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61_III_157

BGE 61 III 157

Bundesgericht (BGE) ·III · 1935-01-01 · Deutsch CH
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Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 Die Bestimmungen des Art. 64 SchKG darüber, an welche Personen Betreibungsurkunden zu Handen eines abwesenden Schuldners zugestellt werden können, sind nicht Formvorschriften in dem Sinne, dass die Zustellung an eine andere Person unter keinen Umständen wirksam sein könnte. Eine solche fehlerhafte Zustellung ist freilich zunächst wirkungslos, und sie bleibt es auch, wenn nicht dargetan wird, dass der Schuldner die Urkunde tatsächlich erhalten und somit von der Zustellung Kenntnis bekommen hat (BGE 1930 In 20 ff.). Trifft dies aber zu und hat die Übergabe an ihn so zeitig stattgefunden, dass er, wie hier, in der Wahrung seiner Rechte mcht behindert war, so kann 1;;(1 ihm kein rechtlich beachtliches Interesse an der Anfechtung der Zustellung zugestanden werden.

E. 2 Die vom Rekurrenten angefochtene Zustellung

war übrigens nicht fehlerhaft. Dass die Zustellung an

einen Mitangestellten, der dadurch von der Betreibung

Kenntnis erhält, gewissermassen Persönlichkeitsrechte des

Schuldners verletze, wie der Rekurrent geltend macht, ist

von vornherein unzutreffend; denn wenn nach gesetzlicher

Bestimmung sogar ein Dienstherr es sich gefallen lassen

muss, dass ein von ihm Angestellter Betreibungsurkunden

zu seinen Handen entgegennimmt, so kann sich ein blosser

Angestellter ebensowenig dadurch verletzt fühlen, dass ein

Mitangestellter in gleicher Weise von einer gegen ihn ange-

hobenen Betreibung erfährt. Eine andere Frage ist, ob da.~

Gesetz, indem es als Ersatz-Zustellungsempfängereinerseits

die zur Haushaltung des Schuldners gehörenden erwach-

senen Personen und anderseits die Angestellten bezeichnet,

ein Unterordnungs-, jedenfalls Bindungsverhältnis voraus-

setze, das eine besondere Gewähr für richtige Übermittlung

an den Schuldner bieten soll. Das mag dahingestellt blei-

ben, denn auch auf dieser Grundlage muss die hier in Frage

stehende Zustellung als gesetzmässig erscheinen. In. der

Tat steht nichts entgegen, die Räume eines Geschäfts, das

der Schuldner als Geschäftsführer leitet, ebenso als Ort

der Berufsausübung gelten zu lassen wie die Räume eines

Betriebes, dessen Inhaber er ist, und es ist auch gerecht-

fertigt, das ihm als dem Geschäftsleiter unterstellte Per-

sonal als Ersatz-Zustellungsempfänger für ihn anzuer-

kennen, da eben das zwischen dem Geschäftsführer und

dem Personal begründete Unterordnungsverhältnis die

gleiche Gewähr bietet, indem jener von diesem ohne

weiteres verlangen und erwarten kann, dass es für ihn

entgegengenommene Urkunden an ihn weiterleite. Ange-

stellter im Sinne des Art. 64 SchKG ist also auch ein

Geschäftsangestellter, dem der Schuldner als blosser Ge-

schäftsleiter vorgesetzt ist, und es kann demgemäss der

Zustellungsbeamte die Betreibungsurkunde einem solchen

160

fidml<1hl'tI'{'ibungö' und KOllkursrecht. ~o 46.

Angest€llten ZU Handen des abwesenden Schuldners aus-

händigen gleic4 wie einem Privatangestellten des Schuld-

ners selbst.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

45. Entscheid vom 9. November 1936 i. S. Scotoni.

Zustellung

von

Betreibungsurkunden

zu

Handen des Schuldners an eine hieffu vom Gesetze nicht vorgesehene Person: Dieser Fehler ist unbeachtlich, wenn die

Urkunde an den Schuldner weitergeleitet wurde und er in der

Wahrung seiner Rechte nicht behindert war.

Gleich wie einem Angestellten des Schuldners selbst können Betreibungsurkunden einem ihm untergeordneten Angestellten

eines von ihm als Geschäftsführer geleiteten Unternehmens

übergeben werden.

Art. 64 SchKG.

Noti/ication d'un acte de poursuite (destine au debiteur) a une

personne non prevue a cet effet dans la loi : Cette faute est sans

pertinence, lorsque l'acte en question a quand m~me ew

communique au debiteur et quand celui-ci n'a pas ew emp~he

de sauvegarder ses droits.

De m~me que les actes de poursuite peuvent ~tre remis a un

employe du debiteur, de m~me ils peuvent ~tre remis a un

de ses subordonnes, employe dans une entreprise geree par lui.

Art. 64 LP.

Noti/ica di un atto esecutivo (destinato al debitore) ad una persCfna

non indicata dalla legge: Quest'errore e privo d'importanza

se l'atto in questione fu trasmesso al debitore e se questi non

ne ebbe nocumento neUa tutela dei suoi interessi.

