Sachverhalt
Leonz Küng-Fischer war Eigentümer eines Heim-
wesens in Aristau und Muri, das er im April 1932 in zwei
140
Verwaltungs. und Disziplinarrechtspflege.
Teilen veräusserte : eine Parzelle mit Wohnhaus, Scheune,
Garten und Baumgarten an Leo Koog, Wirt in Aristau,
und die übrigen elf in Aristau und Muri verstreut, teilweise
weit auseinander liegenden Grundstücke (Acker-, Wies- und
Torfland) an Josef Staubli, Gemeindeschreiber in Aristau.
Beide Verträge wurden durch Eintragung im Grundbuch
vollzogen.
Leo Koog verkaufte in der Folge das erwähnte Grund-
stück mit den Gebäuden weiter an Kaspar Stierli, Handels-
mann in Besenbüren, und erwirkte mit einer Beschwerde
gegenüber der Weigerung des Grundbuchamtes auch die
Eintragung der Handänderung im Grundbuche.
.
Staubli seinerseits verkaufte am 25. September 1933
demselben Kaspar Stierli zwei der elf Grundstücke, die
er von Leonz Koog-Fischer erworben. Das Grundbuchamt
verweigerte die Eintragung mit Berufung auf § 4 des aar-
gams ehen Einführungsgesetzes zum Obligationenrecht;
diese Bestimmung verbietet grundsätzlich die stückweise
Weiterveräusserung eines durch Kauf oder Tausch erwor-
benen landwirtschaftlichen Gewerbes während einer vom
Eigentumserwerb hinweg laufenden
Frist von
vier
Jahren.
B. -
Eine gegen diese Verf'tigung des Grundbuchamtes
bei der kantonalen Justizdirektion angehobene Beschwerde
hatte keinen Erfolg, und der Regierungsrat des Kantons
Aargau, an den die Sache .weitergezogen wurde, wies die
Beschwerde mit Entscheid vom 1. Dezember 1933 eben-
falls grundsätzlich ab. Er bewilligte nur für die eine Par-
zelle die Eigentumsübertragung unter der Bedingung,
dass die beabsichtigte Güterregulierung durch Abtausch
mit einem Grundstück eines Anstössers zugleich vorge-
n?mmen werde. Im übrigen hält der Regierungsrat dafür,
dIe erwähnte Bestimmung des Einführungsgesetzes sei
in der Tat anwendbar. Allerdings habe Staubli von Leonz
Koog-Fischer nur die elf unzusammenhängenden Grund-
stücke ohne die landwirtschaftlichen Gebäulichkeiten er-
worben; allein er besitze bereits genügend Gebäulich-
Registersachen. ~o 21.
lU
keiten, und es bestehe auch die Möglichkeit, ein neues
Gebäude auf einem der elf Grundstücke zu erstellen.
vVollte man die vorliegende Weiterveräusserung gestatten,
so wäre nach Auffassung des Regierungsrates der Güter-
spekulation und Güterzerstückelung Tür und Tor geöffnet.
Bereits vor dem Erwerb der elf Grundstücke habe bei
Staubli die Absicht obgewaltet, zu spekulieren und die
gesetzlichen Beschränkungen der Weiterveräusserung zu
umgehen. Das erhelle aus einem schon im Mai 1931 abge-
schlossenen, wenn auch nicht. zur Ausführung gelangten
Vorvertrag. Und daraus, dass Staubli im September 1932
bei der kantonalen Justizdirektion die Bewilligung zur
Weiterveräusserung der zwei hier in Frage stehenden
Parzellen nachsuchte, ohne gegen den ablehnenden Bescheid
etwas vorzukehren, gehe hervor, dass er selber damals der
Ansicht war, diese Weiterveräusserung sei nur mit behörd-
licher Bewilligung zulässig.
G. -
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorlie-
gende Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die beim Bundesrat
eingereicht und von Amtes wegen dem Bundesgericht
überwiesen wurde, das nun zur Beurteilung von Beschwer-
den gegen Entscheide der kantonalen Aufsichtsbehörden
in Grundbuchsachen zuständig ist (Art. 4lit. c des Bundes-
gesetzes über die Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege
und Anhang Ziffer I dazu; für die Überweisung: Art. 194
Abs. 3 OG, neu gemäss Art. 49 lit. f. VDG). In dieser
Beschwerde wird daran festgehalten, dass keine Weiter-
veräusserung von Stücken eines durch Kauf erworbenen
landwirtschaftlichen Gewerbes in Frage stehe; denn die
elf im April 1932 erworbenen Grundstücke stellten kein
landwirtschaftliches Gewerbe dar.
