Erwägungen (1 Absätze)
E. 1 Damit ein Stoff als Werkstoff gelten kann, müssen
die in Art. 18, Satz 1 WUStB aufgezählten positiven
Merkmale erfüllt sein (Entscheid vom 26. Mai 1944 LS.
Tellurium-Verlagsgesellschaft, Erw. 3, nicht publiziert).
Satz 2 spricht bestimmten Gegenständen die Werkstoff-
eigenschaft ab. Es sind Waren, denen diese Qualität von
vornherein fehlt. Daneben 'gibt es aber noch andere
Produkte, die bei der Herstellung von Waren verwendet
werden und für sie notwendig sind, die aber den in Satz 1
aufgestellten Erfordernissen nicht genügen und darum
nicht als Werkstoff angesprochen werden können.
Nach der massgebenden positiven Umschreibung im
Gesetz kommt Werkstoffeigenschaft zu den Rohstoffen
und den Zwischenerzeugnissen, die in das Produkt über-
gehen, sowie den im Herstellungsprozess entstandenen
Abfällen dieser Stoffe (vgl. BGE 71 I S. 186). Sie werden
beim übergang an den Hersteller steuerfrei gelassen
entsprechend dem Grundsatz der Einphasensteuer, wonach
der Grundstoff für die Warenerzeugung erst im End-
produkt erfasst werden soll und während des Herstellungs-
prozesses in der Regel unbelastet bleibt. Den Rohstoffen
und Zwischenerzeugnissen werden gleichgehalten Stoffe,
die im Herstellungsprozess für die Energieerzeugung oder
für ähnliche Zwecke aufgebraucht werden. Es wird ange-
nommen, dass die bei der Fabrikation verwendete Energie
in das Erzeugnis übergeht und aus diesem Grunde (im
Bundesrechtliehe Abgaben. N° 69.
453
System einer Einphasensteuer) im Endprodukt miterfasst
werden kann. Die Verwendung dieser Stoffe im Herstel-
lungsprozess erscheint als Durchgangsstadium im Hin-
blick auf ein dem endgültigen Verbrauche späterzuzufüh-
rendes Erzeugnis, zum Unterschied von Stoffen, die mit
der Verwendung im Herstellungsprozess aus dem Verkehr
ausscheiden. « Ähnliche Zwecke II sind Vorgänge im Her-
stellungsprozess, die ähnlich der Verwendung von Energie
ein Aufgehen des Stoffes im Endprodukt bewirken. Dabei
ist die Gleichstellung nicht eng zu halten; so werden
Schmiermittel den Stoffen für Energieerzeugung gleich-
gestellt, weH sich ihr Verbrauch in der Produktion ähnlich
auswirkt, indem er den Verbrauch von Energie herab-
setzt.
Die Werkstoffeigenschaft bestimmt sich demnach nicht
nach der Notwendigkeit eines Stoffes oder Gegenstandes
für die Produktion (auch Werkzeuge und Maschinen sind
dazu unerlässlich), sondern danach, ob der Stoff oder
Gegenstand im Ergebnis in einer, wenn auch entfernten
Weise noch irgendwie als Bestandteil des Endproduktes
(oder als Abfall) angesehen werden kann. In dem von der
Beschwerdeführerin angerufenen Falle (BGE 70 I S. 283)
wurde Graphitelektroden Werkstoffeigenschaft im wesent-
lichen deshalb zuerkannt, weil sie zu Zwecken der Energie-
erzeugung eingesetzt werden (Umwandlung von elektrischer
in Wärmeenergie), weil sie sich auf das Enderzeugnis
auswirken (Desoxydation) und weil der Stoff mit dazu
bestimmt ist, vom Endprodukte aufgenommen zu werden
(Aufkohlung) (vgl. Erw. 4 des Urteils, S; 290 ff.). Wo
solche Zwecke und Auswirkungen fehlen, kommt den in
der Fabrikation verwendeten Stoffen und Gegenständen
Werkstoffeigenschaft nicht zu; die Waren finden viel-
mehr im Herstellungsprozess selbst die bestimmungs-
gemäss endgültige Verwendung. Dieser sollen sie, nach
der Ordnung des Warenumsatzbeschlusses, nicht zugeführt
werden, ohne dass zuvor (beim Bezuge der Ware beim
Lieferanten oder beim Eigenverbrauch, Art. 13, lit. a
454
Verwaltungs- und Disziplinarrechtspfiege.
WUStB) die Abgabe e~trichtet worden ist oder entrichtet
wird.
