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59_II_355

BGE 59 II 355

Bundesgericht (BGE) · 1933-01-01 · Deutsch CH
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354

Obligstionenrecht. N° 53.

lement l'etendue du domrnage et fixer les domrnages-

interets dus par la defenderesse au demandeur. La cause

doit donc etre renvoyee aux premiers juges pour qu'ils

completent l'instruction et statuent a. nouveau.

Le demandeur a invoque les facteurs de calcul suivants

qui peuvent en effet entrer en consideration :

a) difference entre le prix de revient et la valeur actuelle

de l'ouvrage (montant paye en trop pour les exemplaires

invendus);

b) perte de Mnefice provenant de la reduction du

prix de vente;

c) participation au Mnefice realise par la defenderesse

grace aux commandes de Suchard, en tant que les planches

ont ete repandues avec des noms d'oiseaux en allemand

ou dans des regions de langue allemande.

n y aura lieu d'etablir : le nombre des invendus;

l'importance de la depreciation; le Mnefice perdu a raison

de la reduction du prix de vente; le nombre de planches

avec noms d'oiseaux en allemand repandues par Suchard;

le nombre de planches sans noms d'oiseaux distribuees

dans des regions de langue allemande.

Le juge recherchera aussi les circonstances qui, inde~

pendamment de la violation du contrat, ont influe sUr

la mevente de l'edition allemande. De teIles circonstances

diminueraient la responsabiliM de la defenderesse et,

par suite, le montant des dommages-int6rets.

Par Ce8 'moti/s, le Tribunal /6Ural

admet le recours, annule le jugement attaque et renvoie

la cause au Tribunal cantonal neuchatelois pour qu'il

oomplete l'instruction et statue a nouveau.

Obligationenrecht. N° 54.

355

54. Urteil der I. Zivilabteilung vom 26. September 1933

i. S. Ban~ue Nationale da Bulgaria gegen J. AlCalaY G.m.b.1t.

Es ist kein Verstoss gegen OG Art. 63 Ziff. 3, wenn das kantonale

Gericht in seinem Urteil nicht angegeben hat, welches Recht

es angewendet hat, sofern es sowohl nach dem schweizerischen,

als nach dem ausländischen Recht zum gleichen Ergebnis

gelangt ist (Erw. 1).

Die Ver jäh run g eines vertraglichen Anspruches richtet

sich nach dem Recht, dem die Obligation selbst unterworfen

ist (Erw. 2).

A n wen d bar e s R e c h t auf ein internationales Anleihen

einer ausländischen Nationalbank mit schweizerischen Zahl·

stellen. Ablehnung der Anwendung des Rechtes der Zahl-

stellen als Recht des Erfüllungsortes im konkreten Fall

(Erw. 3).

Bei Beurteilung der Klage auf Anerkennung des Forderungs-'

rechtes im Arrestverfahren darf nicht die lex fori herangezogen

werden (Erw. 4).

A. -

Im Jahre 1909 nahm die Banque Nationale de

Bulgarie ein Anleihen auf. Die ausgestellten AnleihenstiteI

enthalten u. a. folgende Bestimmung: «Die Coupons

und die verlosten Titel werden zu ihrem Nennwert einge-

löst und zwar nach Belieben des Inhabers an folgenden

Plätzen : in Sofia in Levas Gold, in Wien, Paris, .Amster-

dam, Antwerpen, Brüssel, Zürich und Basel in Francs.

Coupons, welche nicht innerhalb 5 Jahren nach ihrer

Fälligkeit zur Einlösung

präsentiert

werden,

sind

zugunsten der Banque Nationale de Bulgarie ver-

jährt. »

DUl'ch Gesetz vom 9. Mai 1922 hat der bulgarische

Staat den Lauf der Verjährung der Verbindlichkeiten

der Banque Nationale de Bulgarie aus dem genannten

Anleihen als vom 1. August 1914 bis 31. Dezember 1922

unterbrochen, d. h. hier nach dem Sprachgebrauch des

schweizerischen Obligationenrechtes (OR Art. 134) « still-

gestanden » erklärt.

