Sachverhalt
In der Grundpfandverwertungsbetreibung gegen
E. Zügel sind im Lastenverzeichnis entsprechend dem
Grundbuchauszug zwei Bauhandwerkerpfandrechte vor-
gemerkt, das eine, datiert 21. Juni 1935, im 3. Range für
Fr. 1640.10 zugunsten desM. Schaufelberger, das andere,
datiert 2. November 1935, im 4. Range für Fr. 4223.85
zugunsten des W. Reimann. Das Lastenverzeichnis blieb
unangefochten. Vom Pfanderlös wurde laut Verteilungs-
plan dem Schaufelberger die ganze Forderung, dem Rei-
mann nur ein Betrag von Fr. 1215.90 zugeteilt. Hiegegen
beschwerte sich Reimann mit dem Begehren, es sei dee
auf die Baupfandrechte entfallende Erlös nicht nach der
Rangbezeichnung, sondern gemäss Art. 840 ZGB im Ver-
hältnis der Pfandforderungen gleichmässig unter beidr
zu verteilen.
B. -
Im Gegensatze zur untern Aufsichtsbehörde hat
die obere die Beschwerde gutgeheissen. Sie führt aus,
durch die Nichtanfechtung des Lastenverzeichnisses sei
Reimann von der Geltendmachung seines Anspruches nicht
ausgeschlossen; denn die Rangbezeichnung der Baupfand-
rechte unter sich habe nicht den Sinn gehabt, dasjenige
im 3. Rang gehe dem seinigen vor. Diese Rangordnung sei
ohne materielle Bedeutung und ändere nichts am Grund-
satz des Art. 840 ZGB, wonach alle Baupfandrechte trotz
verschiedenem Datum und Rang bei der Verwertung so
behandelt werden sollen, als ob alle im gleichen Range
ständen. Eine in diesem Sinne gegen das Lastenverzeich-
nis gerichtete Klage wäre zwecklos gewesen; Grundbuch-
eintrag und Lastenverzeichnis seien vorschriftsgemäss
gewesen, und das Begehren hätte sich nur darauf beziehen
können, dass bei der Verteilung die Rangordnung nicht
berücksichtigt werden dürfe, was durch das Gesetz selbst
(Art. 840) dem Betreibungsamt vorgeschrieben sei.
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N0 1.
3
O. -
Gegen diesen Entscheid rekurriert Schaufelberger
an das Bundesgericht mit dem Antrag auf Bestätigung des
ursprünglichen Verteilungsplans, unter Berufung auf Art.
43 VZG, wonach Rang und Höhe der im Lastenverzeichnis
aufgeführten Pfandforderungen bei der Verteilung nicht
mehr angefochten werden können.
Die 8chUldbetreibungs- und Konkufskammer
zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 4 Schuldbetreibungs- und Konlrursreeht. N0 1.
eine fortlaufende Rangziffer haben, so auch zwei zeitlich
aufeinanderfolgende Baupfandrechte verschiedener Bau-
handwerker für Forderungen aus dem gleichen Bau.
Damit ist jedoch m a t e r i e 11 über ihre Stellung
zueinander nichts gesagt. Die Vorschrift der lex specialis
des Art. 840 ZGB über die Gleichberechtigung der Bau-
pfandrechte unter sich trifft in ihrer Wirkung nicht die
formelle ziffermässige Rangordnung derselben im Grund-
buch und Lastenverzeichnis, sondern bewirkt eine Än-
derung der
K 0 n s e q u e n zen,
welche nach der
lex generalis des Art. 817 der Rangstellung bei der Ver-
teil u n g zukommen.