§ 4 des kantonalen
Einführungsgesetzes werde im angefochtenen Entscheid
in ganz willkürlicher Weise ausgelegt.
Der Regierungsrat beantragt Abweisung der Beschwerde.
im wesentlichen aus den in seinem Entscheide dargelegten
Gründen. -
Das Grundbuchamt Muri weist speziell auf
Momente hin, die eine von Anfang an, schon beim Erwerbe
142
Vprwaltungs- und Disziplinarreehtspflege.
der elf Grundstücke bestehende Umgehungsabsicht dartun
sollen.
Erwägungen (3 Absätze)
E. 2 Der Beschwerde des Verkäufers steht nicht ent- gegen, dass er schon im September 1932 die Bewilligung Registersachen. No 21. zur Veräusserung der beiden Grundstücke bei der kanto- nalen Justizdirektion nachgesucht hatte und mit dem Gesuch abgewiesen worden war; denn abgesehen davon, dass jenes Gesuch keine Beschwerde gegen eine grundbuch- amtliehe Verfügung darstellte, betrifft die vorliegend streitige Anmeldung ein seither abgeschlossenes Geschäft, wegen dessen grundbuchlicher Vollziehbarkeit die Be- schwerdeinstanzen hier erstmals angerufen werden.
E. 3 Auch handelt es sich entgegen der Ansicht des
eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes nicht
oder doch nicht nur um die Anwendung kantonalen Rech-
tes. Allerdings sind die Kantone nach Art. 616 und 702
ZGB befugt, für die Zerstückelung von Grundstücken
bestimmte Schranken aufzustellen, was der Kanton Aargau
in seinem Einführungsgesetze zum ZGB (§ 94) getan hat.
Allein eine Verletzung dieser Bestimmung steht hier nicht
in Frage, indem nach dem Kaufvertrage vom 25. September
1933 kein Grundstück aufgeteilt werden soll. Dieser Kauf-
vertrag wird nur unter dem Gesichtspunkte des § 4 des
Einführungsgesetzes zum OR beanstandet, der eine Sperr-
frist von vier Jahren für die stückweise Weiterveräusserung
eines durch Kauf oder Tausch erworbenen landwirtschaft-
lichen Gewerbes vorsieht, ohne Rücksicht darauf, wie gross
die Stücke sind und ob sie bereits selbständige Grundstücke
(Parzellen) darstellen. Beschränkungen solcher Art sind
aber nur im Rahmen von Art. 218 OR zulässig, der den
Kantonen eine bezügliche Gesetzgebungsbefugnis ausdrück-
lich nur betreffend die Weiterveräusserung eines in der
erwähnten Art erworbenen landwirtschaftlichen Gewerbes
einräumt. Daher bestimmt sich der Begriff des landwirt-
schaftlichen Gewerbes nach Bundesrecht, und Bundesrecht
ist verletzt, wenn die kantonale Schutz bestimmung auf
eine Veräusserung von Grundstücken angewendet wird,
die vom Veräusserer nicht mit einem landwirtschaftlichen
Gewerbe (als Teil davon) im Sinne von Art. 218 OR er-
worben worden sind. Denn dann liegt ein Eingriff in die
bundes rechtlich geschützte, der Beschränkung durch kan-
144
V<'rwaltungs. und Disziplinarrechtspflege.
tonale Vorschriften nicht vorbehaltene Sphäre der Ver-
fügungsfreiheit vor. Eine Rechtsverletzung dieser Art
wird mit der vorliegenden Beschwerde gerügt.