Die Bank J . .Alcalay G. m. b. H. in Berlin besitzt

eine grosse .Anzahl Zinsabschnitte dieses Anleihens mit

AS 59 Ir -

1933

24

31S1S

Obligationenreeht. No 54.

Verfalldaten aus den Jahren 1918-1922. Durch VeImitt-

lung der Dresdner Bank in Berlin liess sie diese Coupons

am 24. Dezember 1927 der angegebenen Zahlstelle der

Banque Nationale de Bulgarie in Antwerpen, der Banque

Centrale Anversoise, zur Einlösung präsentieren.

Die

Banque Centrale Anversoise verweigerte jedo(}h die Zah-

lung und stellte der J. AIcalay G. m. b. H. darüber

folgende Erklärung aus :

« Declaration.

Nous soussignees, Banque Centrale Anversoise, Sociere

Anonyme de la Dresdner Bank a Berlin :

fr. frs. 120003.75 coupons Banque Nationale de Bulgarie

4 % % 1909 echeances novembre 1918 a novembre 1922

fr. frs. 19 575 coupons Ville de Sofia 4 % % 1910 echeances

mars 1918 a mars 1924, que nous n'avons pu payer en

francs fran9ais ces coupons ne repondant pas aux condi-

tions arretees par la Direction de la Dette publique a

Sofia pour le payement en cette devise. Anvers, le 29

decembre 1927. Banque Centrale Anversoise, Sociere

Anonyme. Signature. »

Nachdem Unterhandlungen des J. AIcalay G. m. b. H.

mit der Banque Nationale de Bulgarie gescheitert waren,

nahm jene für ihr Guthaben aus den Coupons in Basel

einen Arrest auf Forderungen der Bulgarischen National-

bank gegen Basler Banken und leitete zur Aufrecht-

erhaltung des Arrestes in Basel Klage auf Bezahlung

von vorläufig 9950 Fr. ein; nachträglich reduzierte sie

die Klagesumme auf 9945 Fr.

B. -

Die Beklagte hat den Antrag gestellt, die Klage

sei wegen Verjährung abzuweisen, eventuell nur in der

Höhe von 373 Fr. 93 Cts. (Levas 9945.- zum Kurs von

3,76) zu schützen.

O. -

Durch Urteil vom 30. September 1932 hat das

Zivilgericht des Kantons Basel-Stadt die Klage abge-

wiesen, ohne zu entscheiden, ob ausländisches oder schwei-

zerisches Recht anwendbar sei. Es hat gefunden, dass

die Ansprüche sowohl nach dem bulgarischen, als nach

Obligationcnrecht. No 64.

357

dem schweizerischen Recht als verjährt anzusehen seien,

indem die Präsentation der Coupons zur Zahlung in

Antwerpen die Verjährung nicht unterbrochen habe und

die Erklärung der Banque Centrale Anversoise mangels

Vollmacht keine gültige Schuldanerkennung gewesen sei.

D. -

Das Appellationsgericht des Kantons Basel-

Stadt hat die gegen diesen Entscheid gerichtete Appel-

lation der Klägerin und damit auch die Klage am 7.

April 1933 in vollem Umfang gutgeheissen. Es hat gefun-

den, dass die Klage sowohl nach dem bulgarischen, als

nach dem schweizerischen Rechte geschützt werden

müsse. Es hat zugunsten der Klägerin den Grundsatz

des Art. 134 Ziff. 6 OR angewendet, wonach die Ver-

jährung stillesteht, solange eine Forderung vor einem

schweizerischen Gerichte nicht geltend gemacht werden

kann.

E. -

Gegen dieses Erkenntnis hat die Beklagte recht-

zeitig die Berufung an das Bundesgericht ergriffen und

Abweisung der Klage beantragt; eventuell sei dieselbe

nur in der Höhe von 373 Fr. 93 Cts. gutzuheissen.

.F ...

