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55_I_335

BGE 55 I 335

Bundesgericht (BGE) ·I · 1929-10-23 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Sachverhalt

Am 19. Juli 1929 stellte der Apothekerverein des

Kantons St. Gallen bei der Aufsiehtsbehörde über das

Handelsregister des Kantons St. Gallen das Begehren, es

sei die gemäss Publikation vom 15. Juni 1929 erfolgte

Eintragung der Firma « Otto Braun, Kronenapotheke &

Sanitätsgeschäft » in Rorschach im Handelsregister zu

löschen, da Braun kein eidgenössisches Apothekerdiplom

besitze und deshalb zum Betriebe einer Apotheke nicht

336

Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege.

berechtigt sei. Die genannte Firmabezeichnung verstosse

daher gegen Art. 1 der revidierten Verordnung II betref-

fend Ergänzung der Handelsregisterverordnung, wonach

alle Eintragungen wahr sein müssen, zu keinen Täu-

schungen Anlass geben und keinem öffentlichen Interesse

widerdprechen dürfen.

B. -

Mit Entscheid vom 6. August 1929 hat die kanto-

nale Aufsichtsbehörde die Beschwerde abgewiesen.

O. -

Hiegegen hat der Beschwerdeführer am 7. Sep-

tember 1929 die verwaltungsrechtliche Beschwerde an das

Bundesgericht erhoben, indem er erneut die Löschung der

angefochtenen Firma beantragte.

Braun beantragt, es sei infolge Verspätung, sowie

mangels Aktivlegitimation des Beschwerdeführers auf die

Beschwerde nicht einzutreten; eventuell sei diese abzu-

weisen.

Das Eidgenössische Justizdepartement ersucht ebenfalls

um Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesgericht z'ieht in Erwägun,g :

1. -

(Eintretensfrage)

.

.

.

.

.

2. -

Die Vorschrift deS Art. 1 der revidierten Verord-

nung II betreffend Ergänzung der Handelsregisterverord-

nung, wonach die Eintragungen wahr sein müssen und zu

keinen Täuschungen Anlass geben dürfen, bezieht sich nur

auf die zivilrechtlichen Verhij,ltnisse. Durch den Eintrag

eines Kaufmanns im Handelsregister wird daher nicht

festgestellt, dass dieser zum Betriebe des von ihm be-

zweckten Geschäftes vom polizeilichen Standpunkte aus

berechtigt sei. Darüber haben ausschliesslich die betref-

fenden Polizeibehörden zu befinden. Der Eintrag der

hier streitigen Firma kann daher nicht deshalb als unwahr

und zu Täuschungen Anlass gebend angefochten werden,

weil Braun nicht im Besitz eines eidgenössischen Apo-

thekerdiplomers ist. Aber auch das dritte in Art. 1 der

genannte Verordnung aufgestellte Erfordernis, dass die

Eintragung « keinem öffentlichen Interesse)) widerspre-

I

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i

Registersachen. No 55.

337

ehen dürfe, rechtfertigt die Verweigerung eines Eintrages

nur, wenn dieser als solcher, seiner Form nach öffentliche

Interessen verletzt. Eine im bezweckten Geschäftsbetrieb

selber liegende Gefährdung aber kann VOm Handels-

registerführer jedenfalls nur dann gewürdigt werden, wenn

dessen Rechtswidrigkeit klar am Tage liegt. Das ist hier

jedoch nicht der Fall. Die Behauptung, dass, wenn die

angefochtene Firma eingetragen werde, das Publikum

über die Eigenschaft des Braun getäuscht werde, trifft

nicht zu, da keineswegs nur solche Geschäftsinhaber in

einer Firma mit Namen aufgeführt werden dürfen, die

zugleich auch Leiter des betreffenden Geschäftes sind.

Es kann auch dem Publikum völlig gleichgültig sein, ob

die in der Firma aufgeführte Person das Geschäft per-

sönlich leite; nur daran hat es ein Interesse, dass die

Leitung des wissenschaftlichen Betriebsteiles einer Apo-

theke unter allen Umständen in den Händen eines mit

dem eidgenössischen Diplom versehenen Apothekers liege.

Dass dies nun aber, wenn ein Nichtapotheker Inhaber

einer Apotheke ist, nicht zutreffe und daher schon der

Eintrag ins Handelsregister verweigert werden müsste,

um eine mit Sicherheit voraussehbare Verletzung öffent-

licher Interessen zu verhindern, davon kann keine Rede

sein. Auch diesbezüglich ist es ausschliesslich Sache der

zuständigen Sanitätsbehörde, die zum Schutze der Öffent-

lichkeit nötigen Vorkehren zu treffen .. Bei dieser Sachlage

kann daher die Eintragung der angefochtenen Firma, die

vom Beschwerdeführer vom zivilrechtlichen Standpunkte

aus nicht beanstandet wird, nicht verwehrt werden.