E. 4 Dem Begriffe des landwirtschaftlichen Gewerbes,
wie er in Art. 218 OR gleich wie in Art. 620 ZGB ver-
wendet wird, genügt nun nur die Gesamtheit von Land und
(',.ebäuden, die eine landwirtschaftliche Betriebseinheit
bildet (vgl. BGE 57 II 149; 58 II 203). Das trifft für die
elf Grundstücke, die der Beschwerdeführer im April 1932
von Leonz Küng-Fischer erworben hat, offensichtlich nicht
zu. Deren Weiterveräusserung in Stücken kann daher
keiner Sperrfrist unterworfen werden. Die Möglichkeit,
die elf Grundstücke durch Erstellen von Bauten zu einer
Betriebseinheit auszugestalten, ist ebenso ohne Belang
wie der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits
Grundstücke besass, mit denen er die elf Grundstücke
zu einer wirtschaftlichen Einheit verbinden konnte; denn
es bleibt dabei, dass der Erwerb der elf Grundstücke sich
nicht als Kauf eines landwirtschaftlichen Gewerbes dar-
stellte.
Es kann auch nicht von einer Umgehung des Gesetzes
gesprochen werden. Da die ursprüngliche Meinung des
Beschwerdeführers, er bedürfe' zur Veräusserung einzelner
der elf Grundstücke einer Bewilligung, rechtsirrtümlich
war, hat es nichts auf sich, was zur Umgehung der ver-
meintlichen Verfügungsbeschränkung geplant, übrigens
nicht ausgeführt wurde. Dass aber etwa Leo Küng die
Gebäudeliegenschaft nur als Strohmann für den Be-
schwerdeführer erworben und weiterveräussert hätte -
in welchem Falle übrigens schon jene Weiterveräusserung
hätte verhindert werden sollen -, ist weder behauptet
noch dargetan; aus der vom Grundbuchamt angerufenen
Erklärung des Leonz Küng-Fischer vom 27. Oktober 1932
ist das Gegenteil zu schliessen.
Leonz Küng-Fischer war im April 1932 frei, sein Heim-
wesen dergestalt in Stücken weiterzuveräussern, dass jedes
der Verkaufsobjekte nicht wiederum eine landwirtschaft-
Registersachen. XO 22.
145
liehe Betriebseinheit darstellte, womit auch die Beschrän-
kung gemäss Art. 218 OR wegfiel. Anders kann das Gesetz
nicht ausgelegt werden. Damit erweiAt sich die Beschwerde
des Weiterverkäufers Staubli als begründet. Ob es ange-
bracht wäre, der « Güterschlächterei » mit weitergehenden
Beschränkungen entgegenzutreten, ist eine Frage der
Gesetzgebung, die bei der Anwendung des geltenden
Rechtes nicht zu erörtern ist.
Dem'IUwh erkennt das Bundesgericht:
Die Beschwerden des Albert Schmidli und des Kaspar
Stierli werden abgewiesen, dagegen wird die Beschwerde
des J osef Staubli gutgeheissen und das Grundbuchamt
Muri angewiesen, die Handänderung einzutragen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
21. Urteü der II. Zivilabteüung vom 15. März 1984
i. S. Schmidli, Staubli und Stierli
gegen Begierungsrat des Xta. Aarga'll.
Leg i tim a t ion zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde :
Die
Behandlung als Partei vor den kantonalen Instanzen gibt nur
die
f 0 r m e 11 e
Beschwerdelegitimation. Zur
S ach e
legitimiert ist, wer durch den angefochtenen Entscheid in
seinen Rechten betroffen wird. Wegen der Ablehnung der
Eintragung eines Kaufvertrages kann nur der verfügungs-
berechtigte Eigentümer Beschwerde führen. (Erw. 1.)
Der Begriff des I a n d wir t s c ha f t 1 ich enG ewe r b e s
im Sinne von Art. 218 OR ist ein Begriff des Bundesrechtes.
Das befristete Veräusserungsverbot darf nicht auf Grund-
stücke angewendet werden, die nicht mit einem landwirt-
schaftlichen Gewerbe erworben worden sind. (Erw. 3.)
Kriterien (Erw. 4).
A. -
Leonz Küng-Fischer war Eigentümer eines Heim-
wesens in Aristau und Muri, das er im April 1932 in zwei
140
Verwaltungs. und Disziplinarrechtspflege.
Teilen veräusserte : eine Parzelle mit Wohnhaus, Scheune,
Garten und Baumgarten an Leo Koog, Wirt in Aristau,
und die übrigen elf in Aristau und Muri verstreut, teilweise
weit auseinander liegenden Grundstücke (Acker-, Wies- und
Torfland) an Josef Staubli, Gemeindeschreiber in Aristau.
