Sachverhalt
Im summarischen Konkursverfahren über K.
Lütolf-Kohler in Reuti, Hasliberg, brachte das Konkurs-
amt Oberhasli gleichzeitig folgende Liegenschaften auf
die Steigerung :
Nr. 759 Hotel ViktoriamitZugehörundNr.1617Wasser-
kraft, im Schätzungswert von 95,000 Fr.; Nr. 761 Wohn-
haus mit Postbureau, im Schätzungswert von 20,000 Fr.;
Nr. 760 Wiesenland, im Schätzungswert von 400 Fr.;
Nr. 736 Verkaufsmagazin, im Schätzungswert von 5000 Fr.
In den Steigerungsbedingungen war vorgesehen: « Nr.
759 und 1617 werden gemeinsam ausgerufen, die andem
Grundstücke einzeln. Auf Wunsch folgt ein Gesamtausruf.
Die Einzelangebote haften bis zum Ergebnis des Gesamt-
ausrufes. » In der Steigerungsverhandlung stellte die
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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 39.
Einwohnergemeinde Hasliberg das Begehren, alle Liegen-
schaften gemeinsam auszurufen.
Das Konkursamt er-
klärte, diesem Begehren werde entsprochen, und ein
Gesamterlös würde nach Verhältnis der amtlichen Schät-
zung verteilt. Auf die Einzelausrufe wurden folgende
Angebote gemacht: für Nr. 759 und 1617 keines, für
Nr.761 28,000 Fr., für Nr. 760 570 Fr., für Nr. 736 5000 Fr.,
letzteres von der Rekurrentin, die einen auf Nr. 736 lasten-
den Schuldbrief im gleichen Betrage besitzt, und auf den
Gesamtausruf wurde (von der Einwohnergemeinde Hasli-
berg) ein Angebot von 61,000 Fr. gemacht, auf welches
hin der Zuschlag erteilt wurde.
B. -
Mit der vorliegenden Beschwerde verlangt die
Rekurrentin Aufhebung dieses Zuschlages und Anweisung
an das Konkursamt, das Grundstück Nr. 736 nur einzeln
zu versteigern.
G. -
Die kantonale Aufsichtsbehörde hat am 19. Juli
1935 die Beschwerde abgewiesen.
D. -
Diesen Entscheid hat die Rekurrentin an das
Bundesgericht weitergezogen.
Die Sch'Uldbetreib'Ungs- 'Und Konk'Urskammer
zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
39. Entscheid vom 21. September 1936
i. S. Xantonalbank von Dern.
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War in den Steigerungsbedingungen vorgesehen, dass getrenn t
ver p f ä n d e t e
G run d s t ü c k e
sam t h a f t
v e r-
s t e i ger t werden, so kann ein Pfandgläubiger nicht nach-
träglich Beschwerde gegen den Zuschlag auf den Gesamtruf
hin führen aus dem Grunde, dass er vom Erlös weniger als
die auf sein Pfand einzeln angebotene Summe erhalte. Ver-
ordnung über die Zwangsverwertung von Grundstücken
Art. 108, 118.
Lorsque les conditions des encheres prevoyaient la possibilit6 de
vendre en bloo de8 immeubles formant des gages distincts, un
creancier hypothecaire n'est pas recevable a attaquer une
adjudication prononcee pour la totalite des immeubles en-
suite d'une offre globale, en invoquant comme motif q~e la
somme qui lui est revenue est inferieure a l'offre qui avait
ete faite pour celui des immeubles qui etait engage en sa
faveur. ORI art. 108 ei; 118.
Se le condizioni dell'incanto prevedevano la possibilita di vendere
in blocco dei fondi costirnenti dei pegni distinti, un creditore
ipotecario non ha qualita per impugnare un 'aggiudicazione
della totalita dei fondi, in seguito ad offerta globale, allegando
che l'importo assegnatogli e inferiore all'offerta che era stata
fatta per il fondo costituitogli in pegno. Regolamento sulla
realizzazione di fondi (RRF) art. 108 e 118.
A. -
Im summarischen Konkursverfahren über K.
Lütolf-Kohler in Reuti, Hasliberg, brachte das Konkurs-
amt Oberhasli gleichzeitig folgende Liegenschaften auf
die Steigerung :
Nr. 759 Hotel ViktoriamitZugehörundNr.1617Wasser-
kraft, im Schätzungswert von 95,000 Fr.; Nr. 761 Wohn-
haus mit Postbureau, im Schätzungswert von 20,000 Fr.;
Nr. 760 Wiesenland, im Schätzungswert von 400 Fr.;
Nr. 736 Verkaufsmagazin, im Schätzungswert von 5000 Fr.
In den Steigerungsbedingungen war vorgesehen: « Nr.
759 und 1617 werden gemeinsam ausgerufen, die andem
Grundstücke einzeln. Auf Wunsch folgt ein Gesamtausruf.
Die Einzelangebote haften bis zum Ergebnis des Gesamt-
ausrufes. » In der Steigerungsverhandlung stellte die
134
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 39.
