der Beklagte die Wirtschaft zum Freihof in Rapperswil zum
Preise von. Fr. 115000.-. Von der Baranzahlung von
Fr. 8000.- plus Handänderungssteuer und Gebühren bestritt er Fr. 3306.80 aus eigenen Mitteln und Fr. 6000.-
aus einem Darlehen der Ersparnisanstalt Toggenburg.
Die Vorinstanz hat den Standpunkt des Beklagten, die
Wirtschaft in Rapperswil stelle eine Ersatzanschaffung für
die eingebrachte Liegenschaft in Wettingen und daher eingebrachtes Mannesgut dar, abgelehnt und als solches nur
den Verkaufserlös von Fr. 14944.- anerkannt.
Bei Beurteilung der streitigen Frage, welches Mannesgut dem Beklagten auf Grund dieses Tatbestandes angerechnet werden kann, ist auszugehen von Art. 154 ZGB,
wonach bei Scheidung der Ehe das eheliche Vermögen in
das Eigengut des Mannes und das Eigengut der Frau zerfällt. Eigengut (bzw. eingebrachtes Gut) jedes Ehegatten
ist alles Vermögen, das ihm bei der Eheschliessung gehörte
oder während der Ehe unentgeltlich anfiel (Art. 195 Abs. 1
ZGB, dazu BGE 5011433). Massgebend für die Bestimmung
des eingebrachten Gutes ist demnach (ausser dem nach
Eheabschluss unentgeltlich erworbenen Vermögen) der
Vermögensbestand zur Zeit der Eheschliessung. Jeder Ehegatte hat die von ihm eingebrachten Vermögenswerte, soweit sie bei der Scheidung noch vorhanden sind, in dem
Zustande, in dem sie sich befinden, zurückzunehmen. Bezüglich des eingebrachten Frauengutes bestimmt Art. 196
Abs. 2, dass während der Ehe zum Ersatz für Vermögenswerte der Ehefrau gemachte Anschaffungen wiederum zum
Frauengut gehören. Dieser Grundsatz der dinglichen Subrogation gilt auch für das Mannesgut (BGE 41 11 333, 58
11 326). Von Ersatzanschaffung kann aber nicht in jedem
Falle gesprochen werden, wo eine Sache aus dem Erlös einer
veräusserten angeschafft wird, sondern nur dann, wenn
angenommen werden darf, dass sie nach dem Willen der
Ehegatten im güterrechtlichen -Verhältnis an die Stelle der
veräusserten treten soll, wenn es sich also um eine An-Familienrecht. No 40.
277
lage des nämlichen Wertes in einem andern Objekt handelt.
Dieser Wille kann sich aus einer besonderen Abrede oder
aus den Umständen ergeben. Man wird auf solchen Willen
z. B. schliessen dürfen, wenn nach Verkauf eines Wertobjektes, das nicht der wirtschaftlichen Tätigkeit, sondern als Kapitalanlage diente, sofort ein anderes Objekt
gleicher Art im Sinne einer Kapitalanlage erworben wird,
z. B. wenn für zurückbezahlte oder verkaufte Obligationen
andere Wertpapiere gekauft werden. Dass das Ersatzobjekt gleicher Art sei und die Anschaffung sofort erfolge, ist immerhin nicht erforderlich. Wo diese Voraussetzungen aber nicht gegeben sind, ist in der Annahme
einer Ersatzanschaffung eine gewisse Zurückhaltung am
Platze, zumal wenn es sich um Mannesgut handelt. Der
Mann hat die für den Unterhalt der ehelichen Gemeinschaft
nötigen Mittel aufzubringen. Wenn er sein Einkommen aus
dem Liegenschaftenhandel zieht, kann er nicht behaupten
noch muss er sich entgegenhalten lassen, dass jede neu
erworbene Liegenschaft eine Ersatzanschaffung an Stelle
einer früher veräusserten sei mit der Folge, dass aller Gewinn und Verlust aus diesen Geschäften ihn allein, näm-
lieh das eingebrachte Mannesgut und nicht das eheliche
Vermögen, angehe. Kauf und Verkauf sind in solchen
Fällen Gegenstand der wirtschaftlichen Tätigkeit, Gewinne und Verluste stellen beide Ehegatten berührende
Vor- und Rückschläge dar.