Beide Verträge wurden durch Eintragung im Grundbuch
vollzogen.
Leo Koog verkaufte in der Folge das erwähnte Grund-
stück mit den Gebäuden weiter an Kaspar Stierli, Handels-
mann in Besenbüren, und erwirkte mit einer Beschwerde
gegenüber der Weigerung des Grundbuchamtes auch die
Eintragung der Handänderung im Grundbuche.
.
Staubli seinerseits verkaufte am 25. September 1933
demselben Kaspar Stierli zwei der elf Grundstücke, die
er von Leonz Koog-Fischer erworben. Das Grundbuchamt
verweigerte die Eintragung mit Berufung auf § 4 des aar-
gams ehen Einführungsgesetzes zum Obligationenrecht;
diese Bestimmung verbietet grundsätzlich die stückweise
Weiterveräusserung eines durch Kauf oder Tausch erwor-
benen landwirtschaftlichen Gewerbes während einer vom
Eigentumserwerb hinweg laufenden
Frist von
vier
Jahren.
B. -
Eine gegen diese Verf'tigung des Grundbuchamtes
bei der kantonalen Justizdirektion angehobene Beschwerde
hatte keinen Erfolg, und der Regierungsrat des Kantons
Aargau, an den die Sache .weitergezogen wurde, wies die
Beschwerde mit Entscheid vom 1. Dezember 1933 eben-
falls grundsätzlich ab. Er bewilligte nur für die eine Par-
zelle die Eigentumsübertragung unter der Bedingung,
dass die beabsichtigte Güterregulierung durch Abtausch
mit einem Grundstück eines Anstössers zugleich vorge-
n?mmen werde. Im übrigen hält der Regierungsrat dafür,
dIe erwähnte Bestimmung des Einführungsgesetzes sei
in der Tat anwendbar. Allerdings habe Staubli von Leonz
Koog-Fischer nur die elf unzusammenhängenden Grund-
stücke ohne die landwirtschaftlichen Gebäulichkeiten er-
worben; allein er besitze bereits genügend Gebäulich-
Registersachen. ~o 21.
lU
keiten, und es bestehe auch die Möglichkeit, ein neues
Gebäude auf einem der elf Grundstücke zu erstellen.
vVollte man die vorliegende Weiterveräusserung gestatten,
so wäre nach Auffassung des Regierungsrates der Güter-
spekulation und Güterzerstückelung Tür und Tor geöffnet.
Bereits vor dem Erwerb der elf Grundstücke habe bei
Staubli die Absicht obgewaltet, zu spekulieren und die
gesetzlichen Beschränkungen der Weiterveräusserung zu
umgehen. Das erhelle aus einem schon im Mai 1931 abge-
schlossenen, wenn auch nicht. zur Ausführung gelangten
Vorvertrag. Und daraus, dass Staubli im September 1932
bei der kantonalen Justizdirektion die Bewilligung zur
Weiterveräusserung der zwei hier in Frage stehenden
Parzellen nachsuchte, ohne gegen den ablehnenden Bescheid
etwas vorzukehren, gehe hervor, dass er selber damals der
Ansicht war, diese Weiterveräusserung sei nur mit behörd-
licher Bewilligung zulässig.
G. -
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorlie-
gende Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die beim Bundesrat
eingereicht und von Amtes wegen dem Bundesgericht
überwiesen wurde, das nun zur Beurteilung von Beschwer-
den gegen Entscheide der kantonalen Aufsichtsbehörden
in Grundbuchsachen zuständig ist (Art. 4lit. c des Bundes-
gesetzes über die Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege
und Anhang Ziffer I dazu; für die Überweisung: Art. 194
Abs. 3 OG, neu gemäss Art. 49 lit. f. VDG). In dieser
Beschwerde wird daran festgehalten, dass keine Weiter-
veräusserung von Stücken eines durch Kauf erworbenen
landwirtschaftlichen Gewerbes in Frage stehe; denn die
elf im April 1932 erworbenen Grundstücke stellten kein
landwirtschaftliches Gewerbe dar.
§ 4 des kantonalen
Einführungsgesetzes werde im angefochtenen Entscheid
in ganz willkürlicher Weise ausgelegt.