Blieb daher die Übernahme der Rangangaben aus dem
Grundbuch in das Lastenverzeichnis ohne Einfluss auf
die in Art. 840 geordnete materielle Rangstellung der bei-
den BaupfandgIäubiger zueinander, so hatte der formell
im Range nachgehende Reimann im Lastenbereinigungsver-
fahren keinen Anlass, das Lastenverzeichnis bezw. den
Rang des vorgehenden Schaufelberger anzufechten. Eine
solche Klage hätte damals, wie die Vorinstanz zutreffend
ausführt, nur darauf gerichtet sein können, dass bei der
Ver t eil u n g auf den Rangunterschied der beiden
Baupfandrechte keine Rücksicht genommen werden dürfe,
hätte also eine Verfügung zum Gegenstande gehabt, die
in jenem Zeitpunkte noch gar nicht vorgenommen und'
auch noch nicht vorzunehm.en war und für welche, wenn
sie an die Reihe kam, zuhanden des Betreibungsamtes die
ausdrückliche Vorschrift des Art. 840 bestand. Erst bei
der Verteilung entfaltet diese Bestimm.ung, die für die
Baupfandrechte unter sich den Grundsatz « prior tempore
potior iure » durchbricht, ihre Wirkung. Durch diese Vor-
schrift sind die Baupfandgläubiger im Verhältnis zueinan -
der einer Anfechtung des Lastenverzeichnisses enthoben;
dem. Baupfandgläubiger, der es unterlässt, den bloss for-
mell-ziffermässig besseren Rang eines andern im Bereini-
gungsverfahren zu bestreiten, kann Art. 43 Abs. 1 bezw.
Art. 112 Abs. I VZG nicht entgegengehalten werden.
Sehuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 2.
'Vielmehr muss, wenn das Betreibungsamt, wie hier, sich
bei Aufstellung des Verteilungsplanes über Art. 840 hin-
wegsetzt, dem benachteiligten BaupfandgIäubiger das
Recht zugestanden werden, mitte1st Beschwerde an die
Aufsichtsbehörden den Verteilungsplan anzufechten, ob-
wohl dieser formell mit dem Lastenverzeichnis überein-
stimmt. Wenn der Rekurrent Schaufelberger als formell
im Range vorgehender BaupfandgIäubiger der Anwendung
des Art. 840 zugunsten des Reimann sich widersetzen
wollte, hätte e r
vielmehr im Lastenbereinigungsver-
fahren dem Pfandrecht des Reimann die Eigenschaft als
Baupfandrecht bestreiten müssen. Da diese Eigenschaft
bezüglich beider pfandrechte unbestritten ist, müssen die
auf jedes derselben entfallenden Pfanderlösanteile zusam-
mengelegt und auf die beiden Forderungen nach dem glei-
chen Prozentsatz verteilt werden, wie es die Vorinstanz
angeordnet hat.
Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
1. Entseheid vom ~. Januar 1987 i. S. Schauf.lberser. Verschiedene Bau h a n d wer k e r p fan d r e c h te erhalten nach dem Datum ihrer Eintragung im Grundbuch fortlaufende Rangziffern, unter welchen sie auch im Lastenverzeichnis aufgeführt werden. Die Vorschrift des Art. 840 ZGB betr. Gleichstellung untereinander ist erst bei der Ver t eil u n g zu berücksichtigen. Wegen Verletzung dieser Vorschrift ist nicht das Lastenverzeichnis, sondern der Verteilungsplan anzu- fechten. (Art. 840, 972, 817 ZGB; 40, 50 GBVo; 43 Abs. 1, 112 Abs. 1 VZG). Lorsque plusieurs artisan8 et entrepreneurs sont titulaires d'hypo- tMques legale8, celIes-ci sont numerotees en suivant et dans l'ordre de leur inscription au Registre foncier. EHes figurant a l'etat des charges sous leurs numeros d'ordre. La regle de rart. 840 CCS selon laquelIe le titulaire de ces hypotheques concourant entre eux a droit egal nedoit atre prise en conside- ration qu'au moment de Ia distribution des denier8. Ce n'est pas l'etat des charges mais bien l'etat de distribution des deniers qui doit etre conteste lorsque cette disposition est violee. (Art. 840, 972, 817 CCS; 40, 50 O. reg. f.; 43 aI. I, 112 al. 1 OR1). Quando vi siano piu ipotoohe leg~li d'operai ed imprenditori esse vanno numerizzate cronologicrunente alI'atto dell'iserizione, con eifre progressive. Con queste cifre devono figurare neH'elen- co oneri. La regola delI'art. 840 CC, secondo la quale queste ipoteche Iegali conferiscono eguali diritti ai creditori, vale AS 63 ITI - 1937
