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56_III_233

BGE 56 III 233

Bundesgericht (BGE) ·III · 1930-11-13 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Mit Vertrag vom 30. April 1929 ha.t der Be-

schwerdegegner den Beschwerdeführern einige Grundstücke

verpachtet. Art. 33 des Pachtvertr~ges bestimmte, dass

allfällige aus dem Vertrag entstehende Streitigkeiten von

einem Schiedsgericht von Sachverständigen zu beurteilen

seien. -

Im März 1930 liess der Beschwerdegegner die

Beschwerdeführer für 400 Fr. betreiben und erlangte

234

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht (Zivilabtellungen). N° 58.

gegenüber dem von den Schuldnern erhobenen Rechts-

vorschlag provisorische Rechtsöffnung, worauf die Be-

schwerdeführer beim Bezirksgericht Zürich die Aberken-

• nungsklage einleiteten. Gegenüber dieser Klage erhob der

Beschwerdegegner unter Berufung auf die Schiedsgerichts-

klausel die Einrede der Unzuständigkeit des Gerichtes. Das

Bezirksgericht und -

auf den Rekurs der Beschwerde-

führer hin -

auch das Obergericht schützten diese Einrede

u. a. mit der Begründung: Art. 83 SchKG schliesse die

Anhebung der Aberkennungsklage bei einem Schieds-

gericht nicht aus, sondern wolle nur die örtliche Zuständig-

keit für die Aberkennungsklage regeln; auch das zürche-

rische Prozessrecht schliesse die Zulassung dieser Klage bei

einem Schiedsgericht nicht aus (wird näher ausgeführt).

B. -

Gegen diesen Beschluss des Obergerichtes haben

die Beschwerdeführer rechtzeitig die zivilrechtliehe Be-

schwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 87 Ziff. 1 OG

ergriffen, indem sie behaupten, die Vorinstanz habe kanto-

nales statt eidgenössisches Recht angewendet.

Der Beschwerdegegner beantragt Abweisung der Be-

schwerde.

Erwägungen (5 Absätze)

E. 1 Was zunächst die Voraussetzungen für die Zulässig- keit des eingelegten Rechtsmittels betrifft, so kann höchstens fraglich sein, ob wirklich Anwendung kantonalen Rechtes und nicht etwa bloss unrichtige Anwendung eidgenössischen Rechtes geltend gemacht wird. Der Streit dreht sich ja im Grunde ausschliesslich um die Auslegung von Art. 83 SchKG. Gleichwohl ist die zivilrechtliche Beschwerde zulässig, denn wenn dem eidgenössischen Rechtssatz zu Unrecht eine Auslegung gegeben wird, die Raum lässt für die nachherige Anwendung kantonalen Rechtes, so wird damit gerade das Resultat herbeigeführt, zu dessen Korrektur die zivilrechtliehe Beschwerde be- stimmt ist.

E. 2 In der Sache selbst erweist sich aber die Beschwerde

Schuldbetreihungs- und Konkursrecht (Zivilabteilungen).

XO 58.

2:15

als unbegründet. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen,

dass Art. 83 nicht ausschliesslich die staatlichen Gerichte

zur Behandlung von Aberkennungsklagen zuständig er-

klären, sondern lediglich vorschreiben will, dass der

Schuldner nach erteilter Rechtsöffnung einen vollstreck-

baren Entscheid des am Betreibungsort zuständigen

Richters erwirken müsse, der materiell den Nichtbestand

der Forderung feststellt, für welche die Rechtsöffnung

erteilt worden war. Zu Unrecht berufen sich die Beschwerde-

führer für ihre gegenteilige Ansicht darauf, dass nach

dem Gesetz ((auf dem Weg des ordentlichen Prozesses»

