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59_III_217

BGE 59 III 217

Bundesgericht (BGE) · 1933-01-01 · Deutsch CH
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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 52.

wurde, brauchte sie nicht zu rechnen -

ähnlich wie der

Empfänger einer Spezialanzeige von der Liegenschaften-

steigerung sich darauf verlassen ~f, dass der Inhalt

der Anzeige mit demjenigen der Publikation überein-

stimme, und nicht gehalten ist, daneben noch die Publi-

kation einzusehen (BGE 56 III 63). Stimmen aber Aus-

zug und Verteilungsplan in Wirklichkeit nicht überein,

so ist der (irreführende) Auszug nicht geeignet, die Frist

zur Anfechtung des (fehlerhaften) Verteilungsplanes in

Gang zu setzen. Diese Frist kann vielmehr dem Gläubiger

erst von dem Moment an laufen, wo er Kenntnis vom

wirklichen Inhalt des VerteiIungsplanes erhielt. Im

vorliegenden Fall geschah dies in zuverlässiger Weise

erst am 20. Mai durch die Antwort des Betreibungsamtes

vom 19. Mai, sodass die am 30. Mai der Post übergebene

Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist.

~~Was das Betreibungsamt dagegen einwendet, ist durch-

aus unbehelflich: Das Amt wird auf Grund eines von

der Aufsichtsbehörde ausgestellten Zeugnisses darüber.

dass keine Beschwerde gegen den Verteilungsplan ein-

gegangen sei, ohne weiteres zur Verteilung schreIten

können, wenn es vorher die Beschwerdefrist allen Gläu-

bigern gegenübeI'~ durch Zustellung von einwandfreien

Auszügen in Gang gebracht hat. Dass es im vorliegenden

Fall den beabsichtigten Abzug von 650 Fr. nicht habe

zur Darstellung bringen können, weil das Formular

Nr. 20 VZG keinen entsprechenden Vordruck enthalte,

vermag

7 nicht -v durchzuschlagen; es wird dem Beamten

nicht zuviel zugemutet, wenn- man von ihm verlangt,

dass er in so1chen FäUen einen handschriftlichen Zusatz

beifüge, wenn derselbe notwendig ist, um eine Irreführ~

des Gläubigers zu vermeiden.

'~' 3. -

Dass der im VerteiJungsplan vorgesehene Abzug

von 650 Fr. materielll unbegründet ist, wird auch vom

Betreibungsamt anerkannt.

Infolgedessen ist die Be-

schwerde mit Recht gutgeheissen worden. Der UlllStand,

dass das Amt die 650 Fr. bereits dem der Beschwerde-

Pfandn8chJ8l?8verfahren. N0 53.

217

führerin im Rang nachfolgenden Gläubiger ausbezahlt

hat, spielt keine Rolle; das Amt hat sich, wie schon die

Vorinstanz ausgeführt hat, nötigenfalls wegen der Be-

schaffung des Geldes an den Staat zu wenden und sich

im übrigen selbst um den Wiedereingang des an die

unrichtige Adresse geleiteten Betrages zu bemühen (BGE

50 III 74 und dort angeführte frühere Urteile).

Demnach erkennt die Schuldbetr.-u. Konkur8kammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.

B. PfandnachlassverfabreD.

Procedure de concordat bypoLhecaire.

ENTSCHEIDUNGEN DER SCHULD-

BETREffiUNGS· UND KONKURSKAMMER

ARR~TS DE LA CHAMBRE DES POURSUITES

ET DES FAILLITES

53. Ents::heid vom S. Sep~ember 1933 i. S. S:hmidt.

P fan d n ach las s ver f a h ren (Bundesbeschluss vom

30. September 1932) :

Ein sol i dar i s c h

haftender

B ü r g e

oder

~I i t ver _

p f 1 ich t e t e r, der während der Dauer des Pfandnachlass-

verfahrens Aus d e h nun g der (provisorischen) Kap i -

tal s tun dun g auf sich selbst verlangt hat, jedoch aus

einem materiellen Grund (auch Beweislosigkeit) abgewiesen

worden ist, kann immerhin, aber regelmässig nur noch Aus-

delmung der Stundung auf sich mit dem Hauptentscheid

verlangen.

ProcUure de O~

hypotMcaire (Arrete federal du 30 sep-

tembre 1932):

218

Pfandnachlassverfahren. N° 53.

Demande formulee en COlUS de procedure par un CQoblige ou une

caution solidaire et tendant a ce que le benefice du sursis concor-

dataire soit etend;u a son profit (sursis provisoire pour le rem-

boursement des capitaux). -

Demande rejetec par des motifs

da droit materiel (notamment pour dMaut de preuve). -

Nonobstant ce rejet, la caution ou le cooblige peut encore, dans

la regle, demander I 'extension du sursis a son profit, mais

seulement a I'occasicn de la decision au fond.

