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56_II_289

BGE 56 II 289

Bundesgericht (BGE) · 1930-01-01 · Deutsch CH
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Obligationenrecht. No 47.

dass Oury nach seinen Zeugnissen als ein äusserst zuver-

lässiger Chauffeur gelten konnte, der während der zehn

Jahre seiner Tätigkeit nie wegen Übertretung der Fahr-

.vorschriften polizeilich gebüsst worden war. Der Beklagte

hat demgemäss bei der Auswahl und Anstellung Oury's

alle erdenkliche Sorgfalt angewendet. Aber auch zu seiner

Instruktion hat er das Gebotene getan, denn es steht

fest, dass er Oury wie auch den andern Chauffeuren

wiederholt eingeschärft hatte, langsam und vorsichtig

zu fahren. Ferner hat er ihm nicht zu viel Arbeit auf-

gebürdet, sodass der Chauffeur auch nicht tatsächlich,

entgegen der Instruktion, genötigt war, rasch und unvor-

sichtig zu fahren oder sich zu ermüden. Unter diesen

Umständen ist gar nicht ersichtlich, welche erforderlichen

Vorsichtsmassregeln der Beklagte überhaupt unterlassen

hat. Einzig eine ständige Überwachung fehlte.

Eine

solche aber war weder zweckmässig -

da bei der Lenkung

eines Kraftwagens grundsätzlich der Steuermann allein

disponieren und ihm keiner dreinreden soll -

noch zu-

zumuten und geboten.

Der Entlastungsbeweis ist dem Beklagten daher ge-

lungen, und die Klage ist in Übereinstimmung mit den

kantonalen Instanzen abzuweisen .. Auf die Frage der

Verursachung und der Verschuldung des angeblichen

Schadens dureh Oury braucht nicht' eingetreten zu werden,

da weder Oury eingeklagt, noch seine Regresspflicht

streitig ist.

De:mnach erkennt das Bundesgericht:

Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des

Obergerichtes des Kantons Zürich vom 8. April 1930

wird bestätigt.

Obligationenrecht. X. 48.

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48. Arrit da 1a Ire Seetion civile du 97 septembre 1930

dans la causa Dame Dornbierer

contre Meyer et Guttmann 84 Gacon.

ResponsabiliU de l'employeur. L'art. 55 co, institue une respon-

sabiliM Cll.usale temperee par 1a faculM du defendeur de fournir

1a preuve lib6ratoire precisee par la loi.

Ext1'ait des moti/s :

Les employeurs Guttmann et Gaeon ne peuvent se

liberer que s'ils fournissent la preuve tres rigoureuse que

leur impose l'art. 55 CO, et Hs supportent le risque de

ne pouvoir faire cette preuve. L'ancienne doctrine et la

jurisprudence partaient de l'idee que la preuve avait

pour objet l'absence de toute faute imputable a l'em-

ployeur; elles faisaient done reposer la responsabilire sur

une faute de l'employeur, faute qu'elles admettaient tou-

jours lorsque le defendeur ne se disculpait pas. Une inter-

pretation plus recente, a laquelle se sont rallies les com-

mentateurs du CO et le Tribunal fOOeral (OSER, 2e 00.,

Rem. 18 et 24 ad art. 55; VON TUHR, partie glmerale du

CO § 49 I; CHAMOREL, La responsabilire de l'employeur,

p. 31; HOMBERGER, Haftpflicht ohne Verschulden;

PETITPIERRE, La responsabilire causale, rapports a la

Sociere sulsse des juristes, 1930 p. 7 a et 71 a; RO 45 II

p. 85 et 86, 49 II p. 94, 50 II p. 493 et les arrets Breda

c. Aguet et Sociere «Ego I), du 27 mai 1930, et GIere contre

Senlrer et Anthamatten, du 17 juin 1930) est plus severe

pour l'employeur. Sa responsabilire est engagee indepen-

da;mment d'une faute qui lui serait imputable ou qui

semit im,putable a son employe. La preuve liberatoire

que la loi Iui permet de fournir ne resulte donc pas de

l'absence d'une faute positive de sa part (Exkulpations-

beweis), mais du fait qu'il aurait pris toutes les mesures

necessaires en pareilles circonstances (Exzeptionsbeweis).

La responsabilire instituee par l'art. 55 est une respon-

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Obligationenrecht. N° 49.

sabilite causale temperee par la faculte de rapporter la

preuve liberatoire precisee par la loi.