Der Regierungsrat beantragt Abweisung der Beschwerde.
im wesentlichen aus den in seinem Entscheide dargelegten
Gründen. -
Das Grundbuchamt Muri weist speziell auf
Momente hin, die eine von Anfang an, schon beim Erwerbe
142
Vprwaltungs- und Disziplinarreehtspflege.
der elf Grundstücke bestehende Umgehungsabsicht dartun
sollen.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung :
I. -
Als Beschwerdeführer tritt Notar Schmidli, der
den Kaufvertrag vom 25. September 1933 beurkundet hat,
sowohl in eigenem Namen wie auch im Namen der Par-
teien des Kaufvertrages auf. Nach § 142 des aargauischen
Einführungsgesetzes zum ZGB ist der Notar allerdings zur
Anmeldung der von ihm beurkundeten Verträge (im Sinne
von Art. 963 Abs. 3 ZGB) befugt und verpflichtet. Aus
einer derartigen Vorschrift lässt sich jedoch kein Recht
des Notars, gegen die abweisende Verfügung des Grund-
buchamtes Beschwerde zu führen, herleiten, es wäre denn,
das die Abweisung wegen einer Bemängelung der gesetz-
lichen Handlungsbefugnisse des Notars erfolgt Wäre, was
hier nicht zutrifft (BGE 55 I 341 ff.). Der Umstand, dass
die kantonalen Instanzen (mit Unrecht) auf seine Beschwer-
de eingetreten sind, gibt ihm nur die formelle Legitimation
zur Anrufung des Bundesgerichts (Art. 9 VDG; vgL dazu
KIROHHOFER, Die Verwaltungsrechtspflege beim Bundes-
gericht, S. 35); die Beschwerde ist aber nach dem Gesagten
ohne nähere Prüfung wegen Fehlens der Legitimation zur
Sache abzuweisen.
Zur Vertretung der Kaufvertragsparteien im Beschwer-
deverfahren bedarf der Notar einer rechtsgeschäftlichen
Ermächtigung. Diesem Erfordernis ist hier genügt durch
die im bundesgerichtlichen Verfahren beigebrachten Voll-
machten beider Parteien, worin erklärt wird, der Notar
habe von Anfang an auf Grund einer mündlichen Ermäch-
tigung der Beteiligten gehandelt.
Indessen ist nur der Verkäufer und nicht auch der
Käufer zur Sache legitimiert, denn die grundbuchliche
Verfügung hat von jenem als dem derzeitigen Eigentümer
der Grundstücke auszugehen.
2. -
Der Beschwerde des Verkäufers steht nicht ent-
gegen, dass er schon im September 1932 die Bewilligung
Registersachen. No 21.
zur Veräusserung der beiden Grundstücke bei der kanto-
nalen Justizdirektion nachgesucht hatte und mit dem
Gesuch abgewiesen worden war; denn abgesehen davon,
dass jenes Gesuch keine Beschwerde gegen eine grundbuch-
amtliehe Verfügung darstellte, betrifft die vorliegend
streitige Anmeldung ein seither abgeschlossenes Geschäft,
wegen dessen grundbuchlicher Vollziehbarkeit die Be-
schwerdeinstanzen hier erstmals angerufen werden.
3. -
Auch handelt es sich entgegen der Ansicht des
eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes nicht
oder doch nicht nur um die Anwendung kantonalen Rech-
tes. Allerdings sind die Kantone nach Art. 616 und 702
ZGB befugt, für die Zerstückelung von Grundstücken
bestimmte Schranken aufzustellen, was der Kanton Aargau
in seinem Einführungsgesetze zum ZGB (§ 94) getan hat.