8chuldbetreibungs. und Konlrursrecht. N0 1. aJI'atto deI riparto del ricaoo. E non e l'eleneo oneri ma bensi 10 stato di ripartizione ehe va. impugnato quando detta dispo- sizione ais. stata viomta. (Art. 840, 972, 817 ce; 40, 50, O. reg. fond.; 43 ep.l, 112 ep. 1 O. real. 1. f.). A. - In der Grundpfandverwertungsbetreibung gegen E. Zügel sind im Lastenverzeichnis entsprechend dem Grundbuchauszug zwei Bauhandwerkerpfandrechte vor- gemerkt, das eine, datiert 21. Juni 1935, im 3. Range für Fr. 1640.10 zugunsten desM. Schaufelberger, das andere, datiert 2. November 1935, im 4. Range für Fr. 4223.85 zugunsten des W. Reimann. Das Lastenverzeichnis blieb unangefochten. Vom Pfanderlös wurde laut Verteilungs- plan dem Schaufelberger die ganze Forderung, dem Rei- mann nur ein Betrag von Fr. 1215.90 zugeteilt. Hiegegen beschwerte sich Reimann mit dem Begehren, es sei dee auf die Baupfandrechte entfallende Erlös nicht nach der Rangbezeichnung, sondern gemäss Art. 840 ZGB im Ver- hältnis der Pfandforderungen gleichmässig unter beidr zu verteilen. B. - Im Gegensatze zur untern Aufsichtsbehörde hat die obere die Beschwerde gutgeheissen. Sie führt aus, durch die Nichtanfechtung des Lastenverzeichnisses sei Reimann von der Geltendmachung seines Anspruches nicht ausgeschlossen; denn die Rangbezeichnung der Baupfand- rechte unter sich habe nicht den Sinn gehabt, dasjenige im 3. Rang gehe dem seinigen vor. Diese Rangordnung sei ohne materielle Bedeutung und ändere nichts am Grund- satz des Art. 840 ZGB, wonach alle Baupfandrechte trotz verschiedenem Datum und Rang bei der Verwertung so behandelt werden sollen, als ob alle im gleichen Range ständen. Eine in diesem Sinne gegen das Lastenverzeich- nis gerichtete Klage wäre zwecklos gewesen; Grundbuch- eintrag und Lastenverzeichnis seien vorschriftsgemäss gewesen, und das Begehren hätte sich nur darauf beziehen können, dass bei der Verteilung die Rangordnung nicht berücksichtigt werden dürfe, was durch das Gesetz selbst (Art. 840) dem Betreibungsamt vorgeschrieben sei. Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N0 1. 3 O. - Gegen diesen Entscheid rekurriert Schaufelberger an das Bundesgericht mit dem Antrag auf Bestätigung des ursprünglichen Verteilungsplans, unter Berufung auf Art. 43 VZG, wonach Rang und Höhe der im Lastenverzeichnis aufgeführten Pfandforderungen bei der Verteilung nicht mehr angefochten werden können. Die 8chUldbetreibungs- und Konkufskammer zieht in Erwägung : Die Vorschrift des Art. 972 ZGB, wonach die dinglichen Rechte ihren R a n g und ihr Datum durch die Eintragung in das Hauptbuch erhalten, gilt für alle (eintragungsbe- dürftigen) Grundpfandrechte, auch für die Bauhandwerker- pfandrechte. Dass dies der Fall ist, geht aus Art. 50 GBVo hervor, wonach die Eintragung dieser Pfandrechte, neben der Bezeichnung « Baupfandrecht », alle die in Art. 40 aufgezählten Angaben enthalten soll, also auch diejenige gemäss Art. 40 lit. e : « Pfandstelle (R a n g»). Wenn also verschiedene Bauhandwerker für ihre Forderungen aus dem gleichen Bau, aber voneinander unabhängig und zu verschiedenen Daten, Baupfandrechte eintragen lassen, so erhalten diese trotz Art. 840 nach dem Datum ihrer Ein- tragung fortlaufende Rangziffern. Dass dies so sein muss, leuchtet ein, sobald man sich den Fall vorstellt, dass zeit- lich zwischen zwei Baupfandrechten ein vertragliches Pfandrecht eingetragen wird. Wäre z. B. nach der Ein- tragung