Im vorliegenden Falle sind die Parteien einig, dass das
Bauerngewerbe in Wettingen verkauft wurde, weil sie die
landwirtschaftliche Tätigkeit, der es diente, aufgeben und
eine Wirtschaft erwerben wollten, um sich diesem Gewerbe
zuzuwenden. Ob sie es taten, weil die Frau in der Landwirtschaft keine Befriedigung fand und wegen ihrer Erfahrungen im Gastgewerbe eine Wirtschaft haben wollte, wie
der Beklagte behauptet, oder weil der Landwirtschaftsbetrieb nicht rentierte und der Mann sich darauf nicht mehr
halten konnte, wie die Klägerin behauptet, ist dabei ohne
Belang. Wesentlich ist nur, dass der Mann den Bauernhof
278
FamiJienrecht. N° 40.
nicht verkaufte und die Wirtschaft kaufte, um eine Neuanlage für sein im ersteren investiertes Kapital zu suchen,
sondern um sich die Basis für eine neue wirtschaftliche
Tätigkeit zu v~rschaffen, die man in Zukunft ausüben wollte
und die sich übrigens von der bisherigen auch insofern
grundsätzlich unterschied, als die leitende Rolle darin vorwiegend der Frau zukam. Unter diesen Umständen fällt
nicht nur der Kauf des Restaurants bereits in den Rahmen
dieser Tätigkeit, sondern bildete schon der Verkauf des
Bauernhofes eine Operation auf Rechnung des ehemaligen
Vermögens. Der Kauf des Restaurants kann umso weniger
als Ersatzanschafiung angesehen werden, als der Ehemann
auch über das eingebrachte Frauengut von Fr. 4 000.-
zur Zahlung seiner Schulden verfügt hatte, sodass es in
seinem, Vermögen aufgegangen war und sich daher vom
Kauf in Rapperswil, wirtschaftlich betrachtet, nicht sagen
liess, der Mann mache eine Ersatzanschafiung im Sinne
einer Neuanlage 8eines Vermögens. Gewinn und Verlust,
die der Beklagte bei diesen Geschäften und in der Folge
beim Wirtschaftsbetrieb machte, gehen zugunsten und zulasten des ehelichen Vermögens.
Daraus erfolgt, dass bei der güterrechtlichenAuseinandersetzung unter dem Eigengut des Mannes nicht der Wert
des Restaurants Freihof eingesetzt werden darf.
E. 2 Es stellt sich jedoch die weitere Frage, ob die
eingebrachte Liegenschaft in Wettingen mit ihrem Wert
zur Zeit der Heirat (1934) oder mit dem effektiven Reinerlös aus dem Verkauf im Jahre 1937 einzustellen ist. Vom
nominellen Verkaufsnettoerlös von Fr. 31000.- brachte der
Beklagte, wie ausgeführt, wegen Verlustes an Zahlungsstatt übernommener schlechter!Titel nur Fr. 14 944.- ein,
welchen Betrag die Vorinstanz bei der Berechnung des
Mannesgutes eingestellt hat. Diese Lösung steht jedoch mit
der in Erwägung 1 dargelegten Beurteilung des Wechsels
im Liegenschaftsbesitz der Parteien nicht im Einklang.
Der Verkauf des Bauernhofes in. Wettingen steht mit dem
Kauf des Restaurants in Rapperswil insofern in direkter
FamiJienrecht. N0 40.
279
Beziehung, als ersterer die Voraussetzung, eine Vorbereitungshandlung für den letzteren war. Man verkaufte, um
eine Wirtschaft zu kaufen; der Erwerb eiper solchen war
schon vor dem Verkauf des Hofes in Aussicht genommen.