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

l. -

N ach Art~ 56 OG ist die Berufung an das Bundes-

gericht nur statthaft in Zivilrechtsstreitigkeiten, die von

den kantonalen Gerichten unter Anwendung eidgenössi-

scher Gesetze entschieden worden oder nach solchen zu

entscheiden sind, und nach Art. 57 Abs. I OG kann eine

Berufung nur darauf gestützt werden, dass die Entschei-

dung des kantonalen Gerichtes auf einer Verletzung des

Bundesrechtes beruhe. Ist auf einen Streitfall auslän-

disches Recht anwendbar und ist er durch das kantonale

Gericht auch unter Anwendung des ausländischen Rechtes

beurteilt worden, so kann das Bundesgericht nach seiner

ständigen Auslegung der Art. 56 und 57 OG, von der

abzuweichen ein Anlass nicht besteht, auf eine Berufung

nicht eintreten.

368

Obligationenrecht. N° 64.

Im vorliegenden Fall hat die Beklagte und Berufungs-

klägerin zunächst in formeller Beziehung gerügt, dass

das Appellationsgericht entgegen Art. 63 Ziff. 3 OG in

seinem Urteil nicht angegeben habe, inwieweit die Ent-

scheidung auf der Anwendung eidgenössischer und inwie-

weit auf der Anwendung ausländischer Gesetzesbestimmun-

gen beruhe. Diese Rüge ist unbegründet. Das Appella-

tionsgericht hat in dem angefochtenen Urteil ausdrücklich

bemerkt, welches Recht es angewendet hat. Es hat die

Streitfragen aber sowohl nach dem schweizerischen, als

nach dem bulgarischen Recht gelöst und ist zu dem

gleichen Ergebnis gelangt. Welches Recht richtigerweise

hätte angewendet werden sollen, konnten es daher unent-

schieden lassen und hat es auch unentschieden gelassen.

Darin liegt aber kein Verstoss gegen Art. 63 Ziff. 3 OG.

Es bleibt nun einfach d~m Bundesgerichte anheimgestellt,

zu entscheiden, welches Recht anwendbar ist.

2. -

Das Bundesgericht hat schon wiederholt entschie-

den, dass sich die Verjährung eines vertraglichen Anspru-

ches nach demjenigen Recht richtet, welchem die Obliga-

tion selbst unterworfen ist (BGE 12 S. 682, 38 11 S. 360;

vgl. auch die im erstgenannten Urteil S. 683 und die

bei NUSSBAUM, Internationales Privatrecht S. 235 N. 7

zitierten deutschen Entscheide). An dieser Praxis ist fest-

zuhalten. Sie entspricht auch der im Schrifttum heute

als herrschend zu bezeichnenden Auffassung (BOOKER,

Kommentar zum

OR, N: 5 vor Art. 127, MEILI,

Internationales Privat- und Handelsrecht Bd. I S. 210,

HOMBERGER, Die obligatorischen Verträge im interna-

tionalen Privatrecht S. 68 N. 1, Andre MERCIER, La

prescription liMratoire en droit international prive S. 96,

ZITELMANN, Internationales Privatrecht 11 S. 244, Nuss-

BAUM, Internationales Privatrecht S. 235 ff.).

Ihre

Rechtfertigung liegt in folgender, von Pasquale FIORE

(Diritto Internazionale Privato, terza edizione I No. 165

pag. 186) dargelegter Erwägung: « Infatti, se l'obbliga-

zione giuridica vale tanto in sostanza quanto il diritto

Obligationenrecht. No M.

369

deI creditore a costringere il debitort; alla prestazione,

la durata dell'azione si collega con la forza dell'obliga-

zione e deve essere conseguentemente retta dalla stessa

legge di essa. Quando due persone si obbligano, si deve

intendere pure convenuto fra di 101'0, che il termine entro

qui l'una pUD agire contro l'altra per costringerla all'a-

dempimento, debba dipendere dalla stessa legge sotto

di cui sia nate l'obbligazione, ed il diritto di azione ad

essa relativo. »

3. -

Die Bestimmung des anwendbaren Rechtes

bleibt im vorliegenden Falle aber trotzdem mit Schwie-

rigkeiten verbunden, weil Zahlstellen in verschiedenen

Ländern angegeben sind und die Bedeutung solcher

Zahlstellen eben für die Bestimmung des anwendbaren

materiellen Rechtes zum Mindesten als umstritten bezeich-

net werden muss, die Anwendbarkeit des schweizerischen

Rechtes an Stelle des bulgarischen mithin nich zum

Vornherein als unhaltbar von der Hand gewiesen werden

kann.