Einwohnergemeinde Hasliberg das Begehren, alle Liegen-
schaften gemeinsam auszurufen.
Das Konkursamt er-
klärte, diesem Begehren werde entsprochen, und ein
Gesamterlös würde nach Verhältnis der amtlichen Schät-
zung verteilt. Auf die Einzelausrufe wurden folgende
Angebote gemacht: für Nr. 759 und 1617 keines, für
Nr.761 28,000 Fr., für Nr. 760 570 Fr., für Nr. 736 5000 Fr.,
letzteres von der Rekurrentin, die einen auf Nr. 736 lasten-
den Schuldbrief im gleichen Betrage besitzt, und auf den
Gesamtausruf wurde (von der Einwohnergemeinde Hasli-
berg) ein Angebot von 61,000 Fr. gemacht, auf welches
hin der Zuschlag erteilt wurde.
B. -
Mit der vorliegenden Beschwerde verlangt die
Rekurrentin Aufhebung dieses Zuschlages und Anweisung
an das Konkursamt, das Grundstück Nr. 736 nur einzeln
zu versteigern.
G. -
Die kantonale Aufsichtsbehörde hat am 19. Juli
1935 die Beschwerde abgewiesen.
D. -
Diesen Entscheid hat die Rekurrentin an das
Bundesgericht weitergezogen.
Die Sch'Uldbetreib'Ungs- 'Und Konk'Urskammer
zieht in Erwägung :
Art. 108 der Verordnung über die Zwangsverwertung
von Grundstücken lässt die samthafte Versteigerung von
nie h t samthaft verpfändeten Grundstücken zu, wenn
bei dem den Einzelrufen nachfolgenden Gesamtrufen ein
die Summe der Ergebnisse der Einzelrufe übersteigendes
Angebot gemacht wird. Hat eine solche samthafte Ver-
steigerung stattgefunden, so ist der Erlös gemäss Art. 118
VZG auf die einzelnen Grundstücke nach dem Verhältnis
der Schätzung der Einzelgrundstücke zu verlegen. Dies
hat hier zur Folge, dass die Rekurrentin einen Pfand-
ausfall (für mehr als die Hälfte ihres Schuldbriefes) er-
leidet, gegen den sie sich durch ihr eigenes Einzelangebot
schützen wollte. Ähnliche Vorkommnisse haben schon
die Anregung gezeitigt, die samthafte Versteigerung sei
Schuldbetreibung.;- tmd Konkul'Sl'ccht. XO :l9.
nur zuzulassen, wenn das Gesamtangebot bei der gemäss
Art. 118 VZG vorzunehmenden Verteilung die Zuweisung
eines mindestens dem Einzelangebot entsprechenden Er-
lösanteiles auf jedes einzelne Grundstück erlaubt. Nichts
hindert die Steigerungsämter oder auf Beschwerde hin
die Aufsichtsbehörden, in den Steigerungs bedingungen
auf diese Weise dem Grundsatz der Spezialität der Pfand-
rechte Rechnung zu tragen, zumal als Voraussetzung für
die samthafte Versteigerung von wirtschaftlich nicht un-
trennbar zusammenhängenden Liegenschaften. Allein im
vorliegenden Fall hat das Konkursamt in den Steigerungs-
bedingungen den Gesamtausruf ohne jede derartige Kautel
in Aussicht genommen -
zwar nicht geradezu bereits
angeordnet, aber doch einzig vom « Wunsch)J irgendeines
Beteiligten abhängig gemacht, der dann auch nicht aus-
blieb. Insbesondere liessen die Steigerungsbedingungen
keinen Zweifel darüber aufkommen, dass gegebenenfalls
Nr. 736 samthaft mit Nr. 759/1617 werde versteigert
werden. Erachtete die Rekurrentin diese Art und Weise
der Versteigerung als Gefährdung für ihr Pfandrecht, so
musste sie die aufliegenden Steigerungsbedingungen an-
fechten und durfte mit ihrer Beschwerde nicht zuwarten,
bis sich die Schädigung verwirklichte, weil die nachträgliche
Aufhebung des Steigerungszuschlages als empfindlicher
Eingriff in die Interessensphäre des Ersteigerers nicht
mehr aus einem Grunde zugestanden werden darf, der
schon vorher ersichtlich war und zur Beschwerdeführung
Anlass bot. In der Tat richtet sich die Beschwerde ja
eigentlich dagegen, dass der Zuschlag wie in den Steige-
rungsbedingungen vorgesehen auf das Höchstangebot
erteilt worden ist; allein dies ist kein Mangel der Steige-
rung, sondern im Gegenteil hatte der Höchstbieter darauf
Anspruch, zumal da der Konkursbeamte auch nicht etwa
den Vorbehalt gemacht hatte, er werde den Zuschlag
verweigern für den Fall, dass das Höchstangebot nicht
einen bestimmten Betrag erreiche (z. B. das Total der
Schätzungssummen oder doch dessen Bruchteil, der dem
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Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 40.
Verhältnis deS höchsten Einzelangebotes zur bezüglichen
Schätzungssumme entspricht).
Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurakammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.