Wie der Kauf des Restaurants, so erfolgte auch der Verkauf des Bauernhofes im Zuge einer Neugestaltung der
wirtschaftlichen Tätigkeit im Interesse der ehelichen Gemeinschaft. Wenn sich dabei ein Verlust ergab, muss er
ebensogut auf Rechnung des ehelichen Vermögens gehen
und von diesem als Rückschlag getragen werden, wie der
Wertzuwachs auf dem Freihof in Ra pperswil als Vorschlag
heiden Ehegatten zugute kommt. Der vorliegende Fall liegt
wesentlich anders als der in BGE 62 II 335 ff. beurteilte,
wo der Erlös einer in Deutschland liquidierten Liegenschaft
des Mannes aus währungstechnischen Gründen nur teilweise in die Schweiz gebracht werden konnte (S. 341). Da
sowohl Kauf als Verkauf Massnahmen im Rahmen der
wirtschaftlichen Tätigkeit der Parteien darstellen, wäre es
unbillig, den Mann den in Rapperswil erzielten Gewinn
mit der Frau teilen, den in Wettingen erlittenen Verlust
aber allein tragen zu lassen. Als Mannesgut ist also
nicht der nach Abzug der Nonvaleurs verbliebene Resterlös, sondern der Wert des Bauernhofs zur Zeit des Eheschlusses (1934) einzustellen. Als solcher darf unbedenklich der beim Verkauf drei Jahre später erzielte über die
Hypotheken hinausgehende Nominalerlös von Fr. 31 000.-
angenommen werden (wird näher ausgeführt) ... Damit vermindert sich der Vorschlag um die Differenz auf Fr. 43 801. 97,
der Drittel der Klägerin daran auf Fr. 14600.65 und der
ihr zukommende Saldo auf Fr. 10947.80 ...
E. 3 Mit der Anschlussberufung verlangt die Klägerin, dass die Liegenschaft Freihof in Rapperswil in der Berechnung des ehelichen Vermögens statt mit Fr. 146000.- mit Fr. 150000.- eingestellt werde, ge.stützt auf die Bemerkung der gerichtlich bestellten Experten, es sei möglich, dass Käufer « ohne Kenntnis der Verhältnisse und ohne Prüfungsfähigkeit» mehr bieten würden, eventuell 280 Erbrecht. N0 41. maximal bis Fr. 150000.-. Indessen ist der Beklagte gar nicht verpflichtet, die Liegenschaft zu verkaufen; er kann sie behalten und muss sie sich nur zum wirklichen Verkehrswert an~chnen lassen, nicht zu einem Wert, den ein unvorsichtiger Käufer vielleicht bieten würde. Falls er sie aber sollte verkaufen wollen, dürfte ihm nicht zugemutet werden, einen solchen Käufer zu suchen und seine Schwäche auszunützen. Ob der wirkliche Wert, wie er vernünftiger- und anständigerweise vereinbart werden dürfte, 146000 Franken beträgt, ist eine Frage tatsächlicher Natur; die Vorinstanz hat sie auf Grund sachverständiger Schätzung bejaht, und dabei muss es sein Bewenden haben.
Dispositiv
- Die Hauptberufung wird teilweise gutgeheissen und das angefochtene Urteil dahin abgeändert, dass die vom Beklagten gemäss Dispositiv 2 an die Klägerin zu bezahlende Summe auf Fr. 10 947.80 herabgesetzt wird. Die Anschlussberufung wird abgewiesen. IH.ERBRECHT DROIT DES SUCCESSIONS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
40. Urteil der II. Zivilabteilung vom 30. September 1949
i. S. Meier gegen Schwarz.
273
Giüerrechtliche Auseinandersetzung bei Scheidung, Art. 154 ZGB.
1. Eigengut des Mannes: Bei Erwerb einer Liegenschaft mit dem
Erlös einer vom Manne in die Ehe eingebrachten und in der
Folge veräusserten ist Ersatzansehaffung (dingliche Subrogation)
nicht anzunehmen, wenn Verkauf und Kauf nicht zum Zwecke
der Neuanlage des investierten Kapitals, sondern im Rahmen
der wirtschaftlichen Tätigkeit der Eheleute erfolgt (Art. 154,
195 Abs. 1, 196 Abs. 2 ZGB).
2. Wie der auf der neuen Liegenscbaft erzielte Gewinn, geht der
beim Verkauf der alten erlittene Verlust auf Rechnung des
ehelichen Vermögens (als Vor· bzw. Rückschlag).
3. Verkehrswert: ist nicht der übersetzte Wert, der allenfalls von
einem Käufer unter Ausnützung seiner Unkenntnis zu erzielen
wäre.
Liquidation des biens apres divorce. Art. 154 CC.
