Sachverhalt
Alfred Häuselmann betrieb die Wirtin Julie Stras-
ser in Zürich für rückständige Raten des Kaufpreises für
eine Registrierkasse und ei~en Radioapparat im Betrage
von Fr. 1100.-. Er wurde mit Fr. Siegenthaler, Gläubiger
für zwei Forderungen von zusammen rund Fr. 190.-, zu
einer Gruppe vereinigt, für die unter zahlreichen andern
Gegenständen die Registrierkasse im Schätzungswert von
Fr. 400.- und der auf Fr. 50.- geschätzte Radioapparat
gepfändet wurden. Die Pfändungsurkunde wurde am
28. Februar 1942 an die Gläubiger versandt. Durch Zu-
schrüt vom 21. April 1942 an das Betreibungsamt meldete
Häuselmann an der Registrierkasse und am Radioapparat
einen Eigentumsvorbehalt für seine Kaufpreisforderung
an. Das Betreibungsamt' gab Siegenthaler den Anspruch
bekannt und setzte ihm eine Frist von 10 Tagen zur Be-
streitung an.
Dieser führte Beschwerde gegen die Fristsetzung, indem
er unentschuldbare Verspätung der Anmeldung des Eigen-
tumsvorbehalts geltend machte. In einer andern Betrei-
bung der gleichen Schuldnerin habe Häuselmann am
12. März 1942 vom Betreibungsamt die Pfändung des
Anspruchs derselben gegenüber einer Witwe Rickenbacher
auf käufliche Übernahme der Registrierkasse und des
Radioapparates verlangt, worauf das Amt am 17. März
1942 eine Forderung der Pfändungsschuldnerin an Witwe
Rickenbacher von Fr. 1560.- aus diesem Kauf gepfändet
Sohnldbetreibungs. und Konkursreoht. No 51.
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habe. Häuselmann habe also damals auf den Eigentums-
vorbehalt verzichtet, um einen Verkauf der beiden Gegen-
stänru: durch die betriebene Schuldnerin zu ermöglichen
und die daraus entstehende Kaufpreisforderung für sich
pfänden zu lassen.
B. -
Die obere Aufsichtsbehörde des Kantons Zürich
hiess am 17. November 1942 in Bestätigung des Ent-
scheides der untern Instanz die Beschwerde gut.
O. -'- Hiegegen rekurrierte der Beschwerdegegner Häu-
se1mann an das Bundesgericht.
Die Sehuldbetreibungs- und Konhur8kammer
zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
51. Entscheid vom 19. Dezember 1942 i. S. Bäuselmann.
W iderspruchsverfakren. Der Ansprecher einer beim Schüldner
gepfändeten Sache verwirkt die Anmeldung seines Anspruchs
nur, wenn er sie arglistig verzögert (Bestätigung der neuem
Rech1;Sprechung). Ob er durch die Pfändu,ngsurkunde oder auf
lU
Sohnldbetreil?ungs- und Konkursrooht_ No IH.
andere Weise (sichere) Kenntnis von der Pfändung erhält,
ist gleichgültig.
T\erce oppos-itiOn. Celui' qui revendique un droit de propri~ ou
de gage sur une chose srusie chez le debiteur n 'ast dtSchu de son
droh .. de faire opposition que si c'ast malicieusement qu'il a.
tarde a. annoncer sa pretention (confirmation de la nouvelle
jurisprudence). Peu importe qu'il Bit eu connaiSS8dlce da la.
saisie par le proces-verbal de saisie ou autrement.
p,.ocedura di rivenaicazion6. Chi rivendica un diritto di propriet8.
o di pegno su una cosa pignorata. presso il debitore perde i1
suo diritto di opposizione soltanto se tarda. dolosamente a.d
annunciarlo (conferma della nuova giurisprudenza). E' irrile-
vante ch'egli abbia avuto certa conoscenza. del pignoramento
mediante i1 verbale deI pignoramento 0 in altro modo.