Allein eine Verletzung dieser Bestimmung steht hier nicht
in Frage, indem nach dem Kaufvertrage vom 25. September
1933 kein Grundstück aufgeteilt werden soll. Dieser Kauf-
vertrag wird nur unter dem Gesichtspunkte des § 4 des
Einführungsgesetzes zum OR beanstandet, der eine Sperr-
frist von vier Jahren für die stückweise Weiterveräusserung
eines durch Kauf oder Tausch erworbenen landwirtschaft-
lichen Gewerbes vorsieht, ohne Rücksicht darauf, wie gross
die Stücke sind und ob sie bereits selbständige Grundstücke
(Parzellen) darstellen. Beschränkungen solcher Art sind
aber nur im Rahmen von Art. 218 OR zulässig, der den
Kantonen eine bezügliche Gesetzgebungsbefugnis ausdrück-
lich nur betreffend die Weiterveräusserung eines in der
erwähnten Art erworbenen landwirtschaftlichen Gewerbes
einräumt. Daher bestimmt sich der Begriff des landwirt-
schaftlichen Gewerbes nach Bundesrecht, und Bundesrecht
ist verletzt, wenn die kantonale Schutz bestimmung auf
eine Veräusserung von Grundstücken angewendet wird,
die vom Veräusserer nicht mit einem landwirtschaftlichen
Gewerbe (als Teil davon) im Sinne von Art. 218 OR er-
worben worden sind. Denn dann liegt ein Eingriff in die
bundes rechtlich geschützte, der Beschränkung durch kan-
144
V<'rwaltungs. und Disziplinarrechtspflege.
tonale Vorschriften nicht vorbehaltene Sphäre der Ver-
fügungsfreiheit vor. Eine Rechtsverletzung dieser Art
wird mit der vorliegenden Beschwerde gerügt.
4. -
Dem Begriffe des landwirtschaftlichen Gewerbes,
wie er in Art. 218 OR gleich wie in Art. 620 ZGB ver-
wendet wird, genügt nun nur die Gesamtheit von Land und
(',.ebäuden, die eine landwirtschaftliche Betriebseinheit
bildet (vgl. BGE 57 II 149; 58 II 203). Das trifft für die
elf Grundstücke, die der Beschwerdeführer im April 1932
von Leonz Küng-Fischer erworben hat, offensichtlich nicht
zu. Deren Weiterveräusserung in Stücken kann daher
keiner Sperrfrist unterworfen werden. Die Möglichkeit,
die elf Grundstücke durch Erstellen von Bauten zu einer
Betriebseinheit auszugestalten, ist ebenso ohne Belang
wie der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits
Grundstücke besass, mit denen er die elf Grundstücke
zu einer wirtschaftlichen Einheit verbinden konnte; denn
es bleibt dabei, dass der Erwerb der elf Grundstücke sich
nicht als Kauf eines landwirtschaftlichen Gewerbes dar-
stellte.
Es kann auch nicht von einer Umgehung des Gesetzes
gesprochen werden. Da die ursprüngliche Meinung des
Beschwerdeführers, er bedürfe' zur Veräusserung einzelner
der elf Grundstücke einer Bewilligung, rechtsirrtümlich
war, hat es nichts auf sich, was zur Umgehung der ver-
meintlichen Verfügungsbeschränkung geplant, übrigens
nicht ausgeführt wurde. Dass aber etwa Leo Küng die
Gebäudeliegenschaft nur als Strohmann für den Be-
schwerdeführer erworben und weiterveräussert hätte -
in welchem Falle übrigens schon jene Weiterveräusserung
hätte verhindert werden sollen -, ist weder behauptet
noch dargetan; aus der vom Grundbuchamt angerufenen
Erklärung des Leonz Küng-Fischer vom 27. Oktober 1932
ist das Gegenteil zu schliessen.
Leonz Küng-Fischer war im April 1932 frei, sein Heim-
wesen dergestalt in Stücken weiterzuveräussern, dass jedes
der Verkaufsobjekte nicht wiederum eine landwirtschaft-
Registersachen. XO 22.
145
liehe Betriebseinheit darstellte, womit auch die Beschrän-
kung gemäss Art. 218 OR wegfiel. Anders kann das Gesetz
nicht ausgelegt werden. Damit erweiAt sich die Beschwerde
des Weiterverkäufers Staubli als begründet. Ob es ange-
bracht wäre, der « Güterschlächterei » mit weitergehenden
Beschränkungen entgegenzutreten, ist eine Frage der
Gesetzgebung, die bei der Anwendung des geltenden
Rechtes nicht zu erörtern ist.
Dem'IUwh erkennt das Bundesgericht:
Die Beschwerden des Albert Schmidli und des Kaspar
Stierli werden abgewiesen, dagegen wird die Beschwerde
des J osef Staubli gutgeheissen und das Grundbuchamt
Muri angewiesen, die Handänderung einzutragen.