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Obligationenrecht. No 47.
dass Oury nach seinen Zeugnissen als ein äusserst zuver-
lässiger Chauffeur gelten konnte, der während der zehn
Jahre seiner Tätigkeit nie wegen Übertretung der Fahr-
.vorschriften polizeilich gebüsst worden war. Der Beklagte
hat demgemäss bei der Auswahl und Anstellung Oury's
alle erdenkliche Sorgfalt angewendet. Aber auch zu seiner
Instruktion hat er das Gebotene getan, denn es steht
fest, dass er Oury wie auch den andern Chauffeuren
wiederholt eingeschärft hatte, langsam und vorsichtig
zu fahren. Ferner hat er ihm nicht zu viel Arbeit auf-
gebürdet, sodass der Chauffeur auch nicht tatsächlich,
entgegen der Instruktion, genötigt war, rasch und unvor-
sichtig zu fahren oder sich zu ermüden. Unter diesen
Umständen ist gar nicht ersichtlich, welche erforderlichen
Vorsichtsmassregeln der Beklagte überhaupt unterlassen
hat. Einzig eine ständige Überwachung fehlte.
Eine
solche aber war weder zweckmässig -
da bei der Lenkung
eines Kraftwagens grundsätzlich der Steuermann allein
disponieren und ihm keiner dreinreden soll -
noch zu-
zumuten und geboten.
Der Entlastungsbeweis ist dem Beklagten daher ge-
lungen, und die Klage ist in Übereinstimmung mit den
kantonalen Instanzen abzuweisen .. Auf die Frage der
Verursachung und der Verschuldung des angeblichen
Schadens dureh Oury braucht nicht' eingetreten zu werden,
da weder Oury eingeklagt, noch seine Regresspflicht
streitig ist.
De:mnach erkennt das Bundesgericht:
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des
Obergerichtes des Kantons Zürich vom 8. April 1930
wird bestätigt.
Obligationenrecht. X. 48.
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48. Arrit da 1a Ire Seetion civile du 97 septembre 1930
dans la causa Dame Dornbierer
contre Meyer et Guttmann 84 Gacon.
ResponsabiliU de l'employeur. L'art. 55 co, institue une respon-
sabiliM Cll.usale temperee par 1a faculM du defendeur de fournir
1a preuve lib6ratoire precisee par la loi.
Ext1'ait des moti/s :
Les employeurs Guttmann et Gaeon ne peuvent se
liberer que s'ils fournissent la preuve tres rigoureuse que
leur impose l'art. 55 CO, et Hs supportent le risque de
ne pouvoir faire cette preuve. L'ancienne doctrine et la
jurisprudence partaient de l'idee que la preuve avait
pour objet l'absence de toute faute imputable a l'em-
ployeur; elles faisaient done reposer la responsabilire sur
une faute de l'employeur, faute qu'elles admettaient tou-
jours lorsque le defendeur ne se disculpait pas. Une inter-
pretation plus recente, a laquelle se sont rallies les com-
mentateurs du CO et le Tribunal fOOeral (OSER, 2e 00.,
Rem. 18 et 24 ad art. 55; VON TUHR, partie glmerale du
CO § 49 I; CHAMOREL, La responsabilire de l'employeur,
p. 31; HOMBERGER, Haftpflicht ohne Verschulden;
PETITPIERRE, La responsabilire causale, rapports a la
Sociere sulsse des juristes, 1930 p. 7 a et 71 a; RO 45 II
p. 85 et 86, 49 II p. 94, 50 II p. 493 et les arrets Breda
c. Aguet et Sociere «Ego I), du 27 mai 1930, et GIere contre
Senlrer et Anthamatten, du 17 juin 1930) est plus severe
pour l'employeur. Sa responsabilire est engagee indepen-
da;mment d'une faute qui lui serait imputable ou qui
semit im,putable a son employe. La preuve liberatoire
que la loi Iui permet de fournir ne resulte donc pas de
l'absence d'une faute positive de sa part (Exkulpations-
beweis), mais du fait qu'il aurait pris toutes les mesures
necessaires en pareilles circonstances (Exzeptionsbeweis).
La responsabilire instituee par l'art. 55 est une respon-
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Obligationenrecht. N° 49.
sabilite causale temperee par la faculte de rapporter la
preuve liberatoire precisee par la loi.