A. -
Alfred Häuselmann betrieb die Wirtin Julie Stras-
ser in Zürich für rückständige Raten des Kaufpreises für
eine Registrierkasse und ei~en Radioapparat im Betrage
von Fr. 1100.-. Er wurde mit Fr. Siegenthaler, Gläubiger
für zwei Forderungen von zusammen rund Fr. 190.-, zu
einer Gruppe vereinigt, für die unter zahlreichen andern
Gegenständen die Registrierkasse im Schätzungswert von
Fr. 400.- und der auf Fr. 50.- geschätzte Radioapparat
gepfändet wurden. Die Pfändungsurkunde wurde am
28. Februar 1942 an die Gläubiger versandt. Durch Zu-
schrüt vom 21. April 1942 an das Betreibungsamt meldete
Häuselmann an der Registrierkasse und am Radioapparat
einen Eigentumsvorbehalt für seine Kaufpreisforderung
an. Das Betreibungsamt' gab Siegenthaler den Anspruch
bekannt und setzte ihm eine Frist von 10 Tagen zur Be-
streitung an.
Dieser führte Beschwerde gegen die Fristsetzung, indem
er unentschuldbare Verspätung der Anmeldung des Eigen-
tumsvorbehalts geltend machte. In einer andern Betrei-
bung der gleichen Schuldnerin habe Häuselmann am
12. März 1942 vom Betreibungsamt die Pfändung des
Anspruchs derselben gegenüber einer Witwe Rickenbacher
auf käufliche Übernahme der Registrierkasse und des
Radioapparates verlangt, worauf das Amt am 17. März
1942 eine Forderung der Pfändungsschuldnerin an Witwe
Rickenbacher von Fr. 1560.- aus diesem Kauf gepfändet
Sohnldbetreibungs. und Konkursreoht. No 51.
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habe. Häuselmann habe also damals auf den Eigentums-
vorbehalt verzichtet, um einen Verkauf der beiden Gegen-
stänru: durch die betriebene Schuldnerin zu ermöglichen
und die daraus entstehende Kaufpreisforderung für sich
pfänden zu lassen.
B. -
Die obere Aufsichtsbehörde des Kantons Zürich
hiess am 17. November 1942 in Bestätigung des Ent-
scheides der untern Instanz die Beschwerde gut.
O. -'- Hiegegen rekurrierte der Beschwerdegegner Häu-
se1mann an das Bundesgericht.
Die Sehuldbetreibungs- und Konhur8kammer
zieht in Erwägung :
Ob der .Rekurrent dadurch auf sein vorbehaltenes Eigen-
tum verzlchtet hat, dass er die Pfändung der dem Vorbe-
halt unterworfenen Saohe für seine eigene Forderung zu-
nächst hingenommen, ja sogar in einer gleichzeitig lau-
fenden andern Betreibung die Forderung aus dem Verkauf
seines Eigentums seitens der Schuldnerin an eine Dritt-
person zur Pfändung angegeben hat, ist eine materiell-
rechtliche Frage, über die nur der Richter im Wider-
spruchsprozess entscheiden kann (BGE 52 III 163).
Dagegen ist es Sache des Betreibuhgsamtes und der mit
Beschwerde befassten Aufsichtsbehörden, darüber zu be-
finden, ob IIäuselmann das Recht verwirkt hat, das als
noch bestehend in Anspruch genommene Eigentum nöti-
genfalls im Widerspruchsverfahren gerichtlich feststellen
zu lassen mit der Folge, dass der Gegenstand desselben
aus der Betreibung ausscheide.
Die Vorinstanz will die neuere bundesgerichtliche Recht-
sprechung (BGE 67 III 65), wonach der Ansprecher einer
beim Schuldner gepfändeten Sache die Anmeldung seines
Anspru~hs nur verwirkt, wenn er sie arglistig verzögert,
d. h. IDlt seiner Säumnis darauf ausgeht, das Betreibungs-
verfahren zu stören, für den vorliegenden Fall nicht gelten
l~~, wo der Ansprecher, zugleioh Pfändungsgläubiger
fur eme Forderung, die sich mit der durch den Eigentums-
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Schuldbetreibungs- und KonkUl'81'eCht_ N° 61.
vorbehalt gesicherte~ decke, von der Pfändung durch eine
Abschrift der Pfändungsurkunde erfahren habe. Hier
müsse er den Eigentumsanspruch entsprechend der frü-
heren bundesgerichtlichen Praxis binnen 10 Tagen seit
Kenntnis von der Pfändung anmelden.
