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73_IV_143

BGE 73 IV 143

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1947-07-10 · Deutsch CH
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Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 und 2. - (Ausführungen darüber, dass nach Art. 350 Ziff. l Abs. 2 StGB der Gerichtsstand Neuenburg gegeben wäre, dass aber gestützt auf Art. 263 BStP aus Gründen der Zweckmässigkeit davon abzuweichen sei.)

E. 3 Die meisten Verbrechen hat der Beschuldigte im

Gebiete des Kantons Luzern ausgeführt, selbst wenn man

von den ungefähr dreissig Fällen von Betrug und Bettel

absieht, deren sich Schwendimann selbst beschuldigt und

die zum Teil verjährt, zum Teil nicht mehr abzuklären

sind. Im Kanton Luzern liegen auch der Geburts- und der

letzte· Wohnort des Beschuldigten, und dort ist dieser

heimatberechtigt. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als

sich dem Richter ernsthaft die Frage stellen wird, ob

144

Verfahren. N° 37.

Schwendimann gemäss Art. 42 StGB als Gewohnheitsver-

brecher zu verwahren sei. Dem Kanton Luzern kann die

Verwahrung seines Bürgers am besten zugemutet werden.

Gegenüber diesen Überlegungen vermag der Umstand,

dass der Untersuchungsrichter von Lenzburg sich auch mit

der Abklärung der ausserhalb des Kantons Aargau ver-

übten Taten Schwendimanns befasst hat, nicht den Aus-

schlag zu geben. Eine gewisse Abklärung war schon zur

Festsetzung des Gerichtsstandes geboten, und soweit der

Untersuchungsrichter im Interesse der Prozessökonomie

und weil Schwendimann in Lenzburg in Haft war, darüber

hinausgegangen ist, darf es dem Kanton Aargau nicht zum

Nachteil gereichen. Eine vorläufige Vereinigung der Un-

tersuchung in der Hand ein~r einzigen Behörde, bis eine

· sichere Grundlage zur Bestimmung des Gerichtsstandes

vorhanden ist, ist einem wiederholten Hin- und Herschie-

ben eines Verhafteten von einem Kanton in den andern

vorzuziehen.

Vgl. auch Nr. 30. -

Voir aussi n° 30.

1. STRAFGESETZBUCH

CODE PENAI~

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

37. Auszug aus dem Entscheid der Anklagekammer vom 10. Juli

1947 i. S. Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau gegen Staats-

anwaltschaften der Kantone Bern, Luzern und Neuenburg.

Art. 263 BStP (Art. 399 lit. e StGB}. Abweichung vom Gerichts-

stand des Art. 350 Ziff. 1 StGB.

Art. 263 PPF (art. 399 litt. e CP). Derogation au for de l'art. 350

eh. 1 CP.

Art. 263 PPF (art. 399 lett. e CP). Deroga al foro dell'a.rt. 350

cifra 1 CP.

Aus den Erwägungen :

1. -

und 2. -

(Ausführungen darüber, dass nach Art.

350 Ziff. l Abs. 2 StGB der Gerichtsstand Neuenburg

gegeben wäre, dass aber gestützt auf Art. 263 BStP aus

Gründen der Zweckmässigkeit davon abzuweichen sei.)

3. -

Die meisten Verbrechen hat der Beschuldigte im

Gebiete des Kantons Luzern ausgeführt, selbst wenn man

von den ungefähr dreissig Fällen von Betrug und Bettel

absieht, deren sich Schwendimann selbst beschuldigt und

die zum Teil verjährt, zum Teil nicht mehr abzuklären

sind. Im Kanton Luzern liegen auch der Geburts- und der

letzte· Wohnort des Beschuldigten, und dort ist dieser

heimatberechtigt. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als

sich dem Richter ernsthaft die Frage stellen wird, ob

144

Verfahren. N° 37.

Schwendimann gemäss Art. 42 StGB als Gewohnheitsver-

brecher zu verwahren sei. Dem Kanton Luzern kann die

Verwahrung seines Bürgers am besten zugemutet werden.

Gegenüber diesen Überlegungen vermag der Umstand,

dass der Untersuchungsrichter von Lenzburg sich auch mit

der Abklärung der ausserhalb des Kantons Aargau ver-

übten Taten Schwendimanns befasst hat, nicht den Aus-

schlag zu geben. Eine gewisse Abklärung war schon zur

Festsetzung des Gerichtsstandes geboten, und soweit der

Untersuchungsrichter im Interesse der Prozessökonomie

und weil Schwendimann in Lenzburg in Haft war, darüber

hinausgegangen ist, darf es dem Kanton Aargau nicht zum

Nachteil gereichen. Eine vorläufige Vereinigung der Un-

tersuchung in der Hand ein~r einzigen Behörde, bis eine

· sichere Grundlage zur Bestimmung des Gerichtsstandes

vorhanden ist, ist einem wiederholten Hin- und Herschie-

ben eines Verhafteten von einem Kanton in den andern

vorzuziehen.

Vgl. auch Nr. 30. -

Voir aussi n° 30.

1. STRAFGESETZBUCH

CODE PENAI~