Demnach er ke'nnt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird abgewiesen.

AS 65 I -

1929

Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 (Eintretensfrage) . . . . .

E. 2 Die Vorschrift deS Art. 1 der revidierten Verord-

nung II betreffend Ergänzung der Handelsregisterverord-

nung, wonach die Eintragungen wahr sein müssen und zu

keinen Täuschungen Anlass geben dürfen, bezieht sich nur

auf die zivilrechtlichen Verhij,ltnisse. Durch den Eintrag

eines Kaufmanns im Handelsregister wird daher nicht

festgestellt, dass dieser zum Betriebe des von ihm be-

zweckten Geschäftes vom polizeilichen Standpunkte aus

berechtigt sei. Darüber haben ausschliesslich die betref-

fenden Polizeibehörden zu befinden. Der Eintrag der

hier streitigen Firma kann daher nicht deshalb als unwahr

und zu Täuschungen Anlass gebend angefochten werden,

weil Braun nicht im Besitz eines eidgenössischen Apo-

thekerdiplomers ist. Aber auch das dritte in Art. 1 der

genannte Verordnung aufgestellte Erfordernis, dass die

Eintragung « keinem öffentlichen Interesse)) widerspre-

I

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i

Registersachen. No 55.

337

ehen dürfe, rechtfertigt die Verweigerung eines Eintrages

nur, wenn dieser als solcher, seiner Form nach öffentliche

Interessen verletzt. Eine im bezweckten Geschäftsbetrieb

selber liegende Gefährdung aber kann VOm Handels-

registerführer jedenfalls nur dann gewürdigt werden, wenn

dessen Rechtswidrigkeit klar am Tage liegt. Das ist hier

jedoch nicht der Fall. Die Behauptung, dass, wenn die

angefochtene Firma eingetragen werde, das Publikum

über die Eigenschaft des Braun getäuscht werde, trifft

nicht zu, da keineswegs nur solche Geschäftsinhaber in

einer Firma mit Namen aufgeführt werden dürfen, die

zugleich auch Leiter des betreffenden Geschäftes sind.

Es kann auch dem Publikum völlig gleichgültig sein, ob

die in der Firma aufgeführte Person das Geschäft per-

sönlich leite; nur daran hat es ein Interesse, dass die

Leitung des wissenschaftlichen Betriebsteiles einer Apo-

theke unter allen Umständen in den Händen eines mit

dem eidgenössischen Diplom versehenen Apothekers liege.

Dass dies nun aber, wenn ein Nichtapotheker Inhaber

einer Apotheke ist, nicht zutreffe und daher schon der

Eintrag ins Handelsregister verweigert werden müsste,

um eine mit Sicherheit voraussehbare Verletzung öffent-

licher Interessen zu verhindern, davon kann keine Rede

sein. Auch diesbezüglich ist es ausschliesslich Sache der

zuständigen Sanitätsbehörde, die zum Schutze der Öffent-

lichkeit nötigen Vorkehren zu treffen .. Bei dieser Sachlage

kann daher die Eintragung der angefochtenen Firma, die

vom Beschwerdeführer vom zivilrechtlichen Standpunkte

aus nicht beanstandet wird, nicht verwehrt werden.

Demnach er ke'nnt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird abgewiesen.

AS 65 I -

1929

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

55. Orteil der l Zivila.bteilllng vom 23. Oktober 1929

i. S. Apothekerverein des Xantons St. Ga.llen

gegen Aufsichtsbehörd.e fIir Schuldbetreibung und Xonkurs

dei Xa.ntons St. Gallen (lIa.adelsregisterwesen).

Der Eintrag einer Apothekerfirma ~ins Handelsregister, in der als

Geschäftsinhaber eine. Person aufgeführt ist, die kein eidg.

Apothekerdiplom besitzt, kann nicht unter Hinweis auf Art. 1

der rev. VerordnUllg II betr. Ergänzung der Handelsregister·

verordnung verweigert werden.