NUSSBAUM (Internationales Privatrecht S. 261)

stellt sich auf den Standpunkt, dass Zahlstellen keinerlei

Bedeutung für die Ermittlung des auf die Schuldver-

pflichtung anwendbaren materiellen Rechtes hätten, auch

nicht in dem Sinne, dass der Gläubiger, der sich für die

Einlösung bei der Zahlstelle X entscheidet, damit das

Schuldverhältnis dem Recht von X unterwerfe. Derselbe

Verfasser führt jedoch neben einem älteren, im gleichen

Sinne lautenden Urteil des deutschen Reichsgerichtes

zwei neuere Entscheidungen der gleichen Instanz an, in

denen in gegenteiligem Sinne erkannt worden ist (vgl.

insbes. das Urteil des Reichsgerichtes vom 14. November

1929 RGZ 126 NI'. 43 S. 196 ff.). In ihrem Erkenntnis

vom 6. November 1931 hat die staatsrechtliche Abteilung

des Bundesgerichtes bei Beurteilung des gegen das Urteil

des Appellationsgerichtes des Kantons Basel-Stadt im

Arrestaufhebungsprozess eingereichten staatsrechtlichen

Rekurses den Standpunkt der Beklagten verworfen, sie

sei auf Grund des bundesgerichtlichen Urteils i. S. Helle-

360

Obligationenrecht. No 54,.

nische Republik gegen Obergericht Zürich (BGE 56 I S.

237 ff.) als unselbständige, mit dem bulgarischen Staat

rechtlich identische Anstalt der schweizerischen Gerichts-

barkeit nur in beschränktem Masse und hier gar nicht

unterworfen, da die Zahlstellen in der Schweiz hier nur

zur Bequemlichkeit der Gläubiger und nicht als eigentliche

Erfüllungsorte angegeben worden seien; das Bundes-

gericht hat hiezu ansgeführt :

« Hierin liegt die Stipu-

lierung von Erfüllungsorten in der Schweiz; denn der

Gläubiger hat danach ein Recht darauf, dass der Schuldner

seinen Verpflichtungen aus dem Schuldverhältnis -

Zahlung der Zinsen und des Kapitals -

in der Schweiz

nachkomme und zwar in schweizerischer Währung. Die

Rekurrentin hat ihre Verpflichtungen nicht schon dadurch

erfüllt, dass sie den schweizerischen Banken die Mittel

zur Zahlung anweist (Versendungsschuld, wie die Rekur-

rentin das Verhältnis qualifizieren möchte, s. von· TUHR

OR 445), sondern erst dadurch, dass auf Vorweisung der

Coupons oder des Titels hin die Zahlung in der Schweiz

erfolgt.

Die im Interesse der Gläubiger im Ausland

begründeten Zahlstellen sind also nichts anderes als

Erfüllungsorte. Dass die Verlosung der zurückzuzahlen-

den Titel in Sofia stattfindet, ·ändert hieran selbstver-

ständlich nichts. Auch wenn also in Wahrheit der bul-

garische Staat Schuldner sein sollte, wäre der angefochtene

Arrest dennoch zulässig gewesen.» Allerdings hat sich

die staatsrechtliche Abteilung damit nicht zugleich auch

über das anwendbare Recht im vorliegenden Fall aus-

gesprochen. Doch hat das Bundesgericht in seiner Praxis

stets angenommen, dass die Wirkungen eines obligatorischen

Rechtsgeschäftes durch das Recht beherrscht werden,

das die Parteien selbst beim Geschäftsabschluss als mass-

gebend betrachtet haben und dass davon ausgegangen

werden müsse, sie hätten das Recht des Erfüllungsortes

als auf ihr Rechtsgeschäft anwendbar gehalten, wenn sie

sich nicht von Anfang an übereinstimillend und in schlüs-

siger Weise einem andern Recht unterworfen haben

Obligationenrooht. N° 54,.