2~ -
Filter- und Reagenzpapiere sind HiHsmittel für
die chemische Produktion. Sie dienen der Reinigung und
der Kontrolle der Erzeugnisse im Laufe des Herstellungs-
prozesses. Sie gehen aber in keiner Weise in, das Produkt
über, sondern werden als technische Hilfsmittel für die
Warenproduktion . im Betriebe des Herstellers bestim-
mungsgemäss aufgebraucht. Sie können daher bei der
Warenumsatzsteuer nicht als Werkstoff steuerfrei gelassen
werden. Dass sie für die Herstellung der Produkte not-
wendig sind und schon bei einmaliger Verwendung auf-
gebraucht werden, kann nicht dazu führen, ihnen Werk-
stoffeigenschaft beizumessen, da bei ihnen die wesentliche
Voraussetzung für eine solche Charakterisierung, der
Übergang in das Produkt, nicht in Frage kommen kann,
auch nicht in dem weiten Sinne, der in Gesetz und Praxis
als massgebend erklärt worden ist.
H. REGISTERSACHEN
REGISTRES
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
69. Urteil vom 14. Dezember 1945 i. S. F. Hoffmann-La Boche
& Co. gegen eidg. Steuerverwaitung.
Warenum8atz8teuer: Die in der chemischen Industrie verwendeten
Filter- und Reagenzpapiere sind nicht Werkstoff im Sinne von
Art. 18 WUStB.
Impat BUr le chiffre d'affaire8 : Les papiers a. filtrer et.les papiers
reactifs ne sont pas des matieres premieres au sens' de Fart. 18
ACA.
1 mpo8ta BUlla ei/ra d'affari : Le carte per filtri e le carte impregnate
di reattivi non sono materie prime a' sensi dell'art. 18 DICA.
A . . -
Die Beschwerdeführerin verwendet bei ihrer
'Fabrikation chemischer und pharmazeutischer Produkte
Filter- und Reagenzpapier. Sie betrachtet solche Papiere
als Werkstoff im Sinne von Art. 18 WUStB. Die eidg.
Steuerverwaltung hat diesen Standpunkt abgelehnt.
B. -
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird
beantragt festzustellen, dass Filter- und Reagenzpapier
als Werkstoff im Sinne von Art. 18 WUStB gelte, und die
-Bundeskasse zur Rückerstattung der unter Vorbehalt ent-
richteten Warenumsatzsteuer für Filter- und Reagenz-
papier anzuhalten.
In dem Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember
1944 i.8. Ce-Ce-Graphitwerke (BGE 70 I s. 283) sei fest-
gestellt worden, dass bei den Stoffen, die für der Energie-
erzeugung « ähnliche Zwecke » aufgebraucht werden, der
Begriff des Stoffes weit zu fassen sei und dass von einem
Aufgebrauchtwerden eines Stoffes nur dann gesprochen
werden könne, wenn von seiner Substanz in seiner bisheri-
gen Form und chemischen Zusammensetzung nichts übrig
bleibt, weil die herzustellende Ware den Stoff entweder
ganz oder zum Teil in sich aufnimmt oder weil der Verlust
beim Arbeitsgang sonst notwendig ist, um die herzustel-
lende Sache zu gewinnen. Diese Voraussetzungen seien bei
Filter- und Reagenzpapieren erfüllt. Die Papiere seien,
wie die Energie im Fabrikationsprozess, nötige Stoffe,
damit das Erzeugnis hergestellt werden kann. Es gehe
nicht an, den Begriff des ähnlichen Zweckes· nur auf
45~
Verwaltungs- lmd Disziplinarrechtspfiege.
Zwecke zu beziehen, die etwas mit Wärme zu tun haben;
vielmehr komme es darauf an, dass ihr Endzweck darin
bestehe, das Mittel zu' geben, ohne das die Produktion
nicht durchgeführt und das gewünschte Produkt nicht
hergestellt werden könnte. Demgemäss habe die Praxis,
neben Kohle, Treibstoffe und Schmiermittel als Werkstoff
behandelt. Einem solchen Zwecke diene auch das Filter-
und das Reagenzpapier .
Das Bundesgericht hat die Beschwerde abgewiesen
in Erwägung:
1. -
Damit ein Stoff als Werkstoff gelten kann, müssen
die in Art. 18, Satz 1 WUStB aufgezählten positiven
Merkmale erfüllt sein (Entscheid vom 26. Mai 1944 LS.
Tellurium-Verlagsgesellschaft, Erw. 3, nicht publiziert).
Satz 2 spricht bestimmten Gegenständen die Werkstoff-
eigenschaft ab. Es sind Waren, denen diese Qualität von
vornherein fehlt. Daneben 'gibt es aber noch andere
Produkte, die bei der Herstellung von Waren verwendet
werden und für sie notwendig sind, die aber den in Satz 1
aufgestellten Erfordernissen nicht genügen und darum
nicht als Werkstoff angesprochen werden können.
