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64_I_334

BGE 64 I 334

Bundesgericht (BGE) · 1938-01-01 · Deutsch CH
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334

Verwaltungs. und Disziplinarreehtapflege.

liegenden Fall wirksam werden; denn hier ist der Wirt-

schaftsbetrieb ~icht untergeordnete Nebensache neben der

Verfolgung anderweitiger gemeinnütziger Zwecke, sondern

er ist die eigentliche Aufgabe des Vereins. Es ist daher

kein Zweifel, dass auch im Sinne jenes Entscheides die

Steuerfreiheit des Rekursbeklagten zu verneinen wäre.

Soweit der Rekursbeklagte aus seinen Erträgnissen

Zuwendungen fiir Wohlfahrtszwecke (Angestelltenfürsorge,

Bekämpfung des Alkoholismus) macht, können sie im

Sinne von Art. 48 II und 51 bei der Berechnung des

abgabepflichtigen Reingewinns in Abzug gebracht werden.

11. REGISTERSACHEN

REGISTRES

58. Urteil der I. Zivila.bteilung vom 22. November 1938

i. S. Kanaaae gegen Dr. Büttimann und Regierungsrat Zug.

Wie der ein t rag u n g

einer gelöschten Aktiengesellschaft

ins Ha nd eis r e gis t er: Voraussetzungen sind GI a u b.

h a f t mac h u n gei n e r

F 0 r der u n g gegen die ge-

löschte Gesellschaft sowie Bestehen eines rechtlich s c hut z-

w ü r d i gen I n t e res ses des Gesuchstellers.

A. -

Am 5. März 1938 wurde die Sunda Holding

A.-G. Zug in Liquidation im Handelsregister gelöscht,

nachdem die ausserordentliche Generalversammlung vom

15. Februar 1938 diese Löschung beschlossen und dabei

festgestellt hatte,

dass die Gesellschaft vollständig

liquidiert sei, dass keine Schulden der Gesellschaft mehr

vorhanden seien und dass das Aktienkapital den Aktio-

nären ausgehändigt worden sei.

Der Beschwerdeführer

verlangte die Wiedereintragung der Aktiengesellschaft,

indem er geltend machte, dass ihm für Dienste, die er

der Sunda Holding A.-G. auf Grund eines Abkommens

vom 19. Dezember 1934 in den Jahren 1936-1938 geleistet

RegistersacllCll. No 58.

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habe, eine Forderung von rund Fr. 57,000.- gegenüber

der gelöschten Firma zustehe.

Das kantonale Handelsregister-Bureau hat das Be-

gehren um Wiedereintragung dem Regierungsrat des

Kantons Zug zum Entscheide vorgelegt, der es mit

Beschluss vom 7./8. September 1938 abwies.

B. -

Gegen diesen Entscheid richtet sich die vor-

liegende verwaltungsrechtliche Beschwerde mit dem An-

trag, es sei die Wiedereintragung der Sunda Holding A.-G.

in Liq. auf deren Kosten zu verfügen. Der Liquidator

der gelöschten Aktiengesellschaft, Dr. C. Rüttimann in

Zug, lässt die Abweisung der Beschwerde beantragen,

während das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement

in seiner Vernehmlassung die Beschwerde als begiiindet

erachtet und auf ihre Gutheissung schliesst.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Nach ständiger Rechtsprechung darf eine Handels-

gesellschaft vor Beendigung der Liquidation nicht gelöscht

werden. Geschieht es dennoch, so können die Berechtigten

die Wiedereintragung verlangen.

Die Liquidation ist

nicht abgeschlossen, solange noch Verpflichtungen der

Handelsgesellschaft bestehen. Zur Stellung des Begehrens

auf Wiedereintragung genügt es, dass ein Gläubiger einen

Anspruch glaubhaft macht. Ein strikter Beweis ist nicht

erforderlich, sondern die endgültige Prüfung der Forderung

bleibt dem Zivilprozess vorbehalten (BGE 60 I S. 28;

59 II S. 59 und die mehrfachen dortigen Hinweise).

Durch die Vorlegung der Photokopie des Abkommens

vom 19. Dezember 1934 hat der Beschwerdeführer das

Bestehen eines Anspruches glaubhaft gemacht. Es wurden

ihm darin von der Sunda Holding A;-G. für « weiter-

hin» zu leistende Beratungen 4 % vom Reingewinn

mehrerer Betriebe versprochen, und der Beschwerdeführer

macht eingehende Ausführungen über die Tätigkeit, die

er zur Erfüllung des Abkommens im einzelnen entwickelt

hat.