361

(BGE 44 II S. 417, 47 II S. 550, 48 II S. 393, 49 II S.

75 und 235, 56 11 S. 41). Insbesondere in seinen beiden

Erkenntnissen aus neuerer Zeit gerade über die Rechts-

anwendung bei ausländischen Obligationenanleihen mit

Zahlstellen an schweizerischen Plätzen (BGE 54 II S.

257, 57 II S. 69) hat sich das Bundesgericht für das Recht

des Erfüllungsortes entschieden; i. S. Societe d'Hera-

clee contre Badan vom ll. Februar 1931 (BGE 57 II S.

72) hat es ausgeführt: « Le demandeur deduit ses droits

de la clause en vertu de laquelle les interets tSchus et las

obligations amorties sont payables a Geneve. Le lieu

d'execution du contrat conclu avec la defenderesse au

moment de l'acquisition des titres par le porteur se trouve

donc en Suisse, et c'est des lors le droit suisse qui regit

le litige, rien n'indiquant que les parties ment songe a

l'application d'un droit etranger (franc}ais ou ottoman).

La jurisprudence est constante sur ce point. »

Es ergibt sich nun aber gerade aus der letzten Erwägung,

dass das Bundesgericht beim Mangel ausdrücklicher

Rechtskiirung durch die Parteien nicht schlechthin, auf

Grund eines objektiven Prinzipes, auf das Recht des

Erfüllungsortes abstellt; vielmehr fällt dieses in Betracht,

wenn und weil es die Parteien beim Geschäftsabschluss

entweder wirklich als massgebend betrachteten oder doch

vernünftiger-

und billigerweise als anwendbar halten

konnten und mussten. Ob damit durch das Bundes-

gericht in Wirklichkeit doch ein selbständiges, subsidiäres

und unmittelbar anwendbares Prinzip verwendet oder der

Umweg über eine tatsächliche Vermutung der Parteien

zugunsten des Rechtes des Erfüllungsortes aufrecht erhal-

ten wird, kann als theoretische Frage offen gelassen

werden (vgl. darüber OSER-SCHÖNENBERGER, Kommentar

zum OR, N. 84 der Allgemeinen Einleitung bes. S. LXXI

und dort zit. Litt.); jedenfalls bleibt festzuhalten, dass

das Recht des Erfüllungsortes auch beim Mangel einer

ausdrücklichen Parteivereinbarung nicht anwendbar ist,

wenn der Parteiwille vernünftigerweise nicht auf dieses

362

Obligationenrccht. No 54.

Recht gerichtet sein konnte. In diesem Sinne ist auch

das Urteil des Bundesgerichtes von 13. September 1933

i. S. « MIAG» gegen Gebruder Bühler aufzufassen, wo

das Bundesgericht es deshalb abgelehnt hatte, auf das

Recht des Erfüllungsortes abzustellen, weil die Parteien,

wenn sie an die Rechtsanwendung gedacht hätten, ver-

nünftigerweise auf alle Wirkungen des Vertrages ein

einheitliches Recht anwendbar erklärt hätten, das Vor-

handensein verschiedener Erfüllungsorte eine solche ein-

heitliche Rechtsanwendung aber nicht gewährleistet hätte.

Im erwähnten Fall der SocieM d'HeracIee contre Badan

sowohl als im frühern Fall Huttinger et Bernet contre

Credit foncier franco-canadien et de la Bourdonnaye

(BGE 54 II S. 257 ff.) war aber die genannte Voraus-

setzung für die Anwendung des schweizerischen Rechtes

als Recht des ErfüllUngsortes gegeben gewesen.

