opencaselaw.ch

58_III_115

BGE 58 III 115

Bundesgericht (BGE) ·III · 1932-07-20 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Erwägungen (1 Absätze)

E. 9 11S Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 30. zu erfolgen habe, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu erörtern. Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

29. Entscheid vom 20. Juli 1932 i. S. Vaterlaus.

Eine von mehreren Gläubigern als Streitgenossen angehobene

Betreibung besteht solange zu Recht, als sie auch nur von

einem einzigen der Gläubiger aufrechterhalten wird.

La poursuite intenMe par plusieurs crea.nciers agissant comme

consorts reste en vigueur tant que fß.t-ce un seul des crea.nciers

130 maintient.

Un'esoouzione intentata da piu creditori agenti come consorti

~esta valida fintantoche sia. pure un solo ~creditore persiste

In essa.

Am 15. Januar 1931 erwirkte Rechtsanwalt Dr. Schnei-

der namens A. Winkler, E. Streuli und R. Lory als Zes-

116

Sehnldbetreibungs- und Konkurnrecht. XO 29.

sionaren des 'V . Neuweiler gegen den Rekurrenten Vaterlaus

beim Betreibungsamt Interlaken einen Zahlungsbefehl

No. 258 für eine Forderung von ca. 7000 Fr. In der

Folge wurde in dieser Betreibung u. a. eine Forderung

des Schuldners Vaterlaus gegen A. Winkler gepfändet, für

welche Vaterlaus bereits Betreibung (No. 13851) ange-

hoben und eine Lohnpfändung von 160 Fr. monatlich

erwirkt hatte.

Als Dr. Schneider in der Betreibung

No. 258 das Verwertungsbegehren stellte, legte der Rekur-

rent dem Betreibungsamt eine Erklärung des E. Streuli

vor, nach welcher Streuli

« seinerseits die Betreibung

No. 258 gegen Vaterlaus zurückzieht und ... keinerlei

Forderung auf denselben habe».

Überdies führte er

Beschwerde mit dem Antrag, in der Betreibung No. 258

gestützt auf jene Erklärung des Streuli das Verwer-

tungsbegehren aufzuheben bezw. die Betreibung einzu-

stellen.

l\fit Entscheid vom 25. Juni 1932 hat die kantonale

Aufsichtsbehörde die Beschwerde abgewiesen, worauf der

Rekurrent rechtzeitig an das Bundesgericht gelangte mit

dem Antrag,

1. die Betreibung No. 258 einzustellen und das Verwer-

tungsbegehren vom 26. April 1932 aufzuheben,

2. eventuell die Betreibung -No. 258 mit der Betreibung

No. 13851 zur Verrechnung zu bringen.

Die Schuldbetreibung;- und Kankurskammer

.

zieht in Erwägung :

Das Bundesgericht hat schon in BGE 35 I 820 = Sep.

Ausg. 12 S. 291 entschieden, von Betreibungsrechts wegen

stehe dem nichts entgegen, dass mehrere Gläubiger, welche

als Streitgenossen auftreten und durch einen gemeinsamen

Vertreter handeln, ihre Forderung in einer einzigen Be-

treibung geltend machen. Es fragt sich nun, welche Folge

es habe, wenn in einer solchen Betreibung einer der meh-

reren Gläuhiger nachträglich auf die Betreibung verzichtet.

Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 29.

117

Mit Recht hat die Vorinstanz angenommen, dass die

Betreibung für die übrigen Gläubiger weiter bestehe.

Ein vollständiges Dahinfalien käme nur in Betracht, wenn

feststünde, dass der verzichtende Gläubiger auch für die

andern verbindlich über die Forderung verfügen kann;

ob das jedoch im einzelnen Fall zutrifft, beurteilt sich

nicht nach den Vorschriften des Betreibungsrechtes,

sondern nach dem materiellen Zivilrecht, und ist daher

der Überpfürung durch die Betreibungs- und Aufsichts-

behörden entzogen. Für die Betreibungsbehörden besteht

eine Betreibung infolgedessen solange zu Recht, als sie

überhaupt von einem der mehreren Gläubiger aufrecht-

erhalten wird.

Sollten nach dem Ausscheiden eines einzelnen Gläubigers

die übrigen nach Massgabe des materiellen Rechtes nicht

mehr berechtigt sein, die ganze Forderung einzutreiben,

so wäre das vom Schuldner gemäss Art. 77 SchKG durch

nachträglichen Rechtsvorschlag geltend zu machen. Wenn

dem Schuldner, dessen Gläubiger die Forderung erst

nach Ablauf der Rechtsvorschlagsfrist einem Dritten

abtritt, das Recht des Art. 77 SchKG gewährleistet wird,

damit er die ihm gegen den neuen Gläubiger zustehenden

Einreden vorbringen kann, so muss dies auch gelten in

einem Fall der vorliegenden Art, wo die (verbleibenden)

Gläubiger erst nach Ablauf der Rechtsvorschlagsfrist das

Recht verlieren, auf dem Betreibungsweg vorzugehen

(vgl. BGE 22 S. 670). Eine Aufhebung der Betreibung

kommt dagegen nicht in Frage.

Auf das Eventualbegehren kann nicht eingetreten wer-

den, weil es erst vor Bundesgericht gestellt wurde (Art. 80

OG). Übrigens müsste es ebenfalls abgewiesen werden,

denn Betreibungen können nicht miteinander verrechnet

werden; der vom Rekurrenten hiezu angeführte Entscheid

BGE 54 III No. 47 behandelt eine ganz andere Frage.

In welcher Weise sodann die Verwertung der in Betrei-

bung No. 258 gepfändeten Guthaben, insbesondere der

der Betreibung No. 13851 zu Grund liegenden Forderung,

AB 58 m -

1932

9

11S

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 30.

zu erfolgen habe, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu

erörtern.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :

Der Rekurs wird abgewiesen.