AS 64 1-1938

22

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Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege.

2. -

Der Regierungsrat des Kantons Zug hat dennoch

das Gesuch uin Wiedereintragung abgelehnt mit dem

Hinweis darauf, dass die sämtlichen Aktiven der Sunda

Holding A.-G. ~ verteilt seien, und dass der Liquidator

für allfällig neu auftauchende Passiven die persönliche

Haftung übernommen habe. Unter Anrufung von zwei

bundesgerichtlichen Entscheiden (57 I S. 235ff. und

60 I S. 29) stell~ sich der Regierungsrat auf den Stand-

punkt, es fehle trotz der Glaubhaftmachung eines. An-

spruches an einem schutz würdigen Interesse an der

Wiedereintragung, wenn die gelöschte Gesellschaft kein

Vermögen mehr besitze, worauf der Gesuchsteller greifen

könnte, und ferner dann, wenn sich anstelle der Gesellschaft

dem Gläubiger ein neuer Schuldner an biete, demgegenüber

er seine Ansprüche geltend machen könne.

Richtig ist, dass in dem Entscheide 60 I S. 28 ff. das

Bundesgericht ein Begehren auf Wiedereintragung einer

Kommanditgesellschaft abgewiesen hat, da die Erben

des unbeschränkt haftenden Gesellschafters und der

beschränkt haftende Teilhaber sich damit einverstanden

erklärt hatten, dass die Forderung ihnen gegenüber

erhoben werde.

Damit wurde indessen dem Gläubiger

der direkte Zugriff ermöglicht gegenüber denjenigen, auf

die das Sondervermögen der Gesellschaft nach deren

Auflösung und Löschung übergegangen war, . sodass

sich sagen liess, es bestehe kein schutzwürdiges Interesse,

daneben noch die Gesellschaft ins Recht zu fassen, die

durch die gleichen Personen oder ihren Rechtsvorfahr

dargestellt worden war. Im vorliegenden Falle handelt

es sich aber um eine Drittperson, die sich als Prozesspartei

und Schuldner stellt; ein solcher Schuldnerwechsel ist

dem Gläubiger nicht zuzumuten. Er hat, wenn nicht,

wie im erwähnten Fall, zufolge der besondern Verhältnisse

eine Art von Personen- und Vermögensidentitätvorliegt,

das Recht, sich an den bisherigen Schuldner zu halten.

Im andern, vom Regierungsrat angezogenen Entscheid

wurde die Zahlungsunfähigkeit der in Frage stehenden

gelöschten Genossenschaft festgestellt und ferner aUS-

geführt, dass Rückforderungsansprüche wegen der vor-

zeitigen Rückleistung der Genossenschaftsanteile an die

Genossenschafter kaum ein positives Ergebnis zeitigen

dürften, weshalb ein schutz würdiges Interesse an der

Wiedereintragung der Genossenschaft und an der Fest-

stellung eines Anspruches ihr gegenüber fehle.

Dieser

Entscheid wie anch der vorher erwähnte beruhen auf

dem Grundsatz, dass es an einem schutzwürdigen Inte-

resse fehlt, wenn zum vornherein feststeht, dass der

Ansprecher durch die Wiedereintragung einer Firm~ und

durch sein Vorgehen gegen sie nichts erreicht oder doch

keinesfalls mehr als auf einem andern, ihm zumutbaren

Weg.

Im vorliegenden Fall scheint es durchaus möglich,

eine Rückleistung des zu früh zuruckbezahlten Aktien-

kapitals zu erreichen. Die Auflösung der Sunda Holding

A.-G. wurde erst am 12. Oktober 1937 beim Handels-

register angemeldet und von diesem am 21. gleichen

Monats publiziert. Die Verteilung des Vermögens erfolgte

somit in widerrechtlicher Weise vor Ablauf des Sperr-

jahres und der den Glänbigern zur Anmeldung ihrer

Ansprüche gesetzlich eingeräumten Frist.

Es besteht

also erhebliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Nach-

weis des bösen Glaubens der Begünstigten bei der Ver-

mögensverteilung zu erbringen und die Rückleistung

durchzusetzen sein wird. In diesem Falle aber hat der

Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse daran,

dass sein behaupteter Anspruch gegenüber der Aktien-

gesellschaft festgestellt wird.