auf Aberkennung geklagt werden müsse. Das ist die gleiche

Ausdrucksweise wie in Art. 79, wo für den Fall, dass kein

Rechtsöffnungstitel vorliegt, für die Beseitigung des

Rechtsvorschlages ebenfalls der ordentliche Prozesijweg

vorgeschrieben wird. Nun ist aber ohne weitere Begrün-

dung klar, dass für den Gesetzgeber jeder Grund fehlte,

in diesem Zusammenhang (Art. 79) in die Regelung der

sachlichen Zuständigkeit zur Behandlung der Klage des

Gläubigers einzugreifen; vielmehr wollte damit lediglich

zum Ausdruck gebracht werden, dass der Entscheid über

die Forderung nicht Sache der Betreibungsbehörden,

sondern des ordentlichen Richters sei. Dass nun der

Gesetzgeber in Art. 83 mit dem nämlichen Ausdruck etwas

anderes habe bestimmen wollen, dafür fehlt jeder Anhalts-

punkt. Unerheblich ist insbesondere, dass es im Fall des

Art. 83 der Schuldner und nicht der Gläubiger ist, dem die

Klägerrolle zufällt. Es stehen hier auch keine Interessen

Dritter im Spiel, welche den Ausschluss der Schiedsge-

richte zu rechtfertigen vermöchten, wie dies z. B. hinsi<,ht-

lieh der Kollokationsklage (Art. 250 SchKG) der Fall ist

(vgl. BGE 33 II 654 Erw. 5 = Sep.-Ausg. 10 S. 291 Erw. 5).

E. 3 Unbehelflich ist auch der Hinweis darauf, dass die Aberkennungsklage «(beim Gericht des Betreibullgsortes » einzureichen ist. Damit wird lediglich die örtliche, nicht aber auch die sachliche Zuständigkeit des Richters be- stimmt. Ob aber ein Schiedsgericht zur Beurteilung einer 236 Schuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen). N0 58. Aberkennungsklage örtlich zuständig sei nach Massgabe von Art. 83, ist eine Frage für sich und nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, in welchem nur zu unter-

• suchen ist, ob Aberkennungsklagen überhaupt der Beur- teilung durch ein Schiedsgericht entzogen seien.

E. 4 Unter diesen Umständen kann sich höchstens fragen,

ob die Schiedsgerichtsbarkeit nicht deswegen auszu-

schliessen sei, weil das Gesetz für die Anhebung der Klage

e~e ~rist von nur 10 Tagen vorschreibt und es praktisch

mcht unm,er möglich sein wird, innert dieser kurzen Frist

das Schiedsgericht zu konstituieren und die Klage bei ihm

anhängig zu machen. Allein die hieraus entstehenden

Unzukömmlichkeiten sind nicht derart, dass sie nicht

in einer Weise beseitigt werden könnten, die auch den

Bedürfnissen des Betreibungsverfahrens, mit welchem der

~ozess im Zusammenhang steht, Rechnung trägt. Dabei

1st ~u berücksichtigen, dass einerseits die Möglichkeit,

Streltfragen, die der Disposition der Parteien unterstehen

(und um solche handelt es sich bei der Aberkennungsklage

?hne Ausnahme), vor ein Schiedsgericht zu bringen, heute

In allen Prozessordnungen anerkannt wird und dass ander-

seits die Schiedsgerichte namentlich da, wo der Entscheid

besondere Sachkenntnis voraussetzt, besser und schneller

als die staatlichen Gerichte zu einem Entscheid gelangen

können, so dass sich der Ausschluss der· Schiedsgerichte

nur rechtfertigen liesse, wenn überhaupt kein gangbarer

Ausweg aus den erwähnten Schwierigkeiten vorhanden

wäre.

Nun ist zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass es

keineswegs in jedem Fall unmöglich ist, das Schiedsgericht

innerhalb jener Frist zu konstituieren. In zahlreichen

Fällen sind die Schiedsgerichte heutzutage schon zum

vornherein bestellt, z. B. für Streitigkeiten unter Ange-

hörigen gewisser Verbände. Und was die übrigen Fälle

anbetrifft, so stellen sich der von der Vorinstanz ange-

nommenen Lösung keine ernstlichen Bedenken entgegen,

welche die Klagefrist als gewahrt betrachtet, wenn der

Sohuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen). No 58.