1. Propres du mari: L'achat d'un immeuble avec des fonds pro·
venant de la vente d'un immeuble apporte par le mari ne
constitue pas un remploi (subrogation reelle) si la vente a ew
faite dans le cadre de l'activiti economique des epoux et non pas
a titre de placement du capital qui avait ete investi dans l'immeuble vendu (art. 154, 195 a1. 1, 196 al. 2 CO).
.
2. La perte subie lors de Ia vente du premier immeuble doit etre
porree au compte des biens matrimoniaux tout comme Ia plus-value acquise par le nouvel immeuble (a titre de perte et de
Mnefice).
3. Valeur venale: Le prix exagere qu'on pourrait obtenir d'un
acheteur en profitant de son ignorance ne represente pas Ia
valeur venale de l'immeuble.
18
AS 75 II -
1949
274
Familienrooht. N0 40.
Liquidazione dei Tapporti patrimoniali. Art. 154 CC.
I. Beni di pt"oprietd det ma1'ito: L'acquisto d'un immobile che e
un apporto deI marito non oostituiBce un nuovo impiego (subroga.-
zione reale) se la vendita e stata fatta entro i Iimiti dell'attWitO,
econornica dei coniugi e non come collocamento deI capitale
ehe era stato.investito neU'immobile venduto (art. 154, 195 ep. 1,
196 cp. 2 CC).
2. La peTdita subita aU'atto deUa vendita deI primo immobile
dev'essere iscritta nel conto dei beni matrimoniali oosi oome il
plusvalore acquistato da! nuovo immobile.
3. Valm-e venale. TI prezzo esagerato che si potrebbe ottenere da
un acquirente profittando della sua ignoranza non rappresenta
il valore venale deU'immobile.
A. -
Bei der Heirat im Jahre 1934 brachte der Ehemann den vom Vater geerbten, 'von ihm geführten Landwirtschaftsbetrieb in Wettingen in die Ehe ein. Am 17. Februar 1937 verkaufte er die Liegenschaft und erwarb am
4. März gleichen Jahres das Restaurant Freihof in Rapperswil, das die Eheleute dann gemeinsam mit Erfolg führten.
Durch Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen, vom Bundesgericht am 11. März 1946 bestätigt, wurde die Ehe auf Begehren und aus Verschulden beider Parteien geschieden
und die güterrechtliche Auseinandersetzung ad separatum
verwiesen.
Für diese haben sich die Parteien auf den 19. Juni 1944
als Stichtag geeinigt.
In seinem Urteil vom 27. Januar 1949 berechnet das
Kantonsgericht die Auseinandersetzung wie folgt :
Eheliches Reinvermögen, inkl. liegenschaft zum Freihof im Werte
von . . . . . . . . . . . . Fr. 146,000.-
Fr. 65,941.97
Eingebrachtes Gut:
Mann:
Erlös aus Liegenschaft Wettingen Fr. 14,944.-
Weitere eingebrachte Werte.
5,040.-
Aktiven. . . .
Fr. 19,984.-
Passiven . "
» 17,900.-
Eingebrachtes Mannesgut netto .
'FTau:
Eingebrachtes Frauengut . . .
Zusammen eingebrachtes Gut .
Vorschlag ••
Fr. 2,084.-
»
4,000.-
Fr. 6,084.-
Fr.
6,084.-
Fr. 59,857.97
Familienrecht. N0 40.
Anspruch deT Klägerin :
Frauengut ...
1/3 Vorschlag .
Daran erhalten
Restforderung der Klägerin.
Fr. 4,000.-
»
19,952.66
Fr. 23,952.66
7,652.85
Fr. 16,299.81
275
Zur Bezahlung dieses Betrages ist der Beklagte verpflichtet worden.
B. -
Gegen dieses Urteil legte der Beklagte Berufung
an das Bundesgericht ein mit dem Antrag, die Klage sei,
soweit sie Fr. 6335.40 übersteige, abzuweisen.
