Sachverhalt
Mit Verfügunge;n v'Om 25. Juni 1943 belastete der
Gemeinderat v'On Emmen F. Ruckli-Peyer und T. Seiler
gemäss den -
durch § 107 des luzernischen Steuergesetzes
vom '22. September 1922 in Kraft belassenen -
§§ 20 ff.
der kantonalen Steuergesetzn'Ovelle v'Om 28. Juli 1919 mit
Wertzuwachssteuern, berechnet v'Om Mehrerlös, den sie
bei der Enteignung v'On Grundstücken durch die Schwei-
zerische Eidgen'Ossenschaft gegenüber dem Erwerbspreis
erzielt hatten.
Die v'On den Betroffenen gegen die Besteuerung erh'O-
benen Rekurse wies der Regierungsrat des Kantons Luzern
am 22. Mai 1944 ab. Zur Begründung führte er im wesent-
lichen aus: Nach dem klaren W'Ortlaut des § 20 der Steuer-
gesetzn'Ovelle werde auch der bei einer Enteignung ent-
standene Wertzuwachs v'On der Steuer erfasst. ~
Be-
steuerung we:me nicht ausgeschl'Ossen durch Art. 92 des
Bundesgesetzes über die Enteignung v'Om 20. Juni 1930
(EntG), w'Onach für dell Eigentumsübergang inf'Olge Ent-
eignung keine Handänderungssteuern, s'Ondern nur Kanz-
leigebühren erh'Oben werden dürfen, welche v'Om Enteigner
zu tragen sind. Unter der Herrschaft des Bundesgesetzes
betreffend die Verbindlichkeit zur Abtretung v'On Privat-
rechten v'Om 1. Mai 1850 habe das Bundesgericht festge-
stellt, das Verb'Ot in Art. 44 dieses Gesetzes, bei der Ent-
eignung « irgend welche daherige Steuern oder Gebühren»
, zu· beziehen, betreffe die 'Vertzuwachssteuer nicht, da sie
nicht die Handänderung erfasse, s'Ondern die bis dahin
entstandene Vermehrung des Wertes der Liegenschaft
(BGE 51 I 358); die Enteignung sei nicht der Rechts-
grund, s'Ondern nur der äussere Anlass der Besteuerung
(BGE 50 I 143). Diese Erwägungen träfen auch auf Art. 92
EntG zu. Ruckli habe in keiner Eingabe an den Gemeinde-
rat deutlich verlangt, dass man ihn rechtzeitig über den
Bezug einer Wertzuwachssteuer 'Orientiere, damit er den
Betrag im Enteignungsverfahren geltend machen könne.
Ein solcher V'Orbehalt wäre auch wertl'Os gewesen, da diese
Steuer nicht v'Om Enteigner zu tragen sei (BGE 50 I 144).
Befreiung von kantonalen Abgaben. N° 60.
303
B. -
Mit der verwaltungsrechtlichen Klage beantragen
die beiden Betroffenen dem Bundesgericht, die Entscheide
des Regierungsrates aufzuheben und die Expr'Opriati'Ons-
entschädigung als nicht wertzuwachssteuerpflichtig zu
erklären. Sie machen geltend, die Rechtsprechung des
Bundesgerichtes zum alten eidgenössischen Enteignungs-
gesetz könne unter der Herrschaft des neuen Gesetzes
nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Wertzuwachs-
steuer sei eine Handänderungssteuer im Sinne des Art. 92
EntG. Ferner widerspreche die Verpflichtung des Enteig-
neten zu einer Wertzuwachssteuer dem Grundsatz der
v'Ollen Entschädigung nach Art. 16 EntG.
O. -
Der Regierungsrat schliesst auf Abweisung der
Klage.
Das Bundesgericht hat die Klage abgewiesen
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
60. Auszug aus dem UrteUvom 3. November 1944 i. S. Ruckli
und Seiler gegen Gemeinderat von Emmen und Regierungsrat
des Kantons Luzern.
Wenzuwachssteuer, Enteignung:
Weder Art. 92 (Verbot der Handänderungssteuer) noch Art. 16
des Bundesgesetzes über die EnteignUng vom 20. Juni 1930
(Grundsatz der vollen Entschädigung) befreit den Enteigneten
von der Steuer auf dem Mehrerlös, den er bei der Enteigmmg
eines Grundstücks gegenüber dem Erwerbspreis erzielt.