237

Kläger innert der 10 Tage den ersten Schritt zur Bestellung

des Schiedsgerichtes unternimmt. Unter diesem ersten

Schritt muss dann allerdings, damit die Angelegenheit

tunlichst gefördert wird, nicht nur die Ernennung des

eigenen

Schiedsrichters

verstanden

werden, sondern

darüber hinaus noch die Bekanntgabe dieser Ernennung

an den Gläubiger nebst der Aufforderung an diesen zur

Bezeichnung seines Schiedsrichters. Und weiterhin muss

vom, Schuldner verlangt werden, dass er nach der Konsti-

tuierung des Schiedsgerichtes die Klage binnen 10 Tagen

seit dessen Konstituierung anhängig mache, damit die

zeitliche Verbindung des Aberkennungsprozesses mit dem

Rechtsöffnungsverfahren hergestellt wird. Es ist zuzugeben

dass damit insofern dem Wortlaut des Gesetzes nicht

nachgelebt wird, als nicht binnen der 10 Tage « geklagt»,

d. h. der Streit rechtshängig wird. Allein der Wortlaut des

Art. 83 nimmt in dieser Hinsicht offensichtlich, ohne aber

das Schiedsgerichtsverfahren ausschliessen zu wollen, nur

auf den Regelfall der Klage bei den staatlichen Gerichten

Bezug. Wenn daher den Besonderheiten der Schiedsge-

richtsbarkeit in. der beschriebenen Weise Rechnung ge-

tragen wird, so kann das noch nicht als Verstoss gegen den

Sinn des Gesetzes erscheinen, -

umsoweniger, als ja der

Zweck der Bestimmung im Grunde nicht nur in der raschen

Einleitung des Prozesses, sondern in der raschen Herbei-

führung des rechtskräftigen Entscheides besteht und eine

gewisse Verzögerung bei der Einleitung des Verfahrens

jedenfalls in der Regel durch den Wegfall des Sühne-

verfahrens und des Instanzenzuges beim Schiedsgerichts-

verfahren wieder aufgewogen wird. Dieser Umstand darf

auch deswegen ins Gewicht fallen, weil im Falle der Klage

bei den ordentlichen Gerichten in der Praxis schon die

Anrufung des Sühnerichters als Klageeinleitung im Sinne

von Art. 83 betrachtet wird und je nach dem kantonalen

Prozessrecht unter Umständen nach fehlgeschlagenem

Sühneversuch noch erhebliche Zeit bis zur Anhängig-

ma.chung des Fa.lles beim Gericht verstreichen kann.

2:18

t;chuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen). N0 59.

E. 5 Ob im vorliegenden Fall die in Betreibung gesetzte Forderung tatsächlich der Schiedsgerichtsklausel unter- stellt sei, ist eine Frage der Vertragsauslegung und kann

• daher im zivilrechtlichen Beschwerdeverfahren nicht über- prüft werden.

Dispositiv
  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

58. Urteil der U. Zivilabteilung vom 13. November 1930

i. S. Eheleute Moser-Briner gegen Eriner.

Art. 83 II SchKG schliesst die BeurteilWlg einer AberkennWlgs-

klage durch ein Schiedsgericht nicht aus. -

Frist zur Klage

in einem solchen Fall (Erw. 2-4).

Zulässigkeit der zivilrechtlichen Beschwerde gegen die Auslegung

eidgenössischen Rechtes, sofero diese Auslegung zu Unrecht

Ramn gibt für die AnwendWlg kantonalen Rechtes (Erw. 1).

Art. 83 SchKG, Art. 87 Ziff. lOG.

L'art. 83 sI. 2 LP ne soustrait pas l'action en liberation de dette

A la competence d'un tribWlal arbitral. -

Delai d'action en

pareil cas (consid, 2-4).