In ähnlichem Sinne hat

das Bundesgericht entschieden in Sachen Betriebsgesell-

schaft des Cinema Kapitol in Bern A.-G. gegen Regierungs~

rat Bem (57 I S. 39 H.). Es wäre eine Verkümmerung

seiner Rechte, wenn man dem Gläubiger in einem Falle,

wie dem vorliegenden, wo in Ausserachtlassung der

gesetzlichen Vorschriften die Vermögensverteilung . er-

folgte, zumuten wollte, sich allein mit Verantwortlich-

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Verwaltungs. und Disziplinarreehtspflege.

keitsklagen gegenüber den Mitgliedern der Verwaltung

und dem Liqujdator zu begnügen.

Dtmlnach erkennt das Bundesgericht;

In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschluss

des Regierungsrates des Kantons Zug vQm 7./8. Sep-

tember 1938 aufgehoben und die Wiedereintragung der

Sunda Holding A.-G. in Iiq. ins Handelsregister des

Kantons Zug auf Kosten der Eintragungspflichtigen

angeordnet.

59. Arlit de 1110 1e Section civile du Ei decembre 1938·

dans la cause Amstutz contre Office federal

C1u registre du commerce.

Raison de commeree individuelle. Art. 38 ORO. AdmissibiIiM d~

la raison «Fiduciaire et Revision Amstutz » lorsqu'il est avere

qu'elle designe exactement t'activiM du titulaire dans Ia region

ou se trouve sa clientele.

Le mot ([ fiduciaire » a dans la Suisse romande un sens tres etendu

qui n'est pas identique a celui du mot fiducie.

A. -

Le recourant s'est etabli a Lausanne en 1932. Son

activite professionnelle consiste en « expertises comptables,

revisions, organisation et mise a jour de comptabilites com-

merciales ou sociales; constitution de societes, organisa-

tion et contröle d'afIaires commerciales ou industrielles;

gerance de fortunes; reorga~tions financieres; li quida-

tions et administration de successions; consultations en

matü~re financiere et fiscale ». Son bureau est connu sous

le nom « Fiduciaire Amstutz ».

Pour se conformer a Ja nouvelle ordonnance sur le

registre du commerce du 7 juin 1937, il a demande le 13 juin

1938 au Departement federal de justice et police l'autori-

sation de faire insCljre au registre Ja raison individuelle

« Fiduciaire Amstutz ». TI indiquait la profession d'expert-

comptable. Le 16 juin l'Office federal du registre du com-

merce repondit que l'activite d'un expert-comptable

Registersachen. No 59.

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n'etait pas celle d'un office fiduciaire. Le requerant precisa

alors par lettre du 24 juin son genre de travail, en faisant

observer qu'en Suisse romande et particulierement dans

le cantonde Vaud on donnait au mot « fiduciaire » un sens

tres etendu et que sonactivite etait celle des societes qui

introduisent ce vocable dans leurs raisons sociales, par

ex. : Societe fiduciaire suisse, a BaIe.

Le Departement federal prit l'avis du « Vorort» de

l'Union suisse du commerce et de l'industrie. Le 20 aout,

le Vorort preavisa negativement, d'accord avec la « Schweiz.

Kammer für Revisionswesen », en declarant ne pas pou-

voir approuver Ja maniere de voir de la Chambre da- com-

merce vaudoise, d'apres la quelle « l'argumentation de

M. Amstutz tient compte des usages du canton ». Le Vorort

s'eIeve contre laconfusion actuelle entre 1'activite fidu-

ciaire et celle d'un expert'-comptable. TI na faut pas Ja

toMrer dans une raison sociale. Celle-ci ne serait pas COll-

forme· a la verite ou, du moins, pourrait induire en erreur.

Au. surplus la raison choisie par le requerant est inad-

missible parce qu'elle renferme seulement le mot « fidu-

ciaire » et ne designe pas la veritable. activite de M. Am-

stutz. Ce mot « devrait etre accompagne d'autres deaigna-

tions mentionnant les autres activites, principales ou acces-

soires ».

Se fondant sur les arguments du Vorort, le Departement

fit savoir le 24aout a Amstutz qu'il ne l'autorisait pasa

faire inscrire son nom accompagne du seul mot « fiduci-

aire »; cette raison induirait le public en erreur; elle

devrait indiquer en premier lieu la profession d'expert-

comptable. L'Office ajoutait : « Nous Savons qu'il y a plu-

sieurs grandes socieres dont la raison ne mentionne·· que

l'activite fiduciaire quoiqu'elles s'occupent avant tout

d'expertises, d'organisations, de comptabilires, etc. Mais

nous ne pouvons pas demander a cessocietes qui existent

depuis des ~aines d'annees de modifier leurraison sodale.

D'autre part nous devons. eviter l'inscription de raisons

sociales qui ne,sont pas completement conformes aux faits. »