A. -

Am 19. Juli 1929 stellte der Apothekerverein des

Kantons St. Gallen bei der Aufsiehtsbehörde über das

Handelsregister des Kantons St. Gallen das Begehren, es

sei die gemäss Publikation vom 15. Juni 1929 erfolgte

Eintragung der Firma « Otto Braun, Kronenapotheke &

Sanitätsgeschäft » in Rorschach im Handelsregister zu

löschen, da Braun kein eidgenössisches Apothekerdiplom

besitze und deshalb zum Betriebe einer Apotheke nicht

336

Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege.

berechtigt sei. Die genannte Firmabezeichnung verstosse

daher gegen Art. 1 der revidierten Verordnung II betref-

fend Ergänzung der Handelsregisterverordnung, wonach

alle Eintragungen wahr sein müssen, zu keinen Täu-

schungen Anlass geben und keinem öffentlichen Interesse

widerdprechen dürfen.

B. -

Mit Entscheid vom 6. August 1929 hat die kanto-

nale Aufsichtsbehörde die Beschwerde abgewiesen.

O. -

Hiegegen hat der Beschwerdeführer am 7. Sep-

tember 1929 die verwaltungsrechtliche Beschwerde an das

Bundesgericht erhoben, indem er erneut die Löschung der

angefochtenen Firma beantragte.

Braun beantragt, es sei infolge Verspätung, sowie

mangels Aktivlegitimation des Beschwerdeführers auf die

Beschwerde nicht einzutreten; eventuell sei diese abzu-

weisen.

Das Eidgenössische Justizdepartement ersucht ebenfalls

um Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesgericht z'ieht in Erwägun,g :

1. -

(Eintretensfrage)

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2. -

Die Vorschrift deS Art. 1 der revidierten Verord-

nung II betreffend Ergänzung der Handelsregisterverord-

nung, wonach die Eintragungen wahr sein müssen und zu

keinen Täuschungen Anlass geben dürfen, bezieht sich nur

auf die zivilrechtlichen Verhij,ltnisse. Durch den Eintrag

eines Kaufmanns im Handelsregister wird daher nicht

festgestellt, dass dieser zum Betriebe des von ihm be-

zweckten Geschäftes vom polizeilichen Standpunkte aus

berechtigt sei. Darüber haben ausschliesslich die betref-

fenden Polizeibehörden zu befinden. Der Eintrag der

hier streitigen Firma kann daher nicht deshalb als unwahr

und zu Täuschungen Anlass gebend angefochten werden,

weil Braun nicht im Besitz eines eidgenössischen Apo-

thekerdiplomers ist. Aber auch das dritte in Art. 1 der

genannte Verordnung aufgestellte Erfordernis, dass die

Eintragung « keinem öffentlichen Interesse)) widerspre-

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Registersachen. No 55.

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ehen dürfe, rechtfertigt die Verweigerung eines Eintrages

nur, wenn dieser als solcher, seiner Form nach öffentliche

Interessen verletzt. Eine im bezweckten Geschäftsbetrieb

selber liegende Gefährdung aber kann VOm Handels-

registerführer jedenfalls nur dann gewürdigt werden, wenn

dessen Rechtswidrigkeit klar am Tage liegt. Das ist hier

jedoch nicht der Fall. Die Behauptung, dass, wenn die

angefochtene Firma eingetragen werde, das Publikum

über die Eigenschaft des Braun getäuscht werde, trifft

nicht zu, da keineswegs nur solche Geschäftsinhaber in

einer Firma mit Namen aufgeführt werden dürfen, die

zugleich auch Leiter des betreffenden Geschäftes sind.

Es kann auch dem Publikum völlig gleichgültig sein, ob

die in der Firma aufgeführte Person das Geschäft per-

sönlich leite; nur daran hat es ein Interesse, dass die

Leitung des wissenschaftlichen Betriebsteiles einer Apo-

theke unter allen Umständen in den Händen eines mit

dem eidgenössischen Diplom versehenen Apothekers liege.

Dass dies nun aber, wenn ein Nichtapotheker Inhaber

einer Apotheke ist, nicht zutreffe und daher schon der

Eintrag ins Handelsregister verweigert werden müsste,

um eine mit Sicherheit voraussehbare Verletzung öffent-

licher Interessen zu verhindern, davon kann keine Rede

sein. Auch diesbezüglich ist es ausschliesslich Sache der

zuständigen Sanitätsbehörde, die zum Schutze der Öffent-

lichkeit nötigen Vorkehren zu treffen .. Bei dieser Sachlage

kann daher die Eintragung der angefochtenen Firma, die

vom Beschwerdeführer vom zivilrechtlichen Standpunkte

aus nicht beanstandet wird, nicht verwehrt werden.

Demnach er ke'nnt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird abgewiesen.

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