Recevabilite du recours da droit civil contra 1m jugement inter-

pr6tant le droit fed&al, lorsque ce jugement admet a tort

qu'il y a &ussd place pour l'application du droit cantonal

(consid. 1).

Art. 83 LP, an. 87 ch. 1 OJF.

L'art. 83 cp. 2 non esclude che un'azione di disconoscllnento

dei debito possa essera giudicata da Wl tribunale arbitrale

(consid. 2-4).

AmmissibilitA di un ricorso di diritto civile contro una sentenza

ehe interpreta il diritto federale, allorquando questa sentenza

ammett~ a torto ehe il diritto cantonale deve essere a.pplicato

(consid. 1).

Art. 83 LEF, art. 87 cifra 1 OGF.

A. -

Mit Vertrag vom 30. April 1929 ha.t der Be-

schwerdegegner den Beschwerdeführern einige Grundstücke

verpachtet. Art. 33 des Pachtvertr~ges bestimmte, dass

allfällige aus dem Vertrag entstehende Streitigkeiten von

einem Schiedsgericht von Sachverständigen zu beurteilen

seien. -

Im März 1930 liess der Beschwerdegegner die

Beschwerdeführer für 400 Fr. betreiben und erlangte

234

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht (Zivilabtellungen). N° 58.

gegenüber dem von den Schuldnern erhobenen Rechts-

vorschlag provisorische Rechtsöffnung, worauf die Be-

schwerdeführer beim Bezirksgericht Zürich die Aberken-

• nungsklage einleiteten. Gegenüber dieser Klage erhob der

Beschwerdegegner unter Berufung auf die Schiedsgerichts-

klausel die Einrede der Unzuständigkeit des Gerichtes. Das

Bezirksgericht und -

auf den Rekurs der Beschwerde-

führer hin -

auch das Obergericht schützten diese Einrede

u. a. mit der Begründung: Art. 83 SchKG schliesse die

Anhebung der Aberkennungsklage bei einem Schieds-

gericht nicht aus, sondern wolle nur die örtliche Zuständig-

keit für die Aberkennungsklage regeln; auch das zürche-

rische Prozessrecht schliesse die Zulassung dieser Klage bei

einem Schiedsgericht nicht aus (wird näher ausgeführt).

B. -

Gegen diesen Beschluss des Obergerichtes haben

die Beschwerdeführer rechtzeitig die zivilrechtliehe Be-

schwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 87 Ziff. 1 OG

ergriffen, indem sie behaupten, die Vorinstanz habe kanto-

nales statt eidgenössisches Recht angewendet.

Der Beschwerdegegner beantragt Abweisung der Be-

schwerde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Was zunächst die Voraussetzungen für die Zulässig-

keit des eingelegten Rechtsmittels betrifft, so kann

höchstens fraglich sein, ob wirklich Anwendung kantonalen

Rechtes und nicht etwa bloss unrichtige Anwendung

eidgenössischen Rechtes geltend gemacht wird. Der Streit

dreht sich ja im Grunde ausschliesslich um die Auslegung

von Art. 83 SchKG. Gleichwohl ist die zivilrechtliche

Beschwerde zulässig, denn wenn dem eidgenössischen

Rechtssatz zu Unrecht eine Auslegung gegeben wird,

die Raum lässt für die nachherige Anwendung kantonalen

Rechtes, so wird damit gerade das Resultat herbeigeführt,

zu dessen Korrektur die zivilrechtliehe Beschwerde be-

stimmt ist.

2. -

In der Sache selbst erweist sich aber die Beschwerde

Schuldbetreihungs- und Konkursrecht (Zivilabteilungen).

XO 58.