Es

hatte sich um Anleihen gehandelt, die auch in der Schweiz

zur Ausgabe gelangt und für die Zahlstellen im Inland

angegeben gewesen waren. Entscheidend ist, dass die

Kläger schweizerische Obligationenzeichner oder -inha-

ber mit Wohnsitz in Genf, just an einer der Zahlstellen,

gewesen waren, und dass sie auch dort die Klage einge-

reicht hatten. Es konnte also damals kein Zweifel herr-

schen, dass das Recht des Erfüllungsortes das Recht

«correspondant a la volonte des parties d'y soumettre

implicitement leurs relations juridiques» war.

Im vorliegenden Fall dagegen lässt sich die Anwendung

des schweizerischen Rechtes nicht rechtfertigen, auch

wenn man mit der staatsrechtlichen Abteilung die Zahl-

stellen als Erfüllungsorte ansieht und wiewohl das Anleihen

der Beklagten u. a. auch in der Schweiz zur Ausgabe

gelangt war und schweizerische Zahlstellen angegeben

waren. Die K1ägerin ist keine schweizerische Gesellschaft,

denn sie hat ihren Sitz in Berlin, und sie ist ja übrigens

in eine Form gekleidet, die dem schweizerischen Recht

nicht oder noch nicht bekannt ist. Da die Obligationen

des Anleihens Inhaberpapiere sind, muss angenommen

Obligationenrecht. No 54.

363

werden, die Klägerin selbst sei Eigentümerin der geltend

gemachten Coupons und diese verkörpern ihre Forde-

rungen. Aber auch wenn sie im Auftrage Dritter handeln

würde, müsste ohne Weiteres angenommen werden, dass

Auftraggeber deutsche oder in Deutschland domizilierte

Personen seien, und es muss weiter davon ausgegangen

werden, dass die Klägerin oder allfällige Auftraggeber

oder ihre Rechtsvorgänger die Titel seinerzeit keineswegs

bei der Ausschreibung des Anleihens in der Schweiz

erworben hatten.

Wieso nun aber deutsche Zeichner

einerseits und die bulgarische Nationalbank anderseits

bei Abschluss des Rechtsgeschäftes vernünftigerweise an

das schweizerische Recht als anwendbares Recht gedacht

haben sollten, ist schlechthin unerfindlich. Die Klage ist

nicht etwa in Basel anhängig gemacht worden, weil die

Parteien ihre Rechtsbeziehungen von Anfang an dem

schweizerischen Recht unterstellt hätten, sondern aus dem

einfachen Grunde, weil die Klägerin dort einen Arrest

hatte nehmen können. Die Beklagte hat ja auch einen

Arrestaufhebungsprozess angestrengt und noch vor Bun-

desgericht mit einem staatsrechtlichen Rekurs geltend

gemacht, sie sei der schweizerischen Gerichtsbarkeit nicht

unterworfen; es nimmt sich daher sonderbar aus, dass

sie heute plötzlich ihre Rechtsbeziehungen mit der Klä-

gerin von Anfang an dem schweizerischen Recht unter-

worfen haben will. Die Klägerin auf der andern Seite hat

die Coupons zuerst in Belgien zur Zahlung vorgewiesen,

was sie gewiss auch nicht getan hätte, wenn sie mit der

Beklagten von Anfang an das schweizerische Recht als

anwendbar gehalten hätte oder vernünftigerweise als

anwendbar hätte halten sollen, denn in diesem Falle

hätte es nahe gelegen, dass sie die Coupons bei einer

schweizerischen Bank vorgewiesen hätte.

4. -

Auf das schweizerische Recht kann auch nicht

etwa als lex fori abgestellt werden. Das Bundesgericht

hat übrigens bereits, in Übereinstimmung mit der in der

Literatur vertretenen Auffassung (OSER-SCHÖNENBERGER,

364

Obligat,ionellrecht. No 55.

Kommentar zum OR, N. 79 der Allgemeinen Einleitung),

erkannt, dass im Arrestprozess nicht die lex fori heran-

gezogen werden kann (BGE 46 II S. 489; vgl. auch das

nicht publizierte Urteil vom 21. März 1933 i. S. Eckert

c. Chalen90n et Moulin).