Mitte1st Anschlussberufung verlangt die Klägerin Erhöhung des ihr zugesprochenen Betrages um Fr. 1333.33
auf Fr. 17633.14.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1. -
Die Berufung des Beklagten richtet sich einzig
dagegen, dass bei der Berechnung seines eingebrachten
Mannesgutes der Erlös aus der von ihm eingebrachten und
1 während der Ehe verkauften Liegenschaft in Wettingen
(Fr. 14944.-d eingestellt werde; er verlangt, wie schon
vor den Vorinstanzen, dass statt dieses Erlöses das damit
gekaufte und daher kra.ft des Grundsatzes der dinglichen
Subrogation an dessen Stelle bzw. an die Stelle der verkauften Wettinger Liegenschaft getretene Restaurant Frei~
hof in Rapperswil mit seinem Werte als eingebrachtes
Mannesgut eingesetzt werde.
Nach den Feststellungen der Vorinstanz hat der Beklagte die Liegenschaft in Wettingen am 17. Februar 1937
für Fr. 93 500.- bzw., nach Abzug der Hypothekarschulden, für netto Fr. 31 000.- verkauft. An diesen Betrag
erhielt er Fr. 10650 in bar. Für den Rest von Fr. 20350.-
musste er Wertschriften und Guthaben an Zahlungsstatt
annehmen; daraus konnte er im ganzen nur Fr. 4000.-
realisieren; das Restguthaben repräsentiert noch einen
Wert von Fr. 294.-. So ergibt sich als Erlös aus der liegenschaft ein Betrag von Fr. 14944.-.
276
Familienrecht. N0 40.
Zwei Wochen nach dem Verkauf in Wettingen kaufte
der Beklagte die Wirtschaft zum Freihof in Rapperswil zum
Preise von. Fr. 115000.-. Von der Baranzahlung von
Fr. 8000.- plus Handänderungssteuer und Gebühren bestritt er Fr. 3306.80 aus eigenen Mitteln und Fr. 6000.-
aus einem Darlehen der Ersparnisanstalt Toggenburg.
Die Vorinstanz hat den Standpunkt des Beklagten, die
Wirtschaft in Rapperswil stelle eine Ersatzanschaffung für
die eingebrachte Liegenschaft in Wettingen und daher eingebrachtes Mannesgut dar, abgelehnt und als solches nur
den Verkaufserlös von Fr. 14944.- anerkannt.
Bei Beurteilung der streitigen Frage, welches Mannesgut dem Beklagten auf Grund dieses Tatbestandes angerechnet werden kann, ist auszugehen von Art. 154 ZGB,
wonach bei Scheidung der Ehe das eheliche Vermögen in
das Eigengut des Mannes und das Eigengut der Frau zerfällt. Eigengut (bzw. eingebrachtes Gut) jedes Ehegatten
ist alles Vermögen, das ihm bei der Eheschliessung gehörte
oder während der Ehe unentgeltlich anfiel (Art. 195 Abs. 1
ZGB, dazu BGE 5011433). Massgebend für die Bestimmung
des eingebrachten Gutes ist demnach (ausser dem nach
Eheabschluss unentgeltlich erworbenen Vermögen) der
Vermögensbestand zur Zeit der Eheschliessung. Jeder Ehegatte hat die von ihm eingebrachten Vermögenswerte, soweit sie bei der Scheidung noch vorhanden sind, in dem
Zustande, in dem sie sich befinden, zurückzunehmen. Bezüglich des eingebrachten Frauengutes bestimmt Art. 196
Abs. 2, dass während der Ehe zum Ersatz für Vermögenswerte der Ehefrau gemachte Anschaffungen wiederum zum
Frauengut gehören. Dieser Grundsatz der dinglichen Subrogation gilt auch für das Mannesgut (BGE 41 11 333, 58
11 326). Von Ersatzanschaffung kann aber nicht in jedem
Falle gesprochen werden, wo eine Sache aus dem Erlös einer
veräusserten angeschafft wird, sondern nur dann, wenn
angenommen werden darf, dass sie nach dem Willen der
Ehegatten im güterrechtlichen -Verhältnis an die Stelle der
veräusserten treten soll, wenn es sich also um eine An-Familienrecht. No 40.
277
lage des nämlichen Wertes in einem andern Objekt handelt.