2:15

als unbegründet. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen,

dass Art. 83 nicht ausschliesslich die staatlichen Gerichte

zur Behandlung von Aberkennungsklagen zuständig er-

klären, sondern lediglich vorschreiben will, dass der

Schuldner nach erteilter Rechtsöffnung einen vollstreck-

baren Entscheid des am Betreibungsort zuständigen

Richters erwirken müsse, der materiell den Nichtbestand

der Forderung feststellt, für welche die Rechtsöffnung

erteilt worden war. Zu Unrecht berufen sich die Beschwerde-

führer für ihre gegenteilige Ansicht darauf, dass nach

dem Gesetz ((auf dem Weg des ordentlichen Prozesses»

auf Aberkennung geklagt werden müsse. Das ist die gleiche

Ausdrucksweise wie in Art. 79, wo für den Fall, dass kein

Rechtsöffnungstitel vorliegt, für die Beseitigung des

Rechtsvorschlages ebenfalls der ordentliche Prozesijweg

vorgeschrieben wird. Nun ist aber ohne weitere Begrün-

dung klar, dass für den Gesetzgeber jeder Grund fehlte,

in diesem Zusammenhang (Art. 79) in die Regelung der

sachlichen Zuständigkeit zur Behandlung der Klage des

Gläubigers einzugreifen; vielmehr wollte damit lediglich

zum Ausdruck gebracht werden, dass der Entscheid über

die Forderung nicht Sache der Betreibungsbehörden,

sondern des ordentlichen Richters sei. Dass nun der

Gesetzgeber in Art. 83 mit dem nämlichen Ausdruck etwas

anderes habe bestimmen wollen, dafür fehlt jeder Anhalts-

punkt. Unerheblich ist insbesondere, dass es im Fall des

Art. 83 der Schuldner und nicht der Gläubiger ist, dem die

Klägerrolle zufällt. Es stehen hier auch keine Interessen

Dritter im Spiel, welche den Ausschluss der Schiedsge-

richte zu rechtfertigen vermöchten, wie dies z. B. hinsi<,ht-

lieh der Kollokationsklage (Art. 250 SchKG) der Fall ist

(vgl. BGE 33 II 654 Erw. 5 = Sep.-Ausg. 10 S. 291 Erw. 5).

3. -

Unbehelflich ist auch der Hinweis darauf, dass die

Aberkennungsklage «(beim Gericht des Betreibullgsortes »

einzureichen ist. Damit wird lediglich die örtliche, nicht

aber auch die sachliche Zuständigkeit des Richters be-

stimmt. Ob aber ein Schiedsgericht zur Beurteilung einer

236 Schuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen).

N0 58.

Aberkennungsklage örtlich zuständig sei nach Massgabe

von Art. 83, ist eine Frage für sich und nicht Gegenstand

des vorliegenden Verfahrens, in welchem nur zu unter-

• suchen ist, ob Aberkennungsklagen überhaupt der Beur-

teilung durch ein Schiedsgericht entzogen seien.

4. -

Unter diesen Umständen kann sich höchstens fragen,

ob die Schiedsgerichtsbarkeit nicht deswegen auszu-

schliessen sei, weil das Gesetz für die Anhebung der Klage

e~e ~rist von nur 10 Tagen vorschreibt und es praktisch

mcht unm,er möglich sein wird, innert dieser kurzen Frist

das Schiedsgericht zu konstituieren und die Klage bei ihm

anhängig zu machen. Allein die hieraus entstehenden

Unzukömmlichkeiten sind nicht derart, dass sie nicht

in einer Weise beseitigt werden könnten, die auch den

Bedürfnissen des Betreibungsverfahrens, mit welchem der

~ozess im Zusammenhang steht, Rechnung trägt. Dabei

1st ~u berücksichtigen, dass einerseits die Möglichkeit,

Streltfragen, die der Disposition der Parteien unterstehen

(und um solche handelt es sich bei der Aberkennungsklage

?hne Ausnahme), vor ein Schiedsgericht zu bringen, heute

In allen Prozessordnungen anerkannt wird und dass ander-

seits die Schiedsgerichte namentlich da, wo der Entscheid

besondere Sachkenntnis voraussetzt, besser und schneller

als die staatlichen Gerichte zu einem Entscheid gelangen

können, so dass sich der Ausschluss der· Schiedsgerichte

nur rechtfertigen liesse, wenn überhaupt kein gangbarer

Ausweg aus den erwähnten Schwierigkeiten vorhanden

wäre.