Les defendeurs ont echoue dans cette preuve. 11 suffit
a cet egard de constater qu'ils ont charge leur chauffeur
de faire le service de nuit du cafe de I' A viation, alors
qu'il avait commence sa journee de travail a sept heures
du matin. En surmenant de la sorte leur employe, ils
ont manque de la diligence exigee par l'art. 55 pour leur
liberation. Rien ne permet en effet de dire que meme
s'ils avaient confie ce travail a un chauffeur repose, l'acci-
dent se serait quand meme produit. 11 est au contraire
vraisemblable que Meyer, vu sa fatigue, n'etait plus· ca-
pable, vers trois heures du matin, de preter a la route
l'attention voulue et que, presse de terminer sa longue
journee de travail, il a eM induit a acceIerer son allure
au mepris de la prudence la plus eIementaire.
49. Auszug a.us dem Urteil der I. Zivilabteilung
vom SO. September .1930
i. S. Dobler gegen Spar- und .oa.rlehenska.sse Linkenheim.
Böser Glaube des Indossatars beim Erwerb des Wechsels: Grobe
Fahrlässigkeit genügt nicht zum Schutz der e:r;ceptio doli.
A. -
Die Firma Alfred Meng G. m. b. H. betrieb in
Linkenheim bei Karlsruhe eine Kochherdfabrik. Durch
Vertrag vom 21. März 1928 verkaufte sie der Frau
Therese Dobler in Zürich 200 Gasherde und verpflichtete
sich, diese samt Zugehör zum vereinbarten Preise und
gegen eine Anzahlung von 6000 Fr. nach Zürich zu liefern.
Zur Erfüllung der Anzahlungspflicht sandte Frau Dobler
am 29. März 1928 einen akzeptierten Wechsel an eigene
Ordre, auf dem die Unterschrift des Ausstellers noch
fehlte, in der Höhe von 6000 Fr. und mit Verfall am
15. Juli 1928 an Frau Meng, die Ehefrau des Gesohäfts-
Obligationenrecht. N° 49.
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führers der Alfred Meng G. m. b. H. Dem Wechsel legte
sie aus~r einem Brief an Frau Meng ein Begleitschreiben
an die Spar- und Darlehenskasse Linkenheim bei, worin
sie diese Bank anwies, den Wechsel der Alfred Meng
G. m. b. H .. nur auszuhändigen, wenn bis spätestens
15. April 1928 das Doppel des Frachtbriefes über die
Versendung von 100 Herden durch die Firma Meng
G. m. b. H. vorgewiesen werde. Nach Empfang des
Wechsels teilte Frau Meng von Karlsruhe aus dem Ange-
stellten Zwecker der Spar- und Darlehenskasse Linken-
heim telephonisch mit, dass sie das Akzept erhalten habe.
Zwecker trug ihr auf, dieses durch den zur Zeit allein in
Linkenheim anwesenden Geschäftsführer DachseIt der
Alfred Meng G. m. b. H. unterzeichnen zu lassen. Darauf
fuhr Frau Meng am andern Tag nach Linkenheim und
zeigte den Wechsel und die beiden Begleitschreiben Dach-
seIt, der sie in die Hände nahm oder an sich riss, und der
sich weigerte, sie zurückzugeben. Es kam zu einem Streit,
bei dem Frau Meng sogar den Polizei diener herbeirufen
lassen musste. Es gelang ihr aber nicht, wieder in den
Besitz der Papiere zu gelangen. Sie machte dem Ange-
stellten Lang der Spar- und Darlehenskasse, dem Bürger-
meisteramt Linkenheim und Frau Dobler Mitteilung vom
Verhalten Dachselt's. Frau Dobler antwortete ihr, sie
werde der Ba~k eine Abschrift des Akzeptes zukommen
lassen, und Frau Meng unterliess es darauf, weitere
Schritte zu unternehmen. In einem Brief an Frau Dobler
vom 2. April 1928 gestand Dachseit ohne Umschweife zu,
dass es ihm « gelungen sei, das Akzept in die Hände zu
bekommen I). Er fügte bei, dass er absichtlich nur den
Brief an die Bank weitergeleitet habe; das Akz~pt habe
er auf dem Bürgermeisteramt Linkenheim mit der Bestim-
mung hinterlegt, es herauszugeben, wenn ein der Firma
gehörender, Frau Meng in widerrechtlicher Weise durch
den Geschäftsführer Meng übergebener EigentÜlliergrund-
schuldbrief zurückerstattet werde. Auf dem Bürgermeister-
amt blieb der Wechsel etwa zwei Wochen liegen. Inzwi-