des Baupfandrechtes Schaufelberger im 3. Rang (21. Juni 1935) etwa am 1. August 1935 ein vertragliches . Pfandrecht zugunsten eines Dritten X im 4. Range einge- tragen worden, so hätte selbstverständlich Reimann für sein .am 2. November 1935 zur Eintragung gelangendes Baupfandrecht, trotzdem seine Forderung vom gleichen Bau herrührte,.nicht auch den 3 Rang wie Schaufelberger beanspruchen könneh, sondern nur den 5., sonst wäre das Pfandrecht des X im 4. Rang um den Betrag der Reimann- sehen Pfandforderung zurückgedrängt worden. Muss also grundsätzlich jedes zur Eintragung gelangende Pfandrecht
4 Schuldbetreibungs- und Konlrursreeht. N0 1. eine fortlaufende Rangziffer haben, so auch zwei zeitlich aufeinanderfolgende Baupfandrechte verschiedener Bau- handwerker für Forderungen aus dem gleichen Bau. Damit ist jedoch m a t e r i e 11 über ihre Stellung zueinander nichts gesagt. Die Vorschrift der lex specialis des Art. 840 ZGB über die Gleichberechtigung der Bau- pfandrechte unter sich trifft in ihrer Wirkung nicht die formelle ziffermässige Rangordnung derselben im Grund- buch und Lastenverzeichnis, sondern bewirkt eine Än- derung der K 0 n s e q u e n zen, welche nach der lex generalis des Art. 817 der Rangstellung bei der Ver- teil u n g zukommen. Blieb daher die Übernahme der Rangangaben aus dem Grundbuch in das Lastenverzeichnis ohne Einfluss auf die in Art. 840 geordnete materielle Rangstellung der bei- den BaupfandgIäubiger zueinander, so hatte der formell im Range nachgehende Reimann im Lastenbereinigungsver- fahren keinen Anlass, das Lastenverzeichnis bezw. den Rang des vorgehenden Schaufelberger anzufechten. Eine solche Klage hätte damals, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, nur darauf gerichtet sein können, dass bei der Ver t eil u n g auf den Rangunterschied der beiden Baupfandrechte keine Rücksicht genommen werden dürfe, hätte also eine Verfügung zum Gegenstande gehabt, die in jenem Zeitpunkte noch gar nicht vorgenommen und' auch noch nicht vorzunehm.en war und für welche, wenn sie an die Reihe kam, zuhanden des Betreibungsamtes die ausdrückliche Vorschrift des Art. 840 bestand. Erst bei der Verteilung entfaltet diese Bestimm.ung, die für die Baupfandrechte unter sich den Grundsatz « prior tempore potior iure » durchbricht, ihre Wirkung. Durch diese Vor- schrift sind die Baupfandgläubiger im Verhältnis zueinan - der einer Anfechtung des Lastenverzeichnisses enthoben; dem. Baupfandgläubiger, der es unterlässt, den bloss for- mell-ziffermässig besseren Rang eines andern im Bereini- gungsverfahren zu bestreiten, kann Art. 43 Abs. 1 bezw. Art. 112 Abs. I VZG nicht entgegengehalten werden. Sehuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 2. 'Vielmehr muss, wenn das Betreibungsamt, wie hier, sich bei Aufstellung des Verteilungsplanes über Art. 840 hin- wegsetzt, dem benachteiligten BaupfandgIäubiger das Recht zugestanden werden, mitte1st Beschwerde an die Aufsichtsbehörden den Verteilungsplan anzufechten, ob- wohl dieser formell mit dem Lastenverzeichnis überein- stimmt. Wenn der Rekurrent Schaufelberger als formell im Range vorgehender BaupfandgIäubiger der Anwendung des Art. 840 zugunsten des Reimann sich widersetzen wollte, hätte e r vielmehr im Lastenbereinigungsver- fahren dem Pfandrecht des Reimann die Eigenschaft als Baupfandrecht bestreiten müssen. Da diese Eigenschaft bezüglich beider pfandrechte unbestritten ist, müssen die auf jedes derselben entfallenden Pfanderlösanteile zusam- mengelegt und auf die beiden Forderungen nach dem glei- chen Prozentsatz verteilt werden, wie es die Vorinstanz angeordnet hat. Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.