AS 61 III -

1935

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Schuldbet,r .. ibungs. und Konkursreeht. N0 -15.

Gll atti esecutivi possono essere consegnati all'impiegato, subordinato al debitore, di un impresa diretta da questi cosl come

possono easare consegnati ad un suo impiegato personale.

Art. 64 LEF ..

Der Rekurrent ficht mit Beschwerde vom 9. Juli 1935

die am 29. Juni 1935 erfolgte Zustellung eines Zahlungsbefehls an, der in seiner Abwesenheit in den Geschäftsräumen der Aktiengesellschaft, deren Geschäftsführer er

ist zu seinen Handen einer Schalterbeamtin abgegeben

~rde. Er sieht in dieser Art der Zustellung einen Verstoss

gegen Art. 64 SchKG, der zwar eine Übergabe der Betreibungsurkunden bei Abwesenheit des Schuldners an einen

Angestellten gestatte, aber eben nur an einen eigenen

Angestellten des Schuldners und nicht an einen Angestellten einer dritten (Einzel- oder Verbands-) Person, deren

Angestellter auch der Schuldner selbst ist.

Von der kantonalen Aufsichtsbehörde am 10. Oktober

1935 abgewiesen, hat er die Sache an das Bundesgericht

weitergezogen, unter Erneuerung des Beschwerdeantrages

auf Aufhebung des Zahlungsbefehls, eventuell Anweisung

des Betreibungsamtes zur erneuten Zustellung in seiner

Privatwohnung.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

zieht in Erwägung :

1. -

Die Bestimmungen des Art. 64 SchKG darüber,

an welche Personen Betreibungsurkunden zu Handen eines

abwesenden Schuldners zugestellt werden können, sind

nicht Formvorschriften in dem Sinne, dass die Zustellung

an eine andere Person unter keinen Umständen wirksam

sein könnte. Eine solche fehlerhafte Zustellung ist freilich

zunächst wirkungslos, und sie bleibt es auch, wenn nicht

dargetan wird, dass der Schuldner die Urkunde tatsächlich

erhalten und somit von der Zustellung Kenntnis bekommen

hat (BGE 1930 In 20 ff.). Trifft dies aber zu und hat die

Übergabe an ihn so zeitig stattgefunden, dass er, wie hier,

in der Wahrung seiner Rechte mcht behindert war, so kann

1;;(1

ihm kein rechtlich beachtliches Interesse an der Anfechtung

der Zustellung zugestanden werden.

2. -

Die vom Rekurrenten angefochtene Zustellung

war übrigens nicht fehlerhaft. Dass die Zustellung an

einen Mitangestellten, der dadurch von der Betreibung

Kenntnis erhält, gewissermassen Persönlichkeitsrechte des

Schuldners verletze, wie der Rekurrent geltend macht, ist

von vornherein unzutreffend; denn wenn nach gesetzlicher

Bestimmung sogar ein Dienstherr es sich gefallen lassen

muss, dass ein von ihm Angestellter Betreibungsurkunden

zu seinen Handen entgegennimmt, so kann sich ein blosser

Angestellter ebensowenig dadurch verletzt fühlen, dass ein

Mitangestellter in gleicher Weise von einer gegen ihn angehobenen Betreibung erfährt. Eine andere Frage ist, ob da.~

Gesetz, indem es als Ersatz-Zustellungsempfängereinerseits

die zur Haushaltung des Schuldners gehörenden erwachsenen Personen und anderseits die Angestellten bezeichnet,

ein Unterordnungs-, jedenfalls Bindungsverhältnis voraussetze, das eine besondere Gewähr für richtige Übermittlung

an den Schuldner bieten soll. Das mag dahingestellt bleiben, denn auch auf dieser Grundlage muss die hier in Frage

stehende Zustellung als gesetzmässig erscheinen. In. der

Tat steht nichts entgegen, die Räume eines Geschäfts, das

der Schuldner als Geschäftsführer leitet, ebenso als Ort

der Berufsausübung gelten zu lassen wie die Räume eines

Betriebes, dessen Inhaber er ist, und es ist auch gerechtfertigt, das ihm als dem Geschäftsleiter unterstellte Personal als Ersatz-Zustellungsempfänger für ihn anzuerkennen, da eben das zwischen dem Geschäftsführer und

dem Personal begründete Unterordnungsverhältnis die

gleiche Gewähr bietet, indem jener von diesem ohne

weiteres verlangen und erwarten kann, dass es für ihn

entgegengenommene Urkunden an ihn weiterleite. Angestellter im Sinne des Art. 64 SchKG ist also auch ein

Geschäftsangestellter, dem der Schuldner als blosser Geschäftsleiter vorgesetzt ist, und es kann demgemäss der

Zustellungsbeamte die Betreibungsurkunde einem solchen

160

fidml<1hl'tI'{'ibungö' und KOllkursrecht. ~o 46.

Angest€llten ZU Handen des abwesenden Schuldners aushändigen gleic4 wie einem Privatangestellten des Schuldners selbst.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.