Impot BUr la plus-value, expropriation:
Ni l'art. 92 (qui interdit le prelevement de droits de mu.tation),
ni l'art. 16 de la Ioi du 20 juin 1930 su.r l'expropriation (principe
du dedommagement integral) ne s'oppose a ce que le canton
frappe l'exproprie d'un impöt sur la pIUB-valu.e realis6e lors de
l'expropriation d'un immeuble.
ImpoBta BUl maggior valore, espropriazione :
Ne l'art. 92 (divieto di riscuotere tasse di mutazione), ne l'art. 16
del1~ leggefederale sull'espropriazione deI 20 giugno 1930
(prificipio della piena indennita) esonera l'espropriato dall'imposta percepita dal cantone sul maggior valore realizzato
nell'espropriazione d'un immobile.
302
Verwaltungs. und Disziplinarrechtspftege.
A. -
Mit Verfügunge;n v'Om 25. Juni 1943 belastete der
Gemeinderat v'On Emmen F. Ruckli-Peyer und T. Seiler
gemäss den -
durch § 107 des luzernischen Steuergesetzes
vom '22. September 1922 in Kraft belassenen -
§§ 20 ff.
der kantonalen Steuergesetzn'Ovelle v'Om 28. Juli 1919 mit
Wertzuwachssteuern, berechnet v'Om Mehrerlös, den sie
bei der Enteignung v'On Grundstücken durch die Schweizerische Eidgen'Ossenschaft gegenüber dem Erwerbspreis
erzielt hatten.
Die v'On den Betroffenen gegen die Besteuerung erh'Obenen Rekurse wies der Regierungsrat des Kantons Luzern
am 22. Mai 1944 ab. Zur Begründung führte er im wesentlichen aus: Nach dem klaren W'Ortlaut des § 20 der Steuergesetzn'Ovelle werde auch der bei einer Enteignung entstandene Wertzuwachs v'On der Steuer erfasst. ~
Besteuerung we:me nicht ausgeschl'Ossen durch Art. 92 des
Bundesgesetzes über die Enteignung v'Om 20. Juni 1930
(EntG), w'Onach für dell Eigentumsübergang inf'Olge Enteignung keine Handänderungssteuern, s'Ondern nur Kanzleigebühren erh'Oben werden dürfen, welche v'Om Enteigner
zu tragen sind. Unter der Herrschaft des Bundesgesetzes
betreffend die Verbindlichkeit zur Abtretung v'On Privatrechten v'Om 1. Mai 1850 habe das Bundesgericht festgestellt, das Verb'Ot in Art. 44 dieses Gesetzes, bei der Enteignung « irgend welche daherige Steuern oder Gebühren»
, zu· beziehen, betreffe die 'Vertzuwachssteuer nicht, da sie
nicht die Handänderung erfasse, s'Ondern die bis dahin
entstandene Vermehrung des Wertes der Liegenschaft
(BGE 51 I 358); die Enteignung sei nicht der Rechtsgrund, s'Ondern nur der äussere Anlass der Besteuerung
(BGE 50 I 143). Diese Erwägungen träfen auch auf Art. 92
EntG zu. Ruckli habe in keiner Eingabe an den Gemeinderat deutlich verlangt, dass man ihn rechtzeitig über den
Bezug einer Wertzuwachssteuer 'Orientiere, damit er den
Betrag im Enteignungsverfahren geltend machen könne.
Ein solcher V'Orbehalt wäre auch wertl'Os gewesen, da diese
Steuer nicht v'Om Enteigner zu tragen sei (BGE 50 I 144).
Befreiung von kantonalen Abgaben. N° 60.