Ob auf den Streitfall an Stelle des schweizerischen

das bulgarische Recht anwendbar sei, wie die Vorinstanz

anzunehmen scheint, oder das deutsche, kann offen

gelassen werden, da das Bundesgericht jedenfalls nicht

zuständig ist, auf die Berufung einzutreten.

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Auf die Berufung wird nicht eingetreten.

55. Arrit de la Ire section civile du 26 Beptembre 1933

dans la cause 1I,dtiera lIess contre DeacCIludrea.

Solidariti imparjaite. La regle suivant laquelle le lese peut roola.-

mer la reparation de tout le dommage S I'une ou S l'autre

des personnes qui en sont responsables sa.ns avoir commis

une faute commune, souffre notamment une exception lorsque

la responsabilite du defendeur ~pose sur une faute et qua

celle-ci est attenuee a raison de 130 faute concomitante d'un

tiers. Il an sera ainsi lorsque cette derniere faute aura

influe sur 130 conduite dommageable du defendeur recherche.

(Consid. 1.)

Il convient d'ohserver une certaine retenue dans l'evaluation

poouniaire de la perte de 8outier., en particulier lorsqu'il est

vraisemblable que le soutien de ses parents se serait marie.

(Consid. 2.)

A.. -

Le dimanche 12 juilJet 1931, Max-Albert Hess,

qui avait pm place sur le siege amere d'une motocyclette

pilotee par Otto Krebs, a trouve la mort, de meme que

son camarade, dans une collision avec l'automobile con-

duite par le Dr Descooudres.

Une instruction penale a ete ouverte apres l'accident,

et dans son jugement du 2 decembre 1931 10 Tribunal

Obligationenreoht. :No 55.

365

de police de la Chaux-de-Fonds a constate en fait ce

qui suit:

Le dimanche 12 juiHet 1931, vers 18 h. 30, entre Oensin-

gen et Niederbipp, l'automobile du Dr Descooudres

roulait dans la direction de cette derniere localite derriere

la machine moins puissante d'A. Girard. A environ 450 m.

de Niederbipp, voyant la route libre devant lui sur plus

de 150 m., le Dr Descooudres demanda le passage et

Girard ralentit son aHure a 40-45 km. Descooudres accelera

et amor9a ]e depassement. Il constata qu'au sud de la

route le rail de la voie ferree du Jura etait saillant et

qu'une declivite de 5 a 10 cm. separait la route de la

voie, celle-ci etant situee plus bas. Les roues gauches

de la machine Descooudres s'engagerent entre la declivite

et le rail. Cela obligea le conducteur a ralentir pour ne

pas etre projete contre l'automobile de Girard dans la

manoouvre du retour a droite.

Au moment ou Descooudres doublait la voiture Girard

et occupait la gauche de la route, la motocyclette de

Krebs et de Hess deboucha a vive allure de Niederbipp

et, tenant sa droite, continua a rouler a une vitesse de

60 a 70 km. a l'heure au minimum. Krebs pouvait voir a

une assez grande distance la mauoouvre de depassement.

Neanmoins il ne ralentit pas. Au dernier moment, il se

dirigea un peu vers la gauche puis repl'it sa droite et

vint se jeter contre l'automobile de Descooudres. Au

meme moment, le Dr Descooudres, dont la voiture, encore

engagee en partie dans la declivite de la route, se trouvait

a une vingtaine de metres en avant de l'automobile

Girard, parvint a braquer sa maehine et a obliquer sur

la droite pour reprendre l'autre cöte de la route. A l'instant

de la collision, Descooudres freina a fond; sa voiture

fit encore quelque quatre metres, poussant la moto-

cyclette encastree dans son radiateur. Le choe fut extre-

mement violent. Krehs fut tue sur le coup (fractures

du sternum, de la colonne vertebrale, etc.). Hess, projete

par-dessus la machine de· DescooUdres, tomba devant