Nach der massgebenden positiven Umschreibung im
Gesetz kommt Werkstoffeigenschaft zu den Rohstoffen
und den Zwischenerzeugnissen, die in das Produkt über-
gehen, sowie den im Herstellungsprozess entstandenen
Abfällen dieser Stoffe (vgl. BGE 71 I S. 186). Sie werden
beim übergang an den Hersteller steuerfrei gelassen
entsprechend dem Grundsatz der Einphasensteuer, wonach
der Grundstoff für die Warenerzeugung erst im End-
produkt erfasst werden soll und während des Herstellungs-
prozesses in der Regel unbelastet bleibt. Den Rohstoffen
und Zwischenerzeugnissen werden gleichgehalten Stoffe,
die im Herstellungsprozess für die Energieerzeugung oder
für ähnliche Zwecke aufgebraucht werden. Es wird ange-
nommen, dass die bei der Fabrikation verwendete Energie
in das Erzeugnis übergeht und aus diesem Grunde (im
Bundesrechtliehe Abgaben. N° 69.
453
System einer Einphasensteuer) im Endprodukt miterfasst
werden kann. Die Verwendung dieser Stoffe im Herstel-
lungsprozess erscheint als Durchgangsstadium im Hin-
blick auf ein dem endgültigen Verbrauche späterzuzufüh-
rendes Erzeugnis, zum Unterschied von Stoffen, die mit
der Verwendung im Herstellungsprozess aus dem Verkehr
ausscheiden. « Ähnliche Zwecke II sind Vorgänge im Her-
stellungsprozess, die ähnlich der Verwendung von Energie
ein Aufgehen des Stoffes im Endprodukt bewirken. Dabei
ist die Gleichstellung nicht eng zu halten; so werden
Schmiermittel den Stoffen für Energieerzeugung gleich-
gestellt, weH sich ihr Verbrauch in der Produktion ähnlich
auswirkt, indem er den Verbrauch von Energie herab-
setzt.
Die Werkstoffeigenschaft bestimmt sich demnach nicht
nach der Notwendigkeit eines Stoffes oder Gegenstandes
für die Produktion (auch Werkzeuge und Maschinen sind
dazu unerlässlich), sondern danach, ob der Stoff oder
Gegenstand im Ergebnis in einer, wenn auch entfernten
Weise noch irgendwie als Bestandteil des Endproduktes
(oder als Abfall) angesehen werden kann. In dem von der
Beschwerdeführerin angerufenen Falle (BGE 70 I S. 283)
wurde Graphitelektroden Werkstoffeigenschaft im wesent-
lichen deshalb zuerkannt, weil sie zu Zwecken der Energie-
erzeugung eingesetzt werden (Umwandlung von elektrischer
in Wärmeenergie), weil sie sich auf das Enderzeugnis
auswirken (Desoxydation) und weil der Stoff mit dazu
bestimmt ist, vom Endprodukte aufgenommen zu werden
(Aufkohlung) (vgl. Erw. 4 des Urteils, S; 290 ff.). Wo
solche Zwecke und Auswirkungen fehlen, kommt den in
der Fabrikation verwendeten Stoffen und Gegenständen
Werkstoffeigenschaft nicht zu; die Waren finden viel-
mehr im Herstellungsprozess selbst die bestimmungs-
gemäss endgültige Verwendung. Dieser sollen sie, nach
der Ordnung des Warenumsatzbeschlusses, nicht zugeführt
werden, ohne dass zuvor (beim Bezuge der Ware beim
Lieferanten oder beim Eigenverbrauch, Art. 13, lit. a
454
Verwaltungs- und Disziplinarrechtspfiege.
WUStB) die Abgabe e~trichtet worden ist oder entrichtet
wird.
2~ -
Filter- und Reagenzpapiere sind HiHsmittel für
die chemische Produktion. Sie dienen der Reinigung und
der Kontrolle der Erzeugnisse im Laufe des Herstellungs-
prozesses. Sie gehen aber in keiner Weise in, das Produkt
über, sondern werden als technische Hilfsmittel für die
Warenproduktion . im Betriebe des Herstellers bestim-
mungsgemäss aufgebraucht. Sie können daher bei der
Warenumsatzsteuer nicht als Werkstoff steuerfrei gelassen
werden. Dass sie für die Herstellung der Produkte not-
wendig sind und schon bei einmaliger Verwendung auf-
gebraucht werden, kann nicht dazu führen, ihnen Werk-
stoffeigenschaft beizumessen, da bei ihnen die wesentliche
Voraussetzung für eine solche Charakterisierung, der
Übergang in das Produkt, nicht in Frage kommen kann,
auch nicht in dem weiten Sinne, der in Gesetz und Praxis
als massgebend erklärt worden ist.
H. REGISTERSACHEN
REGISTRES