Procedura dei concordato ipotecario (decreto federale 30 set-

tembre 1932) :

Domanda proposta nel corso deI procedimento da un coobligato 0

da un jidejussore in solido affinehe gli sia concesso ilbeneficio

della moratoria (moratoria provvisoria per il rimborso de

capitali). -

Domanda respinta per ragioni di merito (special-

mente per mancanza di prove). -

Nonostante la reiezione,

il fidejussore 0 il coobbligato puo, di regola, chiedere ancora

l'estensione della moratoria ase, ma solo in occasione della

decisione sul merito.

A. -

Der Rekurrent, solidarischer Mitbürge einer durch

Hypothek im dritten Rang auf dem~Sanatorium Solsana

in Davos versicherten Forderung der Schweizerischen

Kreditanstalt gegen die A.-G. Sanatorium Solsana im

Betrage von rund 100,000 Fr., hatte nach Eröffnung des

Pfandnachlassverfahrens über die A-G. Sanatorium Solsana

um Ausdehnung der Stundung auf ihn nachgesucht, war

jedoch durch Entscheid des Bundesgerichtes vom 19. Juni

1933 (S. 188 hievor) abgewiesen worden wegen Fehlens

des Nachweises, dass er ohne die Stundung in seiner

wirtschaftlichen Existenz gefährdet wäre.

Daraufhin

stellte der Rekurrent am 3. Juli beim Sachwalter zu Handen

der Nachlassbehörde neuerdings das Gesuch um Aus-

dehnung der Stundung auf ihn.

Die Schweizerische

Kreditanstalt erhob die Einrede der abgeurteilten Sache.

B. -

Der Bezirksgerichtsausschuss Oberlandquart als

Nachlassbehörde hat am 1. August 1933 das Gesuch

abgewiesen, in erster Linie weil es sich um eine res judicata

handle, m.a;W. der Bezirksgerichtsausschuss angesichts

des Bundesgerichtsentscheides den Fall nicht neuerdings

behandeln und entgegen dem blindesgerichtlichen Ent-

scheid die Stundung bewilligen könne.

Pfandnaehla.ssverfahren. No 53.

219

O. _. Diesen Entscheid hat der Rekurrent an das Bun·

desgericht weitergezogen mit den Anträgen auf Aufhebung

desselben und Ausdehnung der der A.-G. Solsana bewil-

ligten Pfandstundung auf ihn, eventuell Rückweisung an

die Vorinstanz bezw. an den Sachwalter zwecks Wieder-

aufnahme und Durchführung des Verfahrens.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

zieht in Erwägung :

Wie im früheren Entscheide näher auseinandergesetzt

wurde, kann der solidarisch haftende Bürge oder Mitver-

pflichtete nicht erst Ausdehnung der im Hauptentscheid

anzuordnenden PfandnachlassmassnahIile der Kapital-

stundung auf sich verlangen (worüber natürlich nicht vor

dem Hauptentscheid befunden werden kann), sondern

schon während der Dauer des Pfandnachlassverfahrens

Ausdehnung der dem Hauptschuldner in Gestalt der

Nachlasstundung gewährten provisorischen Kapitalstun-

dung. Wird er mit seinem Gesuche letzterer Art aus einem

materiellen Grund, z.B. wie hier wegen Fehlens der Exi-

stenzgefährdung, abgewiesen, so ist nicht einzusehen,

warum einem noch während der Dauer des Pfandnachlass-

verfahrens erneuerten gleichen Gesuche nicht die Einrede

der abgeurteilten Sache entgegengesetzt werden. könnte,

mindestens wenn es sich nicht auf erheblich veränderte

Verhältnisse zu stützen vermag (vgl. BGE 47 III S. 190

und 59 III S. 45/6 Erw. 2). Inwiefern letzteres hier der

Fall wäre, ist jedoch nicht ersichtlich; vielmehr unter-

scheidet sich das vorliegende Gesuch vom frühem wesent-

lich nur insofern, als der Rekurrent sich jetzt anheischig

macht, Behauptungen, die er schon damals aufgestellt hat

oder hätte aufstellen können, auch zu beweisen. Hat es die

Vorinstanz daher mit Recht abgelehnt, auf das wiederholte

Gesuch des Rekurrenten um Ausdehnung der ·Stundung

auf ihn für die (noch verbleibende) Dauer des Pfandnach-

lassverfahrens einzutreten, so muss diesem doch unbenom-

men bleiben, zu verlangen, dass seinerzeit mit dem Haupt-

22U

Pfandnachlllo9llverlahren. lio 54.