Allein dies wäre eine willkürliche Ausnahme ~om Grund-
satz des BGE 67 III 65, wovon abzugehen kein Anlass
vorliegt. Ob der Drittansprecher durch die Pfändungsur-
kundeoder auf andere Weise (sichere) Kenntnis von der
Pfändung erhält, ist gleichgültig. Vielmehr bleibt hier wie
dort die einzige Frage, .ob er arglistig, in der Absicht der
Verzögerung der Betreibung, gehandelt habe und darum
dulden müsse, dass sich der (andere) Gläubiger auf seine
Kosten, statt auf Kosten des Sohuldners, bezahlt maohe.
Der Rekurrent wusste um einen Kaufvertrag seiner
Schuldnerin mit einer Witwe Rickenbaoher über die beiden
in seinem Eigentum stehenden Pfändungsgegenstände. Er
liess nun (vorsorglioh) in einer weitern Betreibung gegen
die Pfändungsschuldnerin deren Kaufpreisforderung pfän-
den, was ihm für den Fall des Vollzugs des Kaufs besser
als der Eigentumsvorbehalt diente, da er auf diese Weise
für seine eigene ganze Saldoforderungvollständige Deckung
erhoffen konnte. Für den Verkauf der Registrierkasse und
des Radioapparates an Witwe Rickenbacher bildete die
Pfändung der beiden Gegenstände für seine Gruppe
praktisch kein Hindernis, wären gie doch du:rch Zurück-
ziehung seiner Gruppenbetreibung frei geworden, da ~e
beiden kleinen Betreibungen des andern Gruppengläubi-
gers duroh die verbleibenden Pfändungsgegenstände volle
Deckung gefunden hätten. Um den Vorteil, zum vollen
Kaufpreis zu kommen, ohne die Kaufgegenstände von
seiner Käuferin zurücknehmen zu müssen, nioht zu ver-
lieren, wartete er offenbar ab, wie sich das Kaufgeschäft
zwischen seiner Sohuldnerin und Witwe Rickenbacher ent-
wickeln werde; erst als es nioht perfekt wurde, meldete er
den Eigentumsvorbehalt an. Dieses unentschiedene Ver-
halten ist nicht Arglist im Sinne der bundesgerichtlichen
Bankengesetz.
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Praxis, sondern erlaubte Wahrnehmung seiner Interessen
durch denjenigen, den das Gesetz mit Absicht nicht dazu
verhält, in der Wahrung seiner Rechte am Pfändungs-
gegenstand mit für den (andern) pfändenden Gläubiger
rüoksichtsvoller Beschleunigung vorzugehen. Häuselmann
brauchte übrigens gar nicht zu erkennen, dass durch sein
Zuwarten sein Mitgläubiger geschädigt werden könnte;
denn eine Ergänzung der Pfändung zu dessen Gu:nsten
nach Ausscheiden der Gegenstände des Vorbehalts kam
überhaupt nicht in Frage, da naoh den Akten bereits alles
Pfändbare erfasst war.
Demnach erkennt die Sch'Uldbetr.- 'U. Konk'Urskarnrner :
Der Rekurs wird gutgeheissen und die Besohwerde des
Gläubigers Siegenthaler abgewiesen.
II. URTEILE DER ZIVILABTEILUNGEN
A"RR!TS DES SECTIONS CITILES
Siehe Nr. 48 des H. Teils. -
Voir le n° 48 de 1a He partie.
B. Bankengesetz. -
Lot sor les lJanques.
URTEILE DER ZIVILABTEILUNGEN
ARR~TS DES SECTIONS CIVILES
Siehe Nr. 48 des II. Teils. -
Voir le n° 48 de 1a He partie.