Les defendeurs ont echoue dans cette preuve. 11 suffit

a cet egard de constater qu'ils ont charge leur chauffeur

de faire le service de nuit du cafe de I' A viation, alors

qu'il avait commence sa journee de travail a sept heures

du matin. En surmenant de la sorte leur employe, ils

ont manque de la diligence exigee par l'art. 55 pour leur

liberation. Rien ne permet en effet de dire que meme

s'ils avaient confie ce travail a un chauffeur repose, l'acci-

dent se serait quand meme produit. 11 est au contraire

vraisemblable que Meyer, vu sa fatigue, n'etait plus· ca-

pable, vers trois heures du matin, de preter a la route

l'attention voulue et que, presse de terminer sa longue

journee de travail, il a eM induit a acceIerer son allure

au mepris de la prudence la plus eIementaire.

49. Auszug a.us dem Urteil der I. Zivilabteilung

vom SO. September .1930

i. S. Dobler gegen Spar- und .oa.rlehenska.sse Linkenheim.

Böser Glaube des Indossatars beim Erwerb des Wechsels: Grobe

Fahrlässigkeit genügt nicht zum Schutz der e:r;ceptio doli.

A. -

Die Firma Alfred Meng G. m. b. H. betrieb in

Linkenheim bei Karlsruhe eine Kochherdfabrik. Durch

Vertrag vom 21. März 1928 verkaufte sie der Frau

Therese Dobler in Zürich 200 Gasherde und verpflichtete

sich, diese samt Zugehör zum vereinbarten Preise und

gegen eine Anzahlung von 6000 Fr. nach Zürich zu liefern.

Zur Erfüllung der Anzahlungspflicht sandte Frau Dobler

am 29. März 1928 einen akzeptierten Wechsel an eigene

Ordre, auf dem die Unterschrift des Ausstellers noch

fehlte, in der Höhe von 6000 Fr. und mit Verfall am

15. Juli 1928 an Frau Meng, die Ehefrau des Gesohäfts-

Obligationenrecht. N° 49.

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führers der Alfred Meng G. m. b. H. Dem Wechsel legte

sie aus~r einem Brief an Frau Meng ein Begleitschreiben

an die Spar- und Darlehenskasse Linkenheim bei, worin

sie diese Bank anwies, den Wechsel der Alfred Meng

G. m. b. H .. nur auszuhändigen, wenn bis spätestens

15. April 1928 das Doppel des Frachtbriefes über die

Versendung von 100 Herden durch die Firma Meng

G. m. b. H. vorgewiesen werde. Nach Empfang des

Wechsels teilte Frau Meng von Karlsruhe aus dem Ange-

stellten Zwecker der Spar- und Darlehenskasse Linken-

heim telephonisch mit, dass sie das Akzept erhalten habe.

Zwecker trug ihr auf, dieses durch den zur Zeit allein in

Linkenheim anwesenden Geschäftsführer DachseIt der

Alfred Meng G. m. b. H. unterzeichnen zu lassen. Darauf

fuhr Frau Meng am andern Tag nach Linkenheim und

zeigte den Wechsel und die beiden Begleitschreiben Dach-

seIt, der sie in die Hände nahm oder an sich riss, und der

sich weigerte, sie zurückzugeben. Es kam zu einem Streit,

bei dem Frau Meng sogar den Polizei diener herbeirufen

lassen musste. Es gelang ihr aber nicht, wieder in den

Besitz der Papiere zu gelangen. Sie machte dem Ange-

stellten Lang der Spar- und Darlehenskasse, dem Bürger-

meisteramt Linkenheim und Frau Dobler Mitteilung vom

Verhalten Dachselt's. Frau Dobler antwortete ihr, sie

werde der Ba~k eine Abschrift des Akzeptes zukommen

lassen, und Frau Meng unterliess es darauf, weitere

Schritte zu unternehmen. In einem Brief an Frau Dobler

vom 2. April 1928 gestand Dachseit ohne Umschweife zu,

dass es ihm « gelungen sei, das Akzept in die Hände zu

bekommen I). Er fügte bei, dass er absichtlich nur den

Brief an die Bank weitergeleitet habe; das Akz~pt habe

er auf dem Bürgermeisteramt Linkenheim mit der Bestim-

mung hinterlegt, es herauszugeben, wenn ein der Firma

gehörender, Frau Meng in widerrechtlicher Weise durch

den Geschäftsführer Meng übergebener EigentÜlliergrund-

schuldbrief zurückerstattet werde. Auf dem Bürgermeister-

amt blieb der Wechsel etwa zwei Wochen liegen. Inzwi-