303
B. -
Mit der verwaltungsrechtlichen Klage beantragen
die beiden Betroffenen dem Bundesgericht, die Entscheide
des Regierungsrates aufzuheben und die Expr'Opriati'Onsentschädigung als nicht wertzuwachssteuerpflichtig zu
erklären. Sie machen geltend, die Rechtsprechung des
Bundesgerichtes zum alten eidgenössischen Enteignungsgesetz könne unter der Herrschaft des neuen Gesetzes
nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Wertzuwachssteuer sei eine Handänderungssteuer im Sinne des Art. 92
EntG. Ferner widerspreche die Verpflichtung des Enteigneten zu einer Wertzuwachssteuer dem Grundsatz der
v'Ollen Entschädigung nach Art. 16 EntG.
O. -
Der Regierungsrat schliesst auf Abweisung der
Klage.
Das Bundesgericht hat die Klage abgewiesen
in Erwägung :
Die v'Orlie:gende nach Art. 18 lit. a VDG erh'Obene verwaltungsrechtliche Klage setzt v'Oraus, dass das Recht
des Kant'Ons Luzern einer luzernischen Gemeinde gestatte,
den bei einer Enteignung nach eidgenössischem Recht
erzielten Mehrerlös ge:genüber dem Erwerbspreis mit der
Wertzuwachssteuer zu belegen. Die Kläger machen geltend, das Bundesrecht, nämlich Art. 92 und 16 EntG
befreie einen nach diesem Gesetz Enteigneten v'On der
Wertzuwachssteuer .
Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung zum
Bundesgesetz betreffend die Verbindlichkeit zur Abtretung
v'On Privatrechten v'Om 1. Mai 1850 entschieden, dass sich
das Verb'Ot des Bezugs irgend welcher daherigen (den
Übergang der enteigneten Rechte belastenden) Steuern
'Oder GebühreIl in Art. 44 (am Ende) dieses Gesetzes
lediglich auf Handänderungsabgaben beZIehe, W'OZU die
Steuer auf der Vermehrung des Wertes der enteigneten
Liegenschaft nicht gehöre, und dass eine s'Olche Besteuerung
a.uch nicht gegen den Grundsatz des v'Ollen Ersatzes aller
Vermägensnachteile (Art. 3 daselbst) verst'Osse (BGE 50 I
304
Verwaltungs- und. Disziplinarrechtspfiege.
141 ff., 51 1357 f.). An dieser Rechtslage hat das neue
EntG entgegen der Auffassung der Kläger nichts Wesentliches geändert. Abgeseh~n von den hier ausser Betracht
falleliden Kanzleigebühren bestätigt Art. 92 EntG lediglich
die bisherige Rechtsprechung, dass keine Handänderungssteuer zulässig sei. In seiner Botschaft an die Bundesversammlung (BBI 1926 II S. 92) führte der Bundesrat denn
auch aus, die Handänderungssteuer stehe· « im Gegensatz
zu einer Steuer, die von dem bei der Realisierung einer
Liegenschaft erzielten Gewinn erhoben wird, für deren
Ausschliessung ein stichhaltiger Grund nicht vorliegt».
Diese Auffassung wurde im Nationalrat von den Berichterstattern Sträuli und Pilet-Golaz geteilt (Sten. Bull., 1928,
NR., S. 822), welche freilich übersahen, dass die Steuer
auf dem bei Anlass der Enteignung zutage getretenen
Gewinn nicht vom Enteigner, sondern vom Enteigneten,
der ihn erzielt hat, zu entrichten ist (BGE 50 I 143, 51 I
357 f.; HESS, Enteignungsrecht des Bundes, Anm. 1 zu
Art. 92 EntG). Die Kläger verkennen den grundlegenden
Unterschied zwischen der Wertzuwachssteuer, einer Einkommenssteuer, und der Handänderungssteuer, einer
Rechtsverkehrssteuer (vgl. BLUMENSTEIN, Schweizerisches
Steuerrecht, Bd. I, S. 198 f., insbesondere Anm. 102). Demnach kann keine Rede davon sein, dass. die den Klägern
auferlegte Steuer eine nach Art. 92 EntG nicht zulässige
Handänderungssteuer sei oder durch den in Art. 16 EntG
bestätigten Grundsatz der vollen Entschädigung des Enteigneten ausgeschlossen werde.
IV. VERFAHREN
PROCEDURE
Vgl. Nr. 54. -
Voir n° 54.
305
A. STAATSRECHT -
DROIT PUBLIC
GERICHTSSTAND
FOR