Nun ist zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass es

keineswegs in jedem Fall unmöglich ist, das Schiedsgericht

innerhalb jener Frist zu konstituieren. In zahlreichen

Fällen sind die Schiedsgerichte heutzutage schon zum

vornherein bestellt, z. B. für Streitigkeiten unter Ange-

hörigen gewisser Verbände. Und was die übrigen Fälle

anbetrifft, so stellen sich der von der Vorinstanz ange-

nommenen Lösung keine ernstlichen Bedenken entgegen,

welche die Klagefrist als gewahrt betrachtet, wenn der

Sohuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen). No 58.

237

Kläger innert der 10 Tage den ersten Schritt zur Bestellung

des Schiedsgerichtes unternimmt. Unter diesem ersten

Schritt muss dann allerdings, damit die Angelegenheit

tunlichst gefördert wird, nicht nur die Ernennung des

eigenen

Schiedsrichters

verstanden

werden, sondern

darüber hinaus noch die Bekanntgabe dieser Ernennung

an den Gläubiger nebst der Aufforderung an diesen zur

Bezeichnung seines Schiedsrichters. Und weiterhin muss

vom, Schuldner verlangt werden, dass er nach der Konsti-

tuierung des Schiedsgerichtes die Klage binnen 10 Tagen

seit dessen Konstituierung anhängig mache, damit die

zeitliche Verbindung des Aberkennungsprozesses mit dem

Rechtsöffnungsverfahren hergestellt wird. Es ist zuzugeben

dass damit insofern dem Wortlaut des Gesetzes nicht

nachgelebt wird, als nicht binnen der 10 Tage « geklagt»,

d. h. der Streit rechtshängig wird. Allein der Wortlaut des

Art. 83 nimmt in dieser Hinsicht offensichtlich, ohne aber

das Schiedsgerichtsverfahren ausschliessen zu wollen, nur

auf den Regelfall der Klage bei den staatlichen Gerichten

Bezug. Wenn daher den Besonderheiten der Schiedsge-

richtsbarkeit in. der beschriebenen Weise Rechnung ge-

tragen wird, so kann das noch nicht als Verstoss gegen den

Sinn des Gesetzes erscheinen, -

umsoweniger, als ja der

Zweck der Bestimmung im Grunde nicht nur in der raschen

Einleitung des Prozesses, sondern in der raschen Herbei-

führung des rechtskräftigen Entscheides besteht und eine

gewisse Verzögerung bei der Einleitung des Verfahrens

jedenfalls in der Regel durch den Wegfall des Sühne-

verfahrens und des Instanzenzuges beim Schiedsgerichts-

verfahren wieder aufgewogen wird. Dieser Umstand darf

auch deswegen ins Gewicht fallen, weil im Falle der Klage

bei den ordentlichen Gerichten in der Praxis schon die

Anrufung des Sühnerichters als Klageeinleitung im Sinne

von Art. 83 betrachtet wird und je nach dem kantonalen

Prozessrecht unter Umständen nach fehlgeschlagenem

Sühneversuch noch erhebliche Zeit bis zur Anhängig-

ma.chung des Fa.lles beim Gericht verstreichen kann.

2:18

t;chuldbetreibungs. und Konkursrecht (Zivilabteilungen). N0 59.

5. -

Ob im vorliegenden Fall die in Betreibung gesetzte

Forderung tatsächlich der Schiedsgerichtsklausel unter-

stellt sei, ist eine Frage der Vertragsauslegung und kann

• daher im zivilrechtlichen Beschwerdeverfahren nicht über-

prüft werden.

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird abgewiesen.