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61_I_145

BGE 61 I 145

Bundesgericht (BGE) ·I · 1935-01-01 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Der Grundhuchverwalter der Stadt Solothurn lehnte eine vom Amtsgerichtspräsidenten von Solothurn- Lebern verfügte Eintragung eines Bauhandwerkerpfand- rechtes auf der Liegenschaft von Paul und Willy Stüdeli ab mit dem Hinweis darauf, dass den beiden Eigentümern der Liegenschaft Nachlasstundung erteilt worden war. B. - Auf Beschwerde des Baugläubigers hin wies die kantonale Aufsichtsbehörde das Grundbuchamt zur Vor- nahme der verweigerten Eintragung an. O. - Diesen Beschwerdeentscheid ficht der Grundbuch- verwalter mit verwaltungsgerichtlicher Beschwerde beim Bundesgericht an. AS 61 I - 1935 10 146 Verwaltungs. und DisziplinaiToohtspflege. lJa8 Bundesgericht zieht

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

18. t1rteil der II. Zivilabteilung vom 14. Februar 1936

i. S. Grundbuchverwalter von Solothurn gegen Meier

und Obergericht Solothurn.

Legitimation zur

Erhebung der verwal-

tun g s ger ich t li c h e n Be s c h wer d e (Art. 9 VDG) :

Sie steht dem Grundbuchverwalter nicht zu

gegenüber einem Entscheide der kantonalen Aufsichtsbehörde,

wodurch eine von ihm getroffene Verfügung aufgehoben oder

ihm eine Weisung erteilt worden ist.

(Tatbestand gekürzt.)

A. -

Der Grundhuchverwalter der Stadt Solothurn

lehnte eine vom Amtsgerichtspräsidenten von Solothurn-

Lebern verfügte Eintragung eines Bauhandwerkerpfand-

rechtes auf der Liegenschaft von Paul und Willy Stüdeli

ab mit dem Hinweis darauf, dass den beiden Eigentümern

der Liegenschaft Nachlasstundung erteilt worden war.

B. -

Auf Beschwerde des Baugläubigers hin wies die

kantonale Aufsichtsbehörde das Grundbuchamt zur Vor-

nahme der verweigerten Eintragung an.

O. -

Diesen Beschwerdeentscheid ficht der Grundbuch-

verwalter mit verwaltungsgerichtlicher Beschwerde beim

Bundesgericht an.

AS 61 I -

1935

10

146

Verwaltungs. und DisziplinaiToohtspflege.

lJa8 Bundesgericht zieht in Erwägung :

Zur Erhebmig der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist

berechtigt, wer im angefochtenen Entscheide als Partei

beteiligt war oder durch ihn in seinen Rechten verletzt

worden ist (Art. 9 VDG). Das trifft für das Grundbuchamt,

dessen Verfügung den Gegenstand des angefochtenen Ent-

scheides gebildet hat, nicht zu. Das. im kantonalen Ver-

fahren beschwerdebeklagte Grundbuchamt ist daher zur

Anfechtung des die Beschwerde gutheissenden Entscheides

nicht befugt. Das Bundesgericht hat bereits in diesem

Sinne entschieden (i. S. Grundbuchamt Wiedikon gegen

Grob vom 12. Dezember 1930) und betont, dass die Ver-

waltungsgerichtsbeschwerde ein Rechtsmittel gegen unzu-

lässige Eingriffe der Behörden in die Rechte der Bürger ist

(i. S. Politische Gemeinde St. Moritz und Grundbuchamt

St. Moritz gegen Bürgergemeinde St. Moritz vom 6. Juli

1933). In der Tat beschlägt der Beschwerdeentscheid nicht

:Rechte des Grundbuchamtes; dieses ist nicht als Partei,

sondern als Amtsstelle am Verfahren beteiligt und hat als

solche sich dem Entscheide der ihm übergeordneten

Beschwerdeinstanz zu unterziehen, ohne selber befugt zu

sein, dagegen ein Rechtsmittel zu ergreifen. Ist somit das

Grundbuchamt zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde

nicht legitimiert, so ist darauf nicht einzutreten.

Der Inhaber des Amtes des Grundbuchverwalters ist

hier freilich zugleich Sachwalter der beiden Nachlass-

schuldner. In dieser Eigenschaft hätte er grundsätzlich

zum Schutze der gemeinsamen Interessen der Gläubiger

und der Nachlasschuldner Beschwerde führen können

(BGE 39 1279). Er tritt aber ausdrücklich und eindeutig

nur als Grundbuchverwalter auf. Wie andernfalls zur

Beschwerde Stellung zu nehmen wäre, ist daher nicht zu

entscheiden.

Demnach erlcennt das Bundesgericht :

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Beamrenrecht. N° 19.

H. BEAMTENRECHT

STATUT DES FONCTIONNAIRES