entscheid die Pfandnachlassmassnahme der Kapitalstun-

dung auf ihn ausgedehnt werde, was ihm ja auch möglich

wäre, wenn er überhaupt gar kein Gesuch um Ausdehnung

der provisorischen Stundung auf sich gestellt hätte. Hiefür

ist nur erforderlich, dass er das Gesuch mit den Ausweisen

zu dessen Begründung bis zur Gläubigerversammlung dem

Sachwalter einreiche, der es dann (nach selbst eingeholter

Vernehmlassung der Schweizerischen Kreditanstalt) erst

mit seinem Gutachten gemäss Art. 304 SchKG an die

Nachlassbehörde weiterzuleiten hat, die alsdann ihrerseits

erst in Verbindung mit dem Hauptentscheid darüber zu

befinden hat (Art. 39 Aba. 1, Abs. 2 am Schluss, 41 Abs. 4

des Bundesbeschlusses vom 30. September 1932).

Demnach erkennt die 8chuldbetr.- 'U. Konkur8kammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.

54. A.rr~t du 15 septembre 1933 dans la causa Da.me Ganton.

Le concordat hypathecaire lIßtelier peut etre accorde au debiteur

meme apres le prononOO [de faillite (changement de juris-

prudence).

Das P fan d n ach las s ver f a h ren (Bundesbeschluss vom

30. September 1932) kann. einem-Schuldner selbst nach Eröff-

nung des Konkurses bewilligt werden (Änderung der Recht-

sprechung).

Il concordato ipotecario alberghiero puö essere accordato al

debitore anche dopo la dichiarazione del fallimento (cambia-

mento di giurisprudenza).

A. -

Dame Elise Genton, proprietaire de l'Hötel du

Col des Mosses, a eM declaree en faillite Ie 24 janvier 1933.

La Societe fiduciaire suisse pour l'hötel1erie s'etant

declaree prete a Iui venir en aide, Dame Genton a adresse,

Je 6 mai 1933, au President du Tribunal d'Aigle une

premiere requete tendant a l'ouverture de ]a prooodure

de concordat hypothecaire prevuepar l'arreM du 30 sep-

tembre 1932. Cette requete a eM rejetee par decision du

Pfandnaehlasaverlahren. No 54.

221

13 mai contre laquel1e Dame Genton a forme un recours

a la Chambre des Poursuites et des Faillites du Tribunal

federal. Son recours a eM rejete pour cause de tardiveM.

B. -

Le 28 juin 1933, Dame Genton a adresse au Pre-

sident du meme Tribunal une seconde requete tendant

aux memes fins, mais accompagnee d'un projet modifie.

Par decision du 5 juillet 1933, le President du Tribunal

d'Aigle a rejeM cette nouvello requete. Tout en reconnais-

sant que Dame Genton etait recevable en sa demande,

etant donnee la difference des deux projets, il a juge

que l'aITI~M du 30 septembre 1932 etant identique en sa

lettre oomme en son esprit a l'ordonnance du 18 decembre

1920, il devait s'en tenir a la jurisprudence inauguree

par l'arret Boosch du 6 mai 1921 (RO 47 III p. 59 et suiv.),

qui avait pose 1e principe qu'un concordat hypothecaire

n'etait pas admissihle une fois la faillite declaree.

O. -

Dame Genton a recouru contre cette decision a

la Chambre des Poursuites et des Faillites en lui deman-

dant de revenir sur sa jurisprudence et d'ordonner Je

renvoi de la cause au premier juge pour qu'il fasse droit

a sa requete.

Oonsiderant en droit :

S 'il est exact, ainsi que le releve le Pr6sident du Tribunal

d'Aigle, que la Chambre des Poursuites et des Faillites

adenie la possibilite d'accorder Ie b6nefice du concordat

hypothecaire au d6biteur en faillite (arret Boosch du

6 mai 1921, RO 47 HI p. 59 et suiv.) et que, d'autre part,

les dispositions de l'arreM du 30 septembre 1932 qui regit

actuellement la matiere sont identiques a celles de)'ordon-

nance du 18 decembre 1920 sous l'empire delaquelle cette

decision a ete rendue, il resulte toutefois d'un nouvel

examen de la question que cette jurisprudence ne saurait

etre maintenue. Si l'on reprend, en effet, les motifs a la

base de l'arret Boosch. on constate que l'argumentation

de la Chambre reposait essentiel1ement Sur l'absence d'une

reglementation detaill6e des questions que pouvait sou-