Dieser Wille kann sich aus einer besonderen Abrede oder
aus den Umständen ergeben. Man wird auf solchen Willen
z. B. schliessen dürfen, wenn nach Verkauf eines Wertobjektes, das nicht der wirtschaftlichen Tätigkeit, sondern als Kapitalanlage diente, sofort ein anderes Objekt
gleicher Art im Sinne einer Kapitalanlage erworben wird,
z. B. wenn für zurückbezahlte oder verkaufte Obligationen
andere Wertpapiere gekauft werden. Dass das Ersatzobjekt gleicher Art sei und die Anschaffung sofort erfolge, ist immerhin nicht erforderlich. Wo diese Voraussetzungen aber nicht gegeben sind, ist in der Annahme
einer Ersatzanschaffung eine gewisse Zurückhaltung am
Platze, zumal wenn es sich um Mannesgut handelt. Der
Mann hat die für den Unterhalt der ehelichen Gemeinschaft
nötigen Mittel aufzubringen. Wenn er sein Einkommen aus
dem Liegenschaftenhandel zieht, kann er nicht behaupten
noch muss er sich entgegenhalten lassen, dass jede neu
erworbene Liegenschaft eine Ersatzanschaffung an Stelle
einer früher veräusserten sei mit der Folge, dass aller Gewinn und Verlust aus diesen Geschäften ihn allein, näm-
lieh das eingebrachte Mannesgut und nicht das eheliche
Vermögen, angehe. Kauf und Verkauf sind in solchen
Fällen Gegenstand der wirtschaftlichen Tätigkeit, Gewinne und Verluste stellen beide Ehegatten berührende
Vor- und Rückschläge dar.
Im vorliegenden Falle sind die Parteien einig, dass das
Bauerngewerbe in Wettingen verkauft wurde, weil sie die
landwirtschaftliche Tätigkeit, der es diente, aufgeben und
eine Wirtschaft erwerben wollten, um sich diesem Gewerbe
zuzuwenden. Ob sie es taten, weil die Frau in der Landwirtschaft keine Befriedigung fand und wegen ihrer Erfahrungen im Gastgewerbe eine Wirtschaft haben wollte, wie
der Beklagte behauptet, oder weil der Landwirtschaftsbetrieb nicht rentierte und der Mann sich darauf nicht mehr
halten konnte, wie die Klägerin behauptet, ist dabei ohne
Belang. Wesentlich ist nur, dass der Mann den Bauernhof
278
FamiJienrecht. N° 40.
nicht verkaufte und die Wirtschaft kaufte, um eine Neuanlage für sein im ersteren investiertes Kapital zu suchen,
sondern um sich die Basis für eine neue wirtschaftliche
Tätigkeit zu v~rschaffen, die man in Zukunft ausüben wollte
und die sich übrigens von der bisherigen auch insofern
grundsätzlich unterschied, als die leitende Rolle darin vorwiegend der Frau zukam. Unter diesen Umständen fällt
nicht nur der Kauf des Restaurants bereits in den Rahmen
dieser Tätigkeit, sondern bildete schon der Verkauf des
Bauernhofes eine Operation auf Rechnung des ehemaligen
Vermögens. Der Kauf des Restaurants kann umso weniger
als Ersatzanschafiung angesehen werden, als der Ehemann
auch über das eingebrachte Frauengut von Fr. 4 000.-
zur Zahlung seiner Schulden verfügt hatte, sodass es in
seinem, Vermögen aufgegangen war und sich daher vom
Kauf in Rapperswil, wirtschaftlich betrachtet, nicht sagen
liess, der Mann mache eine Ersatzanschafiung im Sinne
einer Neuanlage 8eines Vermögens. Gewinn und Verlust,
die der Beklagte bei diesen Geschäften und in der Folge
beim Wirtschaftsbetrieb machte, gehen zugunsten und zulasten des ehelichen Vermögens.
Daraus erfolgt, dass bei der güterrechtlichenAuseinandersetzung unter dem Eigengut des Mannes nicht der Wert
des Restaurants Freihof eingesetzt werden darf.
2. -
Es stellt sich jedoch die weitere Frage, ob die
eingebrachte Liegenschaft in Wettingen mit ihrem Wert
zur Zeit der Heirat (1934) oder mit dem effektiven Reinerlös aus dem Verkauf im Jahre 1937 einzustellen ist. Vom
nominellen Verkaufsnettoerlös von Fr. 31000.- brachte der
Beklagte, wie ausgeführt, wegen Verlustes an Zahlungsstatt übernommener schlechter!Titel nur Fr. 14 944.- ein,
welchen Betrag die Vorinstanz bei der Berechnung des
Mannesgutes eingestellt hat. Diese Lösung steht jedoch mit
der in Erwägung 1 dargelegten Beurteilung des Wechsels
im Liegenschaftsbesitz der Parteien nicht im Einklang.
Der Verkauf des Bauernhofes in. Wettingen steht mit dem
Kauf des Restaurants in Rapperswil insofern in direkter
FamiJienrecht. N0 40.
279
Beziehung, als ersterer die Voraussetzung, eine Vorbereitungshandlung für den letzteren war. Man verkaufte, um
eine Wirtschaft zu kaufen; der Erwerb eiper solchen war
schon vor dem Verkauf des Hofes in Aussicht genommen.
Wie der Kauf des Restaurants, so erfolgte auch der Verkauf des Bauernhofes im Zuge einer Neugestaltung der
wirtschaftlichen Tätigkeit im Interesse der ehelichen Gemeinschaft. Wenn sich dabei ein Verlust ergab, muss er
ebensogut auf Rechnung des ehelichen Vermögens gehen
und von diesem als Rückschlag getragen werden, wie der
Wertzuwachs auf dem Freihof in Ra pperswil als Vorschlag
heiden Ehegatten zugute kommt. Der vorliegende Fall liegt
wesentlich anders als der in BGE 62 II 335 ff. beurteilte,
wo der Erlös einer in Deutschland liquidierten Liegenschaft
des Mannes aus währungstechnischen Gründen nur teilweise in die Schweiz gebracht werden konnte (S. 341). Da
sowohl Kauf als Verkauf Massnahmen im Rahmen der
wirtschaftlichen Tätigkeit der Parteien darstellen, wäre es
unbillig, den Mann den in Rapperswil erzielten Gewinn
mit der Frau teilen, den in Wettingen erlittenen Verlust
aber allein tragen zu lassen. Als Mannesgut ist also
nicht der nach Abzug der Nonvaleurs verbliebene Resterlös, sondern der Wert des Bauernhofs zur Zeit des Eheschlusses (1934) einzustellen. Als solcher darf unbedenklich der beim Verkauf drei Jahre später erzielte über die
Hypotheken hinausgehende Nominalerlös von Fr. 31 000.-
angenommen werden (wird näher ausgeführt) ... Damit vermindert sich der Vorschlag um die Differenz auf Fr. 43 801. 97,
der Drittel der Klägerin daran auf Fr. 14600.65 und der
ihr zukommende Saldo auf Fr. 10947.80 ...
3. -
Mit der Anschlussberufung verlangt die Klägerin,
dass die Liegenschaft Freihof in Rapperswil in der Berechnung des ehelichen Vermögens statt mit Fr. 146000.-
mit Fr. 150000.- eingestellt werde, ge.stützt auf die Bemerkung der gerichtlich bestellten Experten, es sei möglich, dass Käufer « ohne Kenntnis der Verhältnisse und
ohne Prüfungsfähigkeit» mehr bieten würden, eventuell
280
Erbrecht. N0 41.
maximal bis Fr. 150000.-. Indessen ist der Beklagte gar
nicht verpflichtet, die Liegenschaft zu verkaufen; er kann
sie behalten und muss sie sich nur zum wirklichen Verkehrswert an~chnen lassen, nicht zu einem Wert, den ein
unvorsichtiger Käufer vielleicht bieten würde. Falls er sie
aber sollte verkaufen wollen, dürfte ihm nicht zugemutet
werden, einen solchen Käufer zu suchen und seine Schwäche
auszunützen. Ob der wirkliche Wert, wie er vernünftiger- und anständigerweise vereinbart werden dürfte, 146000
Franken beträgt, ist eine Frage tatsächlicher Natur; die
Vorinstanz hat sie auf Grund sachverständiger Schätzung
bejaht, und dabei muss es sein Bewenden haben.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Hauptberufung wird teilweise gutgeheissen und das
angefochtene Urteil dahin abgeändert, dass die vom Beklagten gemäss Dispositiv 2 an die Klägerin zu bezahlende
Summe auf Fr. 10 947.80 herabgesetzt wird.
Die Anschlussberufung wird abgewiesen.
IH.ERBRECHT